Die Urteilsbegründung im Steuerprozess um Eddy Scharf

Die ausführliche Urteilsbegründung durch das Finanzgericht Köln liegt vor. Eddy Scharf hat demnach mit seiner Pokertätigkeit einen Gewerbebetrieb unterhalten und die Turnierergebnisse durch sein Können beeinflusst.

Die freie juristische Datenbank Openjur.de hat inzwischen die Urteilsbegründung im Fall des Rechtsstreits Eddy eddyscharf Scharf gegen das Finanzamt Köln vorliegen. Das Urteil erging am 31. Oktober 2012, auch PokerStrategy.com berichtete.

Das Urteil ist deshalb besonders interessant, weil erstmals ein deutsches Gericht entschieden hat, dass Gewinne von Turnierpokerspielern einkommensteuerbar sind.

Ist Poker ein Glücks- oder Geschicklichkeitsspiel?


Eddy Scharf
Eddy Scharf argumentierte, dass Poker ein Glücksspiel sei und entsprechende Gewinne deshalb nicht zu versteuern sind. Aufgrund der wenigen offenen Spielkarten beim Poker könnten nur sehr eingeschränkt zuverlässige Vorhersagen über die Karten der Mitspieler getroffen werden.

Er verwies außerdem auf Urteile der "ordentlichen, verwaltungsrechtlichen und strafrechtlichen Rechtsprechung", wo Poker bereits als Glücksspiel eingestuft wurde. Deshalb sei im Sinne der "Einheitlichkeit der Rechtsordnung auch im Steuerrecht keine andere Entscheidung möglich."

Dass Poker ein Glücksspiel sei, ändere sich auch nicht durch die mediale Berichterstattung darüber und dass "suggeriert wird, dass hier Einflussmöglichkeiten bestünden. Die Außenwahrnehmung ist insoweit verzerrt."

Urteil

Das Finanzgericht Köln widersprach diesen Argumenten. Die Pokergewinne von Eddy Scharf hingen "wesentlich und überwiegend" von seinen Fähigkeiten ab.

Die Urteilsbegründung zitiert mehrere wissenschaftliche Studien, wobei "teilweise ein leichtes, teilweise ein deutliches Überwiegen" des Geschicklichkeitsfaktors festgestellt worden sei. Poker liege im Kontinuum zwischen Glücks- und Geschicklichkeitsspiel.

Die zivil- und verwaltungsrechtliche Rechtsprechung, auf die auch Eddy Scharf verwies, gehe dabei abstrakt von den Fähigkeiten eines durchschnittlichen Spielers aus. Für die Frage der Besteuerung müsse man davon jedoch abrücken und "aufgrund der individuellen Gegebenheiten des Einzelfalles" entscheiden.

Eddy Scharf sei kein Durchschnittsspieler. Er verfüge über besondere Fähigkeiten, die ihn von einem Durchschnittsspieler abheben. Der Flugkapitän könne durch seinen Beruf "auch schwierigere Wahrscheinlichkeitsberechnungen" erstellen und besitze außerdem psychologische Kenntnisse, die den Erfolg bei Pokerturnieren "überwiegend von seinem Geschick" abhängig machen.

Liegt ein Gewerbebetrieb vor?

Finanzgericht Köln
Finanzgericht Köln
Eddy Scharf behauptete, er habe das Pokern nur als Hobby betrieben. Er habe durchschnittlich lediglich 3,5 Stunden pro Woche Poker gespielt und dabei letztlich auch Verluste erzielt. Die "Hendon Mob Poker Database" sei als Nachweis seiner Einkünfte ungeeignet und inkorrekt.

Eine Gewinnerzielungsabsicht sei deshalb zu verneinen. Zudem fehle es auch an der notwendigen Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr, beides mithin Voraussetzungen für einen Gewerbebetrieb.

Urteil

Das Finanzgericht Köln urteilte hingegen, dass die "Hendon Mob Poker Database" verwertbare Anhaltspunkte "für die Erfolge von Eddy Scharf, die gespielten Turniere, seine erhaltenen Preisgelder und die gespielten Pokervarianten" gibt.

Eddy Scharf habe zwar die Liste angezweifelt und auf ihre Manipulierbarkeit hingewiesen, jedoch "nie substantiiert bestritten, an den dort gelisteten Turnieren teilgenommen zu haben." Dass Ergebnisse aus nicht gelisteten Turnieren insgesamt negativ seien, "hat der Kläger nicht nachvollziehbar dargelegt".

Das Gericht urteilte auch, dass Eddy Scharf "aufgrund seiner Fähigkeiten ein auch international herausragender Pokerspieler" sei und den Hobbybereich "lange überschritten" habe. Das belegten auch die zum Teil hohen Antrittsgelder für Turniere und die erheblichen Reisekosten zu diesen Veranstaltungen.

Nach Ansicht des Finanzgerichts beteiligte sich Eddy Scharf außerdem am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr, indem er "seine spielerischen Fähigkeiten als Dienstleistung gegenüber dem Veranstalter bei Pokerturnieren öffentlich darbot."

Eddy Scharf hat die Möglichkeit gegen das Urteil in Revision zu gehen.

PokerStrategy.com-Forum: Eddy Scharf - Strategen im Strampelanzug

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von Volker Rueß

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Kommentare (36)

Neueste zuerst
  • wertus100

    #1

    1.
  • JollyRoger183

    #2

    first
  • JollyRoger183

    #3

    dammit
  • amayaner

    #4

    Germany, are you fucking mad? "seine spielerischen Fähigkeiten als Dienstleistung gegenüber dem Veranstalter bei Pokerturnieren öffentlich darbot."

    Wie kann man seine eigene Wahrnehmung eigentlich so vernebeln? Naja, Hauptsache das FA bekommt sein Geld nicht wahr?

    Schöne Grüße an einige HS Spieler die in unserem Land wohnahft sind und viel Spaß in der Zukunft, da werden einige Personen "involviert". ;) ;) ;)
  • SolidSilver

    #5

    total konfus
  • unbreak

    #6

    nächste instanz wird das schon alles für eddy regeln (hopefully :D)
  • Cahara

    #7

    Was haben eigentlich alle?
    Sie haben ihn halt hart an den Eiern und das zu recht.
    Das einzige Problem ist einfach, dass sie nur nach seinen Gewinnen gehen, nicht nach seinen Verlusten.
    Wenn er also eine Million gewann, aber auch 900k verlor hat er nur 100k Gewinn. Nun soll er aber Steuern auf die 1 Million zahlen und nicht auf die 100k, dass ist das Problem.

    Er versucht sich halt einfach dreist rauszulügen und es ist gut, dass das nicht klappt.
  • Toerke79

    #8

    Und der Richter so: "Verarschen kann ich mich selber, du Tünnes."
  • buccaneers

    #9

    Eddy Scharf ist einfach selber Schuld. Er hätte wissen müssen, dass das FA irgendwann mal versuchen wird, an das Geld zu kommen. Es gibt zu viele Alternative heutzutage. Er war einfach naiv und dumm. Dass er eben auch ein bisschen bekannter war als andere HS Pokerspieler half sicherlich nicht. Sry für ihn aber ich find das Urteil gerecht. Seine Aussagen waren halt einfach lächerlich, auch wenn er zu 100% sowieso nicht dazu steht, eben nur reine Taktik.
  • PHPNick

    #10

    Heißt das die Pisser gucken jetzt täglich mal beim HendonMob nach ob en deutscher was gewonnen hat und lassen den dann zahlen?
    Hört sich imo nicht so fair an, wenn die Verluste mal sauber weggelassen werden...
  • Zugwat

    #11

    KKTHXBB ich mag Eddy kein Stück
  • pennyyy

    #12

    Angenommen ich wäre ein random Deutscher der (egal ob for a living oder nicht) jeden monat paar Kröten mitnimmt.

    Anscheinend ist das ja von Fall zu Fall unterschiedlich ob das jetzt den Hobbybereich "überschritten" habe oder nicht.

    Muss ich da jetzt zu nem Gericht gehen und sagen "hey Leute, Könnt ihr meinen Fall mal analysieren, kann euch mal die HHs der letzten 4 Jahre zukommen lassen.". Machen die das dann und besteuern mich dementsprechend oder wie?

    Zählt das dann ab ner bestimmten Gewinnsumme/Monat und wer bestimmt das?


    Und wird Eddy jetzt echt einfach nach seinem Hendonmob Umsatz besteuert?
  • suitedeule

    #13

    ueberdenkt ps.de jetzt vielleicht mal results einer member hier im daily rewind zu posten? denke da duerften einige nicht besonders erfreut drueber sein... (denke nciht,d ass das mit den beteiligten abgesprochen ist)
  • xsascha89x

    #14

    Da kann man ja leicht zum losingplayer werden, wenn man shares verkauft, doch auch auf diese steuern zahlen muss. oO
  • YoBaByYo

    #15

    Ich hab das jetzt nicht sooo verfolgt, aber haben nicht einige geschrieen, dass es gut wäre, wenn so geurteilt werden würde, da dann Poker als Geschicklichkeitsspiel anerkannt werden müsste und somit legal, wenn auch steuerpflichtig?
  • ItseMeMario

    #16

    "Das belegten auch die zum Teil hohen Antrittsgelder für Turniere und die erheblichen Reisekosten zu diesen Veranstaltungen."

    Seit wann ist der betrag den man bereit ist zu zahlen aussagekräftig aussagend darüber ob es ein hobby oder mehr ist, so eine schwachsinnsbegründung.

    Sag das mal den Fishen in Macao.

    hätt sich eddy mal von Denny Crane vertreten lassen, der hätte das schon gemacht
  • Migaloo

    #17

    Eddy hat wohl i.d.T. keinen guten Anwalt...
  • Raggamann

    #18

    @16:
    es geht dabei doch ums verhältnis zu dem was du durch deinen eigentlichen beruf verdienst. die typischen macau highroller verdienen wohl deutlich mehr geld als z.B. eddy scharf
  • CMB

    #19

    Was deutsche Finanzgerichte urteilen das war, ist und bleibt oftmals einfach nur krank. Das ist unabhaengig vom Thema Poker.
  • devonmiles85

    #20

    @Cahara. Du hast es nicht verstanden. Der Skandal ist, dass das Gericht behauptet, dasss Poker für Herrn Scharf ein Geschicklichkeitsspiel ist und für viele andere nur ein Glückspiel.
  • SniffvsSnaf

    #21

    Einfach nur haarsträubend das ganze - sowohl Eddys Line als auch große Teile der Urteilsbegründung...

    Rechtsstaat muhahahaha
  • lui69

    #22

    naja, die Urteilsbegründung ist schon okay.. allerdings ist es absolut sche*** und absolut nicht nachvollziehbar, dass als Grundlage der Besteuerung sone komische Datenbank genommen wird ..
  • limpinbarney

    #23

    @16 Finde ich auch verwirrend. Wenn man so den Posts von Eddy Glauben schenken mag, dann hat er fast 20k brutto als Pilot verdient (afaik auf Langstrecke mit altem Vertrag nicht utopisch). Wieso sollten Buyins von 5k oder sogar 10k jetzt nicht hobbymäßig sein? Muss man ja prozentual vom Einkommen sehen. Gibt genug Leute, die entsprechende Anteile von ihrem Gehalt ins Auto usw. stecken.
    btw
    Die Antrittsgelder sind wohl FullTilt Moneyz. Was soll das sonst sein?!
  • Django3

    #24

    Was mich wirklich interessieren würde ist eher, ob er nun als offizieller Profispieler auch seine Buy-ins, Anreisekosten und Unterbringung von der Steuer absetzen kann... wäre ja nur konsequent.
  • krush22

    #25

    ja kann er...
  • KingJames

    #26

    @23 stimme dir voll zu
  • Shiney

    #27

    Schluß mit dem Sozialschmarotzertum der deutschen PokerPros!!

    PRO STEUERN!
  • Raggamann

    #28

    @23:
    dann hätte er sich wohl besser als spielsüchtig darstellen sollen, sonst kann man sowas kaum glaubhaft vermitteln.
  • nacl

    #29

    Viel Glück in der Revision. Alles gute Eddy
  • backspin55

    #30

    also wenn das gericht einfach so sinnlose begründungen anbringen kann und damit durch kommt dann würde ich mal den anwalt wechseln. es gibt sicherlich welche die wissen wie man sinnvoll schwachsinnige annahmen des gerichts widerlegt.
  • Acidbrain

    #31

    Durch seinen Beruf als Pilot kann Eddy auch "schwierigerer Wahrscheinlichkeitsberechnungenerstellen und besitze außerdem psychologische Kenntnisse"...demzufolge ist er also als Pro einzustufen.Geht man gar keinem Beruf nach und spielt man fulltime poker ist man wohl auch Pro.
    Fragt sich welchen Beruf man ausüben muss damit einem die oben genannten Fähigkeiten abgesprochen werden.
    Wahrscheinlich bleibt da Richter am Finanzgericht
  • EilatOne

    #32

    der pokerweltmeister hats richtig gemacht ... ausgewandert
  • Dilas

    #33

    Wäre es nicht endlich an der Zeit, Eddy hier wieder selbst zu Wort kommen zu lassen und den Bann aufzuheben ?

    Sy, ps.de aber was ihr mit Eddy veranstaltet ist eines pokerforums unwürdig...
  • DELETEDM_316938

    #34

    Ich denke das Urteil ist unterm Strich zu begrüßen. Noch 2-3 solcher Urteile und es kann wohl kaum noch behauptet werden, dass es sich dabei um ein Glücksspiel handelt. Damit wäre Pokern wenigstens legal.
  • Schlingel69

    #35

    @34 das suspekte darin ist das seit gast 20 Jahren das BFH Poker NICHT als Glücksspiel wertet
    Auszug aus Urteilsbegründung
    Poker sei - auch im Lichte des BFH-Urteils vom 11.11.1993 (XI R 48/91, BFH/NV
    1994, 622) - ein Geschicklichkeitsspiel. Hierfür spreche auch, dass es &8222;Pokerschulen&
    8220; mit &8222;Spielanalysen&8220; gebe, an denen auch der Kläger
    mitwirke. Dies belege, dass es für das erfolgreiche Pokerspiel auf den Erwerb
    von Techniken, Kenntnissen und Fähigkeiten ankomme. Zitat Ende
    Also merke unterscheide Finanzgerichte mit der normalen Rechtsprechung :D
  • DeinENDE

    #36

    @16 this! Denny Crane ftw!