HU am Turn OOP ohne Initiative mit SD-Value

    • Keiji
      Keiji
      Bronze
      Dabei seit: 15.01.2007 Beiträge: 2.372
      Ich habe sehr viel Mühe in Situationen, wo ich SD-Value habe und HU am Turn OOP ohne Initiative stehe. Logischerweise ist das oftmals mit Händen wie Ax im BB verbunden. Kenne auch nicht die benötigte equity zum callen. Kann mir jemand ein paar Tipps geben. Gerne auch die mathematische herangehensweise, wenn man die Range des Gegners kennt und man herausfinden möchte ob man hier profitabel zum SD gehen kann. ich weiss, dieses Thema wird in den Platinartikeln behandelt. allerdings spiele ich hauptsächlich auf Stars, wo ich leider nicht getrackt bin. Könnt ihr mir trotzdem helfen?

      Ich hab bis jetzt die benötigte Equity immer so gerechnet, wenn man am turn gecheckt hat und villain bettet:

      (Kosten bis zum SD)/(Gesamtpot am SD) => 2 BB/(Aktueller Pot + 2BB von mir und 1BB von Villain). Das ist aber ziemlich ungenau, weil man davonausgeht, dass Villain am River mit seiner gesamten Range nochmal barrelt, was er mit Sicherheit nicht macht.
  • 1 Antwort
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.496
      Deine Rechnung ist die Rechnung für einen Calldown, wobei du vom besten Fall ausgehst, nämlich dass der Gegner auch alle seine schlechteren Hände auf dem River noch mal bettet. Die pessimistische Annahme wäre, dass er den River perfekt spielt, d.h. nur noch bettet, wenn er vorne liegt, du aber trotzdem den River callen musst. Dann ändert sich der EV zu:

      Equity(pessimistisch) = 2 BB / aktueller Pot

      bzw. wenn man von preflop raise/call, Flop contibet/call ausgeht zu:

      Equity(pessimistisch) = 2 BB / (2,25 + 1 + 2) BB = 38%

      Zum Vergleich der optimistische Fall:

      Equity(optimistisch) = 2 BB/ (2,25 + 2*2,5) BB = 27,6%

      Die Wahrheit wird wie so oft in der Mitte liegen. Es hilft natürlich, wenn man etwas über das Riverspiel des Gegners weisst, wenn du zweimal check/callst. Je nach Board ist es mehr oder weniger offensichtlich, dass du über etwas Showdownvalue verfügst, aber nicht genug, um aggressiv zu spielen. Das bedeutet, check/call auf dem Turn ist nicht gut ausbalanciert. Das lässt sich schlecht ändern. Du kannst nur den Check balancieren, in dem du auch mal checkraise Turn spielst. Das wirst du dann selten mit einem unverbesserten Ass machen, sondern vor allem mit made Händen, Draws und eventuell Trash.

      Das schwierige an einem check/call auf dem Turn ist eigentlich nicht der Turncall, sondern das folgende Spiel auf dem River. Durch deine Linie ist ziemlich klar, dass du eine marginale Hand hast, was bedeutet, dass der Gegner dich auf dem River sehr gut dünn valuebetten kann. Dagegen gibt es zwei mögliche Konter:

      Du triffst ein Out. Outs gehören zu deiner Equity, aber das kommt nicht so oft vor, da du meistens nicht viele Outs hast. Viele Outs hättest du zu einem früheren Zeitpunkt meistens aggressiv gespielt. Mit dem getroffenen Out kannst du dir überlegen, ob du den River donkst oder checkraist.

      Du bluffst ab und zu den River auf geeigneten Boards. Zuerst solltest du testen, wie der Gegner auf Donkbets reagiert, wenn du ein Out triffst, damit du weisst, ob eine Donkbet als Bluff genügt oder ob du zum teuren Checkraise greifen musst. Ich vermute, dass sich ein Checkraise wegen des kleinen Pots kaum lohnt.

      Andere Möglichkeiten: checkraise Flop mit unverbessertem Ass. Speziell auf niedrigen oder gepaarten Boards gegen einen Stealraise aus dem Button kann das eine gute Strategie, sein, weil du tatsächlich oft die bessere Hand hast, vor allem mit mittlerem Kicker oder besser. Das ist kein Bluffraise, sondern ein Valueraise.