Kommentar: Historische Verwirrung beim Online-Poker

Nach der Vergabe von 12 Lizenzen an Online-Casinoanbieter in Schleswig-Holstein bleiben zahlreiche Fragen offen. Die Politik hat konsequent jedwede Kritik an ihrem Kurs ignoriert und steht nun vor einem Scherbenhaufen.

Die Situation um Online-Poker in Deutschland ist mehr als zerfahren. Schleswig-Holstein vergibt Lizenzen an Online-Poker mit dem widersprüchlichen Hinweis "diesen Sonderweg politisch für falsch" zu halten und will eigentlich dem Glücksspielvertrag der anderen 15 Bundesländer beitreten, wo Online-Poker verboten ist. Sie wird aber von der EU-Kommission ausgebremst.

Von derselben EU-Kommission, die bei der Notifizierung desselben Glücksspielvertrages durch eben jene 15 Bundesländer noch alle Augen zudrückte und eine zweijährige Bewährungsfrist billigte, obwohl der Vertrag nach Ansicht zahlreicher Experten gegen geltendes EU-Recht verstößt.

Zugleich prüft auch noch der Bundesgerichtshof, ob das bisherige Internetverbot für Glücksspiele noch rechtmäßig ist. Die "erforderliche Einheitlichkeit der Regeln zur Spielsuchtbekämpfung" könnte nicht mehr gegeben sein. Das Urteil wird Ende Januar erwartet.

Beschränkung auf Schleswig-Holstein?

Von einem "historischen Tag für deutsche Pokerspieler" sprechen die Pokeranbieter wie PokerStars und feiern die Marktöffnung in Deutschland. Mybet-Chef Mathias Dahms wird in den Kieler Nachrichten mit dem Satz zitiert: "Wir gehen davon aus, dass wir die Lizenz sofort für ganz Deutschland verwenden können."

Worauf die Glücksspielaufsicht des schleswig-holsteinischen Innenministeriums einen Tag nach Vergabe der Lizenzen bereits auch die erste Vermahnung ausspricht: Das Angebot öffentlichen Glücksspiels beschränke sich auf Schleswig-Holstein. "Der Glücksspielanbieter darf nur Spieler zulassen, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthaltsort in Schleswig-Holstein haben."

Viele Fragen, keine Antworten

Für die Pokerspieler bleiben viele Fragen ungeklärt. Was hat es mit der Aussage aus dem Innenministerium auf sich, dass die Wahl des Pokertisches automatisch durch einen Zufallsgenerator erfolgt? Welche Auswirkungen hat das veränderte Geldwäschegesetz auf den Zahlungsverkehr zu lizenzierten Anbietern? Wie verhält es sich mit der Versteuerung von Pokergewinnen?

Diese Verwirrung ist hausgemacht und von der Politik verschuldet. Die Bundesländer beharrten störrisch auf ihrem Glücksspielmonopol und ignorierten konsequent zahlreiche kritische Stimmen und Fragen. Nun wurden in Schleswig-Holstein Fakten geschaffen, mit denen sie sich nicht beschäftigt haben. Es wird dringend Zeit das nachzuholen. Denn auf der Strecke bleiben wie immer die Pokerspieler.

Weitere News zur Glücksspielregulierung:

Erstmals Pokerlizenzen in Schleswig-Holstein vergeben (20. Dezember 2012)
Geldwäschegesetz für Online-Glücksspiele angenommen (14. Dezember 2012)
Schleswig-Holstein: EU-Kommission kritisiert geplante Gesetzesrücknahme (7.12.2012)

Alle News zum Thema findet ihr in unserem Forum

von Volker Rueß

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Kommentare (30)

Neueste zuerst
  • Mahlzahn

    #1

    Schöner Kommentar, der es ziemlich genau trifft! Die Situation ist schlicht ein Regulierungsdesaster...
  • AsXBlood

    #2

    Status quo wird gut beschrieben, bringt aber trotzdem niemanden wirklich weiter. Aber immerhin :)
  • MastaMANSON

    #3

    einfach weiterklicken
  • Xendor1

    #4

    Wie es sich mit der Versteuerung von Pokergewinnen verhält, würde ich auch gern wissen.

    Wenn man als Hobbyspieler Pokergewinne nach dem üblichen Satz versteuern muss, ist es schier unmöglich, profitabel zu spielen. Einen Rake von weit über 50% schlägt niemand.
  • Paxis

    #5

    wieso rake von 50%?
    wenn du 50% auf ausgezahlte gewinne abgibst, ist das schon etwas anderes, da du ja selbst entscheiden kannst wann du das tust.
    zB könnte man dann einfach nur einmal im jahr auscashen und hätte somit einfach einen halbierten jahresgewinn.
    ein winningplayer der ein entsprechendes pensum spielst, sollte im normalfall jedes jahr im + rausgehen.

    Ps.:
    wäre natürlich trotzdem müll
  • Eicki20

    #6

    @ 4. das ist ja ein ganz anderes Thema, Poker ist ja in Deutschland laut Gesetz ein glückspiel und auf glücksspiele muss man keine Steuern zahlen ;)
  • limpinbarney

    #7

    Was habt ihr immer mit der Steuer? Wo ist denn der Zusammenhang Lizenz<->Einkommenssteuer? Hobbyspieler müssen außerdem nicht versteuern
    @Paxis
    Spielt doch gar keine Rolle, wann und wieviel Du auscasht. Entscheidend ist der Saldo.
  • ElHive

    #8

    @2

    Was genau hast du jetzt erwartet? Woher soll ps.de wissen, wohin sich das ganze entwickeln wird? Solange noch das Urteil vom BGH aussteht, wird niemand genau sagen können, wie sich die Situation in D entwickeln wird.

    So ist das nunmal in einem sich schnell ändernden Umfeld. Es herrscht selten Klarheit.
  • Guesswhat

    #9

    Das Problem ist doch, dass sich störrische, unwissende und hochnäsige Politikerfratzen einen Scheißdreck um Ihre Aufgabe kümmern und durch die Politik zu treffende Entscheidungen mittlerweile durch Richter entschieden werden müssen.
  • boonmaster

    #10

    @paxis 50% würden 50% bleiben. Spielt doch keine rolle wie oft du wann wie viel auscasht...
  • xxNightfirexx

    #11

    @10 nein! wenn du 50% rake bezahlst ist das was völlig anderes als 50% steuern auf gewinn. Rake ist ja eine abzusetzende gebühr da ja auch dadrauf der anbieter schon steuer bezahlt haben müsste. außerdem können bzw müssen auch verluste absetzbar sein für zB turniere ohne cash! alles im allen wird man sich ein völlig neues system überlegen müssen um pokergewinne / verluste zu versteuern!
  • boonmaster

    #12

    @ok. Verstanden :)
  • Porter1000

    #13

    @11: Doch es ist egal, wann und wie oft man auscasht. 50% Steuer bleiben 50% Steuer. Egal, ob ich 12 mal im Jahr 1000$ auscashe oder einmal im Jahr 12000$. Es bleiben 6000$ am Ende des Jahres übrig, aber wie du richtig gesagt hast, ist 50% Rake natürlich ungleich 50% Steuer. 50% Rake wird es aber auch nicht geben, denn das würde ja bedeuten, man würde von einem gewonnenen Pott immer nur die Hälfte erhalten :) Ein HU-Spieler, der nie eine Hand verliert wäre dann gerade mal break even :)
  • thcfugii

    #14

    ich bin zwar noch voll aber in dem artikel les ich nix von 50% blabla
  • eltazo

    #15

    mir erschliest sich nicht so richtig warum profipokerspieler im gegensatzt zur arbeitenen bevölkerung keine Steuernbezahlen sollten
  • psysq

    #16

    @16 ich hätte kein Problem Steuern zu zahlen. Wenn der Steuersatz angemessen wäre und der Rake dann noch zu schlagen ist. Dazu kann die arbeitende Bevölkerung keinen Verlust machen wenn sie einen Monat arbeitet. Ein Pokerspieler schon. Und dann? Dies muss absetzbar sein. Genau wie Reisekosten. Kosten für Arbeitsmittel (PC, Monitore etc.). dann würde kaum ein Pokerspieler sagen dass er damit nicht einverstanden ist. Man wäre sogar froh. Denn endlich wäre man nicht mehr verachtet in der gesellschaft und würde einem normalen, anerkannten Beruf nachgehen.
  • eltazo

    #17

    was heist denn angemessen , klar einzahlung sollte man absetzten können
    pauschale für PC und so auch .. und die gewinne ganz normale einkommensteuer
  • psysq

    #18

    ich weiss nicht was angemessen ist. aber 10-25 % würde ich schon hinnehmen bevor ich auswandere.
  • eltazo

    #19

    lol ... und warum solltes du weniger bezahlen als andere ?
  • Funkmaster

    #20

    25% entsprechen doch der abgeltungssteuer ;)
  • dieExxe

    #21

    @eltazo,

    du bist so schlecht. einfach nur schlecht. bist wahrscheinlich auch
    noch vom finanzamt.

    einfach nur schlecht!!!
    poste wo anders deine schlechten kommentare
  • benor

    #22

    habe den leisen verdacht, das alle die hier was von drölftausend % steuern sprechen, noch nie winning player waren/sind :-[
  • eltazo

    #23

    @22 Danke für deine Kritik ich werde in mich gehen und darüber nachdenken.
  • JulioC249

    #24

    @17
    einfach mal regulär mit einem Arbeitsvertrag ausstatten lassen und täglich schlaraffen gehen. Brauchst dann armes Kerlchen keine Sorge haben Verluste zu machen.
    Und schon lebst du richtig entspannt und gut und mußt nicht so bitterhart stunde und stunde um eine scheibe wurst kämpfen.

    Was für ein Dünnschiss.
  • Zugwat

    #25

    ich hab den text hier mal hart ignoriert die nächste zoom hand läuft :D
  • psysq

    #26

    @ 25: Grad im downer auf nl 2 und hier dann rumflamen oder was? Trag was sinnvolles bei oder halt den Rand du lowbob!
  • xxNightfirexx

    #27

    @13 ich hab doch gar nicht gesagt das 50% keine 50% sind =D mir gings doch nur darum das rake was völlig anderes als steuern 50% heisst ;-)

    @23 du denkst zu viel nach :-P

    @all die hier wieder auf unterstem niveau diskutieren! wenn ihr nicht in der lage seit euch fachlich sachlich zu äußern dann gibts oben rechts in der ecke son kleines X einfach einmal draufdrücken und schon gehts besser! Meldung wegen verstoß gegen die AGB gibts natürlich sowieso!
  • Homer76

    #28

    Ich denke die wichtigste frage im moment ist doch erstmal, ob wir auf den seiten mit sh lizenz überhaupt weiterspielen dürfen, denn es wurde ja geschrieben, das sie nur onlinepoker in sh anbieten dürfen
  • JollyRoger183

    #29

    50% rake wäre doch ein Traum... wenn ich bei 3BB/100 rake noch 1BB winrate hab (also netto +4BB) bin ich froh. Kennt ihr doch dass ihr 1000$ winnigns hab und dann lest das ihr 3000$ rake erspielt habt. Also zahlen wir eher 300% steuern auf unseren "Umsatz". Hat wohl aber nix damit zu tun wie die winnings versteuert werden.
  • e2e4e5

    #30

    Wie ist das eigentlich mit dem Spielerpool bei pokerstars.de? Ist dann dann ebenfalls nur ein Pool aus Deutschen, wie bereits in Frankreich, Italien oder Spanien?