Erklärt: Warum sollte man nicht slowrollen?

In unserem nächsten Guide für neue Spieler zu den Nuancen von Poker erläutern wir, warum ein Slowroll zu den großen Tabus am Pokertisch gehört.

Jeden Tag treffen viele neue Spieler bei PokerStrategy.com ein, daher müssen wir berücksichtigen, dass manch eine Diskussion von erfahrenen Spielern wie Kauderwelsch auf Neulinge wirken kann. Wenn also eine Story in der Pokerszene Schlagzeilen macht, die nur für fachkundige Spieler Sinn ergibt, versuchen wir das Ganze ab jetzt in einem Artikel für Neulinge verständlicher zu erklären.

Nach einem Rekordduell über zehn Stunden war es keine allzu große Überraschung, dass auch die finale Hand im Heads-up des WSOP Main Event eine Weile gedauert hat. Direkt im Anschluss wurde dem neuen Champion jedoch Slowrolling vorgeworfen, das heißt, er soll sich zu viel Zeit für einen Call genommen haben, der ohne große Umschweife eigentlich sofort erfolgen sollte.

Anschließend gab es in der Pokercommunity zahlreiche Diskussionen darüber, ob John Cynn tatsächlich geslowrollt hätte. Der Mann, der sich als erster darüber beschwerte, Heads-up-Gegner Tony Miles, hatte im Nachhinein bereits einen Rückzieher gemacht und sich bei Twitter für seinen Vorwurf entschuldigt:

Offensichtlich ist ein Slowroll beim Poker aber nicht gern gesehen. Das geht sogar so weit, dass jemand, der gerade $5.000.000 gewonnen hat und eigentlich die große Partysause starten sollte, sich im Eifer des Gefechts zunächst einmal darüber echauffiert. Warum ist ein Slowroll beim Poker also solch ein Tabu?

Verzögern, obwohl man gewonnen hat

Beim Slowrollen lautet der Vorwurf, dass man sich zu viel Zeit für einen Call nimmt mit der bestmöglichen Hand oder einer Hand, die im Grunde genauso stark ist. Dabei ist der verzögerte Call die abschließende Aktion der Hand, das heißt keine weiteren Spieler sind im Anschluss noch an der Reihe. Wenn man sich selbst mit den Nuts Zeit für seine Entscheidung nimmt, weil noch Spieler hinter einem an der Reihe sind und noch setzen könnten, spricht man nicht von einem Slowroll, da man in solch einem Fall auch mit dem Timing seiner Aktion noch taktieren kann.

Beendet man jedoch eine Hand mit seiner Aktion (wenn zum Beispiel der letzte verbleibende Gegner zuvor All-in gegangen ist), gibt es keinen Anlass für weitere Täuschungsmanöver. In einem Spiel, das normalerweise von Irreführung dominiert wird, gibt es also einen seltenen Punkt, an dem man schlichtweg transparent agieren sollte. Je länger man mit seiner Entscheidung wartet, desto mehr bestärkt man den Gegner in dem Gefühl, dass man noch folden könnte oder er tatsächlich die beste Hand hat. Mit einem Slowroll gibt man seinem Gegenüber also ein falsches Gefühl der Hoffnung und spannt ihn unnötig auf die Folter.

Meistens sieht man einen Slowroll daher auch, wenn jemand absichtlich einen anderen Spieler am Tisch verärgern und provozieren will. Wahrscheinlich haben die meisten von uns schon einmal einen Slowroll gegen jemanden ausgepackt, der in der Chatbox zuvor die Sau raus gelassen hatte. Unter Freunden kann man einen Slowroll natürlich auch als harmlose Neckerei bringen, bei dem man seinem Gegenüber nichts Böses will. Wichtig ist jedoch, dass in solch einem Fall tatsächlich jeder mit dem "Scherz" leben kann.

Im Gegensatz dazu steht diese Hand, bei der sich Deeb und seine Freunde mit Slowrolls neckten, Mike Matusow das Ganze jedoch nicht bewusst war:

Ob man tatsächlich slowrollt, ist manchmal schwer zu erkennen, vor allem wenn man ohnehin eine sehr tighte Spielweise hat. Es ist gut möglich, dass man sich Zeit für eine Entscheidung nimmt, die für andere Spieler eigentlich ein Snapcall ist. Das könnte durchaus der Fall im Main Event gewesen sein, denn gegen AK, KQ, K5 und 55 hätte Cynn noch verlieren können. Es ist also denkbar, dass er noch einmal genau überprüfen wollte, ob diese Hände möglicherweise doch noch in der Range von Miles liegen könnten.

Wahrscheinlich hat Cynn aber weder geslowrollt noch supertight agiert. Der längste Final Table in der Main-Event-Geschichte mit einem zehnstündigen Heads-up lag hinter ihm und beim fälligen Call ging es um knapp $4 Millionen. Da hätte vermutlich fast jeder von uns sich noch einmal die Zeit genommen, um auf Nummer sicher zu gehen, auch wenn es sehr frustrierend für den Gegner werden könnte.

Ein Slowroll ist also lediglich verwerflich, wenn man weiß, dass man die beste Hand hat und sich nur zusätzlich Zeit nimmt, um den Gegner zu provozieren. Poker ist zwar ein Spiel, bei dem wir ständig versuchen, dem Gegenüber etwas vorzumachen, aber auch nur weil es notwendig ist. Ist das nicht der Fall und tut man es dennoch, ist man lediglich ein Arschloch.

Es sei denn man ist dieser Typ. Dann ist es wiederum doch einfach nur lustig:

Gibt es andere Pokerkonzepte, über die ihr gestolpert seid, die ihr jedoch überhaupt nicht versteht? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

Weitere Artikel

Diese Seite teilen

Kommentare (3)

Neueste zuerst
  • CptJokerFish

    #1

    Ich slowrolle gerne wenn ich tiltet bin. :-D
  • RikudouSennin

    #2

    Shaun Deebs slowroll war echt eklig. Wie der Dicke sich freut..
  • lagavulin16y

    #3

    wo ist das denn bitte slowroll im WSOP Main?