Grobe rechtliche Einschätzung zu Notwehrzenarien gesucht

    • liafu
      liafu
      Black
      Dabei seit: 20.02.2007 Beiträge: 3.439
      Hi

      Fall 1: Einbrecher steht in meinem Haus, fühlt sich von mir ertappt und versucht mich mit einer Statue anzugreifen. Ich schnappe mir ein Küchenmesser und steche ihm in die Brust - er stirbt sofort.

      Fall 2: In der Disko schlägt mir jemand mit der Faust ins Gesicht und es macht den Anschein das er das nochmal machen möchte. Ich schlage ihm ein Glas ins Gesicht und treffe ihn so dass er daran verblutet oä.

      Fall 3: Ich werde irgendwo von 3 Typen zusammengeschlagen und getreten, es macht nicht den Anschein dass sie aufhören, a) nehme eine Pisolte aus meiner Tasche und erschieße alle 3. b) ziehe einem das Bein weg, er fällt mit dem Kopf auf einen Nagel woran er stirbt.


      Wie ungefähr sähen die rechtlichen folgen aus? Ist sowas Notwehr und mir passiert nicht? Bekomm ich ne lappige 2 jährige Bewährungsstrafe. Oder bekomm ich eine ordentliche Gefängnisstrafe?

      Würde es etwas daran verändern wenn ich vor Gericht äußern würde dass ich meine Handlungen ganz selbstverständlich finde und nicht davon abzubringen wär die Meinung zu vertreten dass ich das immer wieder tuen würde?


      ( Ist natürlich nicht meine Meinung und mir ist auch nichts davon passiert, mich interessiert nur mal was da die Praxis ist.)
  • 16 Antworten
    • Whitelord
      Whitelord
      Bronze
      Dabei seit: 05.01.2007 Beiträge: 3.323
      Fall 1 ist Notwehr.
      Fall 2 ist nicht angemessen, gibt eine Strafe.
      Fall 3 a) nicht angemessen b) Unfall
    • Kaos
      Kaos
      Bronze
      Dabei seit: 01.04.2006 Beiträge: 3.569
      Alle 3 dürften Notwehr sein. 3b) zweifelhaft aber eine Strafe gibt das auf keinen Fall.

      Einfach mal wikipedia Artikel lesen der hilft dem juristischen Laien bei den Fragen wohl schon weiter.

      "Mit Notwehrhandlung bezeichnet man die Handlung, die der Verteidiger zur Abwehr des Angriffs vornimmt. Notwehr berechtigt nur zur erforderlichen Verteidigung (Erforderlichkeit). Erforderlich ist eine Verteidigung dann, wenn sie geeignet ist, den Angriff sicher und endgültig zu beenden. Der Notwehrübende hat dabei das relativ mildeste Mittel zu wählen, allerdings muss er sich auf Risiken bei der Verteidigung nicht einlassen. Ebenso wenig ist er zu einer schimpflichen Flucht verpflichtet, da das Recht dem Unrecht nicht weichen muss. Eine Abwägung der widerstreitenden Rechtsgüter findet - anders als bei § 34 StGB - nicht statt. Das heißt, dass der in Notwehr Handelnde keine Verhältnismäßigkeitsprüfung durchführen muss.[1] So muss beispielsweise niemand eine Körperverletzung hinnehmen, falls diese nur durch eine tödliche Abwehrhandlung zu verhindern ist. Eine Ausnahme hiervon gilt nur bei dem sogenannten krassen Missverhältnis. So darf beispielsweise ein Obstdiebstahl (jedenfalls durch deliktunfähige Kinder) nicht mit tödlichem Schusswaffengebrauch vereitelt werden. Bereits der Diebstahl mittelwertiger Gegenstände darf nach herrschender Meinung jedoch mit einer tödlichen Abwehrhandlung vereitelt werden, sollten mildere Mittel nicht zur Verfügung stehen"
    • pennyyy
      pennyyy
      Black
      Dabei seit: 14.10.2007 Beiträge: 5.658
      Original von Kaos
      Alle 3 dürften Notwehr sein. 3b) zweifelhaft aber eine Strafe gibt das auf keinen Fall.

      Einfach mal wikipedia Artikel lesen der hilft dem juristischen Laien bei den Fragen wohl schon weiter.

      "[...]Bereits der Diebstahl mittelwertiger Gegenstände darf nach herrschender Meinung jedoch mit einer tödlichen Abwehrhandlung vereitelt werden, sollten mildere Mittel nicht zur Verfügung stehen"
      Ist das die herrschende Meinung aus dem Mittelalter oder was?
    • faceXm
      faceXm
      Bronze
      Dabei seit: 27.10.2010 Beiträge: 172
      Och bei Amis ist das so... gibt Staaten da darfst du deinen Nachbar nicht mal schief angucken. Bei uns würdest du dafür aber sicherlich ne ordentliche Strafe kassieren, mal abgesehen davon dass du dann damit leben musst.


      Was bei dir genau jetzt geahndet würde ist sehr Situationsabhängig. Wenn du zum Beispiel bei Fall 1 im Affekt so gehandelt hast wäre das was vollkommen anderes als wie wenn der Einbrecher als er dich sieht abhauen will und du ihn noch angreifst (allerdings gibts da ja meistens keine Zeugen, von daher immer schwierig glaube ich).
      Auch bei Fall 2: wenn du ihm jetzt ein Glas ins Gesicht schmeißt und er ein Auge verliert wirds sicher als Notwehr gesehen. Wenn du aber jetzt hingehst, eine Flasche auf der Theke kaputt haust und anfängst auf ihn einzustechen wirds sicher anders gewertet, kommt aber auch hier immer drauf an ob/wie du dich oder andere verteidigen musst.
      3b) ist sicher nicht dein Fehler. 3a) wäre ich mir nicht sicher, vor allem da ich die Situation für unrealistisch halte. Wenn du von 3 Typen zusammengeschlagen wirst hast du sicher keine Chance eine Waffe zu ziehen. Passender wäre, 3 Typen kommen auf dich zu (mit Messern zum Beispiel) und du erschießt sie, das wäre überzogen; schießt du sie nur an wahrscheinlcih nicht.
    • hazz
      hazz
      Black
      Dabei seit: 13.02.2006 Beiträge: 4.771
      warum ist es ueberzogen leute zu erschiessen, die mit messern auf mich losgehen?
    • larseda
      larseda
      Bronze
      Dabei seit: 06.08.2006 Beiträge: 9.299
      Original von hazz
      warum ist es ueberzogen leute zu erschiessen, die mit messern auf mich losgehen?
      meinst nachdem du den ersten erschossen hast und die waffe auf die anderen beiden richtest ... wird das irgendein ein gericht der welt noch als notwehr zählen ? die werden sich ja wohl kaum totesmutig auf dich stürzen ... weil wenn sie sie töten wollten, hätten sie das schon lange getan

      mich würde auch mal interessieren, wieso der einbrecher dich angreifen sollte !? ... ausser natürlich du spielst hero und willst ihn festhalten
    • econ05
      econ05
      Bronze
      Dabei seit: 01.11.2010 Beiträge: 55
      +
    • hazz
      hazz
      Black
      Dabei seit: 13.02.2006 Beiträge: 4.771
      gehe davon aus, dass sie weiter auf mich zu kommen. hab ich mit dem ersten schuss den angriff abgewehrt brauch ich ja nicht weiter schiessen. sehe aber auch nicht ein gross zu warten ob sie nun anhalten und umdrehen. ist dann halt wieder die frage, ab wann mit messern auf mich zugehen ein angriff ist. kann ja nicht sein, dass es erst einer ist, wenn ich das messer im hals hab.
    • econ05
      econ05
      Bronze
      Dabei seit: 01.11.2010 Beiträge: 55
      +
    • Tezet
      Tezet
      Bronze
      Dabei seit: 18.07.2006 Beiträge: 2.428
      Original von econ05
      Original von hazz
      gehe davon aus, dass sie weiter auf mich zu kommen. hab ich mit dem ersten schuss den angriff abgewehrt brauch ich ja nicht weiter schiessen. sehe aber auch nicht ein gross zu warten ob sie nun anhalten und umdrehen. ist dann halt wieder die frage, ab wann mit messern auf mich zugehen ein angriff ist. kann ja nicht sein, dass es erst einer ist, wenn ich das messer im hals hab.
      Wenn jemand mit dem Messer auf Dich zugeht, hast Du sofort und ohne jede Diskussion das Recht, dich mit allen Mitteln dieser Welt gegen DIESE Person zu verteidigen.
      Also wenn du schon jedem hier sagst, wie ahnungslos und falsch die Statements sind, dann verbreite wenigstens nicht selbst so ein Zeug...

      Auch wenn es keine Angemessenheitsprüfung gibt, bedeutet das nicht, dass der verteidiger in der Hinsicht Narrenfreiheit besitzt, auch über das krasse Missverhältnis hinaus nicht. Es ist letztlich der konkrete Fall zu betrachten.
      Frage ist, ob ein schonenderes Mittel zur Verfügung steht, das genauso effektiv ist. Wenn ein Mann mit Messer auf eine verängstigte Frau zukommt, die froh ist,d ass sie ihre Waffe überhaupt abgefeuert bekommt, dann ist ein tödlicher Schuss wohl von der Notwehr gedeckt.

      Wenn ein geübter Schütze, der die Ruhe behält in der gleichen Szene sofort tödlich schießt, dann wird das wahrscheinlich nicht gedeckt werden, da er das gleiche Ergebnis (Abbruch des Angriffs) auch mit einem Warnschuss (falls in der Situation noch möglich) oder einem Schuss ins bein hätte erzielen können.

      "Jedes Mittel dieser Welt" ist da ohne konkrete Betrachtung des Sachverhalts jedenfalls vollkommen banane.
    • Kaos
      Kaos
      Bronze
      Dabei seit: 01.04.2006 Beiträge: 3.569
      Original von pennyyy
      Original von Kaos
      Alle 3 dürften Notwehr sein. 3b) zweifelhaft aber eine Strafe gibt das auf keinen Fall.

      Einfach mal wikipedia Artikel lesen der hilft dem juristischen Laien bei den Fragen wohl schon weiter.

      "[...]Bereits der Diebstahl mittelwertiger Gegenstände darf nach herrschender Meinung jedoch mit einer tödlichen Abwehrhandlung vereitelt werden, sollten mildere Mittel nicht zur Verfügung stehen"
      Ist das die herrschende Meinung aus dem Mittelalter oder was?
      Es kommt auf das mildere Mittel an.. Aber denke econ05 hat das alles gut und ausführlich erklärt.
    • econ05
      econ05
      Bronze
      Dabei seit: 01.11.2010 Beiträge: 55
      +
    • Araklion
      Araklion
      Bronze
      Dabei seit: 17.07.2006 Beiträge: 4.605
      Wäre 3a) nicht auch durch 35(1) abgedeckt? Also solange sie nicht deutlich Abstand nehmen muss er doch damit rechnen, dass die anderen 2 ihm die Pistole abnehmen.

      Ist ne Frage, ich weiß es selbst nicht aber finde es interessant.
    • Tezet
      Tezet
      Bronze
      Dabei seit: 18.07.2006 Beiträge: 2.428
      eben. Aber gerade dann sollte man keine allgemeine Aussage dazu tätigen. "ohne jede Diskussion" ist es eben nicht. Da kann der gleiche Fall von Person zu Person anders aussehen. Und wie du sagtest. Für eine konkrete Bewertung fehlen Infos.

      Gerade das Notwehrrecht ist ja darauf ausgelegt, dass sich der Täter adäquat schützen kann. Er soll das mildeste Mittel wählen, das vorhanden ist um einen sicheren Schutz zu gewährleisten. Eine gefahrerhöhung ist dem Täter nicht zuzumuten. An das mildeste Mittel, dass sich der Täter zutraut soll er sich schon halten. Auf der anderen Seite soll er aber natürlich auch keine Angst davor haben müssen, dass eine im Tatmoment für notwendig erachtete Abwehrhandlung vom Gesetz als strafwürdig betrachtet wird.
      Aber dafür gibt es dann ja noch den (intensiven) Notwehrexzess.
    • econ05
      econ05
      Bronze
      Dabei seit: 01.11.2010 Beiträge: 55
      +
    • Tezet
      Tezet
      Bronze
      Dabei seit: 18.07.2006 Beiträge: 2.428
      So wie der Sachverhalt geschildert ist, wird er dir aber auch in keiner juristischen Klausur dieser Welt gestellt werden. :)
      Ich sage ja nicht, man soll grundsätzlich von eionem Sportschützen ausgehen, sondern man soll zum einen keine allgemeingültige Aussage auf zu allgemein gehaltene Sachverhalte geben und zum anderen kann der gleiche Fall in der konkreten Situation personenabhängig unterschiedlich bewertet werden.

      Die Effektivität der Abwehrhandlung wird aber an der Gefahrenvereitelung gemessen. Da brauchts natürlich auch wieder weitere Infos. Wenn der Kerl mit dem Messer 2m vor dir steht, dann ist ein Schuss in die Luft natürlich keine Alternative, wenn er aber 10-20 Meter entfernt ist, dann ist dieses Mittel zunächst genauso effektiv, ohne jedoch die Gefahr zu erhöhen und aller Wahrscheinlichkeit nach zumutbar. Schlägt das Mittel fehl, kann eine entsprechende Maßnahme ergriffen werden.

      Für mich hat dekin Verhalten auc nix mit zicken zu tun. Du hast im Wesentlichen ja vollkommen recht. Ich reibe mich gerade nur daran, dass du von dieser Linie abweichst, indem du den wie schon gesagt unzureichend genauen Sachverhalt konkret beantwortest.
      Aus juristischer Sicht kann man bei dem Sachverhalt eigentlich nur eine Antwort mit gutem Wissen geben. Und die lautet "kommt drauf an".