Ökonometrie-Frage- "Bruttoinlandsglück"

    • Erebos25
      Erebos25
      Bronze
      Dabei seit: 22.12.2008 Beiträge: 2.243
      Hey,

      ich habe ein Problem...für eine baldige Klausur dürfen wir ein Problem bereits zu Hause bearbeiten und als Zusatzaufgabe bei der Klausur mit einreichen um so eventuelle Fehler zu kompensieren...max. 9pkt

      Aufgabe:

      Im Königreich Bhutan wir das GNH anstatt dem GNP als Maßstab für die Lebensqualität verwendet. GNH bedeutet gross national happiness...(Brutto Inlandszufriedenheit...jedenfalls sinngemäß). (GNP ist das gross national produkt-->Brutto Inlandsprodukt). Forscher in Deutschland hat der Zusammenhang zwischen Zufriedenheit und Wohlstand interessiert und sie sind zu folgender Formel gekommen:

      (die entsprechenden Zeichen immer über den Buchstaben, ^se steht für geschätzter standard fehler/abweichung)

      ^y=32,433+0.329x+0,542*D*(x-60,000)

      ^se= (10,035) (0.159) (0.213) R²=0.856

      y ist der index für Zufriedenheit und x is das pro kopf einkommen (in €), D ist eine Dummy Variable mit Df=1 if x<60,000 und ansonsten D=0

      a) Was könnte der Grund für die Einführung des Regressors D*(x-60,000) sein? Zeichnen sie einen Graphen um ihre Erklärung zu unterstützen.

      b)Denken sie, dass eine Dummy Variable eine angemessene Art ist, das in a festgestellte Phänomen zu behandeln? Können sie sich eine alternative vorstellen?


      Meine Lösung soweit:

      a) Habe den Graph gezeichnet, kann's zur not auch fotografieren und hochladen, aber ist leicht ungenau, da die Werte extrem groß und somit relativ ungenau sind. Der Graph zeigt jedenfalls, dass die Steigung ab 60000 abnimmt und der Graph an sich flacher wird.....

      Meine Erklärung dazu wäre, dass ab einem best. Einkommen Geld bzw. eine marginale Geldeinheit an Nutzen verliert....ist ja auch nur logisch. Wenn ich schon einen BMW stehen habe, dann amcht mich ein 2. auch nicht viel glücklicher. 60000 wäre dann halt die gewisse Einkommensschwelle, vlt. sogar die, bei der der Steuersatz erhöht wird und deshalb mehr Einkommen nur teurer wird.

      -->das mit dem erhöhten Steuersatz ist mir gerade spontan beim schreiben eingefallen.....macht aber irgendwie gerade am meisten sinn, oder?!

      b) Ich würde sagen, dass die Dummy Variable in diesem Fall schon Sinn macht, da man direkt zwischen von der "Reichensteuer" Betroffenen oder nicht Betroffenen unterscheiden kann.

      Was wäre ein gute Alternative?


      Machen meine Ausführungen halbwegs Sinn?


      Danke für eure Hilfe!!! :f_love:
  • 13 Antworten
    • superstar84
      superstar84
      Bronze
      Dabei seit: 24.04.2006 Beiträge: 1.925
      Erstmal: Es handelt sich um ÖKONOMETRIE, dass heisst Erklärungen à la Steuersatz blablubs sind hier völlig fehl am Platz.

      a) Ich glaube eher dass die Dummyvariable = 1 ist wenn x>60000, nicht kleiner. Durch die Kombination der Dummyvariable mit dem Pro-Kopf-Einkommen kann man zeigen, dass der Graph ab x=60000 eine andere Steigung besitzt als bei x<60000. Der Dummie gibt also das "Zusatzglück" an, dass bei Einkommen >60000 realisiert wird im Vergleich zu Einkommen < 60000.
      Der Graph müsste übrigens ab 60000 stärker (!!!) ansteigen, denn der Koeffizient des Dummies ist postiv.

      b) MMn ist ein Dummy in diesem Fall nicht das geeignete Mittel. Wenn man einen nichtlinearen Einfluss von X auf Y testen möchte, sollte man stattdessen x^2 in des Modell einbauen und den Koeffizienten auf Signifikanz testen.
    • Erebos25
      Erebos25
      Bronze
      Dabei seit: 22.12.2008 Beiträge: 2.243
      Original von superstar84
      Erstmal: Es handelt sich um ÖKONOMETRIE, dass heisst Erklärungen à la Steuersatz blablubs sind hier völlig fehl am Platz.

      a) Ich glaube eher dass die Dummyvariable = 1 ist wenn x>60000, nicht kleiner. Durch die Kombination der Dummyvariable mit dem Pro-Kopf-Einkommen kann man zeigen, dass der Graph ab x=60000 eine andere Steigung besitzt als bei x<60000. Durch die (-60000) im Regrassanten werden alle Datenpunkte über der 60000er Grenze um 60000 an die X-Achse herangezogen.

      Der Graph müsste übrigens ab 60000 stärker (!!!) ansteigen, denn der Koeffizient des Dummies ist postiv.

      b) MMn ist ein Dummy in diesem Fall nicht das geeignete Mittel. Wenn man einen nichtlinearen Einfluss von X auf Y testen möchte, sollte man stattdessen x^2 in des Modell einbauen und den Koeffizienten auf Signifikanz testen.
      also die aufgabenstellung war schon richtig und der graph wird dementsprechend ab 60000 auch flacher



      ok, das mit der steuer ziehe ich dann erstmal zurück^^...hatte als quantitative variable für mich irgendwie sinn gemacht

      €: aber nur mal so...wäre es nicht irgendwo schon logisch, dass ein faktor wie steuerbelastung beim einkommen einfluss auf die zufriedenheit hat?
    • superstar84
      superstar84
      Bronze
      Dabei seit: 24.04.2006 Beiträge: 1.925
      Original von Erebos25
      Original von superstar84
      Erstmal: Es handelt sich um ÖKONOMETRIE, dass heisst Erklärungen à la Steuersatz blablubs sind hier völlig fehl am Platz.

      a) Ich glaube eher dass die Dummyvariable = 1 ist wenn x>60000, nicht kleiner. Durch die Kombination der Dummyvariable mit dem Pro-Kopf-Einkommen kann man zeigen, dass der Graph ab x=60000 eine andere Steigung besitzt als bei x<60000. Durch die (-60000) im Regrassanten werden alle Datenpunkte über der 60000er Grenze um 60000 an die X-Achse herangezogen.

      Der Graph müsste übrigens ab 60000 stärker (!!!) ansteigen, denn der Koeffizient des Dummies ist postiv.

      b) MMn ist ein Dummy in diesem Fall nicht das geeignete Mittel. Wenn man einen nichtlinearen Einfluss von X auf Y testen möchte, sollte man stattdessen x^2 in des Modell einbauen und den Koeffizienten auf Signifikanz testen.
      also die aufgabenstellung war schon richtig und der graph wird dementsprechend ab 60000 auch flacher



      ok, das mit der steuer ziehe ich dann erstmal zurück^^...hatte als quantitative variable für mich irgendwie sinn gemacht

      €: aber nur mal so...wäre es nicht irgendwo schon logisch, dass ein faktor wie steuerbelastung beim einkommen einfluss auf die zufriedenheit hat?
      Hast Recht.

      Durch die -60000 wird der gesamte Dummyausdruck negativ:

      beta2*(Differenz zwischen Einkommen und 60000)<0

      Mit anderen Worten: ab 60000 steigt das "Glück" weniger stark als bei <60000.

      Hier die Marginal Effekts:

      unter 60k: 0,329+0,542
      über 60k: 0,329

      Ab 60k erhöht eine Einheit zusätzliches Einkommen das Glück um 0,329 Einheiten, unter 60k hingegen um 0,329+0,542 Einheiten.

      Du hast hier also folgenden Graphen mit 2 Steigungen:

      unter 60k mit Intercept (32433-0,542*60000) und Steigung 0.329+0.542

      ab y=32433;x=60000 einen Graphen mit Steigung 0,329.

      Wir haben also abnehmenden Grenznutzen.

      Wenn wir dies unterstellen, sollten wir auf einen nichtlinearen Einfluss von x auf y testen: Einbau x^2, x^3 , Test auf Signifikanz.
    • MXh
      MXh
      Bronze
      Dabei seit: 04.05.2009 Beiträge: 638
      Wie bitte kann man Glück messen?
    • Erebos25
      Erebos25
      Bronze
      Dabei seit: 22.12.2008 Beiträge: 2.243
      Keine Ahnung....hab glaube ma in geo gehört, dass da gesundheitsversorgung, ausbildungsmöglichkeiten, nahrungsmittelversorgung etc. mit reinspielen, aber wieso das jetzt gerade so gemacht wurde....keine ahnung...

      aber wäre euch dankbar, wenn ihr weiter eure ideen oder ratschläge einwerfen würdet

      eine Kommilitonin von mir meinte gerade, dass es ja auch das durchschnittseinkommen sein könnte, aber in Indien oder sonst wo wird man wohl kaum 5000€ / Monat verdienen...
    • marc0506
      marc0506
      Bronze
      Dabei seit: 03.02.2006 Beiträge: 8.241
      Original von MXh
      Wie bitte kann man Glück messen?
      leute fragen wie glücklich sie sind!?

      gibt sogar ein eigenes journal:
      http://www.springer.com/social+sciences/well-being/journal/10902
    • superstar84
      superstar84
      Bronze
      Dabei seit: 24.04.2006 Beiträge: 1.925
      Mal ganz grob:

      Basiert auf dem Ansatz dass das BIP oder auch das Durchschnittseinkommen nur ein schlechter Gradmesser für die Lebensqualität in einem Land sind. Da spielen noch Faktoren wie Bildung, sozialer Friede, öffentliche Sicherheit, Gerechtigkeitsempfinden, Demokratieverständnis etc etc etc eine Rolle.
    • Numisma
      Numisma
      Bronze
      Dabei seit: 11.09.2009 Beiträge: 1.695
      Original von MXh
      Wie bitte kann man Glück messen?


      lol das würd mich auch interessieren




      Unglaublich, der Wahn der matemathischen Festmachung macht vor nichts halt. Jetzt kann, will man schon Glück messen.



      :facepalm:
    • marc0506
      marc0506
      Bronze
      Dabei seit: 03.02.2006 Beiträge: 8.241
      Original von Numisma
      Original von MXh
      Wie bitte kann man Glück messen?


      lol das würd mich auch interessieren




      Unglaublich, der Wahn der matemathischen Festmachung macht vor nichts halt. Jetzt kann, will man schon Glück messen.



      :facepalm:
      selbstverständlich will man glück messen. ist das nicht die interessanteste fragestellung überhaupt? denk mal drüber nach...
    • dudelidude
      dudelidude
      Bronze
      Dabei seit: 30.03.2010 Beiträge: 3.757
      Original von Numisma
      Original von MXh
      Wie bitte kann man Glück messen?


      lol das würd mich auch interessieren




      Unglaublich, der Wahn der matemathischen Festmachung macht vor nichts halt. Jetzt kann, will man schon Glück messen.



      :facepalm:
      der wert eines menschenlebens wurde mathematisch auch festgemacht :) sind glaube so 2mio $ in den westlichen ländern, außerdem sind männer mehr wert als frauen :D
    • mosl3m
      mosl3m
      Bronze
      Dabei seit: 04.07.2007 Beiträge: 6.491
      Leute mit Einkommen < 60k haben einen Glücksmalus, weil sie ja obv nicht so viel konsumieren können.
      Bei Leuten mit > 60k steigt das Glück Linear zum Gehalt. (D = 0, if x > 60k).

      Das haben hier viele glaube ich falsch interpretiert...

      Falls es noch nicht zu spät ist^^
    • hazz
      hazz
      Black
      Dabei seit: 13.02.2006 Beiträge: 4.771
      und vorher steigts nicht linear?

      zu a: mit den ersten 60k kann man sich wohl erstmal die wichtigsten dinge leisten (haus, auto, status, bildung, gesundheitsversorung etc), darüberhinaus ist der zusatznutzen geringer.

      zu b: besser als ein dummy waere wohl eine funktion, deren steigung immer weiter abnimmt - so wie der grenznutzen des geldes. der lineare anstieg aus a ist noch unrealistisch, ein logarithmus wäre wahrscheinlich die bessere wahl.
    • Grimlock
      Grimlock
      Bronze
      Dabei seit: 22.09.2007 Beiträge: 301
      Wie bitte kann man Glück messen?


      Man konstruiert einen Test -> BLACK BOX mit jeder Menge try&fail -> wissenschaftliche Aussage über Glück ist möglich

      Unglaublich, der Wahn der matemathischen Festmachung macht vor nichts halt. Jetzt kann, will man schon Glück messen. Facepalm


      Repalm. Zunächst einmal würde ich das Wort "Mathematik" da rauslassen. Es geht schlicht und einfach um eine Erhebung. Und was findest du daran so seltsam? Ich wage mal die Behauptung, dass der Großteil der Menschheit primär danach strebt glücklich zu sein. Gerade vor diesem Hintergrund ist innerhalb der behavioral economics auch der Zweig der Glücksforschung aufgekeimt. In anderen Ländern ist übrigens das Recht auf Glück bzw. das Streben nach selbigem fest in das Staatsgeflecht und in der, sagen wir mal, Kultur verwachsen:

      We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed, by their Creator, with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty, and the pursuit of Happiness.

      - Amerikanische Verfassung


      In Bhutan ist man übrigens noch einen Schritt weiter gegangen: Bhutan wandelte sich 2008 in eine konstitutionelle Monarchie. Erstmals gab es Parlamentswahlen. Das Recht auf Glück wurde als "Bruttosozialglück" in die Verfassung aufgenommen.


      Außerdem wird ähnliches bereits seit Jahren erhoben. In der ARD Sonntagsfrage z.B. wurde bis vor einigen Jahren noch gefragt wie glücklich man mit der Regierung ist und nicht wie zufrieden.

      Und zuletzt: Ist es nicht erfrischend von den Herren Ökonomen mal etwas anderes zu hören? Anstatt sich mit der spieltheoretischen Analyse von Reziprozität und Fairness rumzuschlagen oder mal wieder Nullstellen im imaginären Raum zu suchen (wie ich Eigenwerte gehasst habe), fragt man sich doch tatsächlich wie man das gesellschaftliche Glück und Wohlbefinden messen und maximieren kann. Hinfort mit den diskontierten Bentham'schen Nutzenfunktionen und ran an den Menschen :heart:

      Glücksforschung Wiki

      Institut für europäische Glücksforschung

      Die Pioniere der Glücksforschung