Preflopstrategie außerhalb von Charts optimieren

    • Gnolx
      Gnolx
      Bronze
      Dabei seit: 03.02.2010 Beiträge: 139
      Hey, da Preflop die wichtigsten Entscheidungen getroffen werden, nämlich ob es sich überhaupt lohnt die Hand zu spielen möchte ich meine Preflop strategie optimieren und meine Gedanken vorstellen in Hoffnung auf kunstruktive Kritik.
      Bisher läuft mein Preflopspiel simpel nach den Bronzecharts. Es kommt jedoch vor, da hat man Situationen die nicht klar oder nur grob von den Charts abgedeckt werden.
      Dies geschieht z.B. wenn vor uns ein Limper von einem anderem Gegner geraised wurde.
      Den Agressor simpel nach dem 3-betting Chart zu raisen wäre falsch, da der Limper ja auch eine gewisse Equity hat. Bisher bin ich in solchen Fällen meist mehr nach Gefühl gegangen und meine 3-bet Range etwa 1 Chartspalte tighter als in den Charts gesetzt.
      Der SHC basiert ja auf Equity und dass man mit den Händen gegen zufällige Hände über der Durchschnittsquity liegt und somit die Hand profitabel Spielbar ist. Ich vermute dass dies beim 3-betting Chart ähnlich läuft und man somit genügend Equity im Durchschnitt gegen Limper + Raiser haben sollte, wenn man eine Spalte "tighter" wird.

      Das nächste was mir wichtig ist, ist die Preflopspielweise nach Odds und Outs.
      In Speziellen Situationen wie wenn man im BB sitzt und ein Raise+2 caller stattfindet, mit welchen Spekulativen Händen es sich hier lohnt mitzuspielen. Im Approx Chart für Fullring gibt es da die Tabelle "(4) call (w/o implied )" die einem die Odds angibt je nach Hand.
      Ich halte den Chart allerdings für viel zu tight denn hier wurden wohl keine Implieds mit einberechnet. Schließlich overlimpe ich nach Bronzechart 22 bereits ab 3 Limpern was mir nur 4:1 Odds gibt, also weit unter den 7.5:1 die in der Approx Tabelle angegeben sind (Beim Bronzechart wurde wohl gewisser Sdvalue mit 22 miteinberechnet daher der overlimp nach Chart ). Die Frage ist nun, ab wieviel Odds ich ein Pocketpair preflop coldcallen kann. Kann ich mir hier 6:1 als durchschnittswert geben?
      Weiter gibt der Chart an, dass man mit 5.5:1 Odds Any Suited callen kann, wäre dies nicht bereits am 4:1 Profitabel? schließlich hat man mit nem Flush massig implieds die man sich einrechnen darf. Bevor ich jedoch weiter rumgurke würd ich gern etwas Feedback bekommen. Es würde mich nicht wundern wenn ich einige Dinge durcheinander gebracht habe, bin schließlich noch am Anfang meiner Pokerkarriere :f_cool:
      Würde mich freuen wenn mich jemand etwas aufklären könnte, ob meine Gedanken überhaupt vernünftig sind und wie man mit besagter Odds Tabelle aus dem Approx umzugehen hat.
      Danke soweit=)
  • 9 Antworten
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Für den Fall Raiser nach mehreren Limpern gibt es den "Mitgehen/Erhöhen bei einer Erhöhung und Callern vor dir" Chart. Der erfasst genau diese Situation. Es ist für diesen Chart egal, ob die Caller vor oder nach dem Raiser kommen.

      Die Spielweise im BB nach Callern und Raisern findest du im Thread eSHC. Darauf findest du auch einen Hinweis in den wichtigen Threads (siehe sticky Threads oben).

      Im approx-Chart findest du generelle Richtlinien, wie du solche Situationen handhabst. Du hast allerdings recht, wenn du das Fehlen von implied Odds bemängelst. Gerade bei Pockets sind die so gut, dass man sie auch für weniger gute Odds spielen kann. Dazu gibt es den Gold-Artikel Preflop: Wann kannst du coldcallen oder overlimpen? Den Content kann ich im Bronzeforum nicht ausbreiten, aber ich sage mal: wenn du 4:1 bekommst, dann kannst du Pockets immer callen. Bei den anderen Kartenkombinationen (suited Connectors usw.) ist der approx Chart aber durchaus nicht zu tight. Du hast zunächst mal weder Showdownvalue noch Position. Oft triffst du nur einen Draw, den du zwar weiterspielen kannst, der dir aber noch keine implied Odds bringt. Die implied Odds sind bei weitem nicht so gut wie mit einem getroffenen Set. Der Chart berücksichtigt, wie oft man eine spielbare Hand trifft. Bei einem Pocket ist das automatisch ein Monster, bei einem suited Connector in der weit überwiegenden Zahl der Fälle nur ein Draw.
    • Gnolx
      Gnolx
      Bronze
      Dabei seit: 03.02.2010 Beiträge: 139
      Verstehe, dann kann ich die restlichen Werte der Tabelle in mein Preflopgame einbauen.
      Das sollte an Preflopmaterie erstmal reichen :)
      Danke
    • Gnolx
      Gnolx
      Bronze
      Dabei seit: 03.02.2010 Beiträge: 139
      Jetzt hab ich begonnen die PottOdds preflop genauer zu betrachten und die Information präziser in mein game einzubringen. Nun sind mir Fragen aufgekommen die mich in meinem Verständniss weiterbringen würden.
      Der oben genannten Tabelle zu folge spielt man einen suited 1-gapper ab 3.5:1 PottOdds.
      Diese bekommt man ja praktisch schon wenn es einen raiser preflop gibt und man selbst im Bibblind sitzt. Dem BBdefense Chart geht man nen UTG1 raise jedoch erst mit T9s mit.
      Hat dies damit zutun das man in jener Situation mit 64s zwar genug Equity für einen call hätte, die Hände aber ihrer playability nach schwer zu spielen sind. Und daher werden diese schwächeren Hände nicht im Chart gelistet, da dies ja ein Anfänger Chart ist. Bei einem Spieler sind auch die Implieds falls man mit den Spekulativen hitten sollte wesentlich geringer, weshalb man in dem Fall vorsichtiger sein sollte. Seh ich das richtig?
      Danke
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Im Silberchart sind noch mehr Hände gelistet als im Bronzechart. Erfahrung und die Fähigkeit, postflop Situationen einschätzen zu können, spielen also eine Rolle.

      Du spielst gegen Raises aus frühen Positionen anders als gegen späte Positionen. Das liegt daran, dass frühe Positionen bessere Hände spielen als späte. Insbesondere ist der Anteil an Pockets höher. Es ist daher praktisch, wenn deine Paar-Outs höhere Paare machen.
    • Rooyy
      Rooyy
      Bronze
      Dabei seit: 05.08.2008 Beiträge: 166
      wenn ich aber utg jj+ gebe ist es doch egal ob ich mit 98s oder 65s defende. grade gegen utg raises habe ich ja bessere implieds.
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Prinzipiell ja, aber der Silberchart geht erst ab MP2 los. Von Unterscheidungen kann man dann auch erst ab diesen Positionen sprechen.

      Ansonsten ist 98s gar nicht im Verteidigungschart gegen UTG und UTG hat nicht JJ+, sondern 99+, AJs+, KQs, AQo+. T9s ist der schlechteste Konnektor im Chart. Damit hast du noch knapp 32% Equity. Mit 98s hast du 1,2% weniger. Das macht es im Grenzbereich schon aus. Gegen JJ+ kann man schon QJs vergessen.
    • macbas
      macbas
      Bronze
      Dabei seit: 19.07.2010 Beiträge: 445
      Also ich versuche auch nach der Bronze Chart zu spielen, aber das treibt mich gelegentlich fast in den Wahnsinn. Bis ich die Richtige Chart für den entsprechenden Fall gefunden habe ist oft die Zeit fast abgelaufen. Gibts nicht ne vereinfachte Variante die daran anlehnt?
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Der Einsteigerchart ;)

      Es gibt mehrere Dinge, die du tun kannst, um dir das Lernen des Charts zu vereinfachen:

      Lerne ihn Schritt für Schritt. Das Kernstück ist die first in Tabelle. Die anderen bauen darauf auf. Du kannst erstmal nur diesen Chart anwenden und den Rest nach Einsteigerchart spielen, bis du den nächsten Schritt machst. Die nächsten zwei wichtigen Tabellen sind die Tabelle 3-bet gegen eine Erhöhung und big Blind-Verteidigung. Das zusammen mit der first in Tabelle deckt 80% aller Situationen ab. Der Rest sind dann nur noch ein paar kleine Tabellen, die schnell zu lernen sind.

      Drucke den Chart aus. Markiere die Voraussetzungen, den Chart anwenden können, mit einem Farbmarker. Z. B. First-in, 3-bet gegen eine Erhöhung, big Blind-Verteidigung usw. Du kannst ein Farbschema verwenden, das die vergangenen Aktionen nach vorangegangener Aggression markiert. Z. B. First-in Chart/Mitgehen aus dem small Blind/Aktionen gegen Caller in grün, 3-bet/Mitgehen-Erhöhen gegen Raiser und Caller/big Blind-Verteidigung in rot. Dann helfen dir die Farben sehr schnell, die richtige Tabelle zu finden, je nachdem, was vorher auf dem Tisch passiert ist. Du kannst natürlich weiter verfeinern. Du kannst auch die Charts mit der Schere voneinander trennen und an den Monitor kleben. Z. B. links die grünen, rechts die roten Charts.
    • macbas
      macbas
      Bronze
      Dabei seit: 19.07.2010 Beiträge: 445
      Cool, danke. Ich werds mal mit diesen Ansätzen probieren. Vor allem das mit der Schere hatte ich mir auch schon überlegt :) .