Ein Termin bei DrObst

Nachdem wir in den letzten Wochen bereits mehrere unserer Coaches zum Interview gebeten haben, erwartet uns heute ein ausführliches Gespräch in der Praxis von DrObst.

Da er nicht nur sehr ausführlich, sondern auch auf besonders interessante Themen geantwortet hat, haben wir das Interview mit DrObst wie üblich in zwei Teile gesplittet. Viel Spaß heute mit dem ersten!

Hallo DrObst und danke, dass du dir die Zeit für unser Interview genommen hast. Einige werden dich schon aus den neuesten Videos kennen, die du bei uns veröffentlicht hast. Aber obwohl dein erstes Video schon 2013 zustande kam, wirst du für die meisten eher als neuer Coach wahrgenommen. Stell dich daher doch bitte einmal kurz vor.

ein apfel pro tag
Auf Anraten des Doktors: Nicht den täglichen Apfel vergessen!

DrObst: Hallo zusammen! Ich bin Tom aus Österreich, mit 36 Jahren sicher schon einer der Ältesten hier im Forum und freue mich sehr, dass ich nach meiner Pokerpause noch einmal die Chance bekommen habe, für PokerStrategy.com Videos zu produzieren.

Wie bist du denn zu Poker und PokerStrategy.com gekommen?

DrObst: Ich habe 2007 von den $50 gratis von PokerStrategy.com erfahren und diese dann relativ schnell bei partypoker verdonkt. Anschließend habe ich immer wieder einmal was in 50-100 Euro Schritten nachgeschossen, war einfach komplett planlos damals und habe wild MTTs, SNGs und Cashgame durchgemixt. Limits wurden nach Laune ausgewählt und wenig überraschend war ich, obwohl ich mich für einen recht guten Spieler hielt, am Ende immer wieder broke. Durch Glück konnte ich in den Step-SNGs bei party mal $1.000 gewinnen, eine stolze Summe für mich für damalige Verhältnisse. Der entscheidende Wendepunkt war dann, als mich ein Reg am Tisch nach einem Bad Beat geflamet hat, wie lächerlich meine Stats doch seien. Stats? Ich fragte einen Bekannten von mir, von dem ich wusste, dass er mit Poker etwas Geld verdient und der kam vorbei und installierte und erklärte mir PokerTracker. Nachdem mich Strategiespiele schon immer extrem gefesselt haben und es mir nun auch leichter fiel Poker klar als solches zu sehen, versuchte ich dann mein Spiel auf Vordermann zu bringen. Ich durchstöberte Foren und war bald soweit, dass ich ein solides Preflop-Game und ausreichend Wissen über Rahmenbedingungen wie Bankrollmanagement oder das Festlegen auf eine Variante hatte. Dann fing ich bei party mit Cashgames auf NL25 an. Von den $1k waren etwa noch $750 übrig. Das war dann die Start-Bankroll, aus der alle anderen Winnings entstanden sind. Eigenes Geld angreifen musste ich seither glücklicherweise nicht mehr.

DrObst 3-Bet Strategy

Ein Experiment - Min-3-Betting in Position

DrObst widmet sich in diesem Video einer eher unkonventionellen Line: die Min-3-Bet mit Position.

DrObst SB vs BU 3-Bet

SB vs. BU: Das Spiel als 3-Better

In diesem ersten von zwei Teilen analysiert DrObst detailliert den Spot SB vs. BU, wenn man der 3-Better ist.

Welchen Ausgleich zu Poker hast du?

DrObst: Ich lebe mit meiner Frau und meinen zwei Kindern zusammen. Von daher kommt das Gefühl von Langeweile nicht wirklich auf. Ich sehe es als großes Privileg, mir durch Pokern meine Zeit frei einteilen zu können und auch einmal kurzfristig "frei zu nehmen", wenn bei einem der Kids ein Ausflug mit der Schule oder dem Kindergarten ansteht. Und auch wenn es schmalzig klingt, aber es relativiert auch vieles, wenn man nach einer richtig miesen Session aufstehen kann, mit den Kindern etwas spielt, ihre Begeisterung sieht und sich Antworten auf ihre Fragen überlegen muss. In solchen Momenten weiß ich einfach, wie viel Glück ich im Leben bisher hatte und wie unwichtig und klein so eine Pokersession oder der monetäre Verlust im Vergleich dazu ist. Sehr wichtig ist mir Sport. Ich bin dreimal die Woche im Fitnessstudio und zu Beginn dieses Schuljahres haben wir uns ein Lastenrad angeschafft, mit dem ich die Kinder bei jeder Witterung in der Früh in den Kindergarten und in die Schule bringen kann. Das heißt, ich habe Montag bis Freitag schon mal fix je 20 Minuten Morgensport und 20 Minuten nochmal beim Abholen am Nachmittag. Komme ich mal aus irgendeinem Grund für ein paar Tage nicht dazu, mich zu bewegen, dann bin ich schlecht gelaunt und muss die Sport-Endorphine durch Süßigkeiten-Endorphine ersetzen, was mir nicht guttut. Ich unternehme gerne etwas mit Freunden (zum Beispiel Spieleabende, allerdings komplett ohne Poker), liebe es zu lesen, höre Musik oder entlocke meiner Gitarre Töne, die sich manchmal entfernt nach Musik anhören. Leider habe ich für jeden dieser Bereiche nicht annähernd so viel Zeit, wie ich gerne tatsächlich hätte.

Das Niveau steigt

Aufstieg leicht gemacht=
Aufstieg leicht gemacht

Durch die Interviews mit unserem Coach Samy89 und unserem ehemaligen Coach IronPumper, wurde das Augenmerk unserer Community in letzter Zeit stark auf die Entwicklung von Online-Poker gelenkt. Wie hat sich das Spiel denn speziell für dich entwickelt?

DrObst: Ich bin zu einem Zeitpunkt eingestiegen, wo es noch relativ leicht war, mit Poker gutes Geld zu verdienen. Wenn man sich dann noch etwas damit beschäftigt hat, dann konnte man schon zügig die Limits bis NL200 hinter sich lassen. Und auch auf NL400 und NL600 waren die Regs teils weit davon entfernt, immer zu wissen, was sie eigentlich gerade tun. Das Niveau hat sich dann über die Jahre hinweg natürlich stetig verbessert, was ja kein Wunder ist, wenn man mit einem simplen Kartenspiel so viel Geld verdienen kann. Ich persönlich hatte immer das Gefühl, eine Edge auf die Regs der Limits zu haben, die ich gerade spiele. Andererseits kann man da auch heraushören, dass ich die ganz große Herausforderung oft gescheut habe und mich lieber für die "sichere" Variante entschieden habe, anstatt auch mal wirklich Richtung Highstakes zu streben.

Das Videodebüt des Doktors - ein moderner Klassiker

Samy89 sieht die Zukunft von Online-Poker nicht so drastisch wie IronPumper. Wo würdest du dich einordnen und was glaubst du wie sich die Pokerwelt in den nächsten Jahren entwickeln wird?

DrObst: Zuerst einmal möchte ich nur festhalten, dass IronPumper aus einer anderen Position heraus sprechen kann als Samy89, weil er ja Poker ein für alle Mal an den Nagel hängen möchte. Ich kann mit den Argumenten von beiden Seiten etwas anfangen. Ich habe allerdings keine Sorge, dass das Skillniveau der anderen menschlichen Spieler einmal so hoch sein wird, dass Online-Poker nicht mehr profitabel spielbar ist. Die Voraussetzung dafür ist es aber meiner Meinung nach, dass es gelingt, den Einsatz von Live-Solvern zu unterbinden. Diese mögen derzeit vielleicht noch nicht sehr gut sein, aber werden wohl spätestens in ein paar Jahren wohl so ausgereift sein, dass sie Echtzeit-Lösungen für jede Spielsituation liefern. Ich kenne mich dabei zwar ehrlich gesagt nicht besonders gut aus, es hat mich aber aufhorchen lassen, als IronPumper von Live-Solvern erzählt hat, weil ich dachte, dass es solche Tools bisher nur für Heads-up-Partien gibt und sie beim 6-max noch lange kein Thema wären. Aber wenn man dagegen kein probates Mittel findet, dann könnte sowas das Spiel natürlich zerstören. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass die Pokerseiten auf diese Entwicklung reagieren werden. Was Poker langfristig natürlich auch nicht hilft, ist es, jeden Cent Rake aus den Spielern zu quetschen, der noch irgendwie möglich ist. Viele Grüße an die entsprechenden Räume an dieser Stelle! Wenn du mich aber fragst, ob man Online-Poker in fünf Jahren noch profitabel spielen kann, dann sage ich voller Zuversicht: Ja, davon bin ich überzeugt.

Beim nächsten Teil unseres Interviews mit DrObst verrät unser Coach, ob er sich schon einmal ausführlicher mit einem Ende seiner Poker-Laufbahn beschäftigt hat und wie lange er die Tische noch unsicher machen will.

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Kommentare (4)

Neueste zuerst
  • Paxis

    #1

    Klingt nach neuem besten Mann!
  • Tobman78

    #2

    Unterbinden kann man Solver leider nicht. Genauso wie Kalkulatoren, wie Equilab+...
    (Einfach anderer PC, Handy...)
    Evtl. muss wirklich dauernd das Erscheinungsbild der Software geändert werden, daß Screenshot-Software Probleme (Handy) hat. Jedoch wird da sicher schnell reagiert werden können.
    Andere Pokervarianten, immer und immer wieder sind halt auch ne Alternative.
    oder 10Sec Entscheidungen am Tisch... Keine Ahnung.
    Kann mir aber vorstellen, daß ein Pokerraum, der von Pokerspielern geführt wird wie jetzt von Galford da schneller drauf reagiert wird und will, da er auf Unmut von Spielern und Trends im Poker nicht erst reagiert, wenn sich alle beschweren... Keine Ahnung, nur ein paar Gedanken...
  • RikudouSennin

    #3

    Liest sich gut.
    Gute Gedanken.
    Die Fragestellungen des interviewers sind nur komisch.. bzw. eher ungünstig formuliert worden.
  • Paxis

    #4

    Zum Beispiel?