Fischvirus

    • Palumita
      Palumita
      Bronze
      Dabei seit: 22.06.2010 Beiträge: 125
      Gestern Nacht hat mich ein garstiges Fischvirus infiziert und ich frage mich, ob ich mit diesem Phänomen alleine bin, oder ob ihr auch schon mal diese Erfahrung gemacht habt.

      Ich setz mich also gestern Nacht trotz besseren Wissens an 2 Tische auf PokerStars. Eigentlich war mir klar, dass meine Konzentration nicht mehr die beste ist, aber ich wollte einfach partout nicht müde werden. Um mein BR nicht zu gefährden, sondern einfach nur ein paar entspannte Spiele zu haben, setz ich mich an 2 Mikrolimit-Tische mit unglaublichen Stats von jeweils über 70% (!) Players per Flop (FL). Das klingt doch nach viel Spaß. :f_biggrin:

      Und tatsächlich: 90% der Spieler am Tisch haben unglaubliche VPIPs von 70% und höher. Ich guck mir das muntere limpen und callen also an und traue meinen Augen kaum. Nicht, dass ein oder 2 solcher Spieler fröhlich mit T4o alles callen, nein... es sind pro Board mehr als 6 Callingstations. Recht große Töpfe (gemessen an den Blinds) wandern von einer schlechten Starthand zur nächsten.

      Anfangs bin ich noch artig, folde brav nach SHC und Vernunft und warte auf die richtige Hand um zuzuschlagen. Dann endlich eine spielbare Hand und gleich eine sehr hübsche, KK. Dass 6 Spieler meinen Preflop-Raise cold callen macht mich auch noch gar nicht weiter verrückt. Dass ich die Hand dann gegen 83o folden muss, hach naja. Shit happens. Das kriegt mich so schnell nicht unter.

      Könnt ihr euch vielleicht schon denken, wie es weiter geht? Rüchtüüch. Das passiert mir noch 5 mal in Folge und ich werd langsam echt grrrrrrrrrrrr... Da gehts nur "Call - Call - Call - Oh juhuu, ich hab am River meine 2 zur Strasse getroffen". Ich merke, dass es absolut nicht möglich ist, eine gute Hand zu beschützen. Ein Raise lässt die Leute so kalt, als hätten sie es gerade mit einem Eiswürfel getrieben.

      In dem darauffolgenden Moment der Schwäche hat mich dann das Virus befallen. Ich ertappe mich dabei, wie ich anfange mit schlechten Händen zu limpen, in der Hoffnung, am Flop zu treffen. Bei denen klappts ja schließlich auch. Ich geh auch, wenn ich nicht getroffen habe, nicht mehr aus dem Topf raus. Neeee, ich calle bis zum River, da treff ich dann ja schließlich, das wurde hinreichend bewiesen.

      Um es kurz zu machen. Am Ende der Session stehe ich zwar zum Glück sogar ohne nennenswerte Verluste da, aber mit Stats, die einem die Haare zu Berg stehen lassen.

      Klar ist mir, dass ich mich aufgrund der Erfahrung an diesen Tischen zu dieser schwachen Spielweise hab verleiten lassen. Das Gehirn ist halt tricky, und hat mich alles, was ich eigentlich über Strategien wusste, dagegen vergessen lassen. Die mangelnde Selbstdisziplin hatte vielleicht auch etwas mit der Uhrzeit zu tun.

      Aber ein paar Fragen sind trotzdem geblieben... Sind zu viele Fische an einem Tisch vielleicht gar nicht ratsam? Bei 1 bis 3 konnte ich bisher meistens gute Gewinne erzielen, aber bei 6 Dauer-Callern trifft halt irgendwie immer einer am River. Eine Hand zu beschützen ist einfach vollkommen ausgeschlossen.

      Wie kann ich jetzt mit dieser Information trotzdem Gewinne erzielen? Die Standardspielweise nach dem Flop jedenfalls (die an höheren Limits mit weniger Fischen gut funktioniert) hat mich hier jedenfalls nicht wirklich weit gebracht.

      Ich habe über 3 Möglichkeiten nachgedacht. Entweder noch tighter als üblich zu spielen, und mit allem was kein Monster ist, früh auszusteigen. Oder aber tatsächlich mehr loose zu spielen um sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Würden die vielen Einsätze die ich hierbei verlieren werde, durch die großen Töpfe, wenn ich hitte, wett gemacht werden? Oder aber dittens, das Spiel vor dem Flop nicht zu verändern, was mir eigentlich am vernünftigsten scheint, nur wie passe ich dann mein Spiel nach dem Flop an?

      Habt ihr solche Erfahrungen auch schon gemacht und wie habt ihr sie in Gewinne verwandelt?
  • 7 Antworten
    • HockeyTobi
      HockeyTobi
      Bronze
      Dabei seit: 03.12.2005 Beiträge: 23.227
      Hallo Palumita,

      ich habe deinen Thread ins Selbstmanagement und Gegnerpsychologie-Forum verschoben.
      Dort erhältst du in aller Regel schneller und oft auch eine bessere Antwort.

      Viele Grüße,
      HockeyTobi
    • michimanni
      michimanni
      Bronze
      Dabei seit: 02.08.2006 Beiträge: 65.192
      Hallo Palumita,

      wenn Du ungewöhnliche Konstellationen am Tisch vorfindest, musst Du auch bereit sein entsprechend zu reagieren. Das SHC eignet sich hervorragend für den Einsteiger, aber es ist und bleibt nicht mehr als ein Chart und damit weitab vom optimalen Spiel.

      Viele Fische sind eine geniale Konstellation, denn es wird Dir sehr, sehr häufig gelingen, in profitablen Spots zu spielen - und das sollte Dein Ziel sein. Ein Beispiel: Wenn Du AA preflop reinstellst und von 5 Fischen mit any2 Calls bekommst, wirst Du natürlich seltener gewinnen als wenn Du nur von einem Gegner gecallt wirst. Deswegen ist dieser Spot aber natürlich trotzdem extrem profitabel! Versuch es mal mit dem Equilator auszurechnen, ich denke, Du wirst überrascht sein :)

      Fazit: Auch mit einer solchen Traumkonstellation und vielen Fischen am Tisch wirst Du nicht jede Hand gewinnen, aber Du wirst häufig in +EV-Spots spielen. Lerne, wie Du solche Tische zu spielen hast. Auch das muss man erst einmal verinnerlichen, denn sonst wird man selbst zum Fisch.


      Gruß und viel Erfolg,
      michimanni
    • Rolandus
      Rolandus
      Bronze
      Dabei seit: 04.01.2010 Beiträge: 41
      Also in late Position ist es ja gar kein Fehler auch mit sehr spekulativen Händen zu limpen, wenn du derart viel Fische vor dir im Pot hast. Gerade sowas wie suited one/twogappers können dann ja gut versteckte Monster machen und gute Pötte gewinnen. Such dir halt Hände raus, die spekulativ aber nicht Trash sind. Dann wird dir nicht so schnell fad und du spielst +EV. Achte halt wirklich auch auf Position. Mit AA, KK QQ u. AK kannst mal versuchen, mehr als die gewöhnlichen 4+1 BB zu preflop zu raisen oder auf aggresiven Tischen in früher Position limp reraise - das macht Spaß und das Flopspiel wird viel einfacher. War für mich als ich noch Mikrolimits gespielt habe eine sehr erfolgreiche Strategie.
    • schmoezi
      schmoezi
      Bronze
      Dabei seit: 01.08.2007 Beiträge: 2.524
      der kollege spielt FL und nicht NL damit fällt das höhere preflopraise schon mal raus.

      in solchen situationen einfach mehr drawing-hände (Axs, Kxs, connectors) spielen und eher weniger toppair hände. gerade wenn man oft billig in einen multiwaypot kommt ist das ja schon profitabel.

      außerdem mit overpair und TP-händen postflop auch mal way ahead / way behind spielen und potcontroll betreiben.

      und dann warten bis die nutstraight mal ausbezahlt wird.


      das soll jetzt aber nicht heißen, dass du genauso wie anderen typen anfangen sollst T3o zu spielen, aber die spielweise ist eine andere als auf einem sehr tighten tisch.
    • rdeuschle
      rdeuschle
      Bronze
      Dabei seit: 19.04.2008 Beiträge: 47
      Is mir gestern im live poker passiert. Unglaublich wie die da rumgedonkt haben. Vor allem kannten sie alle Fachbegriffe und habne über korrektes Spiel gefachsimpelt. Das Problem war, dass wir da 3 Minuten pr Hand gebraucht haben. Und irgendwann verliert man da die Geduld. Der Höhepunkt war dann als ich mit meinem Nutflush gegen nen Vierling verloren hab. So ein Scheiß.
    • Chief0r
      Chief0r
      Bronze
      Dabei seit: 15.01.2008 Beiträge: 3.808
      Original von rdeuschle
      Is mir gestern im live poker passiert. Unglaublich wie die da rumgedonkt haben. Vor allem kannten sie alle Fachbegriffe und habne über korrektes Spiel gefachsimpelt. Das Problem war, dass wir da 3 Minuten pr Hand gebraucht haben. Und irgendwann verliert man da die Geduld. Der Höhepunkt war dann als ich mit meinem Nutflush gegen nen Vierling verloren hab. So ein Scheiß.
      Ich habe auch schon einmal mit einem Vierling gegen einen Street Fläsh verloren :(
    • mergelina
      mergelina
      Bronze
      Dabei seit: 28.03.2008 Beiträge: 2.653
      so viele fische bedeutet auf jeden fall, dass du dein spiel darauf einstellen musst.

      vergiss protection!!! hier gehts nur um profitable valuebets und calls nach odds. (obwohl eine korrekte protectionbet auch immer gleichzeitig eine valuebet ist)
      Du hast das Wissen um die mathematisch profitablen calls bzw valueraises auf deiner seite.

      es ist ein anderes spiel als gegen regs, das muss man erstmal so richtig kapieren. (hat bei mir auch so seine zeit gedauert, ich kenne den gedanken, dass es schwieriger ist, wenn zuviele Fische am tisch sind)

      desweiteren schliesse ich ich den auführungen v. michimanni an. Viele caller bedeuten, du wirst öfters ausgesuckt, dafür ist aber auch der pott=profit grösser, wenn deine hand hält - solange du nur in profitable situationen investierst.