Ranges der Gegner

    • Thunder1214
      Thunder1214
      Bronze
      Dabei seit: 29.07.2010 Beiträge: 921
      Moin,

      sacht ma, gibts es hier irgendwo Artikel, die das Thema "Ranges der Gegner bestimmen" näher beleuchten??

      Ich tu mich damit immer noch verdammt schwer.

      Den einzigen Artikel den ich gefunden habe ist im NL BSS Bereich unter Silber "Ranges & Equity".
      Kann das schon alles sein?

      Oder gibt es irgendwo Übungen um das zu trainieren?

      Danke im Voraus.

      T.
  • 5 Antworten
    • SleepyCat06
      SleepyCat06
      Bronze
      Dabei seit: 24.07.2006 Beiträge: 2.137
      Keine Ahnung obs hier Artikel dazu gibt.
      Wenn du ein wenig üben willst kannst für den Anfang folgendes machen:

      Egal ob FR oder SH, such dir ein entsprechendes Chart (die sind im allgemeinen recht solide). Openraist ein Spieler, setzt du ihn erstmal genau auf die Range, die im Chart angegeben ist. Nun schaust du, was das für ein Spielertyp ist. Sollte er eine Nit sein, kannst die Range entsprechend verkleinern, ist er mehr laggy, dann nimmst noch einige Hände dazu. Damit hast du zumindest einen Anhaltspunkt für seine mögliche Range. Musst dann noch schauen, falls es zum SD geht, ob die Hand tatsächlich in seiner Range liegt. Falls nicht, mach dir ne Note. Ein Spieler könnte ja Hände wie 98s in UTG openraisen, dafür aber 22-55 weglassen. Das gilt jetzt nur für preflop Ranges.
      Falls du postflop Ranges bestimmen möchtest, musst du sog. Rangereduktionen vornehmen. Du nimmst seine preflop Range und überlegst, mit welchen Händen davon er am Flop betten (callen) könnte, dann hast du seine Floprange. Der Rest fällt aus der Range raus.
      Der nächste Schritt wäre dann, zu überlegen, mit welchen Händen aus seiner Floprange er den Turn gebettet (gecallt) haben könnte etc...
      Du wirst schon einige Zeit brauchen, um ein Gespür für Ranges zu bekommen: Hilfreich ist es auch, wenn du deine eigenen Hände nachanalysierst oder in Handbewertungsforen liest/postest, und dich mit den Gedanken anderer Spieler auseinandersetzt.
    • Hugger
      Hugger
      Bronze
      Dabei seit: 01.03.2005 Beiträge: 1.093
      Original von Thunder1214


      Oder gibt es irgendwo Übungen um das zu trainieren?


      T.
      Jau,gibt es.Schau dir mal den Equilab und zugehörigen Vids an,sollte dir weiterhelfen.
    • maechtigerHarry
      maechtigerHarry
      Bronze
      Dabei seit: 02.07.2007 Beiträge: 5.596
      Ich kopier mal nen Post von mir aus nem anderen Thread.

      Original von maechtigerHarry
      Ich versuch mal ein ausführliches Beispiel zu posten bezüglich der Frage wegen den Ranges:

      Also ein Spieler mit 16/13 Stats openraised aus MP. Er hat also einen PFR von 13. Da die Spieler weniger raisen wenn vor ihnen bereits geraised wurde ist der Openraisewert ein wenig höher als der Gesamt-PFR. Schließlich muss der Schnitt aus Openraisewert und dem PFR wenn bereits Spieler in der Hand sind auf 13 kommen und man raised mehr wenn man first in ist. Also schätzen wir seinen Overall Openraisewert mal auf 15. In early ist er niedriger, in Late höher, in MP worum es hier geht dürfte er dann wohl grob im Schnitt sein mit 15.
      Also basteln wir erstmal ne realistische 15% Openraisingrange mit dem Equilator:

      22+, A6s+, KJs+, QJs, JTs, T9s, 98s, 87s, ATo+, KQo

      Diese Range sind 14,93% aller Hände und eine ganz gutes Beispiel für die gesuchte 15% Range.
      Du callst jetzt am Button mit 88 und der Flop kommt folgendermaßen:

      J :heart: 5 :heart: 2 :club:

      Der Gegner macht nun eine Contibet und du callst.
      Was können wir jetzt über seine Range aussagen? Da viele Spieler besonders HU sehr sehr viel cbetten vllt erstmal nicht viel. Also schauen wir uns den Turn an der die 5 :spade: bringt.

      Der Gegner bettet nun erneut und hier wird die Sache interessant.
      Das ist keine gute bluffkarte und überhaupt geben die TAGs auf den kleineren Stakes ziemlich oft auf wenn sie nichts haben und ihre cbet scheitert.

      Also schauen wir an was für eine Range der Gegner nun noch haben kann.
      Die Range von der wir ausgehen ist ja folgende:

      22+, A6s+, KJs+, QJs, JTs, T9s, 98s, 87s, ATo+, KQo

      Fangen wir an bei den Pocketpaaren. Von denen wir er am Turn 22,55 und JJ+ erneut betten.
      Bei den suited Aces wird er wohl nur AJ sowie jede Kombi mit 2 Herz nochmal betten.
      Außerdem betten wird er KJ, KQ in Herz,QJ,JT,87-T9 in Herz und AJo.

      Sprich seine neue Range ist 22,55,JJ+,JT-AJ sowie die 2Herz Kombis von A6+,KQ und 87-T9. Kurz gesagt also TP aufwärts und Flushdraws.
      Wir callen die Bet.

      Am River kommt jetzt die 3:club: und der Gegner checkt. Wir kennen ihn schon ein wenig und wissen das er nicht sehr tricky ist und keine Rivercheckraises spielt oder ähnliches. Seine starken Hände bettet er einfach 4 Value durch.

      Also können wir sagen das er hier niemals JJ+ oder eine 5 hat.
      Sprich seine Range besteht noch aus den ganzen Flushdraws gegen die wir eh vorne sind oder den TP Händen, sprich JT-AJ. Eher die schwächeren J´s weil er AJ teilweise auch nochmal betten wird.
      Wenn wir noch dazu die Info haben das er Draws nur ab und zu aggressiv spielt dann ist der Read halt das er entweder JT oder QJ hat. Ab und zu nen FD oder nen besseren J.
      Wenn der Coach das in nem Video sagt und der Gegner dann JT aufdeckt sieht das unglaublich stark aus und es erfordert halt auch einiges an Erfahrung und Bedarf einigen Informationen über den Gegner (oder den "durchschnittsgegener" auf diesem Limit).

      Ich geb zu das das jetzt wohl nicht das beste Beispiel aller Zeiten war wenn es um das bestimmen von Ranges geht aber ich konnte mir jetzt spontan kein besseres aus dem Hut ziehen. Ich denke es tuts einigermaßen um zu veranschaulichen wie sich solche Reads entwickeln.
      Klar ist das das sehr viel Erfahrung braucht und das das alles nicht so einfach ist. Vorallem wenn man es auf die Schnelle im Spiel hinbekommen muss. Aber das kommt mit der Zeit das die Reads immer besser werden.
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Die Range des Gegners in jeder möglichen Situation zu bestimmen, ist die Grundlage für jede Art von Handreading.
      Die Rangebestimmung beginnt Preflop und verändert sich mit jeder neuen Information maßgeblich. Das gepostete Beispiel von maechtigerHarry verdeutlicht dieses Prinzip sehr anschaulich; er beginnt damit dem Gegner Preflop eine Range zu geben, er erläutert wie er diese Prefloprange auf dem Flop, dem Turn und dem River modifiziert.

      Dabei fällt mir direkt auf, dass er am Anfang eine Annahme über den Gegner trifft und seine Entscheidungen von dieser Annahme abhängig macht. Mir hat die Erfahrung gezeigt, dass Anfänger weder zu solchen spezifischen Annahmen, noch zu solch komplexen Gedankengänge bezüglich der Rangespezifizierung in der Lage sind und erachte es daher bei vielen Spielern als nicht förderlich auf diese Art und Weise einen Einstieg ins Handreading zu tätigen.

      Viel einfacher und intuitiver erachte ich eine simple allgemeine Kategorisierung meiner Gegner in 3 mögliche Kategorien:

      1. loose/passive Gegner

      Diese Gegner openlimpen häufig, unterspielen ihre Made Hands häufig, bluffen wenig und stellen generell kein Problem da, solange sie sich passiv verhalten

      => die Range dieser Gegner ist tendentiell weit, schwach und einfach anzugreifen. Ohne konkret auf die Hände einzugehen, die der Gegner halten kann, kann ich behaupten, dass man gegen sie viele Valuebets machen sollte; wenige Bluffs fahren sollte; bei Aggression extrem vorsichtig werden.

      Ich kann natürlich auch konkrete Ranges vergeben und komme zu dem gleichen Ergebnis. Bsp: Ich halte QQ auf einem JT3hh Board und ich weiss das mein Gegner extrem passiv ist. Ich setze einen Einsatz auf dem Board und mein Gegner erhöht diesen => meine intuitive Schlussfolgerung ist der Fold, da es einige Hände2 gibt die mich schlagen. Wie komme ich über eine Rangeanalyse auf diese Schlussfolgerung?

      Wir haben z.b. die Information, dass der Gegner mit Toppair oder schlechter häufig nur called. Dementsprechend kann ich schlussfolgern, dass ein Flopraise entweder eine Hand ist, die Toppair häufig schlägt ODER ein Bluff. Passive Spieler bluffen aber nicht häufig, also fallen die meisten Bluffs auch aus seiner Range und wir spielen gegen eine Range, die ein Toppair häufig schlagen kann.


      2. schlechter loose/aggressive Gegner: (z.b. Maniac)

      Diese Gegner raisen und reraisen häufig Preflop, setzen sehr aggressiv am Flop, Turn und River. Ihr Problem ist prinzpiell, dass sie versuchen so gut wie jeden Pot zu gewinnen mit egal welcher Hand. Die richtige Adaption an diese Gegner wäre dementsprechend ihm jederzeit die Möglichkeit zu geben seine Bluffs durchzuführen.
      D.h. wenn du gegen den loose/passiven Gegner mit AT auf dem A72r Board auf einen Raise folden würdest, so würdest du gegen den schlechten loose/aggressiven Spieler einen Calldown machen.
      Auch hier kannst du eine Rangeanalyse durchführen und kommst zu diesem Ergebnis. Dein Gegner kann an starken Händen A7, A2, AQ, AK, AJ, 77, AA und 22 halten. Nehmen wir an wir wären der Preflopaggressor -> die Wahrschienlichkeit, dass der Maniac AQ, AA, AK, AJ hält wird dadurch reduziert, dass er damit Preflop häufig reraisen wird.
      Abgesehen von den möglichen Kombinationen A7, A2 und 77 bleiben jetzt zig Kombinationen an Händen über mit denen der Gegner einen Bluff macht oder er raist sogar schlechtere Asse wie z.b. A9, A8, A6 etc.


      Was deutlich wird ist folgendes: Ich versuche über die natürlichen Spielmuster der beiden Gegnertypen Ableitungen über die Frequenzen zu tätigen, mit welchen diese Gegner bestimmte Dinge tun. Auffällig ist auch, dass bei schlechten Spielern diese Frequenzen in einem Bereich so gut wie immer extrem stark gewichtet sind. (so sind Bets und Raises bei loose/passiven Spielern fast immer starke Hände; so sind Bets und Raises bei loose/aggressiven Spielern fast immer schwache Hände)

      In der Praxis wirst du nur selten das Glück haben und extreme Ausprägungen dieser Spielertypen finden, sondern wirst dich überwiegend mit Mischungen auseinandersetzen müssen. Auch hier liegt die Hauptpriorität darin bestimmte Muster zu entdecken in ihrer Spielweise und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Mir hat damals dabei folgendes Beispiel gut geholfen:

      Der Gegner hat mit KQ auf einem xxxK Turn mit KQ behind gecheckt. Du bekommst daraus die Information, dass dieser Gegner in diesem Spot mit Toppair (und wahrscheinlich auch vielen besseren Händen) nicht setzt. Wie nutzt man die Information in der Zukunft? Welche Handrange gibt man einem solchen Spieler, wenn er auf einem xxxK Turn plötzlich einen Einsatz tätigt? Da er selten Toppair halten wird und wahrscheinlich auch selten eine bessere Hand und wahrscheinlich auch selten eine schlechtere Made Hand (wieso sollte er mit TT am Turn setzen, wenn er schon mit Kx zuviel "Sorge" hat, dass du foldest?), wird seine Bettingrange am Turn sehr stark in Richtung Bluff verzerrt. Diese Information kannst du nutzen und dementsprechend schwächere Hände als normalerweise üblich in dieser Situation raisen oder callen.

      Eine sehr starke Technik, um Handreading intuitiver zu gestalten ist in meinen Augen die selbstständige Rangeanalyse. Der Equilator, Equilab etc. nimmt einem viel Arbeit ab dabei -> Ich geb dem Gegner eine Range, geb mir eine Range oder Hand und werte die Situation aus und habe dann am Ende ein Ergebnis wie ich gegen diese Range stehe. Es ist sehr hilfreich

      1. diese Range von anderen Spielern überprüfen zu lassen und Diskussionen mit ihnen über die Validität dieser zu führen (da geht es um die Beantwortung vom Warum fragen -> Warum grade diese Range? Warum denkst du macht der Gegner dies und das?

      2. diese Range per Hand analysieren. Viele Spieler wissen einfach nicht wieviele Kombinationen Toppair oder Flushdraw oder xxx etc. ein Spieler mit der Range X auf einem Board ABC hält. Es ist bei der Rangeanalyse kritisch solche Sachen auch regelmässig per Hand und ohne Taschenrechner zu machen.
      Dazu rechnest du dir aus wieviele Kombinationen der Gegner von einem bestimmten Handtyp hält. Fasst die Handtypen in drei Gruppen zusammen:

      i) Hände die deine Hand schlagen
      ii) Hände die semibluffen
      iii) Hände die du schlägst

      Die überträgst die Anzahl der jeweiligen Kombinationen und gewichtest dann für genau die Situation im Kopf wo du mit deiner Hand stehst gegen diese Range.

      Z.b. nimmst du die Situation in der dein Gegner einen UTG Openraise macht und ein K72r Board cbettet mit 100% seiner Range und du hälst TT. Kannst du hier callen oder ist ein Fold angebracht?


      Im ersten Schritt der Handanalyse führst du solche Sachen nur Schritt für Schritt durch. Du betrachtest jede Straße "quasi" einzeln, mit der Übung und der Zeit wirst du aber in der Lage sein die wahrscheinliche Floprange des Gegners auf diverse Turnkarten bereits am Flop zu übertragen. Du wirst also abschätzen wie dein Gegner mit seiner Floprange am Turn auf welche Karte weiterspielen wird und berücksichtigst das bei deiner Entscheidung.

      Z.b. weisst du das dein Gegner auf dem Board K72 100% seiner Range cbettet und dagegen bist du mit 55 vorne und könntest callen. Du weisst aber gleichzeitig, dass dein Gegner am Turn mit sehr vielen Händen doublebarreln wird (jedem Gutshot, jedem Flushdraw, vielen Pairs < K und >7). Diese Information kannst du dazu nutzen, dass ein Fold am Flop besser ist, da du mit 55 deinen Showdownvalue nicht oft genug realisiert bekommst, um am Flop zu callen.
    • Thunder1214
      Thunder1214
      Bronze
      Dabei seit: 29.07.2010 Beiträge: 921
      Wow, soviel Information hatte ich gar nicht erwaret :D

      DANKE!