AQ Preflop: eine Anfängerfrage

    • yriih
      yriih
      Bronze
      Dabei seit: 29.06.2009 Beiträge: 577
      Folgende Situation:

      Ein V. openraise von EP ca. 9-11% seiner Hände (44+, oder 77+, AT, KQ). Ich bin hinter ihm entweder auch EP oder MP1 mit AQ. Ich habe rein statistisch 50% EQ

      Wie reagiere ich auf seinen Raise.

      CC gefällt mir nicht, weil ich damit anderen gute Pott odds gebe oder sie zum Squeezen einlade.

      Raisen gegen diese Range ist auch nicht ganz einfach, wenn man nur ungefähre Stats hat.

      Es sieht mir danach aus, dass man AQ hier als Anfänger sogar folden könnte?

      Was macht ihr in dieser Situation?
  • 3 Antworten
    • Scooop
      Scooop
      Bronze
      Dabei seit: 26.03.2009 Beiträge: 22.773
      Ein fold ist definiert mit dem EV von 0 - sprich, wenn du foldest machst du keinen Verlust. Wenn du die Hand spielen willst musst du also davon ausgehen, dass du einen EV >0 erzielen kannst. Kannst du das nicht solltest du einfach folden (ist keine Schande)

      Mit AQo ein openraise aus UTG zu callen macht nur dann wirklich Sinn, wenn er viele schlechtere Aces in der Range hat mit denen er dich dann auf einem Axx board gut auszahlt.
      Sehr viele Spieler openraisen aus UTG maximal AJo+,ATs+, manche auch nur AQo+,AJs+ - denn ATo+ zu openraisen ist (imo) ein Fehler da du insgesamt zu hohe reverse implied odds mit der Hand hast. Von daher wird er nicht wirklich viele Aces in der Range haben die du dominierst.

      Hingegen openraisen sehr viele Leute 22+ aus UTG - auf eine 3bet sollten sie daher enorm viele Hände folden, so viele dass die 3bet alleine aufgrund der FE +EV ist.
      Zusätzlich ist eine typische 4bet Range: QQ+,AK - das sind 34 Kombinationen (10% openraise sind 132 Combos) - du blockst mit AQ 10 Combos dieser Range, macht also nur noch 24 Combos für Villain - sprich: er muss, wenn er ~130 Combos openraist und nur mit 24 Combos 4bettet wenn du AQ hast, >80% seiner Range folden - damit ist eine 3bet ohne jede postflop Equity schon +EV.

      Kurzum: call preflop ist oft keine so gute Idee da er nur wenige Hände spielt die du dominierst, dafür ist eine 3bet sehr stark, da du enorm viel FE erzeugst und mit AQ eine Traumhand in Sachen blocker hast. Auf eine 4bet musst du zwar folden, aber der Gewinn kommt alleine durch die FE.

      (advanced line: viele Spieler folden ihre kleinen PPs auf eine 3bet nicht, weil sie hoffen ein set zu treffen und dann deinen stack zu gewinnen - gehört Villain zu dieser Sorte ist die 3bet noch wesentlich profitabler, da er zwar preflop oft callen wird, aber auf 7 von 8 cbets folden wird (cbetsize im 3bet Pot sollte u.a. auch deshalb ~1/2 Pot sein)).
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Ich persönlich halte 3-Bets mit AQ als Bluff nicht für gut, da es grade gegen Gegner aus frühen Postionen zu unangenehmen Szenen Postflop kommen kann.

      AQs ist grundsätzlich eigentlich kein Problem in einem Multiwaypot zu spielen, d.h. mit AQs würde ich viel eher coldcallen (wenn eine 3-Bet nicht optimal ist) als mit AQo.

      Wie entscheide ich, ob ich AQo coldcalle?

      i) wenn hinter mir ein sehr schlechter Spieler sitzt und ich Position auf den Openraise zumindest habe / oder der Openraiser sehr schlecht ist -> natürlich möchte ich solide Hände gegen sehr schlechte Spieler spielen.

      ii) ich hab absolute Position oder sehr wahrscheinlich absolute Position, wenn ich calle und bin in der Lage gegen die Range des Gegners vernünftig zu spielen. Wenn ich z.b. gegen eine openraisingrange von TT+, AQ+ spielen, dann hilft es mir auch nicht viel AQ zu haben, da ich gegen seine Range keine Equityedge habe.

      iii) mein Coldcall sollte mehr EV erzeugen als eine 3-Bet oder ein Fold. (ein Fold hat den EV 0) -> d.h. bevor du coldcallst solltest du dir sicher sein, dass du mit dem Spielzug Geld gewinnen wirst.

      iv) Squeezer hinter dir. Dies ist so eine Sache, vor allem wenn du auf eher passiven Limits spielst oder deine Openraiser sehr tight sind (sind die Openraiser sehr tight, dann ist es meist sogar besser zu folden -> da du gegen ihre Ranges zu selten vorne bist, wenn sie z.b. aus früher Position openraisen).
      Sobald du allerdings gegen aggressivere Spieler spielst, die sehr viel squeezen, dann kannst du deine coldcallrange auf mehrere Weisen balancen. Du fängst an AA/KK/QQ manchmal zu callen auf Openraises und/oder fängst an mit so Händen die du gegen openriases callst wie z.b. TT oder AQ über die Squeezes dann zu pushen, wenn der Openraiser nur called oder folded.

      v) 3-Bet: Deine Gegner sollten auf deine 3-Bets entweder eine Range callen, die wirklich viele schlechtere Hände beinhaltet (dann kannst du auf 4-Bets folden) oder wenn er regelmässig 4-bettet und wenig auf 3-Bets called, dann sollte er darin viele schlechtere Hände 4-betten.


      Am besten wird es sein, wenn ich mal ein Video zu der Thematik mache, da ich dir unglaublich viel eigentlich dazu sagen kann, aber es sehr komplex ist, da man soviele Dinge beachten muss.

      Grundsätzlich aber: Wenn du dir nicht sicher bist in einem Spot eine Edge zu haben, dann ist es meist besser erstmal zu folden.
    • yriih
      yriih
      Bronze
      Dabei seit: 29.06.2009 Beiträge: 577
      Danke für eure Kommentare!