antidepressiva

    • dudelidude
      dudelidude
      Bronze
      Dabei seit: 30.03.2010 Beiträge: 3.757
      anyone erfahrungen oder kennt jemanden der sowas nimmt?
      es handelt sich um einen Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer
      der vorübergehend eingenommen werden soll (10 tage erstmal)
      geht obv nicht um mich aber um eine person die mir sehr nahe steht und im beipackzettel steht auch sowas wie "suizidgedanken können eintreten"

      wie serious ist der shit?
  • 42 Antworten
    • smieze
      smieze
      Bronze
      Dabei seit: 18.11.2010 Beiträge: 116
      SNRI brauchen gern mal länger als 10 Tage, bevor sie wirken - und sollten auch nach Abklingen der Beschwerden noch ein paar Monate genommen werden, um einen Rückfall zu vermeiden. Mit welcher Begründung wurden die nur so kurz verordnet? :f_eek:

      Nebenwirkungen gibts, wie bei jedem Medikament. Kann auch mal gern 2 Wochen dauern, bis die verschwinden, wenn überhaupt.. wie bei jedem anderen Medikament eben auch, muss man ausprobieren.

      Das mit den Suizidgedanken bzw auch "suizidalen Tendenzen" hat schon nen Hintergrund:
      Meist werden diese Medikamente zur Behandlung einer Depression eingesetzt, Depressionen gehen oft mit Suizidgedanken einher. Die antriebssteigernde Wirkung (Antrieb fehlt bei einer Depression ja meist auch) tritt normalerweise recht schnell ein, die stimmungsaufhellende Wirkung etwas später.
      Schlechte Stimmung + Antrieb -> erhöhtes Risiko, irgendwelche Dummheiten ala Suizid zu begehen.
      Erhöhtes Risiko heißt aber noch lange nicht, dass sich reihenweise Leute erschießen, nur weil sie SNRIs nehmen.

      Grade in der Anfangszeit sollten aber engmaschige Kontrollen durch den behandelnden Arzt stattfinden - am besten durch einen Psychiater, der Erfahrung damit hat, nicht unbedingt durch den Hausarzt.
      Begleitende Psychotherapie ist obv..

      lg & alles gute für besagte dir nahestehende Person.
    • IclickButtons
      IclickButtons
      Bronze
      Dabei seit: 26.10.2008 Beiträge: 3.516
      also behandelt man suizidgefährdete leute mit einem medikament welches das selbstmordrisiko erhöhen kann? :s_confused:
    • smieze
      smieze
      Bronze
      Dabei seit: 18.11.2010 Beiträge: 116
      Kurz gesagt - ja..
      (Der Vergleich ist vielleicht ein bisschen unfair, aber auch bei Schmerzmitteln gibts Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Magenschmerzen usw..)

      Deswegen ist es ja wichtig, dass grade anfangs kontrolliert wird, ob die Dosis passt, ob der Patient Nebenwirkungen bemerkt (psychisch wie physisch) und so weiter. Erhöhtes Selbstmordrisiko klingt natürlich dramatisch, es kommt aber nicht bzw nur extrem selten vor, dass ein Patient jetzt ne Woche diese Pillen schluckt und sich dann vom Hochhaus stürzt. Wenn von vornherein ein hohes Selbstmordrisiko besteht, ist sowieso ein stationärer Aufenthalt angebracht.

      Viele Alternativen zur Behandlung hat man leider nicht, wenn psychotherapeutische Behandlung allein keine dauerhafte Besserung bringt. Kommt aber auch sehr auf die Diagnose an - bei einer schweren Depression braucht man eher Medikamente (bzw so gut wie zwangsläufig), bei einer leichten gibts auch ohne Medikamente gute Chancen.
    • Figo3434
      Figo3434
      Bronze
      Dabei seit: 15.01.2008 Beiträge: 3.135
      Original von IclickButtons
      also behandelt man suizidgefährdete leute mit einem medikament welches das selbstmordrisiko erhöhen kann? :s_confused:
      du denkst was ich denke? :coolface:
    • Placebo88
      Placebo88
      Bronze
      Dabei seit: 15.04.2010 Beiträge: 6.099
      Original von smieze
      Kann ich alles so unterschreiben, da kennt sich jmd aus ;) Woher? :)
    • smieze
      smieze
      Bronze
      Dabei seit: 18.11.2010 Beiträge: 116
      Original von Placebo88
      Kann ich alles so unterschreiben, da kennt sich jmd aus ;) Woher? :)
      Indirekte persönliche Erfahrungen validiert durch Psychologiestudium ;)
    • dudelidude
      dudelidude
      Bronze
      Dabei seit: 30.03.2010 Beiträge: 3.757
      eine psychotherapie wurde auch verordnet, und die snri sollen erstmal übergangsweise sein bis die therapie beginnt. vielleicht dann auch noch begleitend anfangs, auf jeden fall in 10 tagen (wenn die packung alle ist) erneuter termin beim hausarzt.

      merkt man da als nahestehende person eine sofortige veränderung? im sinne von "hey jetzt ist alles cool ich krieg mein leben wieder in den griff"

      die diagnose ist in etwa:
      eine art burn-out aufgrund zu langer arbeitszeiten, die arbeit macht aber keinen spaß, pech im liebesleben und einfach dieses "ich krieg mein leben grad nicht in den griff" - gefühl
      was zu wochenlanger krankschreibung führte und jetzt im moment zu angststörungen wenn die person wieder anfangen soll zu arbeiten.

      ich würde ihr auch gerne anderweitig helfen, nur der punkt an dem gut zureden und irgendwas unternehmen um den kopf freizukriegen noch helfen kann, ist längst überschritten.
      deswegen setze ich eigentlich ziemlich große hoffnungen in die psychotherapie
    • Benzodiazepin
      Benzodiazepin
      Coach
      Coach
      Dabei seit: 16.07.2009 Beiträge: 3.456
      von SSRI weiß ich, dass man da erst nach 1-2 wochen eine merkliche besserung wahrnehmen kann.
    • schaumwein
      schaumwein
      Bronze
      Dabei seit: 29.11.2006 Beiträge: 1.111
      hab ne Bekannte die auch antidepressiva nehmen musste. Muss dazu sagen das sie in ihrer Kindheit mal sexuell angegangen wurde.. nun ja, mit den Medis konnte sie dann also besser schlafen, weniger Albträume, vorallem tiefer schlaf möglich.
      Mit der Zeit wurde es runtergestuft und stand heute nimmt sie keine mehr. Ist allerdings in ständiger ambulanter Therapeutischer Behandlung.

      Im Grunde wurde es also zur Unterstützung verordnet und hat auch dem Zwecke gedient. Suizid gedanken kamen bei ihr nie auf.

      Nur mit den Anti-D. ändert sich allerdings das Weltbild nicht! Das Leben verläuft dann maximal wieder ein stück normaler, aber die Krankheit an sich bleibt eben. (grad bei sexuellem hintergrund leben die leute ein leben lang damit).
    • smieze
      smieze
      Bronze
      Dabei seit: 18.11.2010 Beiträge: 116
      Eine sofortige Veränderung wirst du wohl bei der Person nicht bemerkt. Das ist nicht so, als würde ein Lichtschalter umgelegt und alles wird wieder strahlend hell ;) (Schade eigentlich ^^)
      Dir wird vermutlich mit der Zeit auffallen, dass die Person wieder aktiver wird.. zum Beispiel wieder etwas unternehmen möchte oder einfach nur irgendwas TUN, Wohnung putzen etc. Depression/Burnout ist sowas von lähmend.. die Medikamente können gut helfen, aus dieser Lethargie wieder rauszukommen.

      Wenn du wirklich ein EXTREMES Stimmungshoch (ich kann alles schaffen, ich werde die welt verändern, ich brauche keinen schlaf etc) bemerkst, kann das eine Nebenwirkung vom Medikament sein, da gehört dringend der Arzt informiert. Auch, wenn sich die Ängste der Person verstärken, Schlafstörungen auftreren oä.
      Das können anfängliche Nebenwirkungen sein, die mit der Zeit vergehen, manchmal muss man auch die Dosis verändern oder sogar das Medikament wechseln.
      Vielleicht auch um eine Überweisung zu einem Psychiater bitten, der kennt sich wahrscheinlich besser mit Psychopharmaka aus als ein Hausarzt. Ein Psychotherapeut macht meistens nur Psychotherapie (die ja schon verordnet wurde) und darf keine Medikamente verschreiben, das darf nur ein Arzt.

      Toll, dass du helfen möchtest. Ganz wichtig aber - pass auf dich auf. Depressive Personen im engeren Umfeld können einen sowas von runterziehen.. wenn es dir selber nicht mehr gut geht, distanzier dich. Du findest im Internet auch viele Infos für Angehörige!
      Das beste, was du tun kannst.. einfach da sein. Zuhören. Und der Person glaubhaft machen, dass du den momentanen Zustand nicht als ihre Faulheit interpretierst sondern als Krankheit siehst, die er auch ist. Vorurteile gibts meist genug :/
    • Knallo
      Knallo
      Bronze
      Dabei seit: 30.05.2006 Beiträge: 4.906
      smieze kennt sich wirklich gut aus, scheint's.
      Eine Zusatzbemerkung: Eine frühere Freundin von mir mußte wegen genereller Angststörungen Paxil (SSRI) nehmen. Das hat ihre Libido total beseitigt. Wenn wir einander für ein paar Tage sahen (sie lebte in einem anderen Land als ich), hat sie etwa 10-14 Tage vorher das Präparat abgesetzt, damit sie unser Zusammensein genießen konnte.
    • Placebo88
      Placebo88
      Bronze
      Dabei seit: 15.04.2010 Beiträge: 6.099
      Original von smieze
      Original von Placebo88
      Kann ich alles so unterschreiben, da kennt sich jmd aus ;) Woher? :)
      Indirekte persönliche Erfahrungen validiert durch Psychologiestudium ;)
      Nice. Wo studierste das gleiche wie ich, dass du das so gut mitbekommst?
    • Knallo
      Knallo
      Bronze
      Dabei seit: 30.05.2006 Beiträge: 4.906
      Wollte nur noch sagen, ich habe auch einmal Psychologie studiert (Freiburg) und einer meiner besten Freunde ist Psychiater.
    • smieze
      smieze
      Bronze
      Dabei seit: 18.11.2010 Beiträge: 116
      Original von Placebo88
      Nice. Wo studierste das gleiche wie ich, dass du das so gut mitbekommst?
      In Graz :) Von diesen VOs gabs glücklicherweise Streams online, ansonsten hätte ich wegen der chronisch überfüllten Hörsäle wohl deutlich weniger mitgekriegt ;)
    • Placebo88
      Placebo88
      Bronze
      Dabei seit: 15.04.2010 Beiträge: 6.099
      Original von Knallo
      Wollte nur noch sagen, ich habe auch einmal Psychologie studiert (Freiburg) und einer meiner besten Freunde ist Psychiater.
      Hat auch niemand bezeifelt, dass du richtig liegst. =) Ist tatsächlich so, dass viele ihre SSRIs aufgrund der libido schwäche nicht einnehmen wollen.

      Da bin ich in Wien deutlich schlechter aufgehoben wie es scheint :evil:
      Achja und mein Dad ist Psychotherapeut und ich mach schon mal die Ausbildung zu gleichem :]
    • func87
      func87
      Bronze
      Dabei seit: 15.04.2006 Beiträge: 2.764
      Ich nehme seit Anfang Dezember Citalopram, ist auch aus der Gruppe der Serotonin Wiederaufnahmehemmer.
      Bei mir hat es bis Sylvester, also ca. 4 Wochen gedauert, bis das Medikament seine Wirkung entfaltet hat.
      Davor waren die 4 Wochen teils recht heftig, mit vielen Nebenwirkungen. Darüber wurde ich aber auch aufgeklärt und das ist üblich bei Antidepressiva, dass man die ersten Paar Wochen nur im Bett verbringt :)

      Dafür geht es mir jetzt extrem gut, brauche nicht mehr in die Tagesklinik zwecks Therapie (sollte auch Anfang/Mitte Januar beginnen) und ich kann bisher alles fast Beschwerdefrei tun, was ich vor der Einnahme nicht konnte.
      Aus meinem Leben ist das Mittel jetzt nicht mehr wegzudenken... muss jetzt ca. 6 Monate nehmen das Medikament und dann wieder absetzten.

      Und zum Thema Libido und dem Mist kann ich nur sagen, dass ich das auch kannte aus der Einstellzeit (also bis ca. 4 Wochen nach Beginn der Einnahme). Aber ganz ehrlich: Wenn ich dafür endlich wieder "Leben" kann, dann ist mir doch die Libido scheiss egal. Ich habe auch im Moment noch ein paar Probleme, dass es halt nicht immer geht, wenn man will, aber ich bin doch so froh darüber, dass ich endlich wieder einfache Dinge tun kann, wie alleine und ohne Angst in die Öffentlichkeit etc.... dafür kann ich gerne 6 Monate auf Sex verzichten. Wer das nicht kann, sollte sich mal ein paar Gedanken über seine Prioritäten im Leben machen
    • Knallo
      Knallo
      Bronze
      Dabei seit: 30.05.2006 Beiträge: 4.906
      Habe mich ein bisserl umgeschaut. Laut Wikipedia sind die SNRIs hinsichtlich Libidowirkung nicht so arg wie die SSRIs, aber dennoch nicht ganz lustig.
    • Knallo
      Knallo
      Bronze
      Dabei seit: 30.05.2006 Beiträge: 4.906
      Aber natürlich, func87! Libido ist wahrlich nicht lebensessentiell.

      Addendum: Und ich freue mich sehr für Dich, daß das Leben Dich wieder freut.
    • vaaya
      vaaya
      Bronze
      Dabei seit: 22.01.2010 Beiträge: 5.993
      Da sich hier ja einige damit auskennen und ich aktuell auch mit dem Thema in Berührung kam, wie sieht es generell mit der Kombination Antidepressiva (in dem Fall Paroxat) und Alkohol aus?
      No Go, oder in geringen Maßen vertretbar? Welche Auswirkungen könnte es auf die Wirkung/Stimmung haben (insbesondere in der Anfangsphase)? Ich denke mal dass in der Beilage die Empfehlung steht, es nicht zu kombinieren, aber das steht ja bei sehr vielen Medikamenten.

      Desweiteren spalten sich die Geister bezüglich des Abhängigkeitspotenzials, hat da jemand Erfahrung oder zuverlässige Angaben?