Zauberworte

    • Krach-Bumm-Ente
      Krach-Bumm-Ente
      Black
      Dabei seit: 01.05.2006 Beiträge: 10.402
      Hi,

      mir ist da etwas aufgefallen seit ich jetzt etwas mehr in diesem Forum lese: Sehr viele Themen drehen sich um irgendwelche Probleme wie Angst beim Limitaufstieg, Disziplin im BRM, chronischer Tilt, Autopilot usw.
      Natürlich sind das Probleme die hinterfragt und gelöst werden müssen. Was es hier aber nicht gibt sind irgendwelche tollen Sätze oder Zauberformeln mit denen wir das Problem von euch lösen können.
      In erster Linie liegt es an jedem selbst seine eigenen Probleme zu lösen, hier im Forum findet man dazu Einstiegshilfen oder auch mal eine Stütze, falls man auf seinem eigenen Weg über Probleme stolpert.

      Die Hauptursache bei diesen, ich sag mal recht trivialen Problemen (scared money, Disziplin, Autopilot usw.) ist meist der Spieler selbst. Das sind nämlich alles Probleme, welche von jedem selbst ohne externe Hilfe gelöst werden können (abgesehen von Extremfällen, aber ich bezweifel, dass diese Extremfälle hier im Forum ihre Probleme überhaupt werden lösen können). Der Schlüssel dazu ist endlich mal seinen inneren Schweinehund zu überwinden, bereit sein, gewisse Verhaltensweisen aufzugeben, eigene Fehler einzugestehen und einfach mal selbst die Initiative zu ergreifen und nicht andere die eigenen Probleme lösen lassen.

      Viele Posts laufen gleich ab: Ein paar Zeilen zur bisherigen Pokerlaufbahn, die Formulierung des Problems und evtl. ein Beispiel. Und dann wars das. Jetzt sollen die anderen sich damit beschäftigen und das Problem von OP lösen. So funktioniert das aber nicht. Ich hab den Eindruck, dass sich der Großteil der Threadersteller hier im Forum nicht wirklich selbst um Möglichkeiten zur Lösung seines Problems kümmert, sondern auf die Zauberworte der (Hobby-)Psychologen baut.
      Dabei kann man bei etwas wie "Hilfe ich hab nicht die Disziplin um mich ans BRM zu halten" einfach nichts anderes sagen wie "dann halt dich in Zukunft einfach dran!" Dafür ist nunmal jeder selbst zuständig. liverdracon hat absolut Recht wenn er sagt "die fällt nicht vom Baum."

      Die Antworten sind eigentlich immer die selben und oft universell für die meisten Probleme einsetzbar:
      "It's one big session"
      "Spiel weniger Tische"
      "Bestraf dich selbst"
      "Mach dir nen Plan"
      "Setz dir Ziel xy..."
      "Mach Pause in den Sessions"
      "Mach ein paar Tage Pokerpause"
      "Mach ne Woche Pokerpause"
      "Mach nen Monat Pokerpause"
      "Quit Poker"
      "Lies The Pokermindset"

      Letzeres ist imo eine toll geschriebene Zusammenfassung von allem was einem in nem Pokerpsychologie-Forum so geraten werden kann. Doch nur vom Lesen allein wird sich nichts ändern, deshalb haben auch so viele auch nach dem Lesen von dem Buch weiterhin die selben Probleme.
      Und wenn wir mal ehrlich sind, wenn einer einen Thread zu einem der "trivialen" Probleme (s.o.) aufmacht, weiss er doch sowieso schon, was er als Antworten bekommen wird.
      Früher hab ich das selbst so gemacht, ich bin schlecht gerunnt, hab dadurch getiltet, schlecht gespielt und viel mehr verloren als hätte sein müssen. Dann kam ich hier her, hab mich ausgeheult und ggf. alibimäßig noch versucht mein Problem irgendwie zu skizzieren. Mir war von vornherein klar, dass mir keiner helfen kann. Ich, und fast jeder Threadersteller in diesem Forum, wusste die Lösung zu meinen Problemen schon vorher.

      Das Stopfen von Psycholeaks ist genauso harte Arbeit wie das Stopfen von spieltheoretischen Leaks. Das kann kein anderer für einen übernehmen. Allerdings scheint mir das größtenteils die Erwartungshaltung in diesem Forum zu sein.

      Also, zwei Bitten an alle, die hier ihre Probleme besprechen wollen (fühlt euch jetzt bitte nicht davon abgeschreckt, nen Thread zu erstellen!):
      - Zeigt etwas mehr Eigeninitiative
      - Seid euch bewusst, dass keiner eure Probleme für euch lösen kann

      Mit Eigeninitiative mein ich z.B. auch, dass man sich vllt. mal in die Grundlagen der Psychologie einlesen könnte. Für Equity-Berechnungen brauchen wir auch Mathe-Grundlagen. Dann brauchen wir für den psychologischen Teil eben auch Psycho-Grundlagen. Und ja, das ist viel Arbeit, aber keiner hat gesagt, dass es einfach wird.

      Edit: Beim Drüberlesen ist mir noch was eingefallen: Die ganzen Standard-Ratschläge sind eigentlich alles Ratschläge die am Ziel ansetzen, also das, was erreicht werden soll (z.B. zu denken "It's one big session"). Selten wird einem gesagt wie das erreicht werden soll. Und genau deshalb seh ich in diesem Forum und auf die Art wie es momentan läuft auch wenig Fortschritt. Es geht selten um den Weg zum Ziel und meist nur um das Ziel.

      Wie der Weg aussehen kann ist oft gar nicht so einfach zu beantworten, würde aber sowieso den Rahmen des Threads sprengen. Man kann aber beobachten, dass viele, die die "trivialen" Probleme haben, in gleichen Denkmustern gefangen hängen, sich ihre Leaks auf ähnliche Arten angeeignet haben und die gleichen Probleme haben sie wieder loszuwerden.
      Das merkt man auch daran, dass oft ein thread erstellt wird und sich immer wieder einige finden die von genau dem gleichen Problem bei sich selbst berichten. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass wir aus dem selben Volk stammen und die selben Denkmuster und Einstellungen anerzogen bekommen haben.
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    • michimanni
      michimanni
      Bronze
      Dabei seit: 02.08.2006 Beiträge: 65.192
      Hi Krach-Bumm-Ente,

      es ist sicherlich vieles richtig von dem, was Du schreibst, aber imo vergisst Du dabei etwas grundlegendes: Du gehörst mit Deinem Anmeldedatum ja fast schon zum Inventar von PokerStrategy.com (das soll nicht despektierlich gemeint sein :D ) und natürlich hast Du hier schon viel und vieles mehrfach auch in diesem Teil des Forums gesehen und gelesen. Dadurch ist Dir schon vieles in Fleisch und Blut übergegangen, was manch einem Anfänger große Schwierigkeiten bereiten mag. Daher kann ich zwar auch verstehen, dass Du mit Deinen Bitten die Meßlatte gern etwas höher angesiedelt hättest, denke aber gleichzeitig, dass wir mit den Richtlinien in diesem Forum den Spagat zwischen Anfänger und Fortgeschritten recht gut bewältigen. Und sind wir mal ehrlich: Wer von uns hat nicht schon mal einen "sinnlosen" Thread (z.B. zum Thema "Tilt") eröffnet, dessen Thema schon gefühlte 1.000x behandelt wurde? Ich denke, das sollten wir auch weiterhin jedem Mitglied zugestehen und ggf. auf bewährte Artikel, Threads und Videos verweisen. Das Schöne an dieser Vorgehensweise ist doch, dass das eine das andere nicht ausschließt. Wenn Du ein wenig advanced theory benötigst, wird das sicherlich eben so machbar und auffindbar sein, wie der x-te Verweis auf MiiWiins Contentreihe zum Thema Tilt :)


      Gruß,
      michimanni