Randnotiz: Keine Mätzchen mit den Chips!

Nach der kontroversen Hand bei "Live at the Bike" wollen wir vor allem neue Spieler daran erinnern, warum man zweideutige Aktionen am Pokertisch vermeiden sollte.

Ich liebe Späße zu unpassender Zeit mehr als die meisten, aber es gibt trotzdem Momente, in denen man sich auch als Pausenclown zusammenreißen sollte, wenn man nicht den Zorn seiner Mitmenschen auf sich ziehen will. Zu diesen Momenten zählen das Ablegen des Ehegelübdes, der Gang durch die Flughafensicherheit und auch jede Art von Scherz, der als Bet, Fold oder Call an einem Pokertisch gedeutet werden könnte.

Vergangene Woche hat sich nun die meist diskutierte Hand nicht etwa bei der World Series of Poker ereignet, sondern beim Cashgame-Stream "Live at the Bike". Ein Spieler bekannt als "Armenian Mike" hielt es für eine lustige Idee seinen Chiptray in die Mitte des Tischs zu schieben und die Aktion mit einem "All-in!" zu garnieren, nur um dann zu behaupten, dass alles doch nur ein Spaß gewesen sei, nachdem er einen Snapcall von Ryan Feldman kassiert hatte.

Um es direkt klarzustellen, ich halte die Aktion für einen Angle Shoot, der nicht viel klarer hätte ausfallen können, vor allem weil man mittlerweile weiß, dass der gute Mike aus Armenien das Ganze schon häufiger aus seiner Trickkiste geholt haben soll. Da wir aber alle großzügige Menschen sind, geben wir ihm Spaßes halber mal einen Vertrauensbonus und gehen davon aus, dass es tatsächlich ein Witz gewesen sein soll. In diesem Fall hoffe ich, dass die Hand noch mehr die Runde macht, denn sie zeigt mehr als deutlich, warum Zweideutigkeit in den eigenen Aktionen am Pokertisch nichts zu suchen hat.

Wann auch immer mich Leute, die zum ersten Mal live spielen, nach Anfängertipps zum Ablauf fragen, gebe ich ihnen das Folgende mit auf den Weg: Warte darauf, dass der Dealer dir signalisiert, dass du auch tatsächlich an der Reihe bist, bevor du irgendetwas machst. Kommuniziere dann klar und deutlich deine Aktion.

Ich denke ein Großteil der Stolperfallen, in die ein neuer Spieler beim Live-Poker geraten könnte, kann mit klarer Kommunikation mit dem Dealer als Vermittler am Tisch vermieden werden. Probleme ergeben sich meist nur, wenn die Klarheit in den eigenen Aktionen fehlt, zum Beispiel wenn man mit undeutlichen Bewegungen einen Fold oder Shove signalisieren will oder verbal zu viel Interpretation zulässt mit einem uneindeutigen "OK" oder ähnlichen Aussagen.

Das wird den Spaß am Spiel nicht trüben. Pokertische können so unterhaltsam wie ein Besuch in einem Comedykeller sein. Niemand wird jedoch lachen, wenn ein Scherz zu einer verbindlichen Aktion wird. Ich habe schon eine Situation erlebt, in der ein Spieler eine zuvor gespielte Hand mit reichlich Tamtam illustrieren und seine Punchline am Ende mit einem "Ich bin all-in!" abrunden wollte. Dummerweise war er genau dann auch tatsächlich am Zug und so wanderten all seine Chips ungewollt in die Mitte.

Die Hand bei "Live at the Bike" war ein mehr als dürftiger Angle Shoot, der zu allem Überfluss auch noch mächtig -EV war, aber der Gerechtigkeit wurde Genüge getan, denn es gab eine wichtige Lektion für Mike selbst und den Rest der Pokerwelt, was zweideutige Aktionen am Pokertisch betrifft. Denn auch ohne diese bleibt bei einer Runde reichlich Platz für jede Menge Spaß, wie uns Antonio Esfandiari im nachfolgenden Video zeigt:

Habt ihr eine gute Story auf Lager, bei der ein Witz beim Live-Poker nach hinten losging? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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Kommentare (3)

Neueste zuerst
  • lagern

    #1

    ..........................Fürst..........................................................
  • DELETEDM_3945785

    #2

    ..........................second..........................................................
  • kingwtf

    #3

    der sogenannte "real-life-missclick"... passiert den besten.