[Entwicklung] Wie lerne ich gelerntes richtig an zuwenden?

    • KPaxx
      KPaxx
      Bronze
      Dabei seit: 19.05.2007 Beiträge: 1.401
      Hallo liebe Community,

      ich bin Ralf einer der Schüler vom PPC NL SH Intensivbetreuung mit
      Fliegus123.

      Ich wende mich an euch, um einen Tipp für meine weitere Entwicklung
      im Bereich Poker zu bekommen. Vielleicht hat jemand eine Idee oder
      ähnliche Erfahrungen und kann mir mit Rat und Tat zur Seite stehen.

      Als ich mit dem Coaching begonnen habe, habe ich auf NL 10 SH gespielt.
      Nach ca. 14 Stacks unter EV musste ich dann das Limit verlassen und bin
      ein Limit nach unten gegangen. Ich möchte Poker langfristig betrachten.
      Fliegus123 und ich waren der Meinung, dass es für meine Komfortzone
      und meine BR das beste ist dies zu tun. Irgendwie hatten wir beide das
      Gefühl, dass ich nach dem oder während dem Down halt auf Scared Money
      war. Und lernen und meinen Skill weiter bilden kann ich auf NL4 oder NL5
      genauso gut. Also gesagt getan.

      Nun zu meinen Erfahrungen und zu meiner Allgemeinen Gemütsverfassung:

      Im großen und ganzen bin ich mit meiner Entwicklung und meinem rein
      Moneytären Erfolgen sehr unzufrieden! Irgendwie drängt sich das Gefühl
      auf, dass ich vielleicht für Poker total untalentiert bin.

      Ich habe immer den Eindruck wieder die selben Fehler zu machen.
      Als ob ich für das Spiel an sich überhaupt kein Spielgefühl entwickeln kann
      und ich das gelernte dann in den notwendigen Situationen nicht erfolgreich
      anwenden kann. Ich meine, schaut alleine wie lange ich nun schon wieder
      auf NL4 herum gammele und sich einfach nichts tut!

      Wenn ich das mit dem Bereich des Billard vergleiche, sieht es halt ganz
      anders aus. Ich spiele schon mehrere Jahre OL und war auch schon
      auf mehreren DM. Wenn ich mir da einen 8-Ball Tisch nach dem Break
      anschaue, habe ich einen Plan. Ich weiss genau welchen Weg ich mit der
      Spielkugel nehmen muss, um zum Schluss die 8 senken zu können. Bedeutet,
      ich stelle mir bildlich den Verlauf des Spieles vor und kann dies auch technisch
      sehr oft um setzen sodass mein Gegner das Spiel nicht mehr beeinflussen
      kann. Ich sehe, um die 8 zu lochen sollte ich die Spielkugel an der Position
      haben. Wie komme ich dahin? Am besten wenn die ich Kugel Nr...... vor der
      8 Spiele. Und so weiter und so weiter. Solange bis der Tisch sinnbildlich
      abgespielt ist. Also verfüge ich über ein gewisses Maß an Spielgefühl und
      Plan für die Runde.

      Und genau das Gefühl habe ich beim Poker nicht! Ich habe oftmals keinen
      Plan und auch kein richtiges Spielgefühl. Dadurch komme ich oft in Situationen
      in denen mir eine Entscheidung sehr schwer fällt.

      Das soll kein rum gejammere, sondern eher ein Hilferuf sein. Ich weiss nicht
      wie ich das verbessern kann. Fliegus123 hilft schon wo er kann. Auch im
      Skype habe ich schon den öfteren ausserhalb des offiziellen Coachings über
      ähnliche Themen gesprochen. Jedes mal gab er mir Tips und motivierte mich
      aufs neue. Den großen Teil der Hände spiele ich aber nun mal alleine. (logisch)
      Ich habe auch im PPC schon sehr viel gelernt. Es ist mir aber nicht möglich
      dieses Wissen im Spiel dann auch zu nutzen oder an zuwenden.

      Mein NonSD Graph ist ja auch ein wenig besser geworden.
      Aber das ich selbst auf NL4 solche Probleme habe ist äußerst ernüchternt.

      Das Spiel an sich macht mir viel zu viel Spass um es aufgeben zu wollen.
      Wenn man aber keine Erfolge verbuchen kann, dann entsteht aus Spass bald
      Frust.

      Ich bin auch zu ehrlich um einfach zu sagen, ich habe einfach nur Pech. Dazu
      gibt es viel zu viel Situationen bei denen Handbewerter oder auch im PPC
      gezeigt wird, dass ich die falschen Spielzüge gemacht habe. Wenn wir dann
      darüber sprechen, ist es mir ja auch klar. Komme ich ein paar Tage später
      in eine ähnliche Situation, mache ich die selben Fehler. Nicht weil es mir
      Spass macht, sondern weil ich das gelernte Wissen nicht richtig anwenden
      kann. Und das ist noch frustrierender als der ausstehende Erfolg.

      Also was ist eure Empfehlung? Wie kann ich daran arbeiten? Hatte Jemand
      von euch ähnliche Probleme? Wie seid Ihr damit um gegangen.

      Nungut, dass soll es erst einmal gewesen sein. Vielleicht hat ja jemand von
      den Lesern eine Idee oder Anregungen.

      Erst mal vielen Dank für eure Zeit dies zu lesen.
  • 9 Antworten
    • Kongotto
      Kongotto
      Global
      Dabei seit: 05.05.2007 Beiträge: 5.194
      Also, du scheinst thinking player (abseits vom tisch) zu sein, das find ich gut.
      Mach dir keine Sorgen, ich hab das gelernte auch langsam zu Tisch gebraucht bzw erst auch immer wieder den selben Mist gemacht.
      Als Tipp: bei mir waren es die Handbewertungen (posten, diskutieren und lesen) die mich weiter gebraucht haben. Selbst das kommte ich erst nicht live mit an den Tisch nehmen, aber ich hab da generalisiert: Handarten (hi pockets med low, Broadways, SCs), Boards (in verb mit den Handarten) und Lines. Durch das ständige spielen und reviewn und posten schafft man es nacher live die Line auszuwählen, die man haben will bzw die etwas verspricht (EV, Induce, Protect, ...)

      Wie viele Hände spielst du denn pro Woche?
      Postest du genug Hände und das gleich schon mit deinen Gedanken?
      Reviewst du die top losses einer Session? (andere Hände sind natürlich auch wichtig, es kann ja vorkommen, dass man irgendwo nicht genug value geholt hat)

      Spiele grad auf NL5 SH (und Rushpoker) rum und muss sagen, dass es einfach ganz toll swingt. Bin gerade 6 Stacks down, hat mich zwar erst total genervt, aber ich ich weiss ja warum: DOOM, es kommt halt auch wieder anders.
      Anderes Beispiel: beim Rush bin ich in 2500 Händen 2x 4 Stacks gedroppt und hab immer wieder even rausgeholt. Man darf sich nicht verunsichern lassen, wollt ich damit sagen...

      Spiel mal keine Fast Tische mehr und nutzte die volle zeit postflop aus. Wenn du die Gedankengänge durchgehst, bringst du doch schon wissen aus den Coachings mit an den Tisch: "was bringt die cbet hier?" "was passiert wenn ich checkbehind mache" "c/r > donkbet oder c/c" usw...

      Ich hoffe ich hab bischen geholfen...
    • michimanni
      michimanni
      Bronze
      Dabei seit: 02.08.2006 Beiträge: 65.192
      Hallo KPaxx,

      Poker besteht bekanntermaßen sowohl aus einer theoretischen als auch einer praktischen Komponente. Wenn ich Dich richtig verstehe, mangelt es Dir nicht daran, an der theoretischen Komponente zu feilen: Du bist motiviert und hast ein gesundes Verhältnis zwischen Theorie und Praxis. Die Problematik setzt da ein, wo Du lernst, ein Konzept erarbeitest, dieses möglicherweise sogar verstehst, es aber nicht umsetzen kannst. Die Folge daraus ist, dass Du keine spieltheoretische Entwicklung bei Dir siehst und es schlicht an guten Ergebnissen mangelt, was sich natürlich mittelfristig frustrierend auswirkt.

      Ist das so richtig dargestellt?


      Gruß,
      michimanni

      P.S. Ich schreibe anschließend natürlich noch etwas mehr dazu, möchte zunächst aber mal den Kern des Problems greifen können :)
    • KPaxx
      KPaxx
      Bronze
      Dabei seit: 19.05.2007 Beiträge: 1.401
      Vielen Dank für die Antworten.

      Ich denke mal so kann man es sehen michimanni. Ich spiele nicht Poker um reich
      zu werden oder um irgendwo den Matcho heraus hängen zu lassen, oder um
      anderen am Tisch oder im Forum zu zeigen was für ein toller Hecht ich bin.

      Ich spiele Poker, weil ich es als eine Herausforderung sehe in den Limits auf
      zu steigen und mir einen Skil gegenüber den anderen zu erarbeiten sodass
      ich ein Limit nachhaltig schlage. Sicherlich bin ich gegen das Geld nicht abgeneigt.

      Das ist aber nicht mein Vordergründiges Ziel!

      Einfach besser werden, den Ehrgeiz befriedigen und das erlernte Wissen am
      Tisch richtig umsetzen können. Weiterhin macht es einfach Spass!

      Das sind wohl die Hauptgründe warum ich Poker spiele. Ich kann mich da nicht
      so richtig ausdrücken, aber ich glaube du verstehst was ich meine.

      Ich will nicht gambeln oder nur einfach so zum Zeitvertreib spielen. Nein mein
      Ziel ist es stabiler Winningplayer auf NL50 SH zu werden. Desshalb betreibe
      ich auch ein sehr tightes BRM. Immerhin spiele ich seid 2007 immernoch
      mit den $50 von ps.de.

      Seid ca. 1 Jahr beschäftige ich mich aber erst ernster mit Poker. Vorher war
      es mehr Bonusgrinding. Was natürlich nicht unbedingt förderlich für meine
      spielerische Entwicklung war.

      Ich möchte mich aber spielerich weiter entwickeln.

      Allerdings kann ich das gelernte in den richtigen Situationen nicht anwenden.
      Oder es fällt mir nicht ein. Von daher fehlt mir anscheindend das richtige
      Spielverständnis.

      Ich denke du hast mein Problem erkannt oder besser gesagt verstanden
      was ich sagen wollte.

      Nun fehlt mir nur noch eine Lösung.
    • michimanni
      michimanni
      Bronze
      Dabei seit: 02.08.2006 Beiträge: 65.192
      Hallo KPaxx,

      Poker ist ein Geduldsspiel und jeder von uns hat sein eigenes Tempo. Einige der Spieler mit denen ich angefangen habe, sind heute Highstakes- oder solide Midstakes-Spieler. Viele andere haben auch aufgehört und wieder andere haben irgendwann mal die Variante gewechselt. Du solltest Dir eingestehen, dass auch Du Dein eigenes Tempo hast. Wenn Du sagen kannst, dass Du innerhalb Deiner Prioritäten so viel für Deine Entwicklung im Poker tust, wie Du es willst und/oder Dir leisten kannst, dann ist das okay, da solltest Du Deine Ergebnisse nicht mit anderen messen.
      Ein Beispiel: Der alleinverdienende Familienvater, der einen 9to5-Job, Frau und Kinder hat, wird in der Regel weniger Zeit und Arbeit für sein Hobby Poker aufwenden können - und vermutlich auch wollen - als der der ambitionerte 20-jährige Pokerspieler, der gerade mit der Uni begonnen hat und möglicherweise kurz davor ist, mit Poker seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

      Die beste Art zu lernen ist, etwas selbst zu machen - denn aus Fehlern lernt man. Das gilt auch für Poker. Vieles im Poker erklärt sich von allein, wenn man ausreichend Erfahrung sammelt und ich vermute jetzt einfach mal, dass Deine Erfahrung in manchen Bereichen einfach noch nicht ausreichend ist.
      Dazu kommt, dass viele sehr starke PokerStrategy-Spieler sich dahingehend äußern, dass die Handbewertungsforen das A und O der Weiterbildung sind. Daher lautet mein Fazit, dass man am besten in seiner Entwicklung vorankommt, wenn man a) viel spielt und b) seine Sessions analysiert und die Handbewertungsforen dabei tüchtig nutzt.

      Das obengenannte Fazit wird Dich nicht vor Rückschlägen bewahren, aber es wird dafür sorgen, dass Du kontinuierlich Deine Edge ggü. Deinen Gegnern auf Deinem aktuellen Limit vergrößerst, womit ich den Bogen zu Deinem Eingangspost spanne, denn diese kontinuierliche Verbesserung des eigenen Spiels sollte das Ziel des langfristig ausgelegten Spiels eine Pokerstrategen sein.


      Gruß und viel Erfolg für die Zukunft,
      michimanni
    • KPaxx
      KPaxx
      Bronze
      Dabei seit: 19.05.2007 Beiträge: 1.401
      Vielen Danke für deine Zeit und die genaue Antwort.

      Ich bekomme immer wieder zu hören, dass ich meine Sessions genauer
      analysieren soll und mehr in den HBW-Foren arbeiten soll.

      Wenn ich es so oft höre, muss es wohl der richtige Weg sein.

      Wenn ich das durch meinen Post und die Antworten gelernt habe und ich damit
      weiter komme, hat sich auf jeden Fall die Arbeit und die Gedanken gelohnt.

      Danke
    • Kongotto
      Kongotto
      Global
      Dabei seit: 05.05.2007 Beiträge: 5.194
      Sagst inhaltlich nix anderes als ich, nur schöner verpackt^^
    • KPaxx
      KPaxx
      Bronze
      Dabei seit: 19.05.2007 Beiträge: 1.401
      OK, danke.

      Gesagt getan, wird gemacht.
    • michimanni
      michimanni
      Bronze
      Dabei seit: 02.08.2006 Beiträge: 65.192
      Original von Kongotto
      Sagst inhaltlich nix anderes als ich, nur schöner verpackt^^
      Eine Bestärkung Deiner Aussage wertet sie ja nicht ab :)
    • Kongotto
      Kongotto
      Global
      Dabei seit: 05.05.2007 Beiträge: 5.194
      nene alles ok, wollts nur nochmal erwähnt haben^^ :-)