[NL200SH] not another Mindset Thread

    • aaaRt
      aaaRt
      Black
      Dabei seit: 15.08.2007 Beiträge: 17.605
      Hey, hab vor 1-2 Jahren mal in der Sorgenhotline gepostet, als es pokertechnisch nicht so lief und jetzt nach endlosem BE Gegrinde, hab ich mal wieder das Bedürfnis hier was zu posten und meine Gedanken niederzuschreiben.

      Kurz zu meiner Story: Hab damals mit SSS angefangen und up to nl2k gespielt, das alles auch recht erfolgreich bis ich in einem endlosen Tiltanfall meine BR gecrusht habe. Irgendwie konnt ich mich noch über Wasser halten und bin dann letztes Jahr auf NL100 SH umgestiegen. Da liefs Anfangs trotz fehlendem Wissen gar nicht mal so schlecht, ich konnte das Limit gut beaten und die Story fing von vorne an: Tilt ohne Ende, BR gecrusht, kurzzeitig auf NL50 abgestiegen und weiter am Spiel gearbeitet.

      Als ich wieder auf NL100 war, beschloss ich nur noch zu 6-Tablen, was meiner Winrate und auch meinem Spielverständnis sehr gut getan hat. Allgemein bin ich überhaupt nicht lernfaul, bewerte ziemlich viele Hände, schaue Videos, stove Hände durch, errechne benötigte Foldequities etc. und meine auch schon einiges über das Spiel zu wissen. Allerdings schaffe ich es auf Teufel komm raus nicht das Setting bei zu behalten, bei dem ich wirklich guter Winner wäre -> 6-Tabling und kurze Sessions.

      Nach den ersten Bad Beats fange ich an zu masstablen, 16+ Tische und das dann mit knapp VPIP 30% Style. Ich krieg dann 2-3 3bets hintereinander und gehe schon auf Semitilt á la "ich möchte nicht geownt werden und playe back". Das endet in noch mehr Tischen, noch mehr Tilt und noch mehr Spew. Ein typischer Pokermonat sieht bei mir so aus: 90% Winningsessions, in denen ich konzentriert und gut spiele und 2-3 Sessions, wo ich meine gesamten Monatswinnings verdonke. So auch diesen Monat:



      Obv lief es nicht sonderlich gut aber trotzdem gehen ~3k auf die Tiltkappe. Mein Problem ist, dass ich ungern verliere und einen krankhaften Ehrgeiz habe. Für alles, was mich interessiert, entwickle ich eine gewisse Besessenheit immer der beste sein zu wollen und handle dann völlig irrational. Ich weiß, dass ich den Skill habe das Limit zu beaten aber der Tilt kostet mich nicht nur BR und Nerven, sondern auch unendlich viel Zeit, in der ich $-mäßig auf dem Boden trete.

      Mein Ziel im Pokern ist es die richtig hohen Limits zu erreichen, ich scheue die Varianz nicht wirklich und gehe auch gerne Levelduelle, knappe Spots etc. ein aber viel zu oft level ich mich selbst oder schalte mein Gehirn aus, weil ich in aussichtslosen Situationen versuche meinen Gegner zu outplayen. Im Pokern gehört das Verlieren dazu, ich weiß theoretisch alles, was ich machen müsste, um erfolgreich zu sein aber ich schaffe es nicht umzusetzen.

      So, hat gut getan das mal nieder zu schreiben. Mal schauen, was sich daraus entwickelt! :)
  • 15 Antworten
    • Martschl
      Martschl
      Bronze
      Dabei seit: 16.04.2009 Beiträge: 4.038
      Mal dir ein nicht übersehbares Plakat.
      Seriously. It helps!

      Außerdem könntest du dir selbst Tageschallenges stellen, aka eine Stunde eher aufstehen und etwas das du wirklich hasst tun. Oder Ähnliches. Das wird helfen das Plakat auch zu beachten, wenn du es siehst und nicht nur "jaja, wird schon, wtf i gotta beat that shit" denkst.

      Disziplin -> Disziplin am Tisch -> Bankroll

      Habe genau dasselbe Problem btw.
    • michimanni
      michimanni
      Bronze
      Dabei seit: 02.08.2006 Beiträge: 65.192
      Hallo aaaRt,

      mir fällt an Deinem Beitrag auf, dass Du die pokertechnischen Skills grundsätzlich von den psychologischen Skills trennst - wie im übrigen viele andere Pokerspieler auch. Ich mache das z.B. an folgender Aussage fest:

      Original von aaaRt
      Ich weiß, dass ich den Skill habe das Limit zu beaten aber der Tilt kostet mich nicht nur BR und Nerven, sondern auch unendlich viel Zeit, in der ich $-mäßig auf dem Boden trete.
      So funktioniert es leider nicht. Um ein erfolgreicher Pokerspieler zu sein, muss das komplette Paket stimmig sein und das ist bei Dir offensichtlich leider nicht der Fall.

      Doch es gibt gute Nachrichten für Dich! Wenn Du Dich tatsächlich in Dinge so verbeißen kannst wie Du sagst, dann empfehle ich Dir, dass Du Deine nächsten Lerneinheiten darauf verwendest, Dein psychologisches Profil zu schärfen. Mach Dir klar, dass sich das extrem positiv auf Deine Winrate auswirken kann und Du zudem etwas für Deine pokertechnische Entwicklung tust.

      Ich würde Dir empfehlen, dass Du Dir zunächst einmal die verschiedenen Videos und Artikel hier anschaust. Nicht selten haben die schon gegen den berühmten Tilt geholfen.


      Gruß und viel Erfolg,
      michimanni
    • aaaRt
      aaaRt
      Black
      Dabei seit: 15.08.2007 Beiträge: 17.605
      Interessanter Aspekt, so hab ich das noch nicht wirklich gesehen. Eigentlich gehört ja noch viel mehr dazu wie ausgewogene Ernährung, Sport bzw. einfach ein gutes körperliches und seelisches Befinden. Leider haben auch diese Sachen mit den Jahren abgenommen :D . Videos/Bücher habe ich zum Thema schon gelesen, u.a. Tommy Angelo, dessen Buch und auch Videoserie auf Deuces Cracked ziemlich gut fand.

      Es hat mich auch kurzzeitig weiter gebracht aber mein Problem ist, dass ich ein professionelles Mindset nur kurze Zeit durchhalten kann. Als ich die Tommy Angelo Serie geguckt/gehört habe, hab ich dann sicherlich 20 Tage am Stück nur 6 Tische geschafft, die erste große Badbeatsession hat dann aber alles über den Haufen geworfen. Tommy sagt auch, dass man die Reihe immer wieder mal hören sollte und das werd ich auch nachher mal wieder tun.

      @Martschl: Auch probiert, bei mir hängen Aufforderungen nicht zum Tilten, die Illustration zum Tilt Cycle aus Easy Game I+II usw. aber, wenn es wieder mal super schlecht läuft, schaltet sich mein Gehirn irgendwie aus.
    • meistermieses
      meistermieses
      Bronze
      Dabei seit: 31.12.2006 Beiträge: 11.991
      Das selbe Problem habe ich auch, aber immer noch kein Mittel dagegen gefunden. Das Gehirn schaltet sich für eine gewissen Zeit einfach aus:

    • OAndiAceO
      OAndiAceO
      Black
      Dabei seit: 30.07.2006 Beiträge: 3.279
      hatte exakt das selbe Problem mit 90% winning session 1er dicken losingsession auch immer.
      es hilft bei mir: weniger Tische (max. 6) und kürzere aber dafür mehrere Sessions.
    • dadofel
      dadofel
      Bronze
      Dabei seit: 16.11.2006 Beiträge: 2.797
      Original von OAndiAceO
      hatte exakt das selbe Problem mit 90% winning session 1er dicken losingsession auch immer.
      es hilft bei mir: weniger Tische (max. 6) und kürzere aber dafür mehrere Sessions.
      mir gehts genauso.

      der fehler mit den zu vielen tischen und zu langen sessions (spätestens ab 1h, besser nach 45min sollte ich schluss machen und lieber ne session mehr) ist auch eines meiner hauptprobleme.

      dazu kommt noch das problem des tilts und rumspewens etc. das alle paar tage wieder mehr oder weniger auftritt. (vor 6-7 tagen 11 stacks in 2 tagen verloren, 8-10 wegen tilt und spew).

      glaube der ansatz von michimanni poker- und psychologischen skill als eine einheit anzusehen bzw. den psychologischen skill als teil des pokerskills, ist schonmal ein erster schritt. mit dem ansatz werd ichs jetzt mal versuchen. sich selbst klar zu machen, dass man ein limit eben NICHT schlägt wenn man nicht den skill dazu hat und zu dem skill eben auch gehört a-game zu spielen.
    • Sim87
      Sim87
      Black
      Dabei seit: 29.10.2006 Beiträge: 8.692
      da ich denke dass man ab nl200 poker einigermaßen professionell angehen sollte würde ich dir raten, eine gute balance im alltag zu haben.
      ich würde wahrscheinlich ziemlich tilten wenn ich zB nich regelmäßig sport machen würde, speziell sachen die brutal auspowern.
      wenn ich 2 tage am stück rumsitze baut sich in mir ne anspannung auf, sozusagen überschüssige energie, die will irgendwo abgebaut sein.
      ich weiß, es is alles so anstrengend und so, aber mir hats super geholfen und ich will es nicht missen.

      neben bewegung is die andere komponente ein gutes soziales umfeld. da du ja zur uni gehst sollte da schon bisschen was gehn, ich find es nur wichtig auch dahingehen aktiv zu sein, rauszugehen, das übliche halt.

      das ist keine wunderlösung und vll tiltest du ja obwohl du oben genanntes ausreichend tust, das kann natürlich sein.
      aber falls nicht dann ist es fast sicher eine ursache.
    • killedbamby
      killedbamby
      Bronze
      Dabei seit: 01.06.2008 Beiträge: 701
      guter beitrag sim, echt

      genauso versuche ich es auch anzugehen..
    • webrula
      webrula
      Bronze
      Dabei seit: 29.01.2006 Beiträge: 3.608
      hab genau das problem wie es hier beschrieben wird. meistens fängt der monat gut an, man macht ordentlich gewinne und irgendwann zur mitte kommt dann das tief, was dann meistens noch durch konzentriertes spielen am ende abgefangen wird.

      1x im jahr habe ich dann den totalen crash, so wie gerade... hatte bis letzten monat fett gewinn gemacht und in den letzten 14tagen 2/3 meines diesjährigen gewinns verballert (spiele NL50/NL100)

      hab nochmal überlegt was die hauptursachen war:

      1. spiel aus langeweile
      2. spiel unter druck (promotion)
      3. sich mit regs anlegen
      4. rushpoker... hat mir dann den rest gegeben.
      -> u.a. weil ich meinte ich müsste nach dem auftakttraining zur fussballsaison noch 1h grinden, ich war sowas von hundemüde und habe dann trotzdem mal 8tische rushpoker versucht ...

      dieser "burnout" trifft mich jedes jahr kurz vor meiner klausurenphase. ich denke dass es u.a. auch an dem sommerloch liegt -> ich würde von mir sagen dass ich kein so guter pokerspieler bin. ich spiele abc poker mit solidem brm managment. ich will kein poker profi werden, und das ganze geld ist ein leckerer bonus. dh aber auch, dass wenn weniger fische da sind, meine winnings stark drunter leiden: da nicht viel mit regs exploiten ist.

      was sim sagt kann ich nachvollziehen. denke aber dass ich ein gesundes umfeld habe, studiere zudem etwas sehr zeitaufwendiges + bin aktiv im fussballverein ...

      für mich bedeutet nach diesem alljährlichen crash nun erstmal pause. ich bin zwar schon deutlich resistenter geworden, trotzdem will ich gerade in der klausurenphase meine "ruhe vor poker haben".

      nach der pause will ich dann endlich mal anfangen vernünftig poker zu spielen und ein wenig wegkommen von dem abc style... es kann so nicht weitergehen ich bewege mich nicht vom fleck. -> gerade theorie mässig bilde ich mich seit 1-2jahren sogut wie gar nicht fort. außer händeposten und pro monat 1video schauen mache ich nämlich gar nichts.

      vielleicht kann man sich ja zusammentun mit leuten die dasselbe problem haben.
    • aikira
      aikira
      Bronze
      Dabei seit: 05.08.2006 Beiträge: 918
      Original von aaaRt

      Es hat mich auch kurzzeitig weiter gebracht aber mein Problem ist, dass ich ein professionelles Mindset nur kurze Zeit durchhalten kann. Als ich die Tommy Angelo Serie geguckt/gehört habe, hab ich dann sicherlich 20 Tage am Stück nur 6 Tische geschafft, die erste große Badbeatsession hat dann aber alles über den Haufen geworfen. Tommy sagt auch, dass man die Reihe immer wieder mal hören sollte und das werd ich auch nachher mal wieder tun.

      mir hat es teilweise zusätzlich geholfen das ganze nochmal zu lesen auch wenn nichts bzw gar nichts neues drinsteht. aber es einfach nochmal zu gemüt führen hilft einfach ungemein.
      vielleicht kannst du dich noch an das besispeil erinnern von dem live player der am anfang immer gewonnen hat aber am ende mit nem minus rausging?

      wenn du schon weisst wann du die session beenden solltest, solltest du es tun.
    • ahly
      ahly
      Gold
      Dabei seit: 13.09.2007 Beiträge: 144
      Original von aaaRt

      Obv lief es nicht sonderlich gut aber trotzdem gehen ~3k auf die Tiltkappe.
      Ich weiß, dass ich den Skill habe das Limit zu beaten aber der Tilt kostet mich nicht nur BR und Nerven, sondern auch unendlich viel Zeit, in der ich $-mäßig auf dem Boden trete.

      Mein Ziel im Pokern ist es die richtig hohen Limits zu erreichen, ich scheue die Varianz nicht wirklich und gehe auch gerne Levelduelle, knappe Spots etc. ein aber viel zu oft level ich mich selbst oder schalte mein Gehirn aus, weil ich in aussichtslosen Situationen versuche meinen Gegner zu outplayen. Im Pokern gehört das Verlieren dazu, ich weiß theoretisch alles, was ich machen müsste, um erfolgreich zu sein aber ich schaffe es nicht umzusetzen.

      Ein Psychologe der zusätzlich ein Coaching-Ausbildung hat, kann das mit dir ziemlich gut und professionell lösen.

      Sportler haben Coaches, Manager haben Coaches, warum nicht du? Bei geschätzen 3k$ Verlust im Monat können es die 60-80 Euro pro Stunde nicht sein.

      Anstatt um das Problem rumzutänzeln und zu hoffen das kleine Schritte dir helfen, würde ich mich wie ein Profi verhalten. Eine Probestunde und ca. 60 Euro ist alles was du dabei verlieren kannst.

      Fallen dir drei konkrete Punkte ein die dagegen sprechen das "Problem" loszuwerden indem du zu einem Coach gehst?
    • beg0r
      beg0r
      Bronze
      Dabei seit: 07.05.2006 Beiträge: 2.945
      arbeitest du zufällig als coach?
    • ahly
      ahly
      Gold
      Dabei seit: 13.09.2007 Beiträge: 144
      Nein
    • IronPumper
      IronPumper
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 03.01.2008 Beiträge: 14.838
      Original von Sim87
      da ich denke dass man ab nl200 poker einigermaßen professionell angehen sollte würde ich dir raten, eine gute balance im alltag zu haben.
      ich würde wahrscheinlich ziemlich tilten wenn ich zB nich regelmäßig sport machen würde, speziell sachen die brutal auspowern.
      wenn ich 2 tage am stück rumsitze baut sich in mir ne anspannung auf, sozusagen überschüssige energie, die will irgendwo abgebaut sein.
      ich weiß, es is alles so anstrengend und so, aber mir hats super geholfen und ich will es nicht missen.

      neben bewegung is die andere komponente ein gutes soziales umfeld. da du ja zur uni gehst sollte da schon bisschen was gehn, ich find es nur wichtig auch dahingehen aktiv zu sein, rauszugehen, das übliche halt.

      das ist keine wunderlösung und vll tiltest du ja obwohl du oben genanntes ausreichend tust, das kann natürlich sein.
      aber falls nicht dann ist es fast sicher eine ursache.
      #2


      Gute Atzen und guter koerperlicher Ausgleich zur mentalen Beschäftigungen (wie Pokern) ist wirklich nicht unwichtig.

      Als Sport eignet sich zb. Kampfsport sehr, genauso wie BB, da man bei beiden an koerperliche Grenzen kommt, was aber neue emotionale und mentale Energie schafft.

      Auch ein solider Ernährungsplan ist ratsam.


      btw., @aaart:

      Du bist aber bitte nicht Insart?
    • pappenheimer
      pappenheimer
      Bronze
      Dabei seit: 05.02.2007 Beiträge: 16.788
      doch.