Sollten Turnierveranstalter Deals unterbinden können?

Geht es in Ordnung, wenn die großen Touren die Spieler zwingen das Heads-up auszuspielen, obwohl diese das Geld aufteilen oder gar den Gewinner unter sich ausmachen wollen?

Mike Leah WPT
Mike Leah

In dieser Woche konnte Mike Leah das WPT Fallsview Classic gewinnen, doch kurz danach wurde klar, dass ein privater Heads-up-Deal mit seinem Gegner Ryan Yu ihm eigentlich den Titel einbrachte. Mike sicherte sich also durch Absprache die Trophäe sowie einen Sitz im Tournament of Champions, Yu bekam dafür etwas mehr Preisgeld.

Die große Mehrheit der Pokerturniere wird durch einen Deal am Final Table entschieden und in manchen Fällen steht dann auch gleich der Champion fest (zumeist wird jedoch mit weniger Druck um eine Restsumme und den Sieg weitergespielt). In diesem Fall hatte die World Poker Tour Deals untersagt und Yu verlor das finale Duell absichtlich. Leah sagte später, dass man das Ganze jedoch so transparent wie möglich hielt und alle wussten, was da gerade im Heads-up abläuft.

Vielen Leuten schmeckte das nicht, darunter auch Betreibern wie der WPT, denn schließlich sollen die Events rechtmäßig gewonnen werden. Wenn es sich dann auch noch um so etwas Prestigeträchtiges wie einen Titel bei der WPT handelt, deren Turniere oft im TV übertragen werden (hier 'zum Glück' nicht), kann man natürlich schon einmal um den eigenen guten Ruf bangen. Die meisten sind wohl der Ansicht, dass man die Spieler in den meisten Fällen machen lassen sollte, was sie wollen. Würde so etwas dann aber beim WSOP Main Event passieren, wäre ein Großteil der Zuschauer mit einem solchen Turnierende aber sicherlich nicht zufrieden.

In erster Linie sind Spieler Kunden

William Kassouf High Roller
William Kassouf wollte weniger Geld und dafür den High-Roller-Titel

Man muss dabei jedoch im Hinterkopf behalten, dass es sich hier nicht um das Finale eines regulären Sportevents handelt. Schließlich setzen die Teilnehmer ihr eigenes Geld ein. Sie sind also gleichermaßen Kunden wie Konkurrenten. Wir sehen es vielleicht nicht gerne so, doch die wenigsten Pokerspieler haben echte ‘Fans’. Es gibt einige gesponsorte Spieler, die an Dritte gebunden sind, doch zumeist vertreten die Turnierteilnehmer kein Team oder Franchise und stehen nicht in der Pflicht das Publikum zu unterhalten.

Ich bin der Meinung, dass jeder Spieler nach bestem Wissen und Gewissen handeln sollte, doch sie sind sicherlich nicht dafür verantwortlich den Ruf der WPT oder WSOP zu wahren.

Es ist also letztendlich keine schöne Sache, aber wenn zwei Spieler sich auf bestimmte Dinge einigen möchten, ist das ihre Entscheidung, und sei es auch ein Turniersieg. Ein moralisches Problem entsteht erst dann, wenn andere Spieler von dieser Entscheidung betroffen werden. Das kann zum Beispiel beim Rennen um den Titel Player of the Year der Fall sein. Bei unserem Beispiel könnte man dann aber einfach beiden Spielern aufgrund ihres Deals nur die Punkte für Platz 2 gutschreiben und man hätte eine einfache Lösung.

Transparenz ist immer der beste Weg

wsop scott blumstein
Sollte das Main Event Deals zulassen?

Deutlich wird hier aber ein viel wichtigeres Thema: Turnierveranstalter sollten Deals erlauben und bei der Durchführung unterstützend wirken. Wie erfolgreich ein Verbot ist, sehen wir ja hier. Die WPT will genau dies nicht tun, um das eigene Prestige zu schützen, doch am Ende schoss man sich ein Eigentor. Man kann von den Spielern aber nicht erwarten, dass sie ihre eigenen Interessen hinter die des Anbieters stellen.

Lässt man Deals in einem gesunden Rahmen zu, so schützt man auch die Spieler. Besonders, weil es ebenfalls zu steuerlichen Problemen kommen kann oder ein Spieler sich nach einem privaten Deal am Tisch doch noch einmal umentscheiden könnte. An dieser Stelle muss ich PokerStars loben, denn sie lassen Deals nicht nur zu, sondern zeigen die Verhandlungen auch in den Streams. Transparenz ist immer der beste Weg, um mit Problemen wie diesen umzugehen.

Außerdem sind die Dealverhandlungen immer spannend anzusehen. Ich selbst sympathisiere mit Spielern, denen man ansieht, wie wichtig ihnen das Geld ist und die sich eben nicht in einer alltäglichen Situation befinden. Das alles ist besser, als sich ein abgekartetes Heads-up anzugucken, bei welchem die Spieler nur so tun, als würde alles auf dem Spiel stehen.

Sollten die großen Touren Heads-up-Deals am Tisch oder hinter den Kulissen verhindern? Wir freuen uns auf eure Meinung in den Kommentaren.

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Kommentare (12)

Neueste zuerst
  • Hoggiman

    #1

    .................First................
    Es sollte immer eine Restsumme um den Titel übrig bleiben !
  • Faultier911

    #2

    ist doch völlig egal wie die spieler das geld unter sich aufteilen. poker ist ja nicht wie die formel eins wo die zuschauer zu millionen am TV sitzten oder viel eintritt für die veranstaltung zahlen.
    und mal ehrlich, man nimmt ja nicht am turnier teil um einen titel zu gewinnen, sondern wegen dem preisgeld ;)
  • Schmahonni

    #3

    Ich war schon immer gegen Deals am Finaltable...

    Möchte mal wissen was passiert wenn sich die Spieler des kommenden Championsleague Finales mal dazu entscheiden sollten, die Prämien einfach im Vorfeld unter sich aufzuteilen und das Finale ganz einfach ausfallen lassen.... xD
  • sergej1981

    #4

    Netter Vergleich mit CL Finale...... NOT!
  • Faultier911

    #5

    bei Championsleague brauchen die doch eh nur den anderen vereinen die besten spieler wegkaufen und gewinnen so automatisch. deshalb ist bayern und real ja immer vorne
  • Golodion

    #6

    Deals am Final Table gehören beim Turnierpoker dazu. Die WPT-Organisatoren hatten mit dem Verbot einfach eine dumme Idee.
  • Konne2103

    #7

    Sie können es doch eh nicht kontrollieren. Dumme Idee.
  • MfGOne

    #8

    Faultier mal wieder mit dem qualifiziertesten Kommentar......not
  • Iseedeadpeople

    #9

    Deals sind schon ok. Ne Restsumme für den Sieger sollte aber übrig bleiben.
    Deals, wie "lass mich den Titel gewinnen, dann bekommst du mehr Kohle" sind dann nicht ganz so geil, wenn Sportwetten drauf angeboten werden. (WSOP zum Bsp.)
  • Stefgo

    #10

    #1 Auf jeden.
  • DELETEDM_3945785

    #11

    Deals sind Scheiße.. Gab es bei Gladiatoren auch nicht..
  • Fantomas741

    #12

    Wenn ich mein eigenes Geld einsetze möchte ich auch dealen können wie ich will und wenn der Veranstalter um einnahmen aus Streams fürchtet oder Reputation dann sollen sie ein Teil dieser Einnahmen in den Prize Pool packen dann können Sie Deals von vorne rein ausschließen.