Wie sehr lasse ich den Frust heraus und spiele trotzdem oder gerade deswegen A-game

    • Johnnybi
      Johnnybi
      Bronze
      Dabei seit: 19.02.2010 Beiträge: 232
      Hallo,

      Ich habe vor kurzem eine Dokumentation über Profipokerspieler gesehen. Dabei war ein junger Mann, der 2 Mio. $ über 2 Jahre erwirtschaftet hatte. Er erzählte u.a., dass sein schlechtester Monat -96.000 $ war. Er war ein sehr ruhiger und zurückhaltender Typ. Er beendete seine Pokerlaufbahn, weil er einen Zusammenbruch hatte und 3 Monate in der Psychatrie eingewiesen wurde. Nun unterrichtet er Mathe.
      Da dachte ich mir, der Typ hat seinen Frust über Badbeats und Verluste immer unterdrückt, verdrängt und als das Faß voll war, lief alles aus und er mußte eingewiesen werden. Er hatte auch eine Freundin. Die war auch so eine Ruhige, liebe Nette...

      Jeder versucht Tilt zu vermeiden und seine Emotionen unter Kontrolle zu halten.
      Dadurch soll ja das Agame beibehalten werden....

      Für die Hygiene meiner Psyche erlebe ich es sehr erleichternd, wenn ich am PC sitze und laut den Fisch beleidige oder auf die Couch schlage oder im Chat ihn herunterputze oder.... Allerdings bleiben die Emotionen oft noch ein Weilchen und ich spiele sicherlich nicht mein A-game. Es gibt ja auch verschieden Grade von Tilt oder besser gesagt von Frust.
      Ich versuche auch immer wieder Emotionen zu unterdrücken und mich einfach auf das Spiel zu konzentrieren. Nach dem Film habe ich natürlich Angst zu viel zu unterdrücken und zwar nicht gleich in der Klappse zu landen, aber psychsomatische Beschwerden zu entwickeln oder mich in der Gesellschaft wie Assi-Aggro verhalten, weil mich Kleinigkeiten wütend machen...

      Wie seht und macht ihr das mit dem Frustabbau? Fisch beschimpfen, 10 m. spazierengehen und dann weiterspielen, ist das eine Möglichkeit???
  • 18 Antworten
    • Adornit
      Adornit
      Bronze
      Dabei seit: 12.12.2008 Beiträge: 1.441
      ich finde fluchen wie ein rohrspatz, wahlweise mexikanische wanderarbeiter, ganz gut, um dampf abzulassen - zumindest gehe ich somit nicht auf monkeytilt und schiebe unnötig stacks in die mitte - was ich mir allerdings abgewöhnt habe, ist mit der faust gegen einrichtungsgegenstände zu schlagen - der gebrochene mittelhandknochen sagte mir, dass ich dringend gegen selbstzerstörerische tendenzen vorgehen muss - manchmal schlage ich mir noch mit der flachen hand auf die stirn, um mir auch nonverbal zu verdeutlichen, wie dämlich ich eine hand gespielt habe - in den kritischen bereich geht es dann, wenn ich mir auf die stirn schlage, nachdem ich zb. einen suckout serviert bekommen habe (scheinbar als doppelte bestrafung, da bin ich noch nicht dahinter gestiegen) - meine nerven, wie schräg das ist - ich bin weg und lese weiter in diversen mindset büchern ;)
    • Opi
      Opi
      Bronze
      Dabei seit: 08.10.2006 Beiträge: 323
      da ich SnG und MTT spiele ist nach der verlorenen Hand meistens das Spiel gelaufen ... und ich höre auf mit pokern für diesen Tag.

      Falls zufällig mehrere Sng / Mtt spiele (was eigentlich sehr oft der Fall ist) konzentrier ich mich mehr auf diese anderen Spiele - gehe aber nochmal die verlorene Hand durch; einfach um nachzusehen, wo der Fehler lag.

      Die Enttäuschung, die sich da breitmacht, verfliegt meistens sehr schnell wieder.

      Opi
    • Johnnybi
      Johnnybi
      Bronze
      Dabei seit: 19.02.2010 Beiträge: 232
      Ich hatte gerade eine suckout session...am Ende: Fisch callt aus sb mit A7o, flopt trips 7 und ich habe auf dem Turn Top2.....ich mußte laut brüllen....ich habe dann sofort aufgehört zu spielen und mir war es so peinlich, weil ich nicht weiß, wieviel die NAchbarn mitbekommen haben und was sie über mich denken...

      Ganz ehrlich: Wenn ich dem Fisch brutal für 10 Sekunden die Fresse polieren dürfte, könnte ich danach weiter spielen ...ist doch gerecht...so jetzt kommt wieder irgendso ein Spruch mit Mindset, reframen... Es ist ja nicht so, dass ich wütend wurde, weil ich negativ über die Situation gedacht habe, sondern weil ich Geld verloren habe!!!!!!! Klar, Gedanken können Wut steigern oder auch lindern, aber nicht verschwinden lassen, das gibt es nicht!!!
      Also wie gehe ich mit der Wut um???

      Außerdem hat mich in der Situation nicht beruhigt, dass ich richtig gespielt habe. Es war einfach zu viel schon vorher geschehen..stäändiges minraisen und potten von Fischen....

      P.S.: Was bedeutet mexikanische Wanderarbeiter?
    • Adornit
      Adornit
      Bronze
      Dabei seit: 12.12.2008 Beiträge: 1.441
      das hat keine tiefere bedeutung, man sagt, sie würden viel und gerne fluchen (ist nicht rassistisch gemeint)

      was die nachbarn denken, das willst du garnicht wissen (falls du öfter mal solche anfälle bekommst) - ich brülle ja täglich und die nachbarn sagen immer freundlich guten tag im fahrstuhl, aber dann finde ich solche schrägen gedichte im briefkasten: http://offsuited3gapper.blogspot.com/2011/01/gottes-hand.html :D

      ansonsten gibt es noch diese kleinen anti-tilt-figuren aus schaumstoff in fast allen shops der pokerräume - du kannst sie kneten, beißen, an die wand werfen, darauf herumspringen, ... und alles wonach dir der sinn steht mit ihnen machen - wenn dir die dinger zu klein sind, wäre möglicherweise eine bratze oder boxsack direkt neben dem rechner eine alternative für dich (wenn du eine schicke bratze zum an der wand befestigen findest, sag bitte bescheid, ich suche so etwas auch noch) ;)
    • Johnnybi
      Johnnybi
      Bronze
      Dabei seit: 19.02.2010 Beiträge: 232
      Die Nachbarn über mir, hatten auf ihren Boden getrampelt und sind die Wohnung auf und ab gegangen, nachdem ich rumschrie....Also wenn die mich mal ansprechen, weiß ich nich was ich antworten soll, denn wer selber nicht "intensiver" pokert, versteht den Frust nicht...

      Ein Sandsack wäre super! Ein bißchen teuer??... wie ist das mit der Befestigung..:?
    • wespetrev
      wespetrev
      Bronze
      Dabei seit: 14.01.2008 Beiträge: 2.384
      Hallo miteinander,

      ich finde das von Johnnybi angesprochene Thema sehr interessant und wünsche mir eine breite Diskussion hier im Forum. =)

      Ich vertrete seit langem den Standpunkt, dass

      • Poker eine psychisch sehr fordernde und anstrengende Beschäftigung ist,
      • die Unterdrückung der dabei aufkommenden Emotionen auf die Dauer sowohl dem Spiel als auch dem Spieler schadet,
      • andererseits das ungesteuerte Ausleben der Emotionen (negativer wie positiver) die Gefahr birgt, dass der Pokerspieler wesentlich schlechter spielt, als dies an sich seinem Können entspricht (Tilt!),
      • der Pokerspieler deshalb Strategien entwickeln muss, mit den Emotionen umzugehen; im besten Fall können sie positiv in das Spiel und in die Lebensführung insgesamt zurückfließen.


      Damit ist die Entwicklung eines "Poker Mindset" eine ebenso wichtige Aufgabe wie das Erlernen und Verfeinern einer gewinnorientierten Spielstrategie.

      Offensichtlich ist es nicht damit getan, bestimmte Wahrheiten (wie z. B. in dem gleichnamigen Buch) nur zu lesen und zur Kenntnis zu nehmen.

      Wenn der Spieler fest davon überzeugt ist, der Konkurrenz voraus zu sein, wirkt sich das sehr stabilisierend auf seine Psyche aus. Wie gelangt man zu einer solchen Überzeugung?

      • Je größer die Zahl der (unter dem Strich mit Gewinn) gespielten Hände auf dem Limit ist, um so besser - positive Erfahrung.
      • Je konsequenter der Spieler an der Weiterentwicklung seiner Spielstrategien arbeitet, um so besser - positive Zukunftsperspektive
      • Je intensiver der Spieler den Meinungsaustausch mit anderen Spielern sucht (Handbewertungen, Strategieforen, diverse Formen des Coaching), um so besser - positives Feedback




      Als weitere Hilfe hat sich ein konservatives Bankroll-Management bewährt, weil dann einzelne - auch längere - Verlustphasen nicht so stark an die Substanz gehen. Andererseits kann es sich natürlich negativ auf die Winrate auswirken, wenn man niedriger spielt, als dies dem eigenen Können und dem vorhandenen Spielkapital entspricht.

      Ähnlich verhält es sich mit der Anzahl der gleichzeitig gespielten Tische. Weniger Tische: weniger Stress - mehr Zeit, gut durchdachte Entscheidungen zu treffen. Aber unter Umständen auch: bei einem soliden winning player weniger $/h.


      Von einem anderen Ausgangspunkt kann schließlich unsere Video-Reihe zur Emotions-Regulation Denkanstöße geben.


      Wie gesagt: die Diskussion ist eröffnet!


      Gruß

      wespetrev
    • Johnnybi
      Johnnybi
      Bronze
      Dabei seit: 19.02.2010 Beiträge: 232
      Die Emotions-videoserie finde ich sehr interessant. Ich brauch noch ein bißchen Zeit, um sie ganz reinzuziehen.

      Ansonsten ist mir gestern wieder aufgefallen, wie schwer es ist mit Emotionen umzugehen. Ein badbeat, ein suckout usw. lösen unbewußt einfach eine Assoziationskette aus. Alle schon erlebten badbeats werden wieder präsent, insbesondere die negativen Gefühle. ICh denke nicht, dass ich diese Kette wirklich abbrechen kann. Denn sie geht ja auch in die andere Richtung. Kommt der gutshot oder fd vom Fisch nicht an oder callt er mit bottompair runter und ich nehme ihn aus, ist das ein so geiles Gefühl. Von dieser positiven Emotion lebe ich. Sie gehört für mich zum Pokern!
      Also bleibt doch nur die Frage, wie geht man mit der negativen Emotion um, ohne in Tilt zu geraten und richtig viel zu verlieren, weil man Scheiße spielt.
      Zusätzlich ist das Arbeiten am Mindset auch wichtig. Sie kann zu mindestens den Ablauf der negativen Assoziationskette verzögern.
      So weit zu meiner Orientierung...
    • Shandout
      Shandout
      Bronze
      Dabei seit: 19.05.2010 Beiträge: 2.909
      Komischerweise sind mir Suckouts vollkommen egal. Was mich auf die Palme brignt ist, wenn ich eine Situation total überspiele bzw. etwas nach grundlegenden Taktiken falsch mache. Vor allem wenn ich vorher noch gedacht habe "jetzt mach ich mal voll den super schlauen move und ...". Gibt halt zu jeder Hand mindestens zwanzig Ausreden die man bringen kann. Sprich, mein Problem ist meist ein zu spät erkannter Selbstbetrug.
    • gesocks
      gesocks
      Bronze
      Dabei seit: 07.11.2010 Beiträge: 64
      naja ich kloppe einfach meine maus kaputt oder hau vor die wand..es kommt sicherlich auch auf jeden menschen selber an.


      es gibt nun mal ruhige typen und typen die dann auch mal ehr aus der haut fahren ohne gleich ein prolet zu sein.
    • Johnnybi
      Johnnybi
      Bronze
      Dabei seit: 19.02.2010 Beiträge: 232
      Original von gesocks
      naja ich kloppe einfach meine maus kaputt oder hau vor die wand..es kommt sicherlich auch auf jeden menschen selber an.
      Und findest du es gut, wenn etwas kaputt geht oder du dir selbst Schmerzen beifügst?
      Ich möchte genau so etwas verhindern ohne zwanghaft meine Emotionen zu unterdrücken und eine Neurose zu riskieren (um mal gleich zu überspitzen)!
      Außerdem nehme ich an, dass du danach nicht dein A-game spielst.
    • Johnnybi
      Johnnybi
      Bronze
      Dabei seit: 19.02.2010 Beiträge: 232
      Original von Shandout
      Komischerweise sind mir Suckouts vollkommen egal. Was mich auf die Palme brignt ist, wenn ich eine Situation total überspiele bzw. etwas nach grundlegenden Taktiken falsch mache. Vor allem wenn ich vorher noch gedacht habe "jetzt mach ich mal voll den super schlauen move und ...". Gibt halt zu jeder Hand mindestens zwanzig Ausreden die man bringen kann. Sprich, mein Problem ist meist ein zu spät erkannter Selbstbetrug.

      Na gratuliere! Dann bist du wohl eine "Mutante". Außerdem ist das ja toll bei dir, denn die Ursachen, die dich aufregen, liegen ja ganz in deinem Einfluß. Das heißt, wenn du dich einfach an die grundlegende Taktik hältst, beeinflussen negative Emotionen nicht dein Spiel.
      In diesem thread geht es nicht so sehr um die Auslöser von, sondern um den Umgang mit negativen Emotionen. Davon kannst du dich ja ganz aus eigener Kraft befreien.
    • freddydeebster
      freddydeebster
      Einsteiger
      Dabei seit: 20.12.2010 Beiträge: 60
      Auf jeden guter Thread.
      Ich habe gemerkt, dass mich das aggressivere Spiel auf höheren Limits oft wütend macht, weil ich öfters Stacks verliere oder riskiren muss...ständiges ge3bette und potten. dann verärgern mich die bad beats mehr.
      Allerdings habe ich keine gute Frustabbaustrategie außer Brüllen.

      Was ist mit regelmäßigem Sport treiben? Es ist wenn, nur ein verzögerter und verschobener Frustabbau, aber vielleicht macht es mich resistenter gegenüber Tilt, wenn ich Sport als körperliche Vorbereitubg für eine Session betrachte!?
    • Johnnybi
      Johnnybi
      Bronze
      Dabei seit: 19.02.2010 Beiträge: 232
      Ich beleidige sehr oft im Chat die Glücksgegner. Ich mache das sehr früh in einer session, damit sich nichts bei mir anstaut.

      Allerdings fangen die Fische ab und zu an tighter zu spielen und manche verschwinden....das ist nicht Sinn der Sache!!

      Außerdem denke ich durch ständige Chatangriffe anstatt nh zu schreiben mich von einem guten Mindset entferne.

      Ich brauche aber wirklich etwas, um Mal ein bißchen Dampf abzulassen und trotzdem auf dem Weg zu einem super eingestellten a-gamer mich zu begeben!!!!
    • Zyniker
      Zyniker
      Bronze
      Dabei seit: 26.06.2008 Beiträge: 385
      also ich dreh immer ne zigarette. das ruhige auf und ab der finger reinigt mich sozusagen von der wut und wenn ich keine mehr drehen kann weil die finger vor wut zittern ists wohl zeit die session zu beenden.
    • Ebi1982
      Ebi1982
      Bronze
      Dabei seit: 05.02.2009 Beiträge: 144
      Original von Zyniker
      also ich dreh immer ne zigarette. das ruhige auf und ab der finger reinigt mich sozusagen von der wut und wenn ich keine mehr drehen kann weil die finger vor wut zittern ists wohl zeit die session zu beenden.

      THIS ! :f_cool:
    • Peter87
      Peter87
      Bronze
      Dabei seit: 05.04.2006 Beiträge: 13.565
      je ausgeglichener man im Leben ist, desto ausgeglichener ist man beim Pokern. Wenn man schon wegen einzelnder Badbeats/coooler whatever raged dann hat man einfach das falsche Mindset zum Pokern.
      - Man kann sich auf negativen Emotionen in speziellen Fällen weg-"konditionieren". Das ist aber nicht ganz einfach.
      - BRM
      - Meditations-/Konzentratiosntechniken
      - Sport (für allg. ausgeglicheneres Leben)

      Ein Patentrezept gibts nicht.
    • michimanni
      michimanni
      Bronze
      Dabei seit: 02.08.2006 Beiträge: 65.192
      Original von Peter87
      je ausgeglichener man im Leben ist, desto ausgeglichener ist man beim Pokern. Wenn man schon wegen einzelnder Badbeats/coooler whatever raged dann hat man einfach das falsche Mindset zum Pokern.
      - Man kann sich auf negativen Emotionen in speziellen Fällen weg-"konditionieren". Das ist aber nicht ganz einfach.
      - BRM
      - Meditations-/Konzentratiosntechniken
      - Sport (für allg. ausgeglicheneres Leben)

      Ein Patentrezept gibts nicht.
      Sehr schön gesagt :)
    • Johnnybi
      Johnnybi
      Bronze
      Dabei seit: 19.02.2010 Beiträge: 232
      Also ich war gestern 4 stacks down....alles gg Fische verloren durch suckouts und auch unglückliche Konstellationen. Ich kam nicht auf Tilt, weil ich im Chat jeden Fisch hardcore beleidigte. Ich weiß nicht, warum die Leute hier nicht mehr posten. Ich halte es für Key, Frust herauszulassen, denn wenn man zu viel schluckt und denkt einfach vernünftig weiterzuspielen, kommt man ganz schnell auf Tilt.
      Ich suche nach besseren Methoden den Frust abzubauen während der Session und/ oder anderen Heransgehenweisen zu finden, um zusätzlich ein besseres Mindset zu erreichen.
      Ich kam sogar auf be, um dann deep gegen einen reg mit der nut str8 auf dem T gegen sein TPTK und backdoorfd der auf dem R ankam zu verlieren. Keiner hat etwas falsch gemacht, das war mir klar, aber nach dem Kampf so wieder zu verlieren hat so weh getan. Ich fühlte mich so hilflos ausgeliefert, betrogen...Ich habe den Reg auch beleidigt im chat, aber das ist alles nicht gut, da ich nur die fische vertreibe...