Handbewertungsanleitung/kontrolle über den Gegner erlangen

    • kingkevin8887
      kingkevin8887
      Bronze
      Dabei seit: 03.09.2006 Beiträge: 1.763
      So jungs. es ist wieder so weit, bissl Content von mir der auf meinem eigenen mist in den letzten tagen/wochen gewachsen ist(und der mir während meines letzten coachings erst richtig bewusst wurde[davor hab ich es einfach gemacht und nicht weiter drüber nachgedacht]):

      Da ich von ps.com angesprochen wurde ob ich evtl professioneller Handbewerter für das HU forum machen würde, dies dann aber leider doch nicht geklappt hat, habe ich mir einen leitfaden gemacht wie ich die hände bewerten würde. (einfach um bissl schneller bei der arbeit voran zu kommen und mich an paar eckdaten richten zu können)

      zum ersten muss ich sagen das dieser leitfaden natürlich nicht universell einsetzbar ist oder immer der richtige weg. ich schreibe das ganze jetzt nur so aus meinen gedanken heraus auf und werde evtl später nochmal editieren:

      Hier sind meine ersten schritte bei einer handbewertung:

      1. Effektive Stacksize
      2. Position
      3. Reads über den Gegner
      4. Range des Gegners
      5. Potgrösse, bzw größe der Bet
      6. Mindset des Gegners
      6.a unser Image
      7. Eigene Handstärke
      8. Welche Auswirkung hat Ergebnis ABC... auf den weiteren Verlauf des Spiels und auf den Gegner

      --> Aktion

      Das sind ungefähr meine Gedankengänge (in dieser reihenfolge)bevor ich eine Hand spiele oder bewerten würde.

      Um das ganze mal zu veranschaulichen habe ich eine handhistroy durchgearbeitet:

      Grabbed by Holdem Manager
      NL Holdem $60(BB) Replayer
      Hero ($2,420)
      ($1,580)

      Dealt to Hero 3:diamond: 2:diamond:

      calls $30, Hero checks

      FLOP ($120) T:spade: 5:heart: 5:club:

      Hero checks, bets $120, [color=red]Hero?


      1. wir sind bei 30/60 und der kleinste stack ist 1550 = 25BB
      wir erkennen also sofort, dass es auf keinen fall PoF modus ist, wir aber auch nicht mehr wirklich deep sind. aber es ist noch ein bisschen spielraum drinnen.

      2.wir sind OOP, hinzufügen muss ich an dieser Stelle, dass wir im verlauf des matches sehr tight OOP waren!

      3.Der Gegner hat ca 70% seiner Hände Preflop geraist, mit 60% seiner hände OOP gecallt. Sehr selten auf Cbets gefolded (vielleicht 20% fold) und selbst jedes Board 3/4 PS bis PS angespielt und auch weitere Barrels gefeuert. Jedoch hat er öfter auf raises seiner bets gefolded.

      4. Seine Range ist hier 100% wobei ich bei einem agressiven gegner wie diesem hier die Top hände, dh 99+ KQ+ AJ+ weglassen würde, da er mit diesen händen eher raist.

      5. Potgröße ist 120 und der gegner Cbettet weitere 120 =240 chips

      6. wir könnten den gegner vor 5 händen mit midpair runtercallen und haben einen bluff aufgedeckt und einen größeren Pot gewonnen. er hat nicht damit aufgehört agressiv zu spielen aber warscheinlich an respekt vor uns gewonnen, wenn wir stärke zeigen.

      6.a Ich schätze der Gegner sieht uns so: wir spielen passiv in letzter zeit und haben selten stärke gezeigt. wir haben mit einem mittlerem paar nur heruntergecallt, dh wenn wir raisen haben wir eine wirklich starke hand. bis jetzt waren wir nur IP agressiv und OOP eher passiv

      7. wir halten eine trash hand

      8. 1. Szenario: wir folden die hand einfach und der gegner gewinnt einen kleineren Pot von 2BB (die 120 die drinnen waren). was keine weiteren auswirkungen hat, jedoch bestärkt es den gegner weiterhin Pötte zu attakieren, was bei den relativ hohen Blinds sehr schlecht für uns ist. da wir nicht ewig auf eine hand warten können.

      2. Szenario: wir callen die bet des gegner. Dies würde recht stark aussehen, aber den Pot auf eine größe von 360 chips bringen. durch punkt 3(reads über den gegner) wissen wir, das er öft auf dem turn den pot weiter attakieren wird und wir dadurch am turn nicht check-check spielen können und mit einer bet am river den pot mitnehmen können. ein check/call am flop und ein check/raise am turn als bluff würde zu viele unserer chips gefährden.

      3. Szenario: wir spielen am flop check-raise und nehmen den Pot mit. -> der gegner würde an "fahrt" verlieren und in zukunft seltener das board angreifen, was für uns ideal wäre, da die blinds schon hoch sind und wir gerne die pötte in zukunft einsammeln würden( wie viel das in chips wäre kann keiner sagen. aber ich denke im verlauf des matches könnte man schon einige BB dadurch einsammeln. (wenn der gegner öfter am flop behind checkt und auf eine donk am turn aufgibt, oder wir dadurch eins unserer outs treffen)

      4. szenario: wir spielen check-raise am flop und er geht all in und wir müssen folden. die ganze aktion würde uns ca 300-400 chips kosten, dennoch hätten wir noch einen chiplead von ca 1,3/1. aber es würde unseren gegner bestärken weiterhin agressiv zu spielen.


      So nun müssen wir, nach dem wir alle Szenarien und deren vorhergesagte wirkung auf den verlauf des spiels und auf den gegner geschätzt haben, herausfinden welche aktion die beste für uns ist.

      Mein größtes bestreben ist es in einem HU die kontrolle über den gegner zu haben. Mein traumgegner sieht so aus:

      In früher Phase übermäßig agressiv, er raist oft 4-7BB und/oder bettet fast jede street Potsize

      In der mittleren Phase lässt die agressivität nach und er wird passiv udn tighter.

      in der späten phase wird er sehr tight und nittig, folded viel zu viel und raist kaum.

      [Gegen so einen gegner kann man sehr einfach spielen, am anfang mit guten händen das geld reinbringen, in der mitte einige kleinere pötte mitnehmen und am ende massig blinds klauen.]

      Szenario 1 fällt daher weg, da wir dem gegner weiterhin freies spiel gewähren und ihn nicht nach unserem belieben beeinflussen können.

      Szenario 2 würde und sehr viel respekt entgegenbringen und den gegner optimal beeinflussen, birgt aber zu hohe risiken und einen totalen gesichtsverlust wenn die aktion nicht klappen sollte.

      Szenario 3 wäre der Idealfall für uns. wir können durch einen recht billigen bluff unseren chiplead ausbauen und den gegner dazu bringen so zu spielen wie wir es wollen.

      Szenario 4 wäre natürlich auch schlimm, dennoch bleibt der chiplead erhalten. wir verlieren zwar das image "der raist nur wenn er etwas hat" aber können den gegner trotzdem ein bisschen ausbremsen jeden flop zu attakieren, da er nun jederzeit damit rechnen muss von uns als bluff oder mit einer wirklich guten hand gecheckraist zu werden.

      daher bevorzuge ich in diesem Spot einen checkraise!

      sorry das ich jetzt gleichzeitig 2-3 sachen (zum einen die handbewertung und meine gedanken zur gegnerbeinflussung sowie die wirkung auf den spielverlauf) auf einmal hier reingepackt habe und das ganze auch noch nicht so ganz gut formuliert ist. Aber ich denke es kann dem einen oder anderen helfen in husng´s voran zu kommen und sein Spiel in hinsicht auf Gegneranpassung und -beeinflussung zu verbessern.

      Ich denke das dieses Thema in HUSNG allgemein zu wenig beachtung bekommt. Vielleicht findes jemand hier ja noch fehler oder verbesserungsvorschläge. dafür wäre ich dankbar!

      Just my 2 cents
  • 3 Antworten
    • Att0r
      Att0r
      Silber
      Dabei seit: 27.02.2007 Beiträge: 4.158
      good post! :s_thumbsup:

      auf so einen thread warte ich schon lange... :)
    • JayGatsby
      JayGatsby
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 27.07.2006 Beiträge: 8.976
      Hey Kevin finde den Post insgesamt gut, ist schonmal ein guter Ansatz, vor allem, dass du versuchst das Metagame miteinzubeziehen.

      Ein Kritikpunkt:

      Bei der Handanalyse fehlen imo wichtige Punkte, die ersteinmal eine größere Priorität haben, als die Auswirkung eines Spielzuges auf das Metagame.

      Ich würde irgendwo zwischen 4. und 6. noch die Boardstruktur und die mögliche Entwicklung des Boards miteinbeziehen.

      Also z.B. Fragen wie:

      (1) Welche Draws bietet das Board?

      (2) Wie hat dieses Board Villains Range gehittet, wenn er nur ca. 20% OOP defended?

      (3) Wie hat das Board meine perceived Range gehittet?

      (4) Gibt es viele gute Bluffkarten auf Turn und River? Oder so ähnlich.
    • kingkevin8887
      kingkevin8887
      Bronze
      Dabei seit: 03.09.2006 Beiträge: 1.763
      Ja sehr gute Ansätze gefällt mir wirklich / hab nur kurz in20min meine Gedanken druntergeschrieben und paar Sachen ausgelassen. Aber denke das ganze kann man noch gut ausbauen und nen guten Artikel schaffen. Thx für die anregungen. Sonst keiner was dazu zu sagen? Oder fehlen euch mal wieder die Bilder und Graphen? Oder ist's ned gut was ich geschrieben habe?