Sicherheit beim Live-Poker mit Alexandre Henry

Vom Eigentümer der Unibet Deepstack Open erfahren wir mehr darüber, wie bei Live-Turnieren sichergestellt wird, dass es zu keinen Betrugsfällen bei Karten, Chips und den Dealern kommt.

Alexandre Henry
Alexandre Henry

Wenn Pokerspieler mit dem Thema Sicherheit konfrontiert werden, denkt wohl jeder erst einmal an Gefahren beim Online-Poker. Wird das Thema bei Live-Partien zu sehr von uns vernachlässigt?

Alexandre Henry: Nein, das glaube ich nicht, denn es gab bisher keine großen Betrugsfälle wie beim Online-Poker. Bei der Deepstack-Tour nutzen wir für unsere Turniere in Frankreich immer dieselben Dealer und arbeiten mit einigen der besten Casinos in ganz Europa zusammen. Ich habe schon ein paar Videos produziert, um zu zeigen, wie wir im Hintergrund im Bereich Turniersicherheit arbeiten. Einige der Austragungsorte wollten nicht, dass wir derartige Videos drehen, damit Betrüger keinen Einblick bekommen, aber wir sind überzeugt, dass es gut ist auch dieses Thema vorzustellen und dass die Videos Betrüger sogar eher abschrecken. Wir erläutern einige wirkungsvolle Maßnahmen, um Betrug zu verhindern, aber gehen aus offensichtlichen Gründen natürlich auch nicht auf alle ein. Generell fürchten sich Spieler jedoch online mehr vor Betrügern als live, da wir über Kameras und ein Sicherheitspersonal verfügen.

Es gibt einen Trend hin zur Beschleunigung des Spiels mit Shotclocks und Single Antes. Wenn der Fokus derart auf ein Mehr an Händen pro Stunde liegt, verlieren wir dadurch etwas das Thema Sicherheit aus den Augen?

Alexandre Henry: Ich verstehe den Ansatz, aber bisher konnten wir kein weiteres Betrugspotenzial feststellen, das dadurch ermöglicht wird. Die Fragen, mit denen sich ein Turnierdirektor in diesem Fall beschäftigen muss, beschränken sich eher darauf, ob man nun Big Blind oder Button Antes nutzen will und wie man verfährt, wenn ein Spieler nur noch einen Ante übrig hat. Bei unseren Events führen wir den Single Ante nun auch ein (höchstwahrscheinlich einen Big Blind Ante), allerdings noch keine Shotclock, da unsere Kunden hauptsächlich Amateure sind und wir das Ambiente während des Turniers entspannt halten wollen.

"Die Pokerwelt ist klein"

DeepStack Open
"Es kann zum Problem werden, wenn Dealer und Spieler zu viel Zeit miteinander verbringen"

Wenn ein Turnierveranstalter bei seinen Events immer dieselben Mitarbeiter anstatt das lokale Casino-Personal verwendet, ist das für mich ein gutes Zeichen. Wie stellt ihr sicher, dass ihr vertrauensvolle Dealer beschäftigt?

Alexandre Henry: Bei unseren Turnieren in Frankreich nutzen wir wie gesagt auch immer dieselben Dealer, zudem arbeiten wir eng mit den Turnierdirektoren an Orten wie Malta oder Spanien zusammen, um auch dort die richtigen und lizenzierten Dealer einsetzen zu können. Das Problem ist, dass die Pokerwelt eine kleine ist. Häufig kennen die Dealer einige der Spieler, vor allem die Regulars bei einer Turnierserie. Wir wissen, wie das ist. Man trifft sich automatisch mal nach einem Turnier in einer Bar oder auf andere Weise. So ist das Leben, aber es kann problematisch werden, wenn ein Punkt erreicht wird, an dem Spieler und Dealer zu viel Zeit miteinander verbringen. Bei der Deepstack Open und bei unseren Partnern wird sehr darauf geachtet, dass in dieser Hinsicht keinerlei Zweifel aufkommen. Im Turnier wechseln wir die Dealer an den Tischen regelmäßig und haben einen Plan, in welcher Reihenfolge wir sie einsetzen. Manchmal wird der Plan aber auch einfach geändert und die Reihenfolge auf den Kopf gestellt, damit man keine Vorbereitungen treffen kann, um zu betrügen.

Ich habe das Video gesehen, bei dem einige der Sicherheitsvorkehrungen beim Thema Karten vorgestellt werden. Was unternehmt ihr, um auch Betrug bei den Chips vorzubeugen?

Alexandre Henry: Wir hatten mal einen Vorfall, bei dem mehrere 5.000 Chips am Ende eines Turniers gefehlt haben. Wir haben im Anschluss einfach alle 5.000 Chips aus dem Umlauf genommen und sie bei den nächsten Events durch neue Chips mit einem anderen spezifischen Design ersetzt. Die Chips, die gestohlen wurden oder verloren gegangen sind, können nie wieder offiziell genutzt werden, da wir sie nicht mehr verwenden.

"Es ist schwer Fingerfertigkeit zu lernen"

DeepStack Open
"Wir überprüfen die Chips schon Wochen im Vorfeld"

Es muss ziemlich teuer sein, ganze Chipsets immer mal wieder zu ersetzen. In etlichen Cardrooms habe ich schon erlebt, wie alte abgenutzte Chips immer wieder verwendet werden, um Kosten zu sparen.

Alexandre Henry: Wenn wir uns auf den Weg machen zu einem Event wie in Malta, werfen wir im Vorfeld einen genauen Blick auf die Chips vor Ort, um zu sehen, ob wir sie verwenden können. Wenn ein Problem vorliegt, zum Beispiel fehlende Chips – dabei geht es nicht um die mit kleinen Beträgen, sondern vor allem um die mit hohen – dann verwenden wir ein anderes Chipset. Diese Sachen werden deutlich im Vorfeld eines Turniers abgeklärt, rund einem Monat im Voraus, damit wir ein neues Chipset anliefern lassen können, falls notwendig.

Zu guter Letzt habe ich gehört, dass du auch als Magier unterwegs bist. Das dürfte hilfreich sein, wenn man Betrüger ausfindig machen will oder?

Alexandre Henry: Damit habe ich vor rund 20 Jahren angefangen. Ich habe ein paar Bücher zum Thema Magie geschrieben und auch einige Videos dazu gedreht. Shows gebe ich mittlerweile aber keine mehr. Einen Dealer habe ich beim Cheaten noch nie erwischt, aber wenn ich Zweifel habe, kann ich einen genaueren Blick auf die Kameras werfen oder einfach direkt am Tisch schauen, ob er mit einem Spieler kooperiert. Die Welt der Magier ist auch eine sehr kleine, denn es ist schwer, sich die Kunst selbstständig beizubringen. Es ist nicht allzu wahrscheinlich, dass ich noch nicht fast jeden getroffen habe, der die nötige Fingerfertigkeit dazu hat. Aktuell gibt es einen Fall bei einer anderen Turnierreihe in Frankreich, bei der einem Dealer und einer Reihe von Spielern Betrug vorgeworfen wird. Das Urteil dazu steht noch aus. Als mir der Fall bekannt wurde, habe ich den 'Magic Shop' in Paris kontaktiert, wo sich regelmäßig die besten Magier treffen, und ihnen ein Bild von einem der Beteiligten geschickt. Laut Aussage des Besitzers hatte er den Typen schon einige Male gesehen.

Auf dem YouTube-Kanal der Deepstack Open findet ihr weitere Videos zum Thema Sicherheit und entsprechende Vorkehrungen bei Live-Turnieren. 

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Kommentare (1)

  • Paxis

    #1

    Der hält doch ne Kippe in der Hand auf dem ersten Bild.
    Wurde wohl extra so geschnitten das Bild, lel.