Freundschaft, Vetternwirtschaft, Kungelei, Vitamin B, Networking

    • Coffeehouse
      Coffeehouse
      Bronze
      Dabei seit: 16.03.2005 Beiträge: 1.489
      Leistung soll belohnt werden, aber meistens scheint es anders zu laufen. Networking ist wichtig. Freunde empfehlen Freunde weiter. Berlusconi ist ein Meister darin.

      Freundschaft al Begriff ist positiv besetzt, und keiner von euch würde es als unsittlich empfinden, wenn euch ein Freund einen Job besorgt. Bei einem Berlusconi finden wir sowas aber abstoßend. Sind wir da bigott oder gibt es in dem Bereich Abstufungen und Grenzen?
  • 11 Antworten
    • HaenschenKlein
      HaenschenKlein
      Bronze
      Dabei seit: 22.08.2008 Beiträge: 10.889
      Wenn du das "eine Hand wäscht die andere-Prinzip" unter Freunden gleichsetzen willst mit einem Machthaber, der politischer Entscheidungsträger und als Medienmogul auch Meinungsmacher in Personalunion ist, hast du entweder einen an der Klatsche oder es ist ein lvl.

      Was ist es?
    • Coffeehouse
      Coffeehouse
      Bronze
      Dabei seit: 16.03.2005 Beiträge: 1.489
      Weder noch. Es sind halt die beiden Extreme, aber ab wo geht´s denn los?

      Wenn mein Opa mir als Student vor 15 Jahren ne Stelle als Hiwi im Fraunhoferinstitut besorgt, die dann halt weg ist für einen der mehr geeignet wäre als ich. Das is noch okay oder?

      Wenn ein Unternehmensberater bei einem Pitching die eine Agentur besser brieft vorher, weil er von denen Provision abgreifen kann bei jedem Aufrag. Schon nich mehr okay, oder?
      Aber vielleicht sind es er und der Chef die besten Freunde seit der Kindheit. Darf er dann sowas machen oder hört bei größeren Summen der Freundschaftsdienst aus?

      Wo fangen große Summen an? Für Mehdorn sind 5.000 Euro was anderes als für mich.
      Ist Networking nicht einfach nur Vetternwirtschaft im großen Stil?
    • Th0m4sBC
      Th0m4sBC
      Bronze
      Dabei seit: 01.06.2006 Beiträge: 7.550
      Auch bei Punkt 1 ist es nicht in Ordnung -> da du nicht die optimale Wahl bist und du dennoch bewusst über die bestmögliche Wahl gewählt wirst, begeht dein Opa geschäftschädigendes Verhalten.

      On Topic: Wer nicht bescheisst, der wird beschissen.
    • Talarion
      Talarion
      Bronze
      Dabei seit: 17.02.2008 Beiträge: 329
      Ich habe mir auch darüber schon länger Gedanken gemacht. Habe meinen Job auch über eine Empfehlung von meinem Professor bekommen. Ich bin sehr zwiegespaltener Meinung.

      Einerseits würden es die Leute ja nicht machen, wenn sie keinen Vorteil davon hätten. Ich glaube knallharte Unternehmer würden sich nicht diesem Networking hingeben, wenn nicht beide Seiten was gutes davon hätten. Vielleicht kann man mit Menschen die man kennt einfach besser zusammenarbeiten bzw. kennt die Risiken eher als bei einem fremden Bewerber von außen. Diese Unwägbarkeiten scheinen relativ hoch bewertet zu werden, sodass der Arbeitgeber den eventuellen Vorteil, einer besseren Arbeitskraft(höhere Qualifikation) dafür aufgibt. Hier sehe ich kein Problem.

      Andererseits kann dieses Hin- und Herschieben von Jobs und Posten eine Ineffizienz des (Arbeits-)Marktes sein, wenn man Macht innerhalb einer Großen Gruppe hat, aber von dem Erfolg nicht direkt was hat. Dieses fehlen der Erfolgs- oder Misserfolgsbeteiligung kann dann dazu führen, dass man das System quasi aussaugt, indem man Personen aus dem eigenen Bekanntenkreis um sich scharrt ohne Blick auf Konsequenzen oder Qualifikation. Hier ist ein Problem, da die Gruppe(Firma) eher geschwächt wird und nur die beiden(Vermittler und Vermittelter) etwas davon haben auf Kosten der Gemeinschaft.

      Also würde ich die These aufstellen, dass das Problem(2ter Fall) gelöst werden kann, wenn man Leute mit einer gewissen Macht (Einstellungsbefugniss, Connections) immer oder eher am Erfolg der Unternehmung beteiligt. Somit würde das Handeln Konsequenzen haben und wir nähern uns dann an Fall 1 an.
    • Coffeehouse
      Coffeehouse
      Bronze
      Dabei seit: 16.03.2005 Beiträge: 1.489
      Ja wäre ne Möglichkeit. Wobei man natürlich eh Positionen nicht komplett fehlbesetzt, also wäre die finanzielle Einbuße wahrscheinlich eh gering.

      Bei politischen Jobs ginge das auch nicht wirklich.

      Außerdem hat mein Opa kein Problem damit wenn das Fraunhofer Institut wegen mir den Bach runtergeht. Er arbeitete da ja gar nicht.

      Andere Beispiele sind Tori Spelling und Nicolas Cage. Nur weil sie einen reichen Onkel oder Vater im Filmbiz haben, kriegen sie Hauptrollen (für die sie imo ungeeignet waren). Irgendwann sind sie aber so bekannt, dass es "ok" ist und sie die Rollen vielleicht auch so kriegen würden.

      Oder George Bush Junior wird Präsident weil er zur einflussreichen Bushfamilie gehört. Sonst wäre der doch gar nicht aufgestellt worden.
    • EricF
      EricF
      Bronze
      Dabei seit: 16.04.2006 Beiträge: 629
      Im Beruf glaube ich nicht, dass Stellen "nur" wegen Freundesdiensten besetzt wird. Der Bewerber muss schon auf die Stelle passen, bei einem belanglosen Hiwi-Job wird nicht noch zusätzlich jemand eingeladen, sondern denjenigen auf Empfehlung einfach genommen, weil man den "Empfehler" ernst nimmt und dessen Meinung schätzt.
      Ich bin derzeit auch auf Stellensuche als Etechnik-Ing und ich bin mir bei einigen ausgeschrieben zu 90% sicher, dass sie schon vergeben sind, bevor sie veröffentlich sind. Aber da ich keine Vitamine habe, muss ich mich darauf verlassen nur wegen meiner nachgewiesenen Qualifikation eingestellt zu werden.
      Mit meinem Abschluss vielleicht noch machbar, aber die vielen Juristen und Wirtschaftswissenschaftler haben es bestimmt deutlich schwerer.

      Zu der Politik will ich mich überhaupt nicht äußern!
    • Coffeehouse
      Coffeehouse
      Bronze
      Dabei seit: 16.03.2005 Beiträge: 1.489
      Original von EricF
      Im Beruf glaube ich nicht, dass Stellen "nur" wegen Freundesdiensten besetzt wird. Der Bewerber muss schon auf die Stelle passen, bei einem belanglosen Hiwi-Job wird nicht noch zusätzlich jemand eingeladen, sondern denjenigen auf Empfehlung einfach genommen, weil man den "Empfehler" ernst nimmt und dessen Meinung schätzt.
      Ich bin derzeit auch auf Stellensuche als Etechnik-Ing und ich bin mir bei einigen ausgeschrieben zu 90% sicher, dass sie schon vergeben sind, bevor sie veröffentlich sind. Aber da ich keine Vitamine habe, muss ich mich darauf verlassen nur wegen meiner nachgewiesenen Qualifikation eingestellt zu werden.
      Mit meinem Abschluss vielleicht noch machbar, aber die vielen Juristen und Wirtschaftswissenschaftler haben es bestimmt deutlich schwerer.

      Zu der Politik will ich mich überhaupt nicht äußern!
      Also zumindest werden dann Stellen für Freunde geschaffen a la, ich hab nen arbeitslosen Kumpel aus Libyen im Fussballclub, der könnte doch Vertrieb für Arabien machen, dem fällt zuhause die Decke auf den Kopf. Wurde dann genommen. In meiner anderen Firma war der ehemalige Chef Kumpel von Mehdorn. Der ruft dann einmal bei dem an und wird sofort irgendwo anders als Geschäftsführer oder Direktor eingestellt.

      Wenn ihr selber ne Firma gründet macht ihr das vielleicht auch zusammen mit Freunden. Genauso läufts in der Wirtschaft auch. Wenn Leute Einfluss haben und Personalentscheidungen treffen dürfen wird da gekungelt ohne Ende.
    • Tunnelblicker
      Tunnelblicker
      Bronze
      Dabei seit: 31.10.2007 Beiträge: 5.260
      Andere Möglichkeit ist, dass Person X zwar schlechter ist als Person Y, durch die Vetternwirtschaft aber besser wird als Person Y. Z.b. weil seine Motivation etwas zu erreichen steigt, da er den Arbeitgeber kennt, etc. . Die Vetternwirtschaft ist sozusagen selbsterfüllend.
      Sowas trifft halt auf diese typischen Aushilfsjobs zu, wie in nem Laden als Verkäufer arbeiten oder den Bürokram in ner kleinen Firma erledigen.

      Bei großen Firmen die auf eine Standardstelle ausschreiben, gehört ansonsten glaube ich auch relativ wenig Vitamin B dazu. Networking wird wohl eher bei kleinen Unternehmen oder auf spezifischen Positionen gebraucht. Ich persönlich finde alleine das Wort "Networking" schon widerlich. Aber letztendlich soll sowieso jeder leben wie er will. Mein eigenes Glück ändert sich nicht (so entscheidend) dadurch was andere für Stellen kriegen. Die Welt ist nun mal nicht fair.
    • FiftyBlume
      FiftyBlume
      Bronze
      Dabei seit: 06.06.2010 Beiträge: 8.580
      Original von Tunnelblicker


      Bei großen Firmen die auf eine Standardstelle ausschreiben, gehört ansonsten glaube ich auch relativ wenig Vitamin B dazu.
      Als groß nehmen wir an......?


      Persönlich hab ich schon mehrfach erlebt, wie bei kleinen Unternehmen(bis 1000 Mitarbeiter), Vitamin B ganz entscheident war.....es waren wirklich Leute, die keiner eingestellt hätte(ich sage mal....4 im Mathelk, 5 in Physikgk....ja klar, der is top geeignet für n technisches Studium).

      Auf der anderen Seite ist es bei großen Firmen eher so, dass Vitamin B für diverse Gimmicks sorgt ;-)......klar, man braucht die Noten, um ins Bewerbungsverfahren zu rutschen.....
      aber die Personaler lassen sich mit Sicherheit gerne von dne Bezugspersonen informieren und geben mit Sicherheit auch Informationen über das Bewerbungsverfahren weiter.

      Bestes Beispiel für Vitamin B:
      Man bewirbt sich bei einer Kommune - wenn ich dort jemanden kenne, dann kann der mir sagen, was typische Fragen sind(z.B. Landtagsabgeordneter, Bürgermeister, Einwohner). Dadurch kann ich mich gezielt vorbereiten und mache einen besseren Eindruck.

      Im Unternehmen selber is Vitamin B alles, um reinzukommen is es von der Größe abhängig.
    • Araklion
      Araklion
      Bronze
      Dabei seit: 17.07.2006 Beiträge: 4.605
      Original von Coffeehouse
      und keiner von euch würde es als unsittlich empfinden, wenn euch ein Freund einen Job besorgt.
      Wenn ich wüsste, dass es jemand gibt der den Job besser machen würde als ich, dann würd ich mich damit extrem unwohl fühlen.

      Das Leistung nicht belohnt wird wenn man mit 25-28 dank Studium mit Schulden dasteht während andere schon 10 Jahre arbeiten und man inklusive Inflationsausgleich vielleicht mit 50 gleichzieht ist aber ohnehin klar.

      Warum Vollzeitstudenten mit HiwiJob trotzdem weniger im Monat zum Leben haben (dürfen) als Hartz4-Empfänger sollte man sich am besten gar nicht fragen weil es nur tilted.
    • luxxx
      luxxx
      Bronze
      Dabei seit: 21.12.2006 Beiträge: 12.516
      Naja, ich wuerde schon noch ein paar Abstufungen zwischen Networking und Vitamin B/Vetternwirtschaft machen.

      Gutes Networking ist erstmal nichts schlechtes und auch eher gut fuer ein Unternehmen.
      Wenn z.B. ich ein Problem schneller loesen kann, dadurch, dass ich mal kurz bei einem Kollegen anrufen kann, der in meinem Netzwerk drin ist, um die Sache aus der Welt zu schaffen, dann ist das deutlich besser, als wenn ich erst anderee Ressourcen angreifen muss, um erst einen aufwendigen Prozess oder Workflow zu starten.
      Mir geht das staendige Networking und Herumgeschleime zwar auch auf den Keks, aber das ist eben der Grundsatz, nachdem das Spiel in der modernen Industrie gespielt wird.
      Ohne gutes Netzwerk ist es schwer immer weiter aufzusteigen, weil sonst ist man nie auf dem Radar der Vorgesetzen, wenn man keine anderen Personen hat, die eine Art Lobby fuer einen bilden.

      Vetternwirtschaft ist dagegen mMn wirklich hinderlich, weil dort wirklich jemand nur Vorteile erlangt, weil es um Gefallen oder Genetik geht.