Erklärt: Was ist eine DDoS-Attacke beim Poker?

Nachdem kürzlich einige große Pokernetzwerke mit DDoS-Angriffen zu kämpfen hatten, erklären wir neuen Spielern hier, warum diese überhaupt zum Ziel wurden.

Jeden Tag treffen viele neue Spieler bei PokerStrategy.com ein, daher müssen wir berücksichtigen, dass manch eine Diskussion von erfahrenen Spielern wie Kauderwelsch auf Neulinge wirken kann. Wenn also eine Story in der Pokerszene Schlagzeilen macht, die nur für fachkundige Spieler Sinn ergibt, versuchen wir das Ganze ab jetzt in einem Artikel für Neulinge verständlicher zu erklären.

Wenn ihr neu im Poker seid, werdet ihr wahrscheinlich primär auf den großen Seiten wie partypoker und PokerStars unterwegs sein. Viele werden auch wissen, was eine DDoS-Attacke ist. Wenn ihr schon länger online pokert, werdet ihr auch schon die eine oder andere Attacke auf einen Anbieter mitbekommen haben. Jeder, der letzte Woche gespielt hat, wird den jüngsten Angriff sicherlich vernommen haben. 

Eine 'Distributed Denial of Service (DDoS)'-Attacke ist der gezielte Versuch bestimmte Server in die Knie zu zwingen, sodass Kunden gewisse Angebote nicht mehr zur Verfügung stehen. Im Falle eines Pokeranbieters sind die Kunden dann nicht mehr in der Lage Hände zu spielen oder den Client überhaupt zu starten. Die Angreifer erreichen dies, indem sie für Unmengen an Traffic sorgen, beispielsweise über unzähliges Laden der Website des Anbieters. Irgendwann ist der Server durch die falschen Anfragen überlastet und kann diese nicht mehr bedienen.

DDoS-Attacken geschehen aus den unterschiedlichsten Motiven. Unter anderem gehen sie von Aktivisten aus (denn nicht wenige dieser Angriffe sind politisch motiviert). Im Poker und der Gamingindustrie geht es jedoch zumeist um das Finanzielle. Während einige glauben, dass die Anbieter sich so gegenseitig schaden wollen, ist es realistischer, dass Erpresserbanden dahinter stecken. Diese fordern Geld und bieten im Gegenzug den Stopp ihrer Attacken an (wobei es ohnehin Tage dauern kann, bis alles wieder normal läuft).

Pokerspezifische Probleme

ddos

Im Poker bereiten DDoS-Attacken dann noch ganz besondere Probleme, wie z.B. Overlays bei Turnieren. Startet ein Turnier mit einem garantierten Preispool von $1 Million, kann man durch einen DDoS-Angriff sorgen, dass beispielsweise nur $600.000 durch Buy-ins gedeckt wurden, da die Überlastung weitere Entries unmöglich macht. Muss das Turnier daraufhin abgebrochen werden, so werden die Spieler oft nicht nur anhand ihrer aktuellen Position ausgezahlt, sondern erhalten auch noch mehr Geld, da das zu kleine Feld in solch einem Fall für eine Inflation des Preispools gesorgt hat.

Bei einem nach dem Start abgebrochenem Turnier erhalten die Spieler oft eine Mischung aus ihrem Buy-in und dem ihnen zustehenden Anteil am Preispool, welcher auf Grundlage der Chips berechnet wird. Der derzeitige Chipleader wird sich also über einen hohen Betrag freuen können, erhält jedoch nicht die vorher ausgeschriebene Siegprämie. Da DDoS-Attacken häufig während Overlays passieren, beziehen einige Anbieter das Overlay nicht mit in die Kompensationszahlung ein.

DDoS-Attacken betreffen also vor allem Turnierspieler, doch auch Cashgames bleiben nicht gänzlich unberührt. Vor einigen Jahren soll ein Spieler bei Carbon Poker ständig Pötte gebildet und dann einen kleinen Bluff gespielt haben, um dann den Tisch durch eine DDoS-Attacke crashen zu lassen. Somit waren die Gegenspieler nicht mehr in der Lage eine Aktion zu tätigen und ihre Hand wurde nach Ablauf der Timebank automatisch gefoldet.

Aber auch einzelne Spieler können Opfer einer DDoS-Attacke werden. Kennt der Angreifer die IP-Adresse seines Gegners, kann er diesen dann ebenso mit Traffic überfluten. So kann man sich beispielsweise in einem Heads-up-Cashgame einen illegalen Vorteil verschaffen. Dies ist auch ein Argument dafür, warum man seine Screennames anonym halten sollte.

Denkt darüber nach, wo ihr spielt

online security

Als Spieler lässt sich an dieser DDoS-Problematik nicht viel ändern, dennoch kann man das Risiko durch Vorsicht reduzieren. DDoS-Attacken passieren viel häufiger in Netzwerken, welche in der ‘Grauzone’ agieren. Dies würde also Räume betreffen, deren Seriosität anzuzweifeln ist. Derzeit sind amerikanische Räume (außerhalb von Nevada, New Jersey und Pennsylvania) besonders gefährdet, da es keine legale Grundlage gibt. Es gibt also auch keine offiziellen Stellen, welche die Sicherheit dieser Anbieter testen. Vergleicht man dies mit Seiten wie PokerStars oder partypoker, welche in vielen Ländern legale Lizenzen halten, scheinen diese durch die zu erfüllenden Regularien doch deutlich sicherer.

Ebenso solltet ihr euch mit den AGB der Räume auskennen, um zu wissen, wie diese auf eine DDoS-Attacke reagieren und welche Maßnahmen ergriffen werden. Manche zahlen euch nach eurem Chipstack aus, andere zahlen nur das Buy-in zurück und wieder andere entscheiden sich für eine Mischform aus beidem. Es gibt keine Lösung, die für alle betroffenen Spieler immer fair ist, aber man sollte sich wenigsten darüber informieren, wie der eigene Anbieter reagiert, um ein böses Erwachen zu verhindern.

In den letzten Monaten gab es so einige DDoS-Storys zu berichten. Als neuer Spieler sollte man aber nicht davon ausgehen, dass dies vor allem ein dauerhaftes Problem im Poker ist. Die traurige Realität ist, dass DDoS-Attacken und unzureichender Schutz uns online im digitalen Zeitalter überall begegnen können. Auch Online-Pokerräume müssen härter an dieser Front arbeiten und ihre Prozesse transparenter gestalten, dies müssen aber alle, die sich in der virtuellen Welt bewegen.

Gibt es andere Pokerkonzepte, über die ihr gestolpert seid, die ihr jedoch überhaupt nicht versteht? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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Kommentare (6)

Neueste zuerst
  • CMB

    #1

    Fuerst, auch bei DDOS
  • Spielstephan

    #2

    hört sich gut an, mit den vielen neuen Spielern.........
  • CptJokerFish

    #3

    "Jeden Tag treffen viele neue Spieler bei PokerStrategy.com ein"

    Ist schon wieder der 1. April?
  • lagern

    #4

    "Jeden Tag treffen viele neue Spieler bei PokerStrategy.com ein"

    Dann wäre ja der richtige Zeitpunkt den Fokus auf Content, Forumsbelebung und attraktive Angebote zu richten. Für Leute die hier schon richtig lange sind wird das noch viel extremer sein, aber es erweckt den Eindruck als ob man dem Punkt entgegen geht an dem die Seite endgültig tot ist.
  • lagern

    #5

    "Jeden Tag treffen viele neue Spieler bei PokerStrategy.com ein"

    Dann wäre ja der richtige Zeitpunkt den Fokus auf Content, Forumsbelebung und attraktive Angebote zu richten. Für Leute die hier schon richtig lange sind wird das noch viel extremer sein, aber es erweckt den Eindruck als ob man dem Punkt entgegen geht an dem die Seite endgültig tot ist.
  • bambTTcha88

    #6

    Jungs, seid mal nicht so unangenehm in den kommentaren, sonst gibts ddos atacke!!!!1111elf