Bluff am River

    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.679
      Dieser Thread ist im Zusammenhang mit diesem Thema zu sehen:

      ccR mit Ini

      Es geht in erster Linie um den River OOP mit Ini. Ich denke aber, dass der Gedanke auf andere Situationen übertragbar ist.
      Bitte überprüft doch mal, ob meine Aussagen richtig oder falsch sind. Eine Begründung/Erläuterung folgt unterhalb. Mir ist beim Schreiben bewusst geworden, dass ich dies alles schon mal gelesen habe. Meist verstehe ich es aber erst, wenn ich es selber nochmal aktiv resumiere:

      1. Ein Bluff in einem großen Pott ist sinnlos, da Gegner nicht mehr folden.
      2. Ein Bluff in einem kleinen Pott ist sinnlos, da der Einsatz zu groß ist.
      3. Für einen erfolgreichen Bluffversuch sind Reads über den Gegner unerlässlich.
      4. Für einen erfolgreichen Bluffversuch muss ich wissen, wie mich mein Gegner einschätzt.
      5. Wenn mir Bluffs gelingen, sollte ich häufiger bluffen.
      6. Der Einsatz ist absolut zu sehen und nicht in Abhängigkeit zum Pott. D.h. wenn mein Versuch scheitert habe ich 1BB verloren, egal ob dies in einem 20 BB Pott ist oder in einem 4 BB Pott.

      Erläuterungen:
      zu 1.): Wenn der Pott unendlich groß wäre, wäre der Einsatz im Verhältnis zu vernachlässigen. Man könnte also beliebig häufig callen, wenn man die Chance hat irgendwann mal vorne zu sein.

      zu 2.) Wenn der Pott 0 BB groß wäre, würde ein Bluff natürlich keinen Sinn machen. je kleiner der Pott, um so häufiger muss er gelingen. Auf der anderen Seite: Der Einsatz des Gegners den Bluff zu catchen ist natürlich genau so groß.

      zu 3.) Wenn mein Gegner nie foldet, macht es keinen Sinn zu bluffen. Hier ist für mich nicht klar, ob bzw. ab welchem Limit Spieler sich die gleichen Gedanken machen wie ich. Ich bin mir sicher, dass es viele Gegner gibt die denken: "Cool, ich habe 2pair!" Und sind mit T :heart: 9 :diamond: auf einem Board wie
      9 :spade: T :spade: J :spade: Q :heart: K :club: immer am SD. Dann frage ich mich, ob es im Hud eine Anzeige gibt, wie SD-bound jemand ist, wenn PF gecapped wurde. Also wie weit sie sich von dem Preflopspiel beeinflussen lassen. Beispiel TT auf AQ9xx oder so was. Bzw. eine Anzeige, wie die SD-boundness zunimmt mit der Größe des Potts.

      zu 4.) Dies ist bestimmt Limitabhängig. Auf den microlimits geht es ja nur so: "Der blufft! Der hat nix!" Ich muss zugeben, über diesen Punkt habe ich mir bisher wenig Gedanken gemacht, weil es immer wieder heißt, dass auf 0,50/1 man kein Balancing betreiben muss, da der Spielerpool zu groß ist und die gegner sich eh keine Notes machen. hier hilft mir der WTSD ja nur bedingt weiter. Denn evtl. ist jemand gegen mich immer am SD, gegen einen passiven gegner auf eine Bet aber nie. Was hilft weiter?

      zu 5.) Ich meine gelesen zu haben, dass das stimmt. Bin mir aber nicht sicher. Der Umkehrschluss ist definitiv richtig. Werde ich immer wieder erwischt, dann weniger bis gar nicht bluffen.

      zu 6.) Dies habe ich ja schon widerlegt. Ich starte einen Bluffversuch ja nicht, um die 1 BB zu verlieren, sondern um den Pott zu gewinnen. Bei einem großen Pott muss mir das seltener gelingen, als bei einem kleinen. Daher ist Bluffinduce in kleinen Pötten ja auch wichtig. Induce ich in einem kleinen Pott einen Bluff ist der Verlust des gegners, sprich mein Gewin, als höher zu erachten.

      Allgemein:

      meinen Erfahrungen nach gelangen mir die meisten Bluffs in unraised Pötten, wenn keiner Interesse zeigte und eine Blank am River fiel.
      Bspw. Holecards im BB J3 Board AT9 2 7. Ich könnte mir vorstellen, dass das auch daran liegt, dass die Spieler nicht wissen, dass sie mit Khigh SDvalue haben. Andersrum mit K3 habe ich das Gefühl, dass selten geblufft wird und ich dann den Pott ui gewinne oder eben gegen einen besseren Kicker verliere. Klar könnte ich meine Hand in einen Bluff turnen, das wäre imo aber auf meinem Limit nicht angemessen.
      Meine Auflösung:

      1.) falsch
      2.) falsch
      3.) reads sind gut aber nicht unerlässlich
      4.) erst auf höheren Limits notwendig?!
      5.) richtig
      6.) falsch
  • 3 Antworten
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Ich stimme mit dir weitgehend überein.

      zu 2) Sowohl NL als auch das Spiel in unraised Pötten sind eine direkte Widerlegung dieser These. In NL hat man bei einem Bluff selten Odds besser als 2:1. Trotzdem kann dort erfolgreich geblufft werden. In FL funktionieren Bluffs in unraised Pötten gut, weil der Gegner oft schwach ist und den Flop nicht so oft getroffen haben kann, dass der Bluff unprofitabel wird.

      3. Man kann auch gegen unknown bluffen. Wichtig ist eben, dass man dem Gegner eine Story verkaufen kann, die zum Board passt und seine Range Schwäche beinhaltet. Insbesondere Semibluffs sind Standard gegen unknown Spieler. Das sind zwar keine reinen Bluffs, sie funktionieren aber nur, wenn man Foldequity hat. In der Regel hat man sie auch.

      4. Nicht notwendig. Siehe 3.

      5. Es sei denn, man blufft schon wirklich häufig. Ab einer bestimmten Menge an Bluffs erhöht sich die Gefahr, dass der Gegner sich anpasst.
    • wuerstchenwilli
      wuerstchenwilli
      Black
      Dabei seit: 07.04.2008 Beiträge: 18.679
      mir ist dann noch was eingefallen, etwas überspitzt:

      in großen Pötten wird viel geblufft, weil es sich lohnt. Das führt aber dazu, dass jeder SD-bound wird, weil er mit einem bluff rechnen muss. Das führt wieder dazu, dass niemand blufft, was wiederum dazu führt, dass niemand glaubt, dass geblufft wird.

      Mit dem kleinen Pott kann man das natürlich genau so machen.

      Hilft mir das weiter? Ist das ne level Geschichte, die ich zu weit treibe? Muss ich einfach gute Spots und den richtigedn Gegner finden und fertig?
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Nein. Letzten Endes geht es darum, dass man sich die Bluffs gut raussucht. In der Range des Gegners müssen immer Hände sein, die er nicht gut callen kann bzw. mit denen er nicht mehr als einen Bluffcatch hat. Du brauchst ausserdem eine starke Hand, die du repräsentieren kannst (sie muss in deiner Range sein). Mit diesen Händen steht er dann vor der Wahl, ob er deine guten made Hände auszahlt oder versucht, einen Bluff zu fangen. Das bringt den Gegner in eine loose-loose Situation. Was immer er macht, dein Spiel wird profitabel. Kann der Gegner nie folden (Callingstation, Polizist), dann stellst du dich darauf ein und bluffst ihn nicht. Gegen die anderen kannst du profitabel bluffen. Das bedeutet nicht, dass du bei jeder Gelegenheit bluffst, aber ab und zu, um ihn unter Stress zu halten.