Wie analysiere ich meine Sessions am besten ?

    • crunchynuts
      crunchynuts
      Bronze
      Dabei seit: 16.10.2008 Beiträge: 113
      Hallo,

      ich habe vor mich in Zukunft etwas intensiver mit meinem Pokerspiel auseinanderzusetzen, da es seit ewiger Zeit eher nur seitwärts statt vorwärts bzw. aufwärts geht.

      Ich habe sowieso so wenig Zeit, um mit Poker das große Geld zu machen, dass ich den Gewinn gerade bei meinen Limits (0,1/0,2 - 0,25/0,50) halt aus sportlicher Sicht sehe, nach dem Motto, dass etwas voran geht.
      Ich sehs halt momentan eher als Computerspiel, bei dem ich besser werden will und in den Leveln vorankommen will.

      Aktuell habe ich aufgrund meiner Arbeit Zeit für so ca. 300-500 Hände pro Tag. In Zukunft wahrscheinlich weniger, wenn ich noch die Zeit für die Nachanalyse verwende.

      Bin also ein typischer Freizeitspieler, der nicht unbedingt der großen Kohle hinterher rennt, sondern ehrgeizig ist, sein Spiel zu verbessern.



      Vor kurzem habe ich die neuen Silber-Artikel über die Stats gelesen und fand die sehr interessant.

      Also ich habe folgendes vor:

      Aus jeder Session schaue ich mir die Hände mit mittlerem bis großen Verlust an und versuche herauszufinden, ob ich weniger hätte verlieren können.
      Ausserdem schaue ich mir auch die Hände mit mittlerem bis großen Gewinn an, um zu sehen, ob ich Value hab liegen lassen, oder ob ich trotz falscher Entscheidungen nur Glück gehabt habe.

      Software habe ich Holdem Manager und Equilator.

      Ok, mein Ziel ist formuliert, die technischen Mittel sind vorhanden.
      Nur ist die Frage, wie nutze ich die Software am effizientesten ?

      D.h. welche Werte sind für mich wichtig, was erstmal das GROBTUNING ("Hobeln") bei meinem eigenen Spiel betrifft.
      Das FEINTUNING ("Schleifen") kommt später, denke ich.

      Ausserdem möchte ich sehen, ob ich meine Entscheidungen aufgrund der Gegnerstats hätte anders treffen müssen. Dafür sind die o.g. Stats-Artikel ganz gut.

      Hände, bei denen ich mir auch in der Nachbetrachtung unschlüssig bin, werde ich im Handbewertungsforum posten.



      Meine Analyse-Annahmen (bitte korrigieren, falls falsch):

      Ich würde es halt so machen, dass ich versuche in jeder Hand meinen Gegnern eine Range zu geben und dann vergleiche ich die Equities mit dem Equilator.
      - Die Range des Gegners bestimme ich aus dem
      - > VPIP, wenn er limpt
      - > PFR, wenn er raised
      - > VPIP-PFR, wenn er callt

      - Wenn meine Equitiy größer ist, als die der Gegner mit den angenommenen Ranges hätte ich raisen müssen/können.
      - Wenn meine Equity größer ist, als die durchschnittliche Equity (100/Spielerzahl), hätte ich in einer Situation callen können.

      Ich würde auch versuchen, die Ranges mal ein wenig zu verschieben, um zu sehen, ab wann sich die Entscheidungen ändern sollten.

      Das wäre so meine Vorgehensweise.

      Bevor ich jetzt loslege und vielleicht unwichtige Sachen zu sehr betrachte und wichtige vergesse...

      Nur wie macht ihr so eine Session-Analyse ?
      Welche Hände schaut ihr an ?
      Wie geht ihr dabei vor ?
      Welche Werte muss ich in Beziehung setzen ?
      Wie kann ich genau sehen, ob eine Entscheidung call/raise/fold (mathematisch) richtig war oder nicht ? (bluffs und situationsbedingte Abweichungen mal aussen vor)
      Also alles bezogen auf fixed limit, falls es da Besonderheiten gibt.



      Ok, das war jetzt sehr viel Text.
      Ich würde mich freuen, wenn die erfahreneren Spieler / Mods / Handbewerter mir kurz den Weg in die richtige Richtung weisen könnten.
      Bitte ruhig alles an Kritik loswerden, was an meiner Denkweise falsch ist und was ich komplett anders machen sollte.

      Und nachdem ich im Handbewertungsforum schon sehr positive Erfahrungen gemacht und viel Hilfsbereitschaft Einsteigern gegenüber kennengelernt hab, bin ich auch zuversichtlich, dass es auch hier im allgemeineren Teil klappen könnte...

      Danke schonmal.
  • 8 Antworten
    • Tijfg
      Tijfg
      Bronze
      Dabei seit: 09.07.2009 Beiträge: 7.327
      hier mal zwei Thread wo schon ein einige Sachen erwähnt wurden
      Session-Review, aber RICHTIG! (Bitte weiterhin um Hilfe/Vorschläge)
      Nachbearbeitung einer Session
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Da deine Zeitresourcen begrenzt sind, rate ich dir, dein Spiel so zu untersuchen, dass du zuerst das untersuchst, was dir bei geringstem Zeitaufwand den grössten Effekt bringt. Danach verfeinerst du.

      Als erstes gilt es zu klären, wie es mit Tisch- und Sitzselektion steht. Das hat neben dem Rake den mit Abstand grössten Effekt auf deine Gewinnrate. Je weniger Fische an deinen Tischen sind, desto kleiner sind deine Gewinne.

      Dann suchst du dir die Spielsituationen raus, in denen du dich generell am unwohlsten fühlst. Das kann das Spiel gegen bestimmte Gegnertypen sein (LAGs, Maniacs), bei bestimmten Handstärken (z. B. Overcards), bei bestimmten Aktionsfolgen (z.B. Gegner raist Turn und hat Position, Donkbets) oder in bestimmten Positionen (z. B. Blindverteidigung). Das sind wahrscheinlich die Spielsituationen, wo deine Unsicherheit am grössten ist. Mit dem HM kannst du gezielt danach filtern und dir das genauer anschauen. Damit bildest du themensortierte Schwerpunkte, wo du dein Spiel gezielt verbessern kannst. Das bringt dir mehr als die quer Beet Analyse.

      Hast du deine Schwerpunkte gefunden, überprüfst du, ob die von dir gespielten Linien der generellen Situation angemessen waren. Das bedeutet insbesondere, ob du die Standardlinien gespielt hast oder davon abgewichen bist. Bist du abgewichen, werde dir über die Gründe klar. Dann gilt es herauszufinden, ob deine Einschätzungen während des Spiels zugetroffen haben. Da erst hilft dir der Equilator.
    • crunchynuts
      crunchynuts
      Bronze
      Dabei seit: 16.10.2008 Beiträge: 113
      Super, vielen Dank für die Antworten.

      Es macht Sinn, die Hände zu kategorisieren (Situationen, Gegner, Handkarten, Position).
      Dadurch wird die Sache viel strukturierter.

      Zur Tischselektion:
      Ich habe schon den Artikel gelesen und auch Forumthreads.
      Ich kann mich momentan nur danach richten, an Tische mit möglichst hoher Zahl der Spieler pro Flop zu gehen. Das geht aber dann nur an Tischen mit 4-5 Spielern (6-max Tisch), da bei weniger Spielern ja der Anteil Spieler/Flop höher wird, weil man looser spielt.

      Nur oft hat man dann bei der Sitzselektion nicht so viel Auswahl, wenn man nicht gerade an einen fast leeren Tisch geht. Ausserdem denke ich, kann ich erst Sitzselektion betreiben, wenn ich genug Daten über bestimmte Spieler gesammelt habe, damit ich weiss, wo es sich am meisten lohnen könnte.

      Dann werde ich mich mal an die Analyse machen, bis ich auf die ersten weiteren Fragen treffe ;-)

      Danke auch für die Links Tijfg, die habe ich zu meinen Favoriten und werde sie mir auf jeden Fall durchlesen, um weitere Vorgehensweisen zu sehen.
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Ich benutze einen Table Scanner zur Tischselektion. Der sucht zu jedem Tisch im ausgewählten Limit an Hand der Datenbank die Daten jedes Spielers raus. Die kannst du dann sortieren lassen (z. B. nach VPIP) und dich gezielt in die Wartelisten der entsprechenden Tische eintragen. Ein Scanner kann auch Buddylists verwerten.

      Zur Tischselektion habe ich die Kombination aus Pokertracker und PokerAce, was mir die Stats von Tischen/Spielern schon anzeigen kann, bevor ich mich an den Tisch setze (deshalb benutze ich diese alte Software noch). Mit HM ist das leider keine Option. Man kann sich auch mit einem Tablescanner orientieren, wenn man die Spieler entsprechend sortiert (z. B. nach Alphabet).

      Spadeit vertreibt kommerzielle Tablescanner. Ein kommerzieller Scanner in der Beta Phase befindet, der kostenlos getestet werden kann, ist Table Scan Turbo. Für PartyPoker gibt es noch die Party Tools, die auch einen TableScanner beinhalten.

      Ansonsten kannst du dich mit Buddylists und Notes behelfen. Die Buddylist verwendest du so: Du suchst dir die schlechtesten Spieler in deiner Datenbank raus und trägst sie in die Buddylist des Pokerraums ein. Die meisten Pokerräume bieten eine solche Buddylist an, nach deren Spielern man dann in der Lobby suchen kann.

      Die Notes kannst du verwenden, in dem du die Statistiken aus deinem HUD einträgst. Wenn du nicht gerade mass-multitablest, solltest du das alle paar 100 Hände für jeden Spieler auf deinen Tischen machen können. VPIP/PFR/Anzahl Hände sind die wichtigsten. Diese Stats sind dann zwar nicht auf dem neuesten Stand, aber du hast sie schon zur Verfügung, bevor dein HUD sie anzeigt. So kannst du Sitzselektion betreiben.
    • crunchynuts
      crunchynuts
      Bronze
      Dabei seit: 16.10.2008 Beiträge: 113
      Wow, interessante Vorgehensweise.

      Ich bin kürzlich erst von Party zu Pokerstars gewechselt ...
      Dort gibts keine Buddylist oder ?
      Dann müßte ich ja eigentlich wieder zurück...

      ---
      Nochmal zur Sessionanalyse:

      Bin gerade bei einer Hand auf folgende Situation gestossen:

      Spieler A: VPIP 18, PFR 15
      Spieler B: VPIP 55, PFR 15

      PFR ist ja der Anteil der Hände, die der Spieler vor dem Flop raist.

      Wenn ich jetzt diesen Spielern eine Range geben müßte, wenn Sie getrennt voneinander jeweils first in preflop raisen...
      ... müßte ich da die gleiche Range ansetzen ?

      Ich meine halt, weil der VPIP-Wert so stark abweicht, könnte ich mir vorstellen, dass Spieler B zwar 15% seiner Hände preflop raist, aber generell etwas schwächere Karten dabei verwendet...

      Oder ist das falsch ?
    • Hohlkopp
      Hohlkopp
      Bronze
      Dabei seit: 17.07.2008 Beiträge: 2.022
      Original von crunchynuts
      Ich meine halt, weil der VPIP-Wert so stark abweicht, könnte ich mir vorstellen, dass Spieler B zwar 15% seiner Hände preflop raist, aber generell etwas schwächere Karten dabei verwendet...

      Oder ist das falsch ?
      Im Prinzip raisen ja beide Spieler mit der gleichen Häufigkeit.
      Generell zu sagen, daß der 18/15 trotzdem bessere Hände raist, würde ich nicht pauschal sagen bzw. es anders formulieren. Er wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ziemlich genau die 15% besten Hände raisen. Das heißt zum einen natürlich, daß die Hände im Schnitt wirklich etwas besser sind als die des 55/15 Spielers, andererseits läßt sich somit die Range aber ziemlich genau eingrenzen, und er ist unter Umständen einfacher zu readen.
      Der 55/15 Spieler wird durchaus auch mal ein paar Hände raisen, mit denen man nicht rechnen würde. Die Durchschnittsstärke mag damit etwas niedriger liegen, allerdings kann man ihn nicht immer so gut auf eine Range setzen.

      So ist zumindest meine Erfahrung. Trotzdem, auch wenn man den 18/15 Spieler vermutlich besser readen kann und dann auch eher stealen, wenn das Board seine Range verfehlt haben wird, so wird man sich doch (fast) immer den 55/15 Spieler suchen, da er fast immer die größere Leaks haben wird, vor allem postflop.

      Ist natürlich alles mit Vorsicht zu genießen, wenn man sich nur auf die beiden Stats fixiert, aber im Allgemeinen wird es schon in die genannte Richtung gehen.
    • Floridachris
      Floridachris
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 22.08.2006 Beiträge: 1.701
      Beachte auf jeden Fall auch die Anzahl Deiner gesammelten Hände um den Stats "festigkeit" zu geben. Wenn ich von beiden Spielern genug Hände habe würde ich auch beiden die 15% geben.
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Siehe Hohlkopp. Der 18/15 Spieler wird sich sehr an der Equity der Starthände orientieren, d. h. seine 15% sind die top 15%. So ein Spieler agiert rational. Der 55/15 Spieler ist weniger berechenbar. Er spielt viel mehr Hände und kann daher beim Raisen Hände bevorzugen, die nicht unter die top 15% fallen. Solche Spieler können die top 5% durchaus slow spielen und raisen dann erst die mittelguten Hände, oder Hände, die aus irgendwelchen Gründen Lieblingshände sind.

      Dem 55/15 Spieler musst du daher eine grössere Unsicherheit über seine Range geben. Erst die postflop Aktionen geben manchmal Aufschluss darüber, wie seine Range aussieht.