Offener Brief von Dr. Michael Keiner

    • SmartDevil
      SmartDevil
      Bronze
      Dabei seit: 26.01.2007 Beiträge: 9.455
      An die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder
      15. Dezember 2010

      Betreff: Ministerpräsidentenkonferenz zum Glücksspielstaatsvertrag am 15. Dezember 2010

      Sehr geehrte Frau Ministerpräsident,
      sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

      ich wende mich als leidenschaftlicher Pokerspieler und erfahrener Chirurg an Sie, da Sie am 15. Dezember 2010 im Rahmen der Ministerpräsidentenkonferenz über Zukunft des Glücksspiels in der Bundesrepublik Deutschland mit entscheiden werden.

      Auch das Pokerspiel ist ein Teilaspekt und Gegenstand dieser Thematik und so werden natürlich über drei Millionen deutsche (Online-)Pokerspielerinnen und -spieler den Verlauf und Ausgang Ihrer Beratungen mit großem Interesse verfolgen.

      Poker hat sich gerade in den letzten Jahren einen festen Stellenwert als Freizeitbeschäftigung bei zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern erobert. Aufgrund der erheblichen Geschicklichkeitsmomente des Spiels werden kombinatorische, mathematische und psychologische Fähigkeiten trainiert und darüber hinaus durch die Aktivitäten von Pokerclubs und Vereinen zumindest mittelbar auch soziale Kompetenzen gefördert. An einem Pokertisch treffen sich Rechtsanwälte und Bauarbeiter, Ärzte und Kellner, Lehrer und Verkäufer, um gemeinsam ihrem Hobby nachzugehen, ohne dass soziale Schranken signifikant spürbar wären. Dabei bewegen sich die Einsätze pro Spiel zumeist im Centbereich und das riskierte Kapital eines Spielabends übersteigt nicht einmal den Wert einer Kinokarte.

      Am 8. September 2010 hat der Europäische Gerichtshof den Glücksspielstaatsvertrag in seiner aktuellen Form aufgrund mangelnder Kohärenz für unzulässig erklärt. Jetzt sind die Politiker dieses Landes gefordert, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Dabei tun sich zwei Wege als Lösungsmöglichkeit auf. Der erste Weg wäre eine drastische Verschärfung des Monopols mit radikaler Reduktion der Werbe- und Vertriebsmöglichkeiten des staatlichen Glücksspielangebotes. Am Ende dieses Weges wird es nur Verlierer geben. Die Umsätze und Gewinne werden deutlich zurückgehen, es stehen weniger Mittel für soziale, kulturelle und sportliche Zwecke zur Verfügung, Arbeitsplätze werden gestrichen und die Steuereinnahmen sinken. Ergreifen Sie die Chance, das Internet-Pokerspiel dem Graubereich zu entreißen, um auch das Steuerpotential von Online-Poker auszuschöpfen, das ca. 15% höher als bei Sportwetten liegt, wenn – wie z. B. in Dänemark vorgesehen und im Markt nachgefragt – die sog. internationale Liquidität, also das Spielen über im Internet nicht existente Grenzen hinweg ermöglicht wird. Auch die deutschen Casinos sind sich darüber bewusst, diesen Spieldrang aufgrund des internationalen Charakters des Internet-Pokerspiels nicht kanalisieren zu können,. Und: Drei Millionen deutsche Pokerspielerinnen und –spieler würden beim Status quo der Nicht-Zulassung von Online-Pokerveranstaltungen als „Nebeneffekt“ in die Illegalität gedrängt werden.

      Die Alternative wäre eine teilweise Öffnung des Glücksspielmarktes, auch und gerade unter Einbeziehung des Internets. Zahlreiche Mitgliedsländer der EU haben die Zeichen der Zeit erkannt und in den vergangenen Jahren über die Lizenzierung privater Anbieter einen teilliberalisierten Markt geschaffen, der staatlich überwacht und reguliert ist. Es gibt keinerlei Anzeichen, dass in jenen Ländern die Suchtproblematik ein größeres Problem als in der Bundesrepublik darstellt. Die Bekämpfung der Glücksspielsucht ist unbestritten wichtig, aber sie bedarf keines Monopols, um effektiv zu sein.

      Wie ich aus der gegenwärtigen Diskussion entnehmen konnte, erörtern Sie grundsätzlich 3 Modelle zur künftigen Entwicklung des deutschen Glücksspielmarktes.

      - Modell I (Weiterentwicklung des Monopols)
      - Modell II (Beibehaltung des Lottomonopols und regulierte Marktöffnung anderer Glücksspiele/Sportwetten)
      - Modell III (Modell I mit Experimentierklausel)

      Meine eindringliche Bitte, auch im Namen von drei Millionen Wählerinnen und Wählern, die Poker spielen: Stimmen Sie für Modell II und stellen Sie somit die Weichen für eine zeitgemäße Entwicklung unserer Gesellschaft zum Wohle aller!

      Mit freundlichen Grüßen,



      Michael Keiner

      Quelle: http://www.pokerfirma.de/news/offener-brief-von-dr-michael-keiner-an-die-ministerprasidentinnen-der-lander/71824
  • 45 Antworten
    • StampIt
      StampIt
      Global
      Dabei seit: 11.10.2010 Beiträge: 431
      wird halt nichts an der entscheidung ändern

      trotzdem gut das er es wenigstens versucht
    • Coffeehouse
      Coffeehouse
      Bronze
      Dabei seit: 16.03.2005 Beiträge: 1.489
      15. Dezember war ja gestern. Was ist da jetzt entschieden worden?
    • Quentin73
      Quentin73
      Bronze
      Dabei seit: 23.09.2005 Beiträge: 17.162
      Hornberger Schiessen

      ich hoffe nur er schiesst sich mit dem Brief kein Eigentor.

      afaik ist bei dem die Steuerfahndung auch schon mal eingelaufen.

      Edit by Tobi
      Link gefixt, war als Email drin
    • loudmouth
      loudmouth
      Bronze
      Dabei seit: 13.09.2006 Beiträge: 1.090
      Original von Quentin73
      Hornberger Schiessen

      ich hoffe nur er schiesst sich mit dem Brief kein Eigentor.

      afaik ist bei dem die Steuerfahndung auch schon mal eingelaufen.
      obv so wie er im rampenlicht steht :rolleyes:
    • HockeyTobi
      HockeyTobi
      Bronze
      Dabei seit: 03.12.2005 Beiträge: 23.227
      Also schaden kann der Brief sicherlich nicht. Finde es gut, dass von einem Pokerspieler mit relativ guter Reputation in Deutschland kommt und auch zeigt, was die Pokercommunity denkt.

      Hab den Link von Quentin mal gefixt, der war mit mailto drin.
    • Egozocker
      Egozocker
      Bronze
      Dabei seit: 26.08.2006 Beiträge: 7.017
      Original von SmartDevil
      An die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder
      15. Dezember 2010
      (...)
      An einem Pokertisch treffen sich Rechtsanwälte und Bauarbeiter, Ärzte und Kellner, Lehrer und Verkäufer, um gemeinsam ihrem Hobby nachzugehen, ohne dass soziale Schranken signifikant spürbar wären. Dabei bewegen sich die Einsätze pro Spiel zumeist im Centbereich und das riskierte Kapital eines Spielabends übersteigt nicht einmal den Wert einer Kinokarte.(...)
      Mit freundlichen Grüßen,

      Michael Keiner

      Quelle: http://www.pokerfirma.de/news/offener-brief-von-dr-michael-keiner-an-die-ministerprasidentinnen-der-lander/71824
      wers glaubt
    • Th0m4sBC
      Th0m4sBC
      Bronze
      Dabei seit: 01.06.2006 Beiträge: 7.550
      Original von HockeyTobi
      Also schaden kann der Brief sicherlich nicht. Finde es gut, dass von einem Pokerspieler mit relativ guter Reputation in Deutschland kommt und auch zeigt, was die Pokercommunity denkt.
      Schaden kann der Brief durchaus.
      Aussagen wie 'übersteigt nicht einmal den Wert einer Kinokarte' von einem Spieler welcher über 1mio $ Turnier-Winnings hat sind halt einfach unehrlich und genau dies wird von der Opposition gnadenlos ausgeschlachtet werden.
    • CurtVanVort
      CurtVanVort
      Bronze
      Dabei seit: 01.11.2006 Beiträge: 370
      er schreibt ja "zumeist" und nicht immer. und da hat er recht...denn die meisten sind keine high roller oder haben 1 mo winnings.
    • richum
      richum
      Bronze
      Dabei seit: 29.03.2010 Beiträge: 2.169
      Sehe auch nicht was daran unehrlich sein soll. Er schreibt über die große Masse und nicht über sich selbst. Da finde ich das halbwegs realistisch.
    • Th0m4sBC
      Th0m4sBC
      Bronze
      Dabei seit: 01.06.2006 Beiträge: 7.550
      Schau, du kannst halt nicht von nem Steuerpotential was grösser als das des Sportwetten-Markes sein soll sprechen um dann im gleichen Atemzug zu behaupten, dass die meisten eh nur um Cent-Beträge spielen. Die Leute wleche um Cent-Beträge spielen interessiert bspw. eine Martkabschottung überhaupt nicht. Die spielen das zu Hause auf dem Küchentisch und das interessiert auch den deutschen Staat nicht - wenn es nur um Cent-Beträge geht.
    • laghorn711
      laghorn711
      Bronze
      Dabei seit: 04.03.2009 Beiträge: 938
      er spricht von Homegames (-.(-.(-.(-.-).-).-).-)
    • santosmedici
      santosmedici
      Bronze
      Dabei seit: 03.09.2010 Beiträge: 53
      Original von Coffeehouse
      15. Dezember war ja gestern. Was ist da jetzt entschieden worden?
      Die Entscheidung über einen neuen Glücksspielstaatsvertrag ist bis März vertagt worden.

      vg Santos
    • Egozocker
      Egozocker
      Bronze
      Dabei seit: 26.08.2006 Beiträge: 7.017
      Original von laghorn711
      er spricht von Homegames (-.(-.(-.(-.-).-).-).-)
      aber er sagt auch,

      An einem Pokertisch treffen sich Rechtsanwälte und Bauarbeiter, Ärzte und Kellner, Lehrer und Verkäufer, um gemeinsam ihrem Hobby nachzugehen, ohne dass soziale Schranken signifikant spürbar wären.

      Das passiert natürlich am Küchentisch des Arztes, der mit dem Bauarbeiter seines Vertrauens um Centbeträge Poker spielt.
    • richum
      richum
      Bronze
      Dabei seit: 29.03.2010 Beiträge: 2.169
      Also ich kann mir ja durchaus vorstellen, dass es hier den ein oder anderen gibt, der mit seinen Freunden NL400 am Wohnzimmertisch spielt. Aus eigener Erfahrung würde ich jetzt aber sagen, das bei Homegames auch gut verdienende Menschen nicht mit Geld um sich werfen.
    • Betrunkener
      Betrunkener
      Bronze
      Dabei seit: 22.01.2006 Beiträge: 5.186
      dieser brief ist ein epic fail
      Wtf er spricht von steuern und privaten clubs die eigentlich mehr Oder weniger abzocke sind
    • rootsanarchy
      rootsanarchy
      Black
      Dabei seit: 10.01.2008 Beiträge: 6.843
      haters gonna hate. da nutzt mal jemand seine prominenz und reputation, um sich für die belange der pokercommunity auszusprechen und wird dafür von selbiger auseinandergenommen. und das wie immer ohne auch nur den versuch von konstruktivität. was hättet ihr denn soviel besser gemacht bzw. was tut ihr bereits, was soviel zielführender ist?

      ich zitier mal aus den comments von pokerfirma:
      "Unfassbar wie viele Schwachköpf immer wieder hier kommentieren glauben zu müssen.
      Natürlich bringt der Brief mit Sicherheit nicht den gewünschten Erfolg, aber immerhin besser als da zu sitzen, sich nen Finger in Arsch zu stecken und sich anschließend wundern warum der stinkt!"
    • Scooop
      Scooop
      Bronze
      Dabei seit: 26.03.2009 Beiträge: 22.773
      Original von rootsanarchy
      haters gonna hate. da nutzt mal jemand seine prominenz und reputation, um sich für die belange der pokercommunity auszusprechen und wird dafür von selbiger auseinandergenommen. und das wie immer ohne auch nur den versuch von konstruktivität. was hättet ihr denn soviel besser gemacht bzw. was tut ihr bereits, was soviel zielführender ist?

      ich zitier mal aus den comments von pokerfirma:
      "Unfassbar wie viele Schwachköpf immer wieder hier kommentieren glauben zu müssen.
      Natürlich bringt der Brief mit Sicherheit nicht den gewünschten Erfolg, aber immerhin besser als da zu sitzen, sich nen Finger in Arsch zu stecken und sich anschließend wundern warum der stinkt!"
      #2

      bin sowieso Fan vom Doc nach seinen sensationellen Las Vegas Videoblogs und dieser Brief bestätigt mich darin, dass er einfach ein richtig guter ist.
    • D4niD4nsen
      D4niD4nsen
      Bronze
      Dabei seit: 14.11.2007 Beiträge: 9.275
      allein jeder der wirklich versucht die situation durch aktives handeln zu verbessern verdient höchste anerkennung, so ein brief erfüllt den zweck den soetwas nunmal hat, wer ihn liest wird hoffentlich empfindlich darüber das er hier über das leben und teilweise sogar die entwicklung/zukunft vieler menschen entscheidet und eingreift, und sensibilisiert dazu sich mehr mit der thematik auseinanderzusetzen.
    • Thilo87
      Thilo87
      Bronze
      Dabei seit: 03.09.2006 Beiträge: 901
      Meine eindringliche Bitte, auch im Namen von drei Millionen Wählerinnen und Wählern, die Poker spielen: Stimmen Sie für Modell II und stellen Sie somit die Weichen für eine zeitgemäße Entwicklung unserer Gesellschaft zum Wohle aller!


      voll ins schwarze ^^ darum gehts denen doch. nur darum.

      ich finde den brief sehr gut! toll, dass sich jemand solche mühe (für uns alle) gibt