Tilt und schlechtes Spiel?

    • Raptorch
      Raptorch
      Bronze
      Dabei seit: 19.02.2011 Beiträge: 7
      Hallo habe soeben eine sehr lang Session beendet. Habe sehr hohe verluste eingefahren und nun muss ich irgendwie n bisschen Dampf ablassen.

      Kann es sein das es irgend eine Höhere Instanz gibt dir nicht will das ich im Poker gewinne??

      Manchmal habe ich dieses Gefühl... Ich Baue mir ein gutes spiel auf und habe auch Erfolge und mache gewinn, aber irgendwie später im Spiel werde ich von Callingstations gebroked....


      Wie kann ich mit Callingstations umgehen die ein Bottompair durchzahlen, damit sie mich mit trips oder 2 pairs ausnocken??

      Oder wie kommt es jedesmal wenn ich Top 2 Pair halte mein gegner sein lowset trifft??

      Muss ich bei Flushdraws auf dem Turn oder Flop all in stellen damit mich Flushdrawer mit dem 5 High Flushdraw nicht callen? Oder muss ich bei Limits von 0.05/0.10 $ auf dem Flop wirklich meine 10$ All in Stellen damit der Gutshot nicht bezahlt wird?

      Ich dachte... und so steht es ja auch in den Artikeln, dass ich auf länger Zeit gewinn mache... davon sehe ich aber leider nichts ich habe einen Downswings von -218.80 und das auf meinem Limit, zum glück habe ich nicht mit 25 sondern mit 40 Max Buy ins gerechnet bei meinem Bankrollmanagement....

      Kann mir jemand helfen?? Ändern sich diese Zeiten wieder?? Weil so macht Poker keinen Spass... Wenn man immer genau weiss man kann machen was man will der Gegner überholt einem auf dem River... ?( :( :( :(



      So musste jetzt einfach sein.... Weil ich meine Session heute mit -218.80 abgeschlossen habe und Ich meines erachtens nur wenige "Fehler" gemacht habe(ausser das tilten nach dem verlieren doofer Pots). Dafür habe ich beim Dayly 100$ Freeroll 4$ gewonnen auf William Hill.

      So ich wünsche auch eine Schöne Nacht und morgen werde ich posten ob ich wieder gewinne oder nicht :-)
  • 6 Antworten
    • Ronny1993
      Ronny1993
      Bronze
      Dabei seit: 14.02.2010 Beiträge: 6.780
      Poste konkret ein paar Losinghände und schau dir mal an, was "selektive Wahrnehmung" bedeutet.

      Ich hatte vor einiger Zeit auf FullTilt genau die gleichen Gedanken, hab NL25 SH mit 8-12 Tischen gespielt, dementsprechend scheiße sah mein Graph aus. Mittlerweile spiel ich höchstens 5 und es läuft viel viel viel besser.

      K
    • pjotrpansen
      pjotrpansen
      Bronze
      Dabei seit: 19.09.2007 Beiträge: 3.122
      Schlechte Phasen macht jeder Pokerspieler durch. Das hat dann auch nichts mit einer höheren Instanz, einem Doomswitch oder sonst was zu tun. Das ist einfach die Varianz in dem Spiel.

      Callingstations, die mit jedem Scheiß bezahlen sind prinzipiell sehr gut für dich. Du zwingst sie dazu mit schlechten Händen Geld zu investieren. Auf lange Sicht wirst du gegen solche Spieler immer Gewinn machen. Kurzfristig kann es natürlich frustrierend sein solchen Leuten auch noch das Geld in den Rachen zu schmeissen, aber du wirst es dir mit gutem Spiel immer wieder zurück holen. Geduld und Durchhaltevermögen ist hier gefragt.

      Wenn du merkst, dass du tiltest und es dein Spiel beeinflusst solltest du auch lieber eine Pause einlegen, da du sonst nur unnötig Geld verlierst. Lies dir auch die Psychologieartikel durch und arbeite an deinem Mindset.

      Außerdem lege ich dir das Handbewertungsforum nahe. Auch wenn du selber denkst du hättest keine großen Fehler gemacht, lässt eine oder weitere Meinungen dazu dich vielleicht die Sache noch einmal etwas anders betrachten. Ich will dir hier sicherlich kein schlechtes Spiel unterstellen - nicht, dass das so rüberkommt. Ich versuche nur etwas zu helfen. :)
    • Raptorch
      Raptorch
      Bronze
      Dabei seit: 19.02.2011 Beiträge: 7
      Vielen Dank für eure antworten... habe mich schon wieder etwas beruigt :-)

      Ronny was meinst du mit selektiver Wahrnemung?
    • Ghostmaster
      Ghostmaster
      Global
      Dabei seit: 24.05.2006 Beiträge: 39.937
      Selektiver Wahrnehmung ist der Rückschluss von bestimmten Einzelerlebnissen auf die Allgemeinheit.
      Z.b. wurdest du in deinen letzten Sessions von einem schlechten Spieler mal von ein paar Gutshots ausgesuckt. Du überträgst diese Erlebnis jetzt auf jeden schlechten Spieler und siehst jetzt an allen Ecken und Enden, dass diese Spieler dich "dauernd" ausdrawen, dabei registrierst du gar nicht die Momente in denen du die Hand ganz normal gewinnst und deinen Equityshare mitnimmst.
      Du hast also nur den negativen Ausgang vor Augen und betrachtest überhaupt nicht mehr die Möglichkeit, dass dieser negative Ausgang "normal" ist zu einer gewissen Wahrscheinlichkeit.

      Es ist extrem wichtig, dass du diesen zentralen Aspekt des Spiels verstehst und respektierst. 60% Gewinnchance bedeuten genau das - du gewinnst in 60% der Fälle die Hand und verlierst in 40% der Fälle die Hand. Aufgrund der statistischen Abweichung kann diese Gewinnchance stark verzerrt sein (Varianz) und wird sich theoretisch nach einer unendlich langen Zeit komplett negiert haben.

      Das bedeutet, dass es NORMAL ist, wenn du mit starken Händen verlierst. Wenn du immer mit starken Händen gewinnen würdest und niemals ausgesuckt wirst oder gegen eine noch stärkere Hand spielen würdest, dann würde kein schlechterer Spieler mit dir Poker spielen.

      Allein die Frage nach der höheren Instanz bestätigt, dass du mit hoher Wahrscheinlichkeit in deinem eigenen Pokergedankenkonstrukt gefangen bist und den Tilt selber provozierst, weil du davon überzeugt bist es quasi "verdient" zu haben zu gewinnen und zwar immer, weil du deiner Meinung nach eine deutliche Edge auf deine Gegner hast.

      Dein Verhalten ist für Normalobürger absolut normal, da das Denken in Wahrscheinlichkeiten und relativen Bedingungen nicht die Norm ist. Die meisten Menschen denken ergebnisorientiert und in absoluten Bedingungen.

      Z.b. der Vorstandsvorsitzende irgendeines großen Unternehmens wird in vielen Fällen davon überzeugt sein, dass er nicht durch viel Zufall in die Position gerutscht ist, sondern durch sein Können und seine Fähigkeiten in diese Position gelangt ist. Er berücksichtigt gar nicht, dass jede Handlung im Leben einer gewissen Erfolgswahrscheinlichkeit unterliegt und diese Denkweise zieht sich durch so gut wie jeden Aspekt unseres Lebens. Dies ist darin meiner Meinung nach begründet, dass die meisten Menschen risikoavers handeln und bei der Realisierung, dass jede Entscheidung einer Wahrscheinlichkeit unterliegt nicht mehr handeln würden.
      Ergebnisorientiert denken die meisten Menschen deswegen, weil sie eine verkehrte Kausalitätskette haben, die in der Realität aber für die meisten Dinge funktioniert. Sie funktioniert ungefähr so: Entscheidung <-> Ergebnis

      D.h. eine gute Entscheidung führt zu einem guten Ergebnis und ein gutes Ergebnis resultiert aus einer guten Entscheidung. (umgekehrt für eine schlechte Entscheidung zu einem schlechten Ergebnis und ein schlechtes Ergebnis resultiert aus einer schlechten Entscheidung)
      In Poker überschätzen zu 99% der Spieler (mich nicht ausgeschlossen) häufig massiv selber und treffen "grundsätzlich gute Entscheidung", da viel zu häufig die Objektivität fehlt.
      Es ist für die meisten Menschen also nicht akzeptabel, wenn vermeintlich "gute Entscheidungen" mit einem negativen Ausgang enden.
      Es ist also extrem wichtig, dass du dich von dieser Kausalitätskette löst und

      1. eine Möglichkeit findest (durch Pokerwissen) deine eigenen Entscheidungen objektiver zu überprüfen

      2. dich von diesem starren Gedankenkonstrukt löst und akzeptierst, dass eine gute Entscheidung nicht zwangsläufig zu einem guten Ergebnis führt und ein gutes Ergebnis nicht zwangsläufig das Resultat einer guten Entscheidung ist.
    • Raptorch
      Raptorch
      Bronze
      Dabei seit: 19.02.2011 Beiträge: 7
      Hallo Ghostmaster

      Vielen Dank

      Sehr gut formulierte Antwort. Macht wirklich Sinn und ich werde daran arbeiten.
    • mergelina
      mergelina
      Bronze
      Dabei seit: 28.03.2008 Beiträge: 2.653
      hallo Raptorch,

      wie immer sind ghostmasters posts von allerhöchster Qualität ;) und sollten Dir, was dein mindset betrifft, wertvollen input liefern.

      Da ich aber Dein Problem aus meiner eigenen Vergangenheit gut kenne, auch ich hatte mehr probleme im Spiel gegen Fische, insbesondere Callingstations als gegen reg-fische oder regs,
      möchte ich Dich nochmals auf folgenden artikel hinweisen. Dort sind Grundregeln im Spiel gegen verscheidene Spielertypen zusammengefasst.

      Die 8 Spielertypen und wie du an ihr Geld kommst

      Spiele nur madehands oder monsterdraws gegen callingstations agressiv.
      Mit anderen Worten, spiele gegen sie straight forward und forciere nur, wenn du einen equityvorteil gegen seine range hast. Lass Dich dann auch nicht von suckouts entmutigen, wie ghostmaster schon ausführlich erklärte, setzt Du dein Geld bei langsfristig profitablen konditionen.

      Sei wachsam, wenn sie agressiv werden, dann liesgt du meist hinten.
      Ansonsten lass deine madehands immer schön ausbezahlen. Gibt nix schöneres