(Almost) Game Over

    • TeamHCC
      TeamHCC
      Global
      Dabei seit: 01.12.2009 Beiträge: 1.422
      Hallo Community,

      ich hatte eine Weile überlegt, ob ich diesen Post hier oder doch eher bei den Erlebnisberichten veröffentliche. Da ich aber der Ansicht bin, dass hier auch durchaus Elemente bezüglich des Selbstmangaments enthalten sind entschied ich mich für dieses Unterforum.

      Worum geht es?

      Letztendlich um den Fakt das ich mit Poker aufhöre. Jedenfalls mit dem dauerhaften Spielen ums Geld.

      Wie kommt es dazu?

      Nun ich behaupte für weiterhin, dass ich ein recht guter Tunierspieler bin, insbesondere bei den SnGs.
      Ich habe im Laufe der Zeit eine Menge Kohle reingeschossen aber auch eine Menge daraus gemacht, wenn mich nicht gerade der Tilt-Dämon am Schlafittchen packte. Ich habe im Laufe der Zeit eine Menge Hochs und Tiefs mitgemacht, ab und an gefreut oftmals geärgert.
      Poker nahm immer mehr Position in meinem Leben ein. Es kam durchaus vor, dass ich zum Beispiel auch andere Hobbys vernachlässigt habe.
      Seit dem Sommer des letzten Jahres besuche ich eine Fachschule. Dort habe ich einen Vorbereitungskurs zu meinem Fachabitur gemacht. Der war auch dringend nötigt, da ich zu diesem Zeitpunkt auch schon 13 Jahre aus der Schule raus war. Während ich den Vorbereitungskurs gemacht habe, hatte ich noch durchaus die Zeit um täglich 1-2 (oder mehr) Stunden zu spielen.

      Doch seit dem 04.01.2011 sieht das ganze anders aus. Ich befinde mich nun im 1. Semester der Fachhochschulreife Sozialpädagogik. Oftmals endet mein Schultag erst um 15:15 Uhr. Danach kommen Hausaufgaben und das weitere Lernen. Zusätzlich 2 mal unter der Woche Sport und einmal in der Woche ein Sprachkurs an der VHS. Seit knapp 4 Monaten habe ich auch wieder eine Freundin, von der ich aber nur was am Wochenende habe; ausgenommen in den Ferien.

      Anstehende Klausuren, Teste, Übungen und anstehende Referate sind in dieser Rechnung noch nicht einmal mit eingeplant.

      Aufgrund dieser Fakten musste ich so einiges überdenken.

      1. Du hast völlig neue Unterrichtsfächer wie Psychologie, Soziologie, Rechtslehre >>>> Reicht da nur der Unterricht aus um das Maximum herauszuholen um trotzdem nebenbei um Geld zu pokern?

      2. Du hast einige Hobbys (alle sind nicht mal aufgelistet). >>>> steht dir daneben wirklich noch ausreichend Zeit zur Verfügung um konzentriertes, profitables Poker zu spielen?

      3. Ich selber wohne in Rostock, meine Schule ist in Hamburg (hat seine Gründe) >>>> steht dir am Wochenende neben Freundin und den Freunden noch ausreichend Zeit zum Poker zur Verfügung?


      Unterm Strich muss man sich mal über einer Sache WIRKLICH im Klaren sein:

      GELD das ich beim Poker verliere kann ich auch irgendwann wieder zurückgewinnen. Langfristigkeit und Geduld sind ja eigentlich der Schlüssel zum Erfolg.

      Aber neben dem Geld gibt es noch eine weitere Investition die ich beim Poker aufbringen muss: ZEIT

      Und ZEIT ist es etwas, dass ich nie wieder zurück erhalte.


      Deshalb kam ich zu dem Entschluss Poker wieder als etwas zu betrachten was es mal ganz zum Anfang für mich war: Ein Kartenspiel und ein Hobby.
      Gerade Letzteres verblasste immer mehr mit der Zeit, je mehr man sich über Suckouts geärgert hat, über das Rumdonken geschimpft hat und man nur noch dabei war irgendein Status oder Bonus zu ergrinden.

      Also warum noch weiter Geld einzahlen oder überhaupt um Geld spielen?
      Ich habe sehr viel gelernt in Sachen Poker. Dank Fachlektüre, dank Pokerstrategy. All dies über den Haufen zu werfen wäre Quatsch. Ich werde weiterhin ein Mal im Monat ein Liveturnierspielen. Und sicherlich werde ich auch 2-3 Stunden im Monat die Zeit finden für ein Onlinespiel.

      Aber reichen da nicht die Mirco-Tuniere aus. Hier und da liegen ja noch ein paar Mark rum auf diveresen Accounts.
      Reicht es auch da auch nicht aus, die gesamten erspielten Punkte aus dem Rake für irgendwelche Sattelites zu verspielen?
      Und selbst wenn dies alles aufgebraucht ist: Gäbe es da nicht noch die Freerolls oder Playmoney?
      Als reines Hobby ist dies,nach meiner Ansicht, völlig ausreichend.

      Da das Jahr 2011 für mich durch mein Fachabi bestimmt ist, heißt dies unterm Strich auch, dass ich also dieses Jahr nicht ernsthaft um Geld spiele-also um Geld das ich einzahle und täglich 1-2 Stunden spiele.


      Ich habe mein Vorkus mit 1,6 abgeschlossen und ich habe vor meinen Abschluss mit ähnlichem Ergebnis zu erzielen. Aber das geht nur mit Disziplin und Einschränkungen. Und Poker musste nun mal dran glauben, auch wenn ich es nicht völlig aufgebe. Aber jede Stunde die ich Poker "verschwende" kann ich nicht mehr fürs Lernen aufbringen. Und diese verschwendete Stunde gibt mir kein Mensch und kein Pokeraccount zurück.

      Ich habe nun einmal ein beruflich hochgesteckte Ziele. Und auch dies ist wie beim Poker nun mal langfristiges Denken, welches aber greifbarer ist.



      Ich hoffe, ich konnte erklären worauf ich hinaus möchte. Habt nicht nur beim Poker langfristige Ziele sondern auch im realen Leben. Seid euch darüber im Klaren, dass ihr primär im realen Leben eurer Geld verdient und nur die wenigsten Online dauerhaft gut von leben können.

      Habt wieder Spaß am Poker und betrachtet es als das, was es nunmal ist:
      Ein Kartenspiel.
  • 3 Antworten
    • dezi
      dezi
      Bronze
      Dabei seit: 13.11.2006 Beiträge: 2.022
      [quote]Original von TeamHCC
      Seid euch darüber im Klaren, dass ihr primär im realen Leben eurer Geld verdient und nur die wenigsten Online dauerhaft gut von leben können.

      quote]

      Ich gehe mal davon aus, dass du schon einmal gearbeitet hast ("13Jahre aus der Schule heraus....").
      Vielleicht ist dir dabei aufgefallen, dass es auch im "realen Leben" ziemlich schwer sein kann mit einem "normalen" Job "(richtig) gut" zu leben. Bist du dir darüber im Klaren? :)

      Nur als Denkanstoß. Imo kannst nur du entscheiden, was für dich richtig ist. Das viele mit der Zeit, die sie in Poker investieren, bei Investition in ein anderes Lebensfeld auch eine Menge hätten erreichen können, steht sicher ausser Frage. Allerdings kann die Maßstäbe, mit denen man messen möchte wie viel man jeweils erreicht hat, erreichen hätte können oder noch erreichen kann, nur jeder selbst und nur für sich definieren.

      Du hast jetzt nichts über die limits geschrieben, auf denen du pokerst, von daher k.a. ob die für Poker als Lebensentwurf "geeignet" sind.
      Dein Text klingt für mich aber relativ logisch und daher wünsche ich dir bei deinem Weg auch viel Erfolg.
      Allerdings wirst du sicher auch hier viel Fleiß, Geduld und Durchhaltevermögen mitbringen müssen - wie wohl bei jedem Weg, für den du dich entscheiden kannst.
    • Opi
      Opi
      Bronze
      Dabei seit: 08.10.2006 Beiträge: 323
      ich spiele nun schon ein paar Jahre poker ... aber es ist immer nur zum Spaß !

      Ich hab nen Job, ne Frau, 2 Kinder ... DAS ist das Leben. Ich poker nur nebenbei. Da mir Cashgame einfach keinen Spaß macht, spiele ich SnG´s und (seit ein paar Monaten) vermehrt MTT´s - aber nur bis $5 !

      Es macht Spaß - und ab-und-zu gewinne ich auch mal was ^^ (wie letztes WE - 4.Platz mit $230 in nem $2,25 MTT auf FullTilt bei 1140 Leuten)

      Opi
    • TeamHCC
      TeamHCC
      Global
      Dabei seit: 01.12.2009 Beiträge: 1.422
      Hallo Leute,

      nun sind ja schon ein paar Tage vergangen seitdem OP und ich muss sagen, mir geht es deutlich besser als zuvor.

      Ich habe seitdem Tag nicht mehr so richtig ans Poker gedacht. Und ich muss euch sagen...... mir geht es blendend. Poker beherrscht mein Tag quasi gar nicht mehr. Ich nutze die Zeit fürs Lernen und für Sport und ich fühle mich einfach nur toll. Sicherlich schaue ich noch ab und an hier bei PS rein..... und am WE spiele ich auch gern mal ein (Punkte)Sattelite. Aber ansonsten kann ich nur sagen: Es war die beste Entscheidung. Da in nicht wenigen Fächern die mündliche Mitarbeit bis zu 40% der Gesamtnote ausmacht, bin ich, dank eingesparter Pokerzeit, immer bestens vorbereitet.

      Ich muss ehrlich gestehen, dass ich erst Zweifel hatte, ob ich "ein Leben ohne Poker" überhaupt aushalte - zu sehr war dieses Kartenspiel in meinen Alltag übergegangen. Aber mein "quasi quitt" lief besser als ich es gedacht habe.

      HEUTE war ich mal kurz auf PartyPoker. Ich sah, das ich da noch ein paar wenige Dollar hatte. Da ich heute mal Zeit hatte, dachte ich mir, ich könne ja mal ein STT-SnG spielen. Ich wurde zweimal rausgekickt.... 2 mal wieder durch Riverluck.... 2 mal durch stumpfes gedonke meines Gegenüber.
      Ich merkte sofort, dass sich mein Magen dreht und ich kurz davor war wieder rumzumeckern. Und just darauf wurde mir klar, was ich die letzten Tage (seit OP) nicht mehr vermisst habe, nicht mehr gebraucht habe.

      Mir ist bestens bekannt, dass zwei SnGs nix aussagen.
      Letzten Endes möchte ich nur eines damit zum Ausdruck bringen:

      "Wer aufhören will, soll es einfach tun"....... es funktioniert.... wei beim Rauchen.
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