Finanzgericht verurteilt erneut einen Pokerspieler

Der nicht namentlich genannte Spieler unterhielt demnach einen Gewerbebetrieb und muss Steuern nachzahlen, auch auf Cashgame-Gewinne.

Finanzgericht Münster
Das Finanzgericht in Münster

Das Finanzgericht Münster verpflichtete bereits 2014 den Bracelet-Gewinner Jens Vörtman zur Zahlung der Umsatzsteuer. Nun hat das Gericht erneut gegen einen Pokerspieler geurteilt.

Ein nicht namentlich genannter Spieler erzielte von 2005 bis 2007 Gewinne bei Pokerturnieren und Cashgames in Spielbanken. Verschiedene Medien berichteten damals angeblich über den Spieler, der "als bekannte Größe in dem Verkehrskreis der Kartenspieler über ein Pseudonym" verfügte.

Insgesamt habe er in dieser Zeit an 91 Turnieren in verschiedenen europäischen Ländern teilgenommen, mit Buy-ins zwischen 500 bis 800 US-Dollar bzw. Euro. Bei einer Hausdurchsuchung fand man eine vom Spieler erstellte Aufstellung über die "Höhe der Spielgewinne, sowie die damit im Zusammenhang stehenden Startgelder, Trinkgelder, Reisekosten und die an Dritte abgeführten Gewinnbeteiligungen."

Glücks- oder Geschicklichkeitsspiel?

Auch anhand dieser Liste schätzte das Finanzamt seine Gewinne und verlangte entsprechende Einkommens- und Gewerbesteuern. Doch der Spieler klagte gegen den Steuerbescheid und argumentierte, dass Poker ein Glücksspiel sei und seine Gewinne als solche nicht versteuerbar.

Das Gericht widersprach dieser Argumentation. Aufgrund wissenschaftlich-mathematischer Untersuchungen stehe fest, dass bei Spielern mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten bei einem Pokerturnier "nicht das Zufallsmoment, sondern das Geschicklichkeitsmoment und die Spielerfahrung ausschlaggebend seien."

Im Vergleich zu den bisherigen Urteilen gegen Eddy Scharf und Jens Vörtmann ist hier besonders bemerkenswert, dass es in der Urteilsbegründung explizit auch um Cashgames geht. Der Pokerspieler argumentierte, dass diese Spielvariante nicht Gegenstand des Urteils des Bundesfinanzhofs gegen Eddy Scharf gewesen sei, weil es nur um Turnierpoker ging.

Sind Cashgames steuerbar?

Kurioserweise spricht das Gericht in der Urteilsbegründung durchgehend von Cashgames mit dem expliziten Hinweise auf "u.a. Black Jack" und argumentiert dann, dass selbst Glücksspielgewinne aus den Spielbanken zu versteuern seien, wenn sie einen "örtlichen und sachlichen Zusammenhang zum Gewerbebetrieb" aufweisen.

Darunter fallen jegliche Kartenspiele, bei denen der Spieler in den Spielbanken teilnahm, egal ob Glücks- oder Geschicklichkeitsspiele. Solche Gewinne sind als Betriebseinnahmen zu erfassen, solange es einen "wirtschaftlichen Bezug zum Betrieb" aufweist.

Das sei in diesem Fall gegeben, der Spieler nahm zum Beispiel an VIP-Cashgames "(u. a. Black Jack)" teil. Das Gericht wertete dies als eine Art Training, um mehr Erfahrung zu sammeln und seine spielerischen Fähigkeiten zu verbessern. Die Revision zum Bundesfinanzhof hat das Gericht zugelassen.

Weitere News zur Glücksspielregulierung:

Alle News zum Thema findet ihr in unserem Forum

Diese Seite teilen

Kommentare (20)

Neueste zuerst
  • mp213

    #1

    Werde mich auch mal mit Black Jack coachen ...
  • FollowTheSmartMoney

    #2

    Alles Glück, hat er gesagt!
  • sowhat82

    #3

    Zum glück spiel ich scheisse
  • durrian

    #4

    Da sieht man mal wieder, wie qualifiziert die Juristenausbildung ist wenns um abkassieren geht.Unfassbar daneben das Ganze.
    Blackjackverluste sind dann aber demzufolge schon Betriebsausgaben,
    oder sehe ich das falsch.
  • Challo3

    #5

    das mit dem blackjack kann doch nur ein schlechter scherz sein
  • Livio0815

    #6

    @Durrian
    Das sind keine Ausgaben sondern Verluste.
  • PowerGamer

    #7

    Die Begründung ist lustig. Wenn es sichs lohnt (ergo man Gewinn macht), dann muss man versteuern.

    Wenn man aber tausende von Euros verdonkt weil man ein Idiot ist, dann ist es ein Glücksspiel und man kann die Verluste nicht abschreiben.

    Super Sache!
    Im speziellen Fall bin ich auch gespannt was passieren würde wenn er im Jahr darauf Verluste in ähnlicher Höhe steuerlich ansetzen würde ...
  • Livio0815

    #8

    Das was bei jedem anderen Gewerbetreibenden auch passiert.
    Warum glaubt eigentlich jeder, dass Pokerspieler eine Art Sonderstellung haben? Das Problem der Liebhaberei ist doch nicht neu und trifft viele andere Menschen auch.
  • RunningbetterthanBolt

    #9

    also wenn das FA kommt schnell die aufzeichnungen vernichten
  • Livio0815

    #10

    Das kann nach hinten losgehen. In den Aufzeichnungen stehen ja auch Stakings, die den Gewinn schmälern.
  • cjheigl

    #11

    Wenn er Shares gegen Gewinnbeteiligung an seinem Spiel verkauft hat und danach sieht es aus, dann ist es sehr schwierig, einen Gewerbebetrieb zu verneinen. Es ist praktisch unerheblich, an welcher Tätigkeit er Shares verkauft hat. Diese Tätigkeit hat er dann immer professionell betrieben. Und dann muss er die Gewinne auch versteuern.

    Das unterschiedet sich von einem, der Poker als Hobby spielt und kein Geschäft daraus macht.

    Allerdings macht das Gericht klar, dass es unabhängig davon das Turnierpokerspiel im gesamten als Geschicklichkeitsspiel ansieht, insbesondere auch für den sogenannten Durchschnittsspieler. Damit ist Turnierpoker kein Glückspiel mehr. Für niemanden. Das war das Urteil, das Eddy Scharf provozieren wollte. Wenn dieses Urteil mit dieser Begründung Bestand hat (es ist nur die erste Instanz), dann wird es mit Bezug auf den Glücksspielstaatsvertrag noch interessant.
  • wolf1983

    #12

    Wird ja immer lustiger.

    Aber die frage ob das gewerblich ist wenn er gewinnbeteiligungen an dritte abführt macht das ganze interessant. Wie ein broker an der börse. Zahl mir das startgeld. Wenn ich gewinne bekommst du das dreifache zurück.

    Abrr mit der begründung, geschicklichkeitsmoment und spielerfahrung bin ich nicht einverstanden.
    Was lernen wir hier im forum auch wenn man die hand nicht gewinnt kann man sie absolut korrekt gespielt haben. Gemauso kann man eine hand gewinnen die man nicht korrekt spielt.
    Aber all das nutzt einem in einem turnier nichts wenn man keine brauchbaren karten bekommt oder nie etwas trifft. Solche tage soll es auch geben. Und dann ist das blindlevel so hoch, dass man schneller weg vom tisch ist als einem lieb ist. Und das man am board was trifft hat sehr wohl etwas mit glück zu tun. Allerdings wird dieses Glück mit mathematik und wahrscheinlichkeiten zum ausdruck gebracht. Das geschick ist es dem gegner etwas besseres zu verkaufen als man tatsächlich hat um eine. Showdown zu vermeiden.
  • kiki444

    #13

    sowhat82 du bist der beste ich hab pipi in den augen ich kann nicht mehr wie geilo
  • Livio0815

    #14

    Lustigerweise haben ja die Staker auch Einkünfte aus Gewerbebetrieb, sollte er gecashed haben. Werden die auch alle überprüft?

    Ich weiß gar nicht was ihr immer mit dem Glücksspiel habt. Der BFH hat klar gesagt, dass der Umstand keine Rolle spielt. Deswegen muss der Kläger hier ja auch seine BJ-Gewinne versteuern.
  • cjheigl

    #15

    @Killi1983:

    Finanzgerichte und Verwaltungsgerichte argumentieren unterschiedlich und kommen daher zu unterschiedlichen Ergebnissen. In den VG-Prozessen spielt der Langzeiteffekt keine Rolle. Dort werden ausschliesslich Spielergebnisse über kurze Zeiträume als ausschlaggebend für die Zufallsabhängigkeit gewertet. Das Zeitmaximimum beträgt dort eine Session, der Staat argumentiert sogar mit einem einzelnen Spiel. Natürlich ist der Messfehler um so grösser, je kleiner die Stichprobe ist, aber darum geht es nicht, sondern darum, den Status als Glückspiel aufrecht zu erhalten und dann will man einen möglichst grossen Messfehler.

    Finanzgerichte interessiert das nicht. Die betrachten den grösstmöglichen Zeitraum als Stichprobengrösse. Das sind mehrere Jahre zusammen genommen. Die wollen nämlich etwas versteuern. Über einen solchen Zeitraum finden viele Sessions statt, bei denen schon bei mässig intensiven Spielern (der hier im Schnitt ein Turnier alle 2 Wochen + entsprechend oft Cash Games) mehrere 100k Hände zusammenkommen. Über diese Messstrecke wird der Messfehler klein und die Varianz gering. Auf einmal spielt der Zufall keine grosse Rolle mehr. Und siehe da, schon ist es ein Geschicklichkeitsspiel.

    Das erklärt die unterschiedlichen Sichtweisen. Natürlich heisst das auch, dass die Bewertungsmassstäbe zwischen VGs und FGs inkonsistent sind und die Ergebnisse deswegen auch. Das verstösst gegen das Konsistenzgebot des Grundgesetzes Artikel 22. Bislang ist das aber noch nicht vor dem Verfassungsgericht gelandet, daher kommen sie damit durch.
  • cjheigl

    #16

    @Livio0815:

    Prinzipiell kauft ein Staker Gewinnbeteiligungen an einem Gewerbebetrieb. Die wird er dann auch versteuern müssen. Ob der das tut und ob den Finanzämtern die Identitäten bekannt sind, das ist eine ganz andere Frage. Die Zahlungen werden oft über die Kartenräume abgewickelt und die kennen den Zusammenhang nicht. Da wird es für die FAs schwierig, die Transfers irgendwelchen Stakings zuzuordnen.

    Kann aber schon sein, dass die FAs / der Zoll das auf dem Programm haben und dass daraus ein Geldwäsche/Steuerhinterziehungsargument wird, das benutzt wird, um den Geldtransfer zu online Kartenräumen einzuschränken. Der Staat will dem online Spiel das Wasser abgraben, so viel ist klar.

    Der Kläger soll seine BJ-Gewinne versteuern, weil das Gericht glaubt, dass sie Teil des Gewerbes sind, das aus dem Spielen und dem Verkaufen von Spielanteilen an Turnierpokerspielen besteht. In der Urteilsbegründung erscheint der konstruierte Zusammenhang aber sehr luftig (BJ als Training für Turnierpoker). Ich kann mir gut vorstellen, dass sich das in einer Revision nicht halten wird. Damit werden praktisch alle Freizeitbeschäftigungen als Teil der Arbeit/Geschäftstätigkeit definiert (Schlaf und Freizeit z. B. dient aus Prinzip zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit) und das wird sich auf keinen Fall halten lassen.
  • Andreano1980

    #17

    Das war doch Dr. Alex Jalali.
  • Andreano1980

    #18

    oder Ali
  • SniffvsSnaf

    #19

    KAFKAESK!
    Kann man das Urteil irgendwo im Detail einsehen?
  • lui69

    #20

    Tjoa ,da werden wohl noch einige interessante News folgen..