Rebuy-Phase: gleicher Stil wie Cash-game?

    • ribpoker
      ribpoker
      Bronze
      Dabei seit: 12.07.2006 Beiträge: 341
      Habe gelesen, dass man bei R&A Turnieren fleißig Gebrauch von Rebuy und Add-on machen soll, da nur der FT erstrebenswertes Ziel ist.

      Das Turnier wurde vom Schreiber des Artikels (irgendwo in 2p2) als zweigeteilt betrachtet: Die Rebuy-phase, in der quasi das Preisgeld ermittelt (und durch alle, die ausscheiden, mit Extrageld gefüttert) wird und das "eigentliche Turnier" nach der 1. Stunde.

      Dieser Autor schlug vor, die Rebuy-phase besonders loose zu spielen (er meint, ein VPIP von 50 sei gut) und danach dann tight aggressive, wie sonst auch.

      Meine Frage: wenn der entscheidende Unterschied zwischen Turnierstrategie und cash game Strategie darin besteht, dass man aus nem Turnier ausscheiden kann und beim Cashgame (bei korrektem BRM) quasi immer weiter spielen kann (=one big session), dann hieße das doch, dass man in der Rebuyphase exakt so spielen sollte, wie bei nem Cash game, sprich auch TAG, aber mit entsprechender Berücksichtigung von Odds und Outs, also auch schwächere Draws spielen, falls die Odds reichen.

      Gegenthese: ich will nicht am Ende der Rebuyphase "im Schnitt" viele Chips (das wäre der Fall mit ner soliden Cash game Strategie), sondern ich will hin und wieder extrem viele Chips haben, um die Chance zum big money im FT zu bekommen.

      Das würde dann in der Tat für eine Spielweise mit hoher Varianz sprechen, wie von besagtem Autor vorgeschlagen.

      Gibt es dazu sowas wie ne "Lehrmeinung"?
      Gibt es unter Euch Spieler, die sich auf die R&A-Turniere spezialisiert haben und ihr Rebuy-game perfektioniert haben?

      Viele Grüße
      rib
  • 5 Antworten
    • grmpfx
      grmpfx
      Bronze
      Dabei seit: 05.11.2006 Beiträge: 314
      Wenn du am Beginn extrem tight spielst, wie man das bei einem regular macht, vergrössert sich dein Stack nur relativ langsam.
      Die Grundidee ist durch looses Spiel das ganze beschleunigen (bei höherem Risiko). Während der Rebuyphase kann man jederzeit nachkaufen.

      D.h. entweder steht man am Ende der Rebuyphase wieder am Anfang (wenn Rebuys notwendig), also dort wo man bei tightem Spiel ohne entsprechende Hand steht (man nehme an Blinds und geringe Gewinne halten sich die Waage) oder man hat das ein oder andere Mal geluckt und hat schon einen ansehnlichen Stack.

      Ich denke beide Strategien haben Für und Wieder, das erhöhte Risiko zur Stackvergrösserung erkauft man sich durch eventuell notwendige Rebuys.
      Ob es das wert ist oder wert sein kann muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Ein grosser Stack am Ende der Rebuyphase bedeutet noch lange nicht dass man am Final Table sitzt, während ein Kleiner Stack bei tightem Spiel ohne gute Karten nicht heissen muss, dass man das Turnier nicht mehr gewinnen kann.
    • ribpoker
      ribpoker
      Bronze
      Dabei seit: 12.07.2006 Beiträge: 341
      Wie gesagt, den exakt gleichen Stil wie bei einem regular Turnier, würde ich sowieso nicht spielen. Hände mit deutlich unterdurchschnittlicher Equity auch nicht. Aber spekulative Hände mit guter playability und hohen implied odds sind sicher ne gute Investition.

      Es gibt ja bekanntermaßen Hände, mit denen man im Durchschnitt wenig gewinnt aber viel verliert (trap hands). Andersherum müssten kleine Pockets und mittlere (suited) connectors und 1-gappers eigentlich Hände sein, die man easy folden kann (= geringer Verlust), die einem aber manchmal einen richtig saftigen Pot bescheren.

      Ist es in diesem Zusammenhang sinnvoll (auch wieder ein Vorschlag des 2p2 Artikels), sich möglichst optimistische Outs zu geben, um jede halbwegs realistische Chance zu ergreifen, seinen Stack dramatisch zu vergrößern?

      Und wie beeinflusst diese Strategie das Spiel mit Made Hands? Sollte ich noch stärker protecten, um meinen Gegner extrem ungünstige Odds zu verpassen, da sie unter Umständen trotzdem callen, oder sollte ich der großen Pötte wegen viel slowplayen, auch wenn ich dadurch gelegentlich weggeluckt werde?

      Ist also in dieser Phase alles anders, minraises prima, limp in mit AA ein Muss?

      Stelle diese Fragen extra provokativ, weil mich ein empfohlener VPIP von 50 in einem ansonsten einigermaßen vernünftigen Artikel schon sehr geflasht hat.

      @grmpfx: Vielen Dank für Deine Gedanken. Dass man es so oder so betrachten kann und beide Strategien bis zu einem gewissen Punkt erfolgversprechend sein können, ist sicher richtig. Mich würde halt das Statement eines "alten Rebuy-Hasen" interessieren oder auch, was die restliche Pokerliteratur zu diesem Thema so hergibt.
    • ribpoker
      ribpoker
      Bronze
      Dabei seit: 12.07.2006 Beiträge: 341
      >>push<<
    • saibot25
      saibot25
      Bronze
      Dabei seit: 16.04.2006 Beiträge: 157
      ich habe am freitag mal so ein 1$ R turnier gespielt. habe schon während der 1. stunde um einiges agressiver gespielt als danach. wenn ich einen vorteil für mich gesehen habe, hab ich all in gepusht und dann gleich nachgekauft. meistens haben zwar die gegner gefoldet, aber ich hab mir gleich noch ein paar chips geholt. das sollte man aber nur machen, wenn man eine überdurchschnittliche chance hat die hand zu gewinnen. während der 1. stunde wird oft auch mit trash gecallt. ich habe 3 rebuys + addon genutzt, bin bei ca. platz 22 raus, von 600. ich würde die 1. stunde aber immer wieder so spielen

      grüße, tobi
    • Kerlossos
      Kerlossos
      Bronze
      Dabei seit: 28.01.2006 Beiträge: 438
      Die Frage, die Du dir bei der Auswahl deiner Rebuystrategie stellen musst ist, wie groß dein Skillvorsprung gegenüber dem Durchschnitt der Spieler im Rebuy ist. Je größer dieser ist, umso looser kannst Du auch im Endeffekt spielen, weil Du den Verlust an Edge in der Rebuyphase durch Rebuys und deinem Skillvorteil nach der Rebuyphase wettmachen kannst. Auch das mit den optimistischen Outs fällt in diese Kategorie. Ein VPIV von 50% ist hier aber sicherlich nur den besten Spielern zuzutrauen, hab das schon bei Spielern wie AJKHoosier1 und Belowabove gesehen. Ich hab selber mal ein paar Rebuys mit einer superloosen Strategie gespielt und das ist echt anstrengend, obwohl Ich nur bei etwa 40% VPIP war.
      Ich spiel in den meisten Fällen mit AK und QQ+ die simple Prefloppushstrategie. Hört sich jetzt sicherlich blöd an, aber Ich hab damit in den Microrebuys ( weniger als 10$ Buyin) sehr großen Erfolg. Meine Pocketpairs limpe Ich auf Setvalue, nach einem Raise spiele Ich sie stur nach Odds und Outs. Ansonsten spiel Ich halt viele spekulative Hände aus guter Position oder billig vom Small Blind.
      Am Flop musst Du deine Spielweise ein bischen von deinen Gegnern abhängig machen. Du willst hier ja einen guten Mittelweg zwischen Value und Protection finden. Des weiteren sind deine Chancen auf implied Odds in einem Rebuy deutlich höher, selbiges gilt leider auch in die andere Richtung.
      Wenn man es mal nicht schafft einen großen Chipstack in der Rebuyphase aufzubauen, ist das allerdings auch kein Riesenproblem. Ich hab ein paar meiner besten Ergebnisse im Rebuy nur mit dem Doublebuyin und dem Addon gemacht.