Erklärt: Was ist ein Make-up beim Poker?

Es geht nicht etwa um Lippenstift oder Eyeliner, heute erklären wir den Neulingen unter euch vielmehr, wie ein Stakingdeal verläuft, wenn der gestakte Spieler einen Verlust einfährt.

Jeden Tag treffen viele neue Spieler bei PokerStrategy.com ein, daher müssen wir berücksichtigen, dass manch eine Diskussion von erfahrenen Spielern wie Kauderwelsch auf Neulinge wirken kann. Wenn also eine Story in der Pokerszene Schlagzeilen macht, die nur für fachkundige Spieler Sinn ergibt, versuchen wir das Ganze in einem Artikel für Neulinge verständlicher zu erklären.

Konflikte rund um Staking gibt es in der Pokerszene immer wieder. Wenn man als Backer oder gestakter Spieler genau das vermeiden will, gilt es, alle möglichen Szenarien vor Abschluss eines Deals zu klären. Genau dazu kam es vor einer Weile nämlich nicht zwischen Cate Hall und Chad Power, was zu einer sehr bitteren öffentlichen Schlammschlacht führte. Hall wurde dabei von Power gestaket und hatte zum Zeitpunkt, als sie sich entschied, ihre Pokerkarriere an den Nagel zu hängen, ein Make-up von $60.000 angehäuft. Beim Streit ging es darum, ob sie verpflichtet sei, die $60.000 an Verlusten auszugleichen oder ob das Ende ihrer Karriere schlichtweg bedeutet, dass beide Parteien akzeptieren müssen, dass es ein Deal war, der einfach keinen Ertrag abgeworfen hat.

Man kann auf unterschiedlichste Weise einen Stakingdeal im Bereich Poker abschließen. Der einfachste Weg ist wohl der Verkauf von individuellen Shares in einem einzelnen Turnier. Die Investitionen werden als einmalig angesehen und abgeschrieben, wenn kein Gewinn im jeweiligen Event herausgesprungen ist. Es gibt jedoch auch langfristige Deals, bei denen jemand eine gesamte Bankroll gestellt bekommt und damit spielen kann, als wäre es die eigene. Springt unterm Strich dabei jedoch nur ein Verlust heraus, befindet sich der gestakte Spieler in einem Status genannt Make-up.

Das Make-up ist dabei im Grunde die Höhe des Verlusts, den ein gestakter Spieler aktuell zu verbuchen hat. Der offene Betrag wird im Falle anschließender Gewinne zunächst an den Backer zurückgezahlt, bevor beide Parteien letztendlich überhaupt Profit einfahren können. Sagen wir zum Beispiel jemand deckt euren Shot auf die $10-Turniere mit einem 50/50-Deal, ihr verliert jedoch direkt zu Beginn die ersten $200 an Buy-ins. Folgt im Anschluss ein Turniergewinn von $100, gehen diese in voller Höhe an den Backer, ohne dass ihr euren $50-Anteil erhaltet. Zugleich bleibt auch noch ein Minus von $100 offen.

Seid ihr zu Beginn $200 down und gewinnt dann plötzlich $600 auf einen Schlag, gehen $200 an den Backer für den anfänglichen Verlust, bevor es anschließend den ausgehandelten 50/50-Anteil von jeweils $200 für beide Parteien gibt. Das sollte im Endeffekt jedem einleuchten, denn das Staken von Spielern würde schlichtweg keinerlei Sinn ergeben, wenn man seine Verluste nicht wieder reinholen könnte, bevor der unterstützte Spieler Profit macht.

Man ist nicht mehr sein eigener Chef

Make-up ist eine Seite von Poker, die neue Fans des Spiels selten sehen. Viele wären sogar überrascht, wenn sie wüssten, wie viele bekannte Spieler der großen Live- und Online-Turnierszene aktuell ein Make-up abspielen. Praktisch gesehen ist es nichts anderes, als gerade mit seiner eigenen Bankroll im Down zu stecken. Es gibt jedoch auch entscheidende Unterschiede, vor allem die Tatsache, dass man nicht mehr wirklich sein eigener Chef ist.

Das Problem ist, dass man dem Backer gegenüber finanziell verpflichtet ist. Für gewöhnlich gibt es daher nur vier Optionen, die man hat, um aus einem Make-up herauszukommen: Man fängt an, Profit an den Tischen zu machen. Man begleicht seine Schulden abseits des Einkommens durch Poker. Der Backer zieht sich trotz Verlust aus dem Deal zurück. Oder man beendet schlichtweg seine Pokerkarriere für immer. Es gilt hingegen als schwerwiegender Verstoß gegen die Etikette der Szene, wenn man sich mit noch offenem Make-up bei einem anderen Backer verschuldet oder für sich selbst weiterspielt und keine Gewinne mehr abtritt. Da der Backer das gesamte Risiko auf sich nimmt, wird vom gestakten Spieler erwartet, dass er loyal ist.

Genau hier liegt die Wurzel des Problems zwischen Hall und Power. Die Leute auf der Seite von Power sind überzeugt, dass man auch im Falle eines Karriereendes einen Verlust beim Backer begleichen sollte, da ansonsten jeder einen Versuch mit Staking wagen und bei negativem Ausgang einfach quitten könnte. Die andere Meinung, vertreten von einer Mehrheit der Spieler, ist jedoch, dass das Backen von Spielern grundsätzlich eine Risikoinvestition ist und man darauf vorbereitet sein sollte, auch mal Geld zu verlieren. Wenn der gestakte Spieler verpflichtet wäre, seine Schulden zu begleichen, auch wenn es einfach nicht läuft, dann wäre es letztendlich nur ein Kredit und kein Stakingdeal. Als gestakter Spieler ist man dem Backer gegenüber verpflichtet, solange man noch spielt. Geht man jedoch seiner Wege, weil die Karriere schlichtweg nicht anspringen wollte, fällt diese Verpflichtung weg.

So bleibt zum Abschluss nur noch einmal zu sagen, dass man vor dem Abnicken eines Stakingdeals immer sämtliche denkbaren Szenarien besprochen und abgeklärt haben sollte, wenn möglich immer schriftlich. Wer noch Zweifel hat, wie er sich richtig absichern kann, sollte einen Blick in die Foren werfen und schauen, was es beim Staking allgemein zu beachten und zu vermeiden gilt. Beispiele davon gibt es in der Pokerszene zur Genüge.

Gibt es andere Pokerkonzepte, über die ihr gestolpert seid, die ihr jedoch überhaupt nicht versteht? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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Kommentare (3)

Neueste zuerst
  • CptJokerFish

    #1

    lol spinlegends
  • Spielstephan

    #2

    Es ist immer gut, wenn man den vielen neuen Spielern, die täglich hier eintreffen alles genau erklärt.
  • Oger88

    #3

    #2 :) :)