"Die Leute achten auf Rake mehr als früher"

Im Gespräch mit MTT-Legende und 888poker-Pro Chris Moorman erfahren wir mehr über seine Meinung zu Satellites, PKO-Turnieren, GTO-Ansätzen und die RakeLESS-Aktion von 888poker.

Chris Moorman
Chris Moorman

888poker hat im vergangenen Jahr seine ersten PKO-Turniere gelauncht. Bist du ein Fan des Formats?

Chris Moorman: Persönlich wäre für mich ein PKO nicht das ideale Turnier, da es dabei deutlich mehr Varianz gibt. Ist man Chipleader an einem guten Tisch, muss man deutlich mehr toughe Spots überstehen. Dadurch geht etwas Kontrolle im Spiel verloren.

Mir persönlich gefällt das nicht unbedingt, es gibt in PKOs aber auch etliche Spots, wo man nicht genau weiß, was man machen soll, wodurch das Format natürlich sehr interessant bleibt und sich die Dynamiken immer wieder verändern. Dann muss man natürlich noch berücksichtigen, dass schwächere Spieler durchaus mehr von ihrem Geld zurückkriegen, wodurch es auch insgesamt länger in der Community unterwegs ist.

Was sind die größten Leaks, die dir bei Spielern in PKOs auffallen?

Chris Moorman: Man sieht die Leute häufig mit einer viel zu weiten Range callen, wenn es um ein Kopfgeld geht, selbst wenn es den eigenen Stack massiv schaden kann. Callt man in solchen Spots zu weit und verliert, ist man auf einmal Shortstack und hat mit weniger Foldequity einen großen Nachteil, wenn man von jedem am Tisch gecovert wird. Das kann aber auch anders laufen. Manche spielen ein PKO wie ein normales Turnier. Das ist aktuell auch das Tolle an PKOs. Es gibt dabei viele Aspekte, die noch nicht gelöst sind und wohl niemand spielt sie auch nur ansatzweise perfekt.

Ist genau das der Reiz, der neue Formate ausmacht? Dass sie im Vergleich zu den etablierten Varianten noch nicht gelöst sind?

Chris Moorman: Ja, da muss man sich nur einmal etwas wie die Shovingranges vor Augen führen. Heutzutage weiß im Grunde jeder, aus welcher Position man welche Hände pushen sollte, wenn man shortstacked ist, weil es dafür etliche Tools und Apps gibt. In Formaten wie PKOs sieht das aber noch anders aus. Man muss noch viel Arbeit selbst leisten, da praktisch jeder Spot aufgrund der Bountys deutlich komplexer ausfällt. Der durchschnittliche Spieler wird sich nicht die Zeit dafür nehmen, während der Profi genau das vielleicht macht. Es ist gut, dass es noch Sachen gibt, die nicht gelöst sind. Dadurch bleiben die Partien interessant und genau deswegen hat mich Poker zu Beginn meiner Laufbahn auch so sehr gepackt.

Welchen Standpunkt hast du bei der großen GTO-Debatte? Nutzt du Solver, um dein Spiel weiter voranzubringen?

Chris Moorman: Jeder sagt mittlerweile, dass er Solver nutzen würde, aber so ganz bin ich nicht davon überzeugt, dass es auch jeder wirklich macht. Es ist natürlich in Ordnung, wenn man versucht damit sein Spiel zu verbessern, aber ich sehe auch häufig genug, dass Leute sie einfach völlig falsch anwenden. Ich nutze solche Tools zwar, aber bin nicht fanatisch darauf fixiert. Wenn man ein Super High Roller spielt, muss man die Lösungen kennen, da tatsächlich jeder im Feld sein Spiel mit einem Solver verbessert, aber selbst in einem $10.000-Turnier gibt es schon genug Spieler, die völlig vom vermeintlichen Optimum abweichen. Gegen solche Gegner muss man dann auch anders agieren. Solver sollten einem bewusst sein, man sollte aber auch in der Lage sein, davon abzuweichen und eine andere Strategie zu fahren.

"Wir haben mit RakeLESS die Guarantees praktisch pulverisiert"

Chris Moorman
Chris mit einem WSOP-Bracelet

Schon zweimal in diesem Monat hat 888poker einen Sonntag ohne Rake gestartet. Eine ziemlich simple aber clevere Promotion oder?

Chris Moorman: Ich denke, den Leuten ist heutzutage Rake deutlich bewusster als früher. Selbst die besten Spieler mussten Einbußen bei ihrer Edge hinnehmen. In den Anfangstagen von Online-Poker hat noch jeder in den letzten Minuten der Rebuy-Phase Any-Two gepusht. Das macht heute niemand mehr. Ich denke, dass die Leute auch bewusster ihre Partien auswählen, wodurch die erste RakeLESS-Aktion ein voller Erfolg war. Wir haben die Guarantees mit Leichtigkeit pulverisiert und werden das Ganze auch in Zukunft wieder anbieten.

Ich glaube persönlich, dass sich nur Regulars Gedanken um den Rake machen und Freizeitspieler diesen Aspekt größtenteils ignorieren.

Chris Moorman: Mit solchen Annahmen muss man vorsichtig sein. Nur weil jemand Poker lediglich in seiner Freizeit spielt, heißt das nicht, dass ihm derartige Aspekte nicht bewusst sind. Viele sehen sicherlich trotzdem, dass ein Teil des Geldes an den Anbieter und nicht in den Preispool geht. Ich glaube, dass Rake auch bei Hobbyspielern mehr auf dem Radar ist, als man zunächst vielleicht denken mag.

888poker ist in diesem Jahr einmal mehr das Zuhause für die offiziellen WSOP-Satellites. Findest du, dass die Industrie insgesamt aktuell nicht genug Satellites für Live-Events anbietet?

Chris Moorman: Als ich angefangen habe, online zu spielen und das auch nicht gerade erfolglos, habe ich Live-Turniere trotzdem immer nur gespielt, wenn ich mich auch über ein Satellite qualifizieren konnte. Auch wenn ich es mir auch einfach so hätte leisten können. Wenn ich mich günstig qualifizieren konnte, waren die Reisekosten bereits gedeckt, und wenn ich dann noch ins Preisgeld kam, war es ein sehr profitabler Erfolg. Das war damals meine Strategie und es gab massenweise Satellites, aus denen man wählen konnte. Heute sieht man hingegen nur noch ein oder vielleicht zwei direkte Satellites für ein Zielturnier und die Teilnehmerfelder sind deutlich tougher.

Für die Aussie Millions in diesem Jahr haben sich mehr als 500 der insgesamt 822 Teilnehmer durch ein Live-Satellite qualifiziert. Bei solchen Turnieren hat jeder seinen Spaß, es gibt weniger Druck und die Atmosphäre ist einfach toll. Natürlich sollte es mehr von solchen Events geben.

Wer sich für das WSOP Main Event 2019 über ein Satellite qualifizieren will, kann genau das auch in diesem Jahr bei 888poker versuchen.

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Kommentare (1)

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