Machen Iso-Raises Sinn bei Leaks im Postflopplay?

    • Gurkha
      Gurkha
      Bronze
      Dabei seit: 15.04.2005 Beiträge: 1.287
      *doch etwas längerer Text*

      Kurz zu meinem Background. Ich bin einer der vielen Break-even-Spieler hier auf PS.de. (Und möglicherweise einer der wenigen die's zugeben. *g*) Ich grinde immer so zwischen NL2 und NL50, ganz so wie's die Bankroll eben hergibt.
      Meine Strategiekenntnisse würde ich irgendwo zwischen Bronze- und Silberstatus ansetzen. Allerdings auch eher in der Art das ich die Artikel zwar schon diverse Male in meiner Zeit bei PS.de gelesen habe und die Konzepte anwende, allerdings immernoch in vielen Situationen eher aus dem Grund heraus, weil es "eben so im Artikel steht" und nicht so sehr, weil ich die Konzepte dahinter durchschaut habe.
      Vielleicht bin ich auch einfach nicht smart genug dazu, was vollkommen ok wäre, oder ich gehe's auch einfach nur falsch an.

      Na wie auch immer, ab und an packt's mich dann doch und ich versuche einige Dinge zu hinterfragen. Und deshalb möchte ich hier mal das Thema Isolationraises hinterfragen. Grund ist, das ich zwar preflop glaube, häufig zu wissen was ich tue, postflop aber doch erhebliche Leaks aufweise.

      Isolationraises gibt es ja in verschiedenen Formen (vs 1 Limper, ggf. vs mehrere Limper, als 3-bet vs Raiser, etc). Ich möchte Raises gegen einzelne limpende Fishes und Callingstations ansprechen.

      So weit ich es bisher verstanden habe, raisen wir diese Spieler wenn folgende Kriterien erfüllt sind.
      1. Wir haben relative Position auf den schwachen Spieler und möglichst auch absolute auf den Großteil des restlichen Tisches.
      2. Wir haben nicht allzu aggressive oder loose-passive Gegner hinter uns, die uns durch 3-bets oder Coldcalls das Leben schwer machen können.
      3. Wir haben eine Hand, die im Schnitt eine Equity-Edge gegenüber dem loosen Gegner vor uns, und den Gegnern hinter uns aufweist.
      4. Wir sollten idealerweise Reads auf das Postflopplay des Spielers vor uns haben.
      5. Wir den Pot häufig ohne Widerstand direkt preflop oder (bei hohem Fold-to-Cbet-Wert) auch am Flop mitnehmen können.

      Besonders relevant finde ich hier das Zusammenspiel und die Auswirkungen der Punkte 3 und 4.

      Da man selbst nur in ca. einem Drittel der Fälle eine spielbare Hand am Flop trifft (spielbar definiere ich hier gegen diese Gegner als 6+ Out-Draw oder MPGK+), steht man in der Mehrzahl der Fälle am Flop zwar in Position, aber bestenfalls mit Highcards da.

      Bei den meisten loosen Spielern kann man zwar davon ausgehen, dass sie nach einem limp/call keine Aces oder Kings halten, aber ansonsten sind ihre Handranges sehr weit gestreut. (Ein weiteres Thema, dessen geistige Durchdringung mir bisher immernoch irgendwie verwehrt geblieben ist.)
      Das bedeutet imo, das man zwar meist gegen sehr weite Ranges läuft (und wohl häufig zumindest am Flop auch vorne liegt), aber kaum bestimmen kann, wie diese Ranges aussehen. Ein limp/call kann von AQs bis T5o (z.B.) alles sein wie wir wissen.
      Und da viele schwache Spieler viele Flops mit allen möglichen Händen callen (jede Menge schwacher und starke Draws, schwache - starke made hands, Air) stehe ich spätestens am Turn immer wieder vor dem gleichen Problem.

      Habe ich mit meiner guten highcard-GK noch die beste Hand? Folden möglicherweise doch bessere Hände? Was mache ich bei einem Check und einer Bet von Villain am River?
      Alles Fragen, die sich einerseits mit Equity und andererseits mit Gegnerreads/-tendenzen beantworten lassen.

      Meine Schwierigkeiten hierbei sind nun:
      1. Handrange von loosen Spielern bestimmen (bei tighten Spielern glaube ich eine ungefähre Idee dessen zu haben, was sie in bestimmten Situationen halten könnten).
      2. daraus folgernd die eigene Equity bestimmen können.
      3. Entscheidungen vorzubereiten, wenn bestimmte Reads noch nicht vorhanden sind (z.b. das er gegen Turnchecks oft den River bluffdonkt, etc.)
      4. und darauf aufbauend, die korrekte Turn- und Riverentscheidung treffen.

      Bisher laufen viele Isolationplays meinerseits gefühlt so ab.

      Preflop:
      Ich isoliere erfolgreich einen schwachen Spieler.

      Flop:
      Unimproved vs sehr drawlastige Flops, direkte Aufgabe (Ausnahme: vs Spieler die sehr viele Flops c/f)
      Unimproved vs trockene Flops oder solche bei denen ich mich sicher wähne, meistens vorne zu sein (z.B. AJ+ auf 833.r) cbet

      Turn:
      Meist sind loose-passive Spieler auch recht SD-freudig. Daher ist der Turn für mich die entscheidende Street. Wenn ich am Flop mit highcards gecontibettet habe, dann ja for value. Das bedeutet, das man gegen viele Karten am Turn ja weiterbarreln könnte/müsste/sollte. Und hier stellt sich mir die Frage, sollte man das tatsächlich? Da ich die Flopcallingranges schwacher Spieler kaum einschätzen kann, kann ich auch keine Annahme treffen, womit sie am Turn callen oder folden. Raisen die Fishes oder Callingstation, ist der Keks meist eh gegessen.

      Macht es also überhaupt Sinn (v.a. auf den Micro-Stakes) zu iso-raisen, wenn man selbst eigentlich weiß, das man ohne Hit am Turn meist auf Auto-c/f-Modus umsteigt (-en muss?)?
      Welche Überlegungen muss ich also anstellen, um in diesen Spots logisch korrekte Entscheidungen zu treffen? Oder gehe ich vollkommen falsch an die Analyse dieses Spielkonzepts und sollte es mal von einer völlig anderen Seite angehen?

      Danke für's Durchlesen, und vielleicht habe ich am Ende des Threads ja mal wirklich ein wichtiges Pokerkonzept verstanden. ;)
  • 1 Antwort
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Ein limp/call kann von AQs bis T5o (z.B.) alles sein wie wir wissen.


      Das ist der relevante Abschnitt. Du musst herausfinden womit deine Gegner Limp/Call spielen. Wenn sie starke Hände limp/call spielen und Postflop auch nicht sonderlich gerne folden, dann ist es vielleicht eine gute Idee mit mit 97s nicht zu isoraisen, sondern zu overlimpen und für 1BB einen Pot zu spielen, da du sowieso keine Foldequity hast.

      Wenn du nicht mit starken Händen isoraist, dann sollte dein Gegner

      a) Preflop oder Postflop irgendwo oft genug folden

      b) extrem einfach zu durchschauen sein und du solltest in der Lage sein die entsprechenden Spots dann zu bluffen


      Deine Ausführungen zu deinem Postflopansatz lassen auch relativ stark erkennen, dass du dich noch nicht so richtig mit dem Equityprinzip beschäftigt hast und du wahrscheinlich auch eher selten bluffst Postflop.


      Und nein es macht keinen Sinn Preflop zu isolieren, wenn deine Gegner dauernd Preflop und am Flop callen und du am Turn aufgibst. Dadurch generierst du für schlechte Spieler jede Menge Deadmoney und machst das Spiel der schlechten Spieler profitabel.