Lange Breakeven-Phase: Motivations- und Spaßverlust

    • frank1012
      frank1012
      Bronze
      Dabei seit: 01.03.2006 Beiträge: 2.682
      Moin!

      Bevor ich zur Sache komme, möchte ich erstmal kurz meine "Pokerkarriere" wiedergeben:
      Angefangen im März 2006 mit $5 auf Stars, habe ich mich bis Ende 2006 auf NL200 (BSS) hochgespielt, mit recht aggressivem 25-Stack-BRM. Mittlerweile bin ich wesentlich konservativer geworden. Es ging recht flott nach oben, und wenn es mal kurzzeitig runter ging, habe ich mir ein Limit tiefer Sicherheit geholt. Auf NL200 war aufgrund der nicht mehr so geringen Geldbeträge meine psychische Komfortzone überschritten, so dass ich von da an auf meinem Wohlfühllimit NL100 weitergespielt habe, zumal ich auch wollte, dass die Freude am Spiel im Vordergrund steht. Auf NL100 fühlte ich mich sicher, konnte am Spiel arbeiten und auch solide Winnings einfahren. Dabei habe ich immer mal wieder ausgecasht, die Erträge haben sich insgesamt auf einen unteren fünfstelligen Betrag summiert. NL100 war für mich ausreichend, ich hatte nich unbedingt das Bedürfnis höher zu spielen, da Poker ein Hobby war, bleiben sollte und auch geblieben ist. So weit so gut...

      Nun zu meinem Problem: nach dem bombigen ersten Jahr folgte ein immer noch akzeptables Jahr 2007. Seit Anfang 2008 läuft es kontinuierlich bescheiden. Ich habe nicht mehr die komplette Datenbank, aber ich spiele seit drei Jahren maximal break even, hauptsächlich NL50 und NL100, hin und wieder auch NL25. Über einen längeren Zeitraum waren es mal ~60 Stacks unter EV; ich weiß nicht wie meine Winnings aktuell vom EV abweichen, aber das interessiert mich auch nur am Rande.

      Seit Beginn spiele ich zwischen 10k und 15k Hände pro Monat (4-Tabling). Natürlich bin ich immer wieder auf Leaks gestoßen und habe sie tlw. ganz gut abgestellt, an manchen arbeite ich immer noch, neue entdecke ich auch. Ich hatte Coaching (hat mir allerdings nur mäßig viel gebracht für den Preis), lese Artikel und Kolumnen, poste und bewerte Hände, usw. usf. Kurzum: ich bin mir gewisser Schwächen bewusst und arbeite daran. Dennoch denke und erwarte ich, mit diesem Level zumindest die Limits bis NL50 schlagen zu können. (Nicht falsch verstehen: das heißt nicht, dass ich mich zufrieden zurücklehne!)

      Mich hat der ausbleibende Erfolg daher immer wieder gewurmt. Es ist mir aber auch immer wieder gelungen, mich mit dem Gedanken "It's one big session" zu motivieren und bei Laune zu halten. Aber mit zunehmender Dauer schwindet langsam meine Motivation und der Spaß. Es ist einfach eine so verdammt lange Zeit ohne Ernte für all die Mühe und Investitionen, dass es mir nicht mehr ausreicht zu sagen es geht nur darum die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wenn es wirklich nur darum ginge, könnte man auch Playmoney-Poker spielen.

      Ich habe auch immer wieder unzählige Pausen gemacht, von 1-2 Wochen bis zuletzt ca. 4-5 Monaten. Hier hatte ich schon den Gedanken gefasst, ganz mit Poker aufzuhören und alles ausgecasht. Vor ein paar Monaten hatte ich dann doch wieder Lust drauf und habe wieder klein auf NL5 angefangen, um mich hochzuarbeiten. Aktuell spiele ich NL10 auf Full Tilt, die Tendenz geht aber wieder abwärts. Einige denken jetzt bestimmt, "LOL, wenn man noch nicht mal NL10 klar schlägt..." -- immerhin, es sind schlappe 7 Stacks minus auf 10k Hände, also sicher noch nicht aussagekräftig... ;)

      Ich komme mir vor, als würde ich eine Rolltreppe gegen die Fahrtrichtung hochlaufen wollen, immer vorbetend "irgendwann kommst du voran", und dabei doch immer auf der Stelle tretend. Ich habe langsam fast alles probiert, ewige Geduld gehabt, immer versucht mein Spiel analytisch anzugehen, zu reflektieren und zu hinterfragen.

      Es geht hier also nicht um die Frage: wie werde ich ein besserer Spieler? Das soll auch keine Beschwerde über fehlendes Glück sein. Es geht nur darum:

      - Wie kann ich mich in einer für mich fast hoffnungslos scheinenden Situation motivieren weiterzumachen? Geht das überhaupt noch oder ist der Punkt erreicht an dem man die Sache abhaken kann? (Ich würde mich dabei übrigens nicht als ungeduldig oder "Dünnbrettbohrer" bezeichnen)

      - Wie bekomme ich wieder Spaß am Pokern? (ernst gemeint, auch wenn's blöd klingt)

      - Hat jemand ähnliche Erfahrungen? Was ratet ihr mir? Bin langsam wirklich ratlos...

      Danke fürs Lesen! =)
      Wenn ihr noch Infos braucht, reiche ich die gern nach...
  • 2 Antworten
    • michimanni
      michimanni
      Bronze
      Dabei seit: 02.08.2006 Beiträge: 65.192
      Moin frank1012,

      Du gehörst ja zu denjenigen, die gefühlt seit ewigen Zeiten dabei sind. Ich nehme daher an, dass Du Dir auch darüber im Klaren bist, dass die Qualität auf Deinen Limits im Durchschnitt auch stark gestiegen ist seit 2006. Dies ist das erste Faktum, was man unbedingt bedenken sollte.

      Darüber hinaus habe ich, gerade bei unseren Urgesteinen hier, gelegentlich das Gefühl, dass man sich "stuck" fühlt und einfach nicht mehr weiter kommt. So komisch es klingt, aber in solchen Fällen kann ein "Tapetenwechsel", sprich, ein anderer Anbieter weiterhelfen. Das Spiel ist auf einer anderen Seite ein wenig anders, es sind andere Gegner, man konzentriert sich wieder mehr auf das Wesentliche beim pokern... man ist schlicht nicht so festgefahren, wie man es auf seiner bevorzugten Seite ist.

      Auf welcher Seite spielst Du aktuell?


      Gruß,
      michimanni
    • frank1012
      frank1012
      Bronze
      Dabei seit: 01.03.2006 Beiträge: 2.682
      Danke für dein Antwort! Seit November bin ich neuer Spieler auf Full Tilt. Davor habe ich ausschließlich auf Party gespielt, abgesehen von ein paar Wochen auf Stars. Bin soweit auch ganz zufrieden, der Tapetenwechsel hat definitiv nicht geschadet...

      Hab auch schon überlegt, eine andere Variante zu spielen (Omaha, SnGs), aber NL cashgame macht mir letztlich am meisten Spaß...

      Woran ich mich auf FT gewöhnen musste, ist, dass mehr Pseudo-LAGs unterwegs sind, was an sich nicht unprofitabel ist. Man muss sich nur anpassen (ich kann bisher wie gesagt nur von NL5 und NL10 sprechen). Auf NL5 ging's mit ~6bb/100 aufwärts (20k Hände), auf NL10 gerade anders rum mit ~-6bb/100 (10k Hände).

      Ich hab auch schon überlegt ob es sein könnte, dass ich
      - die Micros nicht ausreichend respektiere, da ich mehr NL50 und NL100 gewohnt war,
      - zu gegnerunspezifisch spiele oder
      - zu schnell wieder auf meine "Stammlimits" will.

      Wobei meiner Einschätzung nach keiner der drei Punkte zutrifft. Ich nehme die Micros ernst, achte auf Gegner, setze mir keine unrealistischen Ziele wann ich welches Limit erreicht haben möchte. Dass das Spielniveau gestiegen ist, ist mir natürlich bewusst. Da ich guten Gewissens sagen kann, mich nie wirklich zurückgelehnt zu haben, will ich aber nach fast drei breakeven-Jahren und geschätzten 300-400k Händen einfach langsam mal wieder in die Gewinnzone kommen...

      Zudem ging es auf NL5 ja schon nach oben, auf NL10 waren ziemlich viele Badbeats, Setups und verlorene Flips dabei (was keine Ausrede sein soll). Das Feedback auf die geposteten Beispielhände war jetzt auch nicht so schlecht, wenn auch nicht alles perfekt gespielt war, aber das will ich ja auch nicht von mir behaupten... dazu nehme ich mir immer wieder Artikel und Videos auch aus der Einsteiger-/Bronzesektion vor... klingt für manchen vielleicht albern wenn man fast 5 Jahre dabei ist, aber ich find's nicht verkehrt immer wieder mal "back to the roots" zu gehen und sich zu überprüfen.

      Scheint bis jetzt alles nicht zu helfen. :(