Erklärt: Warum lassen sich gute Spieler staken?

Wieso lassen sich so viele professionelle Pokerspieler finanziell von anderen unter die Arme greifen, wenn sie große Turniere wie das WSOP Main Event spielen wollen?

hellmuth poker
Warum müssen die großen Jungs überhaupt gestaket werden?

Jeden Tag treffen viele neue Spieler bei PokerStrategy.com ein, daher müssen wir berücksichtigen, dass manch eine Diskussion von erfahrenen Spielern wie Kauderwelsch auf Neulinge wirken kann. Wenn also eine Story in der Pokerszene Schlagzeilen macht, die nur für fachkundige Spieler Sinn ergibt, versuchen wir das Ganze in einem Artikel für Neulinge verständlicher zu erklären.

Vor einigen Wochen hatten wir aus gegebenem Anlass erklärt, was ein Markup beim Staken von Pokerspielern ist. Vielleicht hätten wir zunächst aber erst einmal erläutern sollen, warum so viele professionelle Pokerspieler überhaupt auf Staking zurückgreifen. Viele Neulinge sind sehr überrascht, wenn sie erfahren, wie viele Profispieler eigentlich mit dem Geld von anderen Leuten spielen. Es ist ein Element des Spiels auf höchstem Niveau, das ein bisschen in die Richtung "Herausfinden, wie die Wurst eigentlich gemacht wird" geht, und Highstakes-Poker dadurch sicherlich auch etwas entzaubert.

Aber es gute Gründe als Spieler gestaket an die Tische zu gehen, selbst wenn man zu den Besten gehört und eigentlich über genug eigenes Geld verfügt. Primär geht es dabei darum, der Varianz so effektiv wie möglich zu begegnen. Der Glücksfaktor, insbesondere bei großen Turnieren, ist sicherlich einer der am schwierigsten zu bewältigenden Aspekte, mit denen man sich als professioneller Pokerspieler auseinandersetzen muss. Staking hilft den Einfluss von Glück auf unterschiedliche Weise abzuschwächen.

Der Einfluss von Glück und Pech

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Beim Live-Poker gleichen sich Glück und Pech nicht zwangsläufig aus

Bei Live-Turnieren, wo die Spieler mit Abstand am häufigsten gestaket an den Start gehen, sieht es so aus, dass unabhängig vom eigenen Vermögen an den Tischen am Ende das Glück den ultimativen Ausschlag über das Gesamtabschneiden geben kann. Das liegt schlichtweg daran, dass man in seinem Leben niemals genügend Live-Turniere spielen kann, um sicherzustellen, dass die tatsächlichen Ergebnisse so gut wie möglich die eigenen Fähigkeiten widerspiegeln. Online kann man locker zehn Turniere an einem Abend spielen und hätte innerhalb weniger Monate eine Samplesize erreicht, die groß genug ist, um zu bestimmen, ob man auf dem jeweiligen Limit mithalten kann oder nicht. Live kann man jedoch im Optimalfall nur ein paar Turniere pro Woche spielen und viele MTT-Regulars sind überzeugt, dass tausende Turniere notwendig sind, um eine verlässliche Aussage darüber zu treffen, wie man langfristig dabei abschneidet. Eine solche Menge kann man nur im Verlauf einer gesamten Karriere erreichen.

Für jeden Spieler ist es zudem mental äußerst fordernd mit der Varianz beim Poker klarzukommen. Wenn man alles richtig macht und trotzdem verliert und verliert, kann das sehr an den eigenen Kräften zehren. Fügt man der Gleichung dann auch noch den Verlust des eigenen Geldes hinzu, sollte klar sein, warum so viele talentierte Spieler eine Poker-Laufbahn bereits in ihren Anfängen an den Nagel hängen, obwohl sie es eigentlich hätten weit bringen können. Den Druck zu beseitigen, dass man sein eigenes Geld riskiert, verhindert zwar nicht vollends die mentalen Schwierigkeiten, mit denen man als Pokerspieler umgehen können muss. Es kann sie jedoch so weit abschwächen, dass sie keinen so starken Einfluss mehr haben. Wobei sich beim gestakten Spielen wiederum auch andere mentale Probleme ergeben können.

Einige Spieler sehen in Staking auch einen Weg, um die nötige Disziplin für eine erfolgreiche Pokerkarriere zu erzwingen. Sie haben entweder Probleme damit, die eigenen Bankroll vernünftig zu managen oder überhaupt Motivation zum Spielen zu finden. Staking befördert sie dabei in ein Mindset, als würden sie einem normalen Berufsalltag nachgehen, der sie letztendlich zwingt, sich professionell zu verhalten.

Der Weg zu den größten Turnieren

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Staking ist häufig der Weg zu den größten Turnieren

Die logische Frage, die sich nun stellt, ist natürlich, warum Spieler nicht einfach auf niedrigeren Limits aber dafür 100% für sich selbst spielen? Warum überhaupt Anteile an größeren aber dadurch vermutlich auch tougheren Partien verkaufen?

Die Antwort ist, dass man davon ausgeht, dass das Turnier mit dem höheren Buy-in trotzdem insgesamt profitabler ist, vielleicht weil dort zum Beispiel mehr Hobbyspieler unterwegs sind. Das beste Beispiel ist das WSOP Main Event, ein Turnier mit einem Buy-in von $10.000 das jedes Jahr zahlreiche Leute anzieht, die einfach einmal im Leben dabei sein wollen. Nur wenige Pokerspieler haben eine Bankroll, die groß genug ist, um $10.000-Turniere zu spielen. Aber das Turnier ist derart attraktiv, was die Stärke der meisten Teilnehmer betrifft, dass man versucht, trotzdem einen Weg in das Event zu finden. Gleichermaßen hat eigentlich nur eine exklusive Auswahl an sehr wenigen Spielern eine Bankroll, die für $100.000 Super High Roller ausreicht. Aber selbst wenn man es nur zu einem Mincash bei diesen Turnieren bringen kann und dabei nur wenige Anteile an seinem Preisgeld hält, ergibt sich ein Zahltag, der es in sich hat.

Zusammengefasst lassen sich gute Spieler also staken, damit der Glücksfaktor insgesamt abgeschwächt wird und sie Partien spielen können, die vermutlich profitabler sind, die sie ohne Staking jedoch nicht spielen könnten. Das macht in vielerlei Hinsicht Sinn für einen professionellen Spieler, dennoch bleibt Staking auch ein zweischneidiges Schwert. Viele der großen Skandale der Pokerszene drehen sich um schlechte Stakingdeals, die aus unterschiedlichen Gründen zu Problemen zwischen den Beteiligten geführt haben. Zudem kann Staking genauso viele mentale Probleme verursachen, wie es lösen kann. Es ist zwar ein weit verbreitetes Vorgehen beim Poker, aber man sollte deshalb nicht glauben, dass Staking den einfachen Weg darstellt. Wie bei allen Faktoren muss man auch diesen Aspekt des Spiels professionell angehen.

Gibt es andere Pokerthemen, auf die ihr immer wieder trefft, die ihr jedoch überhaupt nicht versteht? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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Kommentare (4)

Neueste zuerst
  • CMB

    #1

    Fuerst, auch am Sonntag
  • CptJokerFish

    #2

    LOL MTTs omg bin gerade in einem MTTs sind so langweilig kp wieso ich mich überhaupt registriert habe omg.
  • Rokko90

    #3

    wusst ich schon .
  • RikudouSennin

    #4

    Erklärt: Weil schlechte Spieler kein Staking kriegen.