Middle- und low-pair

    • pod777
      pod777
      Bronze
      Dabei seit: 29.09.2010 Beiträge: 92
      ich bin dran, mich einzuarbeiten in das fixed-limit fullring.... ich lese auch mehrmals die artikel durch usw... nun finde ich aber nichts über die spielweise, wenn man am flop ein paar getroffen hat (oder mit pocket-pair das zweithöchste paar), aber nicht das top-paar....

      ... da ich nichts darüber lesen kann, müsste ich das eigentlich werten wie eine wertlose hand??

      beispiel: ich habe vor dem flop erhöht, und einer geht mit und ich bin out of position... nun treffe ich das mittlere paar... nun muss ich laut einsteigerstrategie wieder setzen (auch wenn ich gar nichts getroffen hab!)... ok.. soweit so gut.. der gegner callt.. am turn kommt eine weitere karte... noch immer hab ich das zweihöchste paar.... nun heisst es, dass ich nur setzen soll, wenn ich top-pair oder höher habe...... also check-fold...

      ist das denn nicht zu passiv?? wäre es nicht langfristig profitabler, weiterzusetzen?..erstens, könnte ich folden... zweitens,... falls er callt, könnten es ja auch nur draws sein, oder auch auch noch ein schlechteres paar


      vielen dank für die aufklärung :)
  • 4 Antworten
    • Schnullerbacke
      Schnullerbacke
      Bronze
      Dabei seit: 04.02.2007 Beiträge: 524
      Hi,

      habe mir eben den Spaß gemacht und in der Einsteigersektion nachgesehen: und Tatsache (es sei denn, ich habe es auf die Schnelle übersehen) kommen Midpairs nicht vor ?( - mal sehen, was cjheigl dazu sagt, aber eine wertlose Hand hast du ganz gewiss nicht ;)

      In der von dir geschilderten Situation setzt du am Flop korrekt deine Contibet (ja, auch wenn du nichts getroffen hast! Du musst deinem Gegner schon die Chance geben zu folden!)

      Am Turn gebe ich dir Recht. HU plötzlich auf c/c umzustellen, wäre hier zu passiv. Mit dem second pair setzt du hier erstmal weiter. Wie du selbst sagst, kann dein Gegner hier alles mögliche callen.

      In einem Multiway Pot solltest du hingegen schon überlegen, mit welchen Karten deine Gegner im Pot geblieben sind. Grundsätzlich mindert jeder zusätzliche Spieler den Wert deiner eigenen Hand.
    • rubrum122
      rubrum122
      Bronze
      Dabei seit: 27.07.2010 Beiträge: 343
      Die gleiche Frage hatte ich damals auch ...

      Sie wird in der Silbersektion in der "Wie spielst du ..."-Serie ausführlich beantwortet!
    • onehotminute
      onehotminute
      Platin
      Dabei seit: 15.04.2009 Beiträge: 837
      um solche entscheidungen zu treffen sind auch stats und natürlich notes sehr nützlich.

      @rubrum wie läufts bei dir im moment?
    • cjheigl
      cjheigl
      Moderator
      Moderator
      Dabei seit: 09.04.2006 Beiträge: 24.498
      Die Situation ist im Einsteigerartikel nicht optimal aufgelöst, weil der Einfachheit alle möglichen Fälle über einen Kamm geschert werden. Eine differenziertere Betrachtung bietet der Silberartikel Wie spielst du made Hands am Turn?. Es gibt aber für Bronzespieler den Artikel Postflop: Standardspielzüge gegen einen Gegner in dem auch auf die Situation eingegangen wird, wenn man nur einen Gegner hat. Das ist die wichtigste.

      Die Standardspielweise ist dann bet Turn und auf einen Raise eine Einschätzung der Situation vorzunehmen. Dann muss man beurteilen, wie oft man noch vorne liegen kann. Das ist dann nicht immer einfach, wie schon im Artikel gesagt wird. Man muss sich überlegen, was der Gegner alles haben kann und wie man dagegen im Schnitt aussieht. Wichtig ist hierbei zu wissen, wie oft man im Mittel den Showdown gewinnen muss, damit sich der Calldown lohnt. Auskunft darüber geben die Pot Odds. Es gilt die Formel

      benötigte Equity = Kosten bis zum Showdown / Pot am Showdown

      Bei einer Potgrösse von z. B. 6 BB nach dem gegnerischen Turnraise rechnet man mit Kosten von 2 BB (call Turn, call River) und einem Pot am Showdown von 6 + 3 = 9 BB (2 BB von Hero und eine vom Gegner gehen noch in den Pot). Man muss also in 2/9 = 22,2% den Showdown gewinnen, damit sich der Calldown lohnt. In den anderen Fällen spielt man nach Odds und Outs weiter.

      Eine Equity von 22% bedeutet, dass der Gegner je nach vorhandenen Draws nur in 60-70% der Fälle die bessere Hand haben darf. Das sind weniger als 77,8%, weil der Gegner mit seinen Draws Outs hat, die auch noch am River treffen können. Man muss also die Anzahl der Kartenkombinationen in der Range des Gegners abschätzen, mit denen er bessere Hände hat und die Zahl der Kombos, mit denen er eine schlechtere Hand hat und daraus das Verhältnis bestimmen.

      Wichtig sind also diese Fragen:

      • Was ist der Gegner für ein Spielertyp (aggressiv, passiv)
      • Welche Range hat er auf Grund der preflop und Flopaction?
      • Welchen Teil seiner Range würde er raisen?
      • Wie hoch ist der Anteil der besseren Hände in seiner raising Range?
      • Wie hoch darf der Anteil der besseren Hände in der raising Range des Gegners sein, damit ich auf Grund der Pot Odds runtercallen kann?

      Ranges einzuschätzen braucht Übung. Man muss wissen, welche Hände der Gegner typischerweise wie spielt. Dabei hilft einem die Einschätzung des Spielertypus. Kennt man den Gegner noch nicht, behilft man sich damit, dass man sich überlegt, welche Hände man generell so spielen könnte, wie der Gegner spielt. Als Massstab kann man die eigene Spielweise an Stelle des Gegners heranziehen, wenn man keinen besseren hat.

      Generell gilt: Flush Draws sind meistens weniger als 20 Kartenkombinationen, weil sie durch das preflop Spiel schon stark eingeschränkt sind und es insgesamt nicht sehr viele Kombos dafür gibt. Eine Ausnahme sind Flush Draws mit nur einer Karte (3 Flushkarten liegen auf dem Board), weil der Gegner nur eine Flushkarte in seiner Hand braucht. Das können dann sehr viele Kartenkombinationen sein, weil der Flush Draw auch vom Kicker des Gegners kommen kann. Unter Umständen sind das 50 Kombos oder mehr.

      Das heisst auch, wenn der Flop drei Flushkarten enthält, der Flop heads up ist und der Gegner call Flop, raise Turn spielt, dann kann er für jeden Flush, den er haben kann, dreimal so viele Flush Draws haben. Flush Draws machen bei einem aggressiven Gegner heads up auf einem 3-Flush Board einen sehr grossen Anteil seiner Range aus, auf einem 2-Flush Board nur einen ziemlich kleinen. Auf einem 3-Flush Board sind andererseits fertige Flushes möglich, was die Zahl der möglichen besseren Hände erhöht. Trotzdem ist das Verhältnis zugunsten der Draws verschoben, deshalb sollte auf einem 3-Flush Flop paradoxerweise seltener gefoldet werden als auf einem 2-Flush Flop. Kommt die dritte Flushkarte erst auf dem Turn, steigt die Gefahr von fertigen Flushes, da ein Flush Draw auf dem Turn auf dem Flop nur ein backdoor Draw gewesen wäre, der nicht der alleinige Grund für den Flopcall gewesen sein kann.

      Straight Draws dagegen gibt es grundsätzlich mit vielen Kartenkombinationen. Jeder Straight Draw kann bis zu 16 Kombos haben. Auf einem Board mit z. B. JTx gibt es schon 3 oesds, was bis zu 48 Kombos allein durch oesds bedeuten kann (eingeschränkt durch die preflop Range). Mit Gutshots können noch viel mehr Kombos dazukommen. Sind Straight Draws in der preflop Range des Gegners möglich und ist der Gegner aggressiv, dann besteht die Range des Gegners eventuell zu einem grossen Teil aus Straight Draws.