moralisches

    • DonMB
      DonMB
      HeadAdmin
      HeadAdmin
      Dabei seit: 25.06.2006 Beiträge: 4.946
      Da ich zur Zeit Semesterferien hab spiel ich teilweise bis tief in die Nacht.. das mach ich sonst nie. Auf jedenfall fällt mir auf dass die wenigen Deutschen die um diese Uhrzeit noch spielen recht nette Zeitgenossen sind die auch gerne ne VP$IP von 50+ haben und auch oft zu einem Schwätzchen bereit sind... wie dem auch sei heute wieder ein recht lustiger geselliger Aggro-Fisch an einem NL25 Tisch der ausgesprochen oft rebuys gemacht hat.. zwischendurch war er auf 80$ rauf dann wieder runter auf 5 und wieder hoch auf 30 usw... er ging etwa 5, 6 mal broke und hat immer wieder so krumme Zahlen nachgekauf (20,23$.. 23,45$ usw.) was meiner Meinung nach darauf hindeutet dass er immer seine komplette Bankroll am Tisch hatte und, da er parallel noch an einem zweiten Tisch spielte, ständig sein Konto neu auflud. Auf jedenfall gefiel es mir an seinen Tischen da ich auch viel von ihm profitierte... irgendwann fiel ihm dann auf dass ich doch recht solide in meinem Money-Management bin und nie wirklich unter eine 30$ Grenze gefallen bin und so fragte er mich etwas aus ... Normal ist mein Chat immer silent aber heute Abend irgendwie nicht und ich hab mich auf ein Gespräch mit ihm eingelassen (vielleicht auch um die Welt der Fische etwas näher kennenzulernen)... Er hat mich gefragt an wie vielen Tischen ich so spiele und was ich so an Gewinn im Schnitt mache usw usw... dann sagte er dass er noch nicht so lange dabei ist und er weiß dass er schlecht spielt aber ich soll ihm doch ein paar Tipps geben. Das habe ich aber nicht getan, warum auch, schließlich soll er ja so weiterspielen. Ich weiß nicht obs irgendwie ne Mitleidstour oder sowas war aber auf einmal fängt er an zu erzählen dass er in einer Woche Vater wird und erst 20 ist.. und grad erst mit Poker angefangen hat usw usw... schien irgendwie nicht so der hellste zu sein aber doch recht sympathisch. Eben so ein Typ den man an den Schreibtisch vor nen Berg voller Akten setzt aber nicht an einen Pokertisch. Ich hab ihm dann den Rat gegeben er solle das Spiel entweder richtig lernen oder er soll es lassen. Das schien ihm aber nicht zu gefallen. Er war auch nicht irgendwie bereit was an seiner VP$IP 50+ Strategie zu ändern... und er ging weiter fleißig broke. Ich weiß nicht wieviel er an diesem Abend verloren hat, ich glaube aber ne ganze Menge. Ich bin dann irgendwann auch abgehauen. Auf jedenfall hat mich dieser Fall schon etwas nachdenklich gemacht. Der Pokerboom hat sicherlich sehr viele gute- aber auch seine Schattenseiten. Wenn er wirklich der junge werdende Vater ist dann tut es mir richtig Leid und ich hoffe dass er die Finger von dem Spiel lässt wenn er merkt dass es ihm keinen Erfolg bringt. Vielleicht hat er auch Geld zuviel aber naja.. eher nicht. Wie geht man aber mit sowas um? Eigentlich dürfte man dann ja gar kein Poker mehr spielen wenn man weiß was man da für Typen "ausnimmt". Nungut das wollte ich mir eigentlich nur mal von der Seele schreiben :-) Gute N8
  • 10 Antworten
    • Crovax
      Crovax
      Black
      Dabei seit: 10.09.2006 Beiträge: 11.330
      Du kannst ihm zwar Tips geben aufzuhören oder erst ordentlich zu lernen aber du kannst ihn nicht davon abhalten zu pokern. Entweder verliert er gegen Dich oder sonstwen... es klingt hart aber ihn so richtig auszunehmen, dass ihm der spass daran vergeht ist wohl das was ihm schlussendlich am ehesten hilft.
    • DonSalva
      DonSalva
      Bronze
      Dabei seit: 27.08.2006 Beiträge: 11.700
      mach dir bloß keinen kopf! es ist einfach nicht dein job, dich um ihn zu kümmern. hast ihm ja nen rat gegeben und wie erwartet hat er's nicht eingesehen. ich kenn das sehr gut! ich hab mal ne sehr lange ähnliche prozedur mit nem ps.de-mitglied erlebt. es lief zwar auf ner anderen ebene ab, aber mein fazit ist: es geht zum einen ohr rein und zum anderen wieder raus. diese leute brauchen keinen strategischen rat. sie brauchen psychologische hilfe und das ist, wie gesagt, einfach nicht dein job. alles was über beispielhände bewerten hinausgehen würde ist zeitverschwendung. aber selbst das bringt nur kurzfristig was, da es an grundlegenden, psychologischen dingen scheitert. gib solchen leuten einfach nen gutgemeinten rat. mehr kannste nicht machen. entweder sie checken's oder eben nicht. aber da hört deine kompetenz auf.
    • SleepyCat06
      SleepyCat06
      Bronze
      Dabei seit: 24.07.2006 Beiträge: 2.137
      Ich weiß ja nicht was du im richtigen Leben für ein Mensch bist, aber in dem Moment, wo du dich an einen Pokertisch setzt, darf für dich nur noch eins wichtig sein: Geld gewinnen, so viel wie möglich! Du musst kalt, berechnend, hinterhältig, skrupellos usw. sein, um dein Ziel zu erreichen. Um es noch drastischer zu formulieren: Wäre dieser "lustige geselliger Aggro-Fisch" an deinem Tisch ein Freund, dein Vater, deine Mutter oder sonst jemand, der dir nahe steht, gewesen, darfst du trotzdem nicht zögern, ihn auszunehmen, und zwar bis zum bitteren Ende. Das ist Poker, es geht darum, Geld zu gewinnen. Dabei spielt es keine Rolle, von wem dieses Geld kommt. Die Gegner sitzen freiwillig an deinen Tisch! Wenn du dann vom Tisch wieder aufstehst, kannst du dich wieder in den Menschen zurückverwandeln, der du eigentlich bist. Du kannst ein netter Mensch sein, freundlich, hilfsbereit und verantwortungsbewußt, aber all das, was gerade am Pokertisch geschehen ist, hat für diesen Mensch nie stattgefunden. Man muss einfach zwei verschiedene Persönlichkeiten sein, einmal der Pokerspieler und dann der Mensch, der man eigentlich ist. Der Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun. Gewissenbisse sind völlig fehl am Platze.
    • Maniac81
      Maniac81
      Bronze
      Dabei seit: 02.08.2006 Beiträge: 2.287
      Also was das online Spiel angeht, muss ich Sleepy Cat recht geben. Aber wenn ich zum Beispiel an nem Tisch spielen würde mit meinen besten Kumpels würde ich niemals Cashgames spielen, sonder nur Fungames oder Tuniere mit ganz niedrigem Buyin. Ich hatte mal einen am Tisch, der hat in 3 Händen 150$(aufnl50) an einen anderen Spieler verloren. Er hatte garnicht so schlecht gespielt. Es war flush gegen Full House und Straight gegen Flush usw. . Danach meinte er, der Account gehört seinem Vater und der wird ihn umbringen und er will sein Geld zurück:) War schon ziemlich erbärmlich. Der hat ne halbe Stunde lang nach seinem Geld gebettelt, bis der andere Spieler wütend den Tisch verlassen hat.
    • kaydoc
      kaydoc
      Bronze
      Dabei seit: 08.11.2006 Beiträge: 128
      Wenn ein Shark jedesmal drüber nachdenken würde was der Fish, den er grad frißt, denkt, dann wird er Vegetarier oder schmeißt sein Gebiß weg. Um im allgemeinen Vokabular zu bleiben :D Des Menschen Wille ist sein Himmelreich, wenn die Leute meinen sie müssten ohne sich genauer über etwas zu informieren dies dann auch tun, bitte lass sie. Es ist das gleiche wie ohne Firewall ins Internet, besoffen Autofahren, rauchen bis die Lunge verreckt, etc. . Es wird immer Menschen geben die diszipliniert und verantwortungsvoll mit den verschiedenen Versuchungen des Alltags umgehen und welche die es nicht tun. Und von denen die es nicht tun profitieren wir beim Pokern. Man braucht doch nur mal ein wenig im Internet surfen, da findet man so viele Infos über Pokern, daß jeder die Möglichkeit hätte gut zu spielen, also warum bedauern. ;)
    • TursWolm
      TursWolm
      Bronze
      Dabei seit: 27.09.2006 Beiträge: 3.831
      Ich sehe mich in solchen Situationen mehr als Entertainer und nicht als unmoralischen Ausbeuter. Du bietest deinen Gegnern ein aufregendes Spiel und sogar noch persönliche Ansprache (gute Ratschläge) per Chat. Dafür geben sie dir ihr Geld. Ist im Prinzip das Gleiche, wie wenn du ins Kino, Theater oder ähnliches gehst. Da bezahlst du auch für Unterhaltung. Außerdem sind die Leute sind doch selbst Schuld, wenn sie nicht bereit sind, etwas zu tun, um ihr Spiel zu verbessern. Sie sind nur auf das vermeintlich schnell und leicht verdiente Geld aus. Das gibts aber nirgends und auch beim Pokern nicht. Von uns sitzt sich doch (hoffentlich) auch keiner an einen Pokertisch ohne vorher die Strategieartikel und Bücher gelesen, durchgearbeitet und verinnerlicht zu haben. Ein Drittel meiner Pokerzeit geht für Theorie drauf. Ich analysieren gespielte Hände und versuche Leaks zu finden und auszumerzen. Das ist auch Arbeit. Für diese Arbeit wirst du dann von den Fischen bezahlt. Es hat doch jeder die Möglichkeit sich hier anzumelden und aktiv mitzumachen, um etwas dazuzulernen. Das wäre auch der einzige Rat, den ich einen anderen Spieler geben würde. Er soll sich bei Pokerstrategy anmelden und angeben, dass ich ihn geworben habe.
    • Faustfan
      Faustfan
      Bronze
      Dabei seit: 19.04.2005 Beiträge: 9.481
      wenn man weiß, daß man jemandem ernsthaften schaden zufügt, dann hat man die moralische pflicht, das nicht zu tun. alles andere ist eine, im wahrsten sinne des wortes, asoziale einstellung. deshalb würde ich mit freunden oder kollegen niemals um beträge spielen, die einem ernstlich wehtun würden. im casino oder im internet kennt man seine gegner nicht, kann das also nicht beurteilen. man geht davon aus, daß die leute schon wissen, was sie tun. das stimmt sicher auch meistens. desweiteren würde ich nicht jedem glauben, der mir irgendwelche traurigen geschichten erzählt, naivität im internet ist ne üble sache. wenn man weiß, das der gegner dabei ist, haus und hof zu verspielen, dann sollte man versuchen, ihn zur vernunft zu bringen. wenn ich sehe, wie jemand sich vor eine zug schmeißen will, gehe ich ja auch nicht weiter und sage: der weiß schon, was er tut. das ist zwar ein extremeres beiispiel, aber es geht genau in dieselbe richtung. wenn die leute nicht hören wollen, dann kann man aber kaum etwas tun, wenn man sie nicht persönlich kennt. von daher wäre es unnötig den tisch zu verlassen, das löst das problem überhaupt nicht. einfach normal weiterspielen und auf einsicht hoffen. aber man darf sich nicht einfach einreden, daß andere menschen einen nichts angehen. es gibt dinge, die wichtiger sind als ein paar bigbets.
    • helgeman
      helgeman
      Bronze
      Dabei seit: 05.04.2005 Beiträge: 1.660
      Ich finde SleepyCats Ansicht auch übertrieben. Ich würde niemals meine Kumpels oder gar meine Mutter (LOL!) ausnehmen. Jeder sollte dann doch etwas Ehrfurcht bewaren. Ich finde auch wenn man weiss das man gegen Spielsüchtige spielt die auch definitv ohne edge spielen sollte man sich schon fragen ob man weiterspielen sollte. Klar man weiss das online nicht und das ist auch gut so. Auch das Argument "wenn ich ihn nicht ausnehme tun es andere" find ich absolut falsch. Man kann sich ja auch Umweltbewusst leben auch wenn man weiss das 90% der Menschen eh einen dreck geben ob sie nun die Umwelt verschmutzen oder nicht. Genau das ist ja Moral .. es ist ein persönliches Ideal. Und wie Faustfan schon sagte wenn ich weiss ich schade jemandem am tisch würde ich es mir halt überlegen. Nur bei den PartyPoker German Open hat der Casino Manager aus Österreich (habe seinen Namen vergessen) "Poker ist das ehrlichste auf der ganzen Welt. Jeder will das Geld von den anderen und jeder ist sich dessen bewusst" Ich denke das das sehr wahr ist und die meisten Menschen die dort spielen auch nicht existenziell gefährdet sind. Von daher ... Keep on playing.
    • SleepyCat06
      SleepyCat06
      Bronze
      Dabei seit: 24.07.2006 Beiträge: 2.137
      Jetz haben mich aber einige missverstanden. (bzw. mein Post war wohl missverständlich formuliert) In meinem Post weiter oben beziehe ich mich nur auf eine rein professionelle Einstellung zum Poker als Gelderwerb. Beispiel: Poker Pro X sitzt am Final Table eines lukrativen Turniers. In dieser Situation muss er auch ohne Bedenken bereit sein seinen besten Freund (ja, auch seine eigene Mutter) aus dem Turnier zu kicken, um selbst zu gewinnen. Spielt man online, darf man auch keine Bedenken haben, die Fische auszunehmen, denn die spielen ja freiwillg dort. Ich würde auch nicht auf die Idee kommen, mit meinen Kumpels um Geld zu spielen. Das sind reine Fun Games, hier zählt doch nur der Spass, Geld hat hier nichts zu suchen. Vielleicht einigt man sich vorher, dass der Verlierer nen Kasten Bier zahlt oder so. =) Mein Post oben ist auch nix anderes als eine unvollständige Zusammenfassung eines Kapitels aus "Ace on the River" von Greenstein. Habe das Buch zZ. leider verliehen, kann deshab keine Seitenangaben machen. Greenstein schreibt dort, das ein Profispieler damit klarkommen muss, das manchmal ein seinem (Casino)Tisch auch gute Bekannte spielen, ebenfalls Profispieler, und das man diese Bekannte in dieser Situation eben als Gegner sehen muss und nicht als gute Bekannte. Natürlich sagt er nicht, das man hemmungslos jeden ausnehmen soll, der einem über den Weg läuft, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Er beschreibt auch sehr schön, wie ein Pro immer wieder zwischen seinen zwei Persönlichkeiten hin und her switcht, und so mancher leider am Ende psychisch daran zu Grunde geht.
    • DonSalva
      DonSalva
      Bronze
      Dabei seit: 27.08.2006 Beiträge: 11.700
      Original von SleepyCat06 Greenstein schreibt dort, das ein Profispieler damit klarkommen muss, das manchmal ein seinem (Casino)Tisch auch gute Bekannte spielen, ebenfalls Profispieler, und das man diese Bekannte in dieser Situation eben als Gegner sehen muss und nicht als gute Bekannte.
      das ist ein wichtiger unterschied imo. wenn ich z.b. im sportverein gegen einen anderen verein spiele, wo freunde von mir mitspielen, dann betrachte ich sie während des spiels auch nur als gegner. faustfan und helgeman haben's gut auf den punkt gebracht. gefällt mir gut. =)