Bitcoin verstehen mit Collin Moshman

Unser SNG-Guru ist schon sehr früh auf Kryptowährungen gestoßen und hat sich nun die Zeit genommen, um mit uns über ihren Einfluss auf die Pokerbranche zu sprechen.

Collin Moshman
Collin Moshman

Du bist früher als viele andere auf Bitcoin, aufmerksam geworden. Was hatte damals dein Interesse geweckt und was hat sich seitdem, wenn überhaupt, verändert?

Collin Moshman: Mir hat vor allem gefallen, dass es Geld ist, dass man selbst hält, anstatt es einer Bank anzuvertrauen, dass man es überall in der Welt fast umgehend verschicken kann, ohne von irgendjemand eine Erlaubnis einholen zu müssen, und dass es nur eine begrenzte Anzahl an Bitcoin geben wird, sodass man im Laufe der Zeit nicht immer mehr an Kaufkraft einbüßen muss. Bei normalen Währungen wie dem Dollar oder Euro können die Regierungen nach eigenem Ermessen praktisch unendlich viel Geld drucken, sodass die eigenen Ersparnisse mit der Zeit immer weniger Wert haben.

Was sich seit meinem Einstieg geändert hat, ist, dass es mittlerweile deutlich mehr Dissens innerhalb der Community gibt, was die zukünftige Entwicklung von Bitcoin betrifft. Das war jedoch unvermeidbar, wenn man bedenkt, dass sich das Netzwerk von einem belanglosen Wert innerhalb des globalen Finanzmarkts hin zu einer Marktkapitalisierung (Gesamtwert aller Bitcoins im Umlauf) von mittlerweile über $200 Milliarden entwickelt hat.

Stellt sich bei dir als Früheinsteiger nun häufiger ein Gedanke à la "Ich hab es euch doch gesagt" ein?

Collin Moshman: Definitiv nicht. Als ich das erste Mal vor ein paar Jahren über Bitcoin gestolpert bin, galten Leute als Früheinsteiger, die es genutzt haben, als ein Bitcoin lediglich $1 gekostet hat. Wer bei einem Wert von $1 eingestiegen ist, hat wiederum Leute als Früheinsteiger gesehen, die 10.000 Bitcoin für eine Pizza ausgegeben haben.

Am Ende sind wir jedoch alle Früheinsteiger. Auch wenn der Wert von Bitcoin gewaltig gestiegen ist, sind die heutigen Nutzer und Besitzer global gesehen nach wie vor eine riesige Minderheit. daher wird jeder, der heute Bitcoins besitzt, als Früheinsteiger gelten, wenn der Erfolgsfall tatsächlich eintritt, Bitcoin eine höhere Marktkapitalisierung als Gold erreicht und ein Bitcoin 50-mal so viel kostet, wie es heute der Fall ist.

Warum hat deiner Meinung nach noch keiner der großen Pokerräume Bitcoin als Zahlungsoption akzeptiert?

Collin Moshman: Auch wenn es durchaus schon Seiten gibt, die Bitcoin nutzen und fördern, denke ich, dass es Stars beispielsweise aus rechtlicher und regulatorischer Sicht noch nicht möglich ist. Man könnte Einzahlungen über Bitcoin akzeptieren und diese dann umgehend in Dollar oder Euro umwandeln, ohne die Gefahr, dass es zu Betrug oder Rückgutschriften kommt. Wenn es aber keine rechtlichen oder regulatorischen Hindernisse gibt, bin ich mir nicht sicher, warum man es nicht anbieten würde.

"Etwas Katastrophales könnte durchaus noch passieren"

Bitcoin crash

Was gefällt dir an Kryptowährungen insbesondere mit Blick auf die Online-Pokerszene?

Collin Moshman: Poker hat eine sehr internationale Community. Nehmen wir an, man hält sich in einem Land auf, in dem Stars verboten ist. Um Geld auszahlen zu können, muss man es möglicherweise erst von Stars zu Skrill transferieren, dann auf ein ausländisches Bankkonto übertragen, um es abschließend auf das heimische Bankkonto zu bringen. An jedem Schritt dieser Übertragung fallen Gebühren an (Überweisungsgebühren, Wechselgebühren etc.). Zudem muss man sich bei allen Parteien verifizieren, Fragen zur Quelle des Geldes beantworten und sich der Gefahr von Konfiszierung oder Transaktionssperren aussetzen.

Wenn man sein Geld jedoch in Bitcoins auszahlen lässt oder überträgt, gehört es einem tatsächlich selbst. Man benötigt keine Mittelsmänner, Bewilligungen oder muss an jeder Stelle Bankgebühren entrichten. Man kann sie dann entweder als Investition behalten, bei Amazon vergünstigt einkaufen, eine Bitcoin-Prepaid-Karte nutzen oder den Gegenwert unmittelbar direkt auf das heimische Konto übertragen.

Wie sehen deine Gedanken aus für den Fall, dass sich der Preis von Bitcoin stabilisiert oder es zum Crash kommt?

Collin Moshman: Etwas Katastrophales könnte im Falle von Bitcoin durchaus noch passieren, zum Beispiel dass eine wesentliche Schwachstelle im Protokoll entdeckt wird, die man bisher nicht gefunden hat. Wenn das aber nicht passiert, erwarte ich, dass Bitcoin weiter dem bisherigen Muster folgen wird und sich der Preisverlauf ähnlich wie der Gewinngraph eines guten MTT-Spielers entwickelt. Langfristig geht es nach oben, da weitere Investoren einsteigen, kurzfristig jedoch immer wieder mal nach unten, wenn die neuen Spekulanten einen Grund zur Panik finden.

Wie üblich ist jedoch nichts sicher. Es ist durchaus noch möglich, dass sich Ereignisse entwickeln, die den Wert von Bitcoin auf $0 fallen lassen. Es steht zudem außer Frage, dass es auch in Zukunft zu temporären Preiseinbrüchen kommen wird. Wer nicht darauf vorbereitet ist, dass es zu jeder Zeit zu einem Einbruch von mindestens 30-40% kommen kann, wird eine ziemliche Überraschung erleben.

Was hältst du generell von anderen Kryptowährungen wie zum Beispiel Ethereum?

Collin Moshman: Bitcoin ist das sicherste und am weitesten verbreitete Protokoll mit dem mit Abstand größten Bekanntheitsgrad und stärksten Netzwerkeffekt. Es ist zwar möglich, dass eine andere Kryptowährung irgendwann einmal den Platz als Nummer eins einnehmen könnte, aber ich gehe nicht davon aus, dass das in naher Zukunft passieren kann. Coins wie Monero oder Ethereum haben andere Anwendungsbereiche und können sich nach wie vor positiv entwickeln, aber von den mittlerweile tausenden von Altcoins, die es gibt, werden die meisten meiner Meinung nach langfristig bei $0 landen. Mein persönlicher Ansatz ist daher fast ausschließlich auf Bitcoin zu setzen.

"Pokerspieler müssen vorsichtig sein"

Doug Polk
Doug Polk hat bei YouTube einen separaten Channel für Kryptowährungen

Viele Mitglieder der Pokercommunity sind mittlerweile auch beim Handel von Kryptowährungen aktiv. Ist das eine positive Entwicklung? Einerseits haben Pokerspieler ja gute Voraussetzungen, um auch als Trader erfolgreich zu sein, andererseits begeben sich viele unerfahrene Menschen mit ihrem Geld in einen Bereich, der sehr volatil ist und nur von wenigen wirklich verstanden wird.

Collin Moshman: Es ist immer ein Fehler in etwas zu investieren, das man nicht versteht, nur weil andere Leute damit Geld gemacht haben. Ich glaube jedoch, dass Pokerspieler im Vergleich zur Allgemeinheit ein deutlich besseres Verständnis für das Risiko-Nutzen-Verhältnis haben, das einer Investition in Bitcoin zugrunde liegt.

Was das aktive Traden betrifft, sollte man jedoch vorsichtig sein. Auch in boomenden Märkten ist es sehr einfach Geld zu verlieren. Man benötigt umfassende Kenntnisse und viel Zeit, um sich tatsächlich effektiv gegen andere Krypto-Trader zu behaupten (ähnlich wie beim Poker auf den höchsten Stakes). Eine langfristige Investition, die man unberührt lässt, ist da die deutliche bessere Option – es sei denn, man weiß wirklich, was man beim Traden macht.

Wer produziert innerhalb und außerhalb der Pokercommunity aus deiner Sicht den besten Content zur neuen Technologie?

Collin Moshman: Einer der Pokerspieler, die viel über Bitcoin wissen und vermitteln können, ist natürlich Doug Polk. Er hat schon sehr guten Content zu wichtigen Aspekten wie der sicheren Verwahrung der eigenen Coins produziert. Zudem hat er mit Coin Central eine sehr informative Newsseite gelauncht. Außerhalb der Pokerszene lege ich unter anderem viel Wert auf die Einblicke von Tuur Demeester.

Wie sieht generell dein alltägliches Involvement bei Kryptowährungen aus? Investierst du viel deiner Zeit?

Collin Moshman: Auch wenn mein Ansatz ist, hauptsächlich nur Bitcoin zu kaufen und zu halten, investiere ich natürlich auch Zeit, um die technischen Aspekte des Protokolls besser zu verstehen und hinsichtlich neuer Entwicklungen auf dem Laufenden zu bleiben. Aus Investorensicht bereite ich mich auf etwaige Forks und sogenannte Airdrops vor, deren Ergebnis in der Vergangenheit praktisch eine Dividendenauszahlung war. Insgesamt hat das Dasein als langfristiger Anleger einen klaren Vorteil: Es ist deutlich weniger zeitintensiv als das aktive Traden im Kryptomarkt.

Collin Moshman ist Coach bei PokerStrategy.com innerhalb der englischen Community. Hier findet ihr seine Videos und seinen Coachingthread, zudem könnt ihr jeden Mittwoch an seinem wöchentlichen Webinar teilnehmen.

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Kommentare (10)

Neueste zuerst
  • Hoggiman

    #1

    ....................ätsch........................
  • Sulu

    #2

    Sorry. Das ist wieder richtig viel Halbwissen, was präsentiert wird. Jetzt sind Cryptowährungen ein Hype, und es muss auf teufel komm rauf darüber berichtet werden. Das was dann häufig raus kommt, ist dann zusammenngesammeltes und gereimtes Halbwissen.
    "Etwas Katastrophales könnte im Falle von Bitcoin durchaus noch passieren, zum Beispiel dass eine wesentliche Schwachstelle im Protokoll entdeckt wird, die man bisher nicht gefunden hat". Die Aussage ist kaum haltbar. Würde die Finanzbranche auch so wild auf den Zug aufspringen, wenn sie da Zweifel hätte? Eher nein. Die Sicherheit der Algorithmen ist schon gegeben. Der Bitcoin krankt an anderen Sachen. Die unheimlich hohe Ressourcenverschwendung beim minen und der irre kleine Durchsatz an Transaktionen (ca. 7 pro Sekunde). Selbst eine Verdoppelung der Blockgrößen würde hier nur bedingt abhilfe schaffen. Die Sorgen für die mittlerweile unsinnig hohen Transaktionskosten.

    "Es ist immer ein Fehler in etwas zu investieren, das man nicht versteht, nur weil andere Leute damit Geld gemacht haben." Wird aber schön gehypt. Hier auch...

    Was eigentlich so ein Block ist und was das mit Ketten zu tun hat, ist hier auch Banane....
  • Marcder1510

    #3

    ja
  • PP1king

    #4

    Ich persönlich halte auch ein politisches Risiko für gegeben.
    Wenn ein großer Teil der Transaktionen anonym über Bitcoins abgewickelt wird könnten einige Regierungen eine Gefahr im Bitcoin sehen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegen Bitcoins vorgehen.
    Wenn der Bitcoin eine Ersatzwährung ähnlich wie Gold bleibt bin ich bei der Entwicklung des Bitcoins sehr optimistisch.
  • Faultier911

    #5

    @2 wieso behaupten immer wieder Leute wie du das aus der Finanzbranche Geld in Bitcoin inverstiert wird?

    Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller hat erst vorgestern gewarnt: "Bitcoin wird total kollabieren"
    https://www.n-tv.de/wirtschaft/wirtschaft_der_boersen_tag/Bitcoin-wird-total-kollabieren-article20240788.html

    Selbst der Dümmste Bankazubi würde da nicht inverstieren!
  • Faultier911

    #6

    und bitte erzählt nun nicht, dass ihr glaubt schlauer zu sein als ein Nobelpreisträger ;)
  • pizzammhm

    #7

    Es gibt faktisch keinen Wirtschaftsnobelpreis. Ergo ist er auch kein Nobelpreisträger. Ohne seine Intelligenz jetzt bewerten zu wollen, oder deine, aber der ganze unreflektierte und auf Halbwissen basierende Hate nervt.
  • Sulu

    #8

    @5: "Bitcoin wird total kollabieren" Das Zitat ging noch weiter. "Andererseits habe er sich noch nicht abschließend eine Meinung gebildet. Ebenso könne der Bitcoin auch noch in 100 Jahren da sein." https://www.cnbc.com/2018/01/19/bitcoin-likely-to-totally-collapse-nobel-laureate-robert-shiller-says.html

    @4: China will da ja im Moment eingreifen, weil die Energiebefar bei Bitcoin riesig ist. Je nach Quelle 0,14% des weltweiten Strombedarfs. Ob nun noch Faktor 3 mehr oder weniger ist recht egal.
    So anonym, wie alle fälschlicher weise glauben, ist der Bitcoin nicht. Alle jemals getätigten Transaktionen sind öffentlich auf der Blockchain einsehbar. Das macht den Bitcoin aus. Nur steht auf der jeweiligen Bitcoinadresse kein Name etc. drauf. Von wo nach wo Überweisungen gingen. Lässt sich nachvollziehen. D.h. Sobald Du Kontakt mit der realen Welt hast, ist es mit der Anonymität vorbei.
  • Faultier911

    #9

    @7 du sprichst voon Halbwissen und schreibst es gibt keinen Wirtschaftsnobelpreis ... um dein Halbwissen zu beseitigen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred-Nobel-Ged%C3%A4chtnispreis_f%C3%BCr_Wirtschaftswissenschaften
  • pizzammhm

    #10

    Du hast wohl deinen eigenen Link nicht gelesen. Aus dem Inhalt geht klar hervor, dass es kein offizieller Nobelpreis ist. Imo aber auch belanglos, da das Zitat eh aus dem Zusammenhang gerissen wurde, wie #8 schon gepostet hat.