Spielt es sich leichter gegen Profis?

Ist an der Vermutung etwas dran, dass manche Spieler besser gegen gute Gegenspieler agieren als gegen Freizeitspieler?

Steve O'Dwyer Super High Roller poker
Steve O'Dwyer

Dieser Tage liest man die Worte Super High Roller, Steve O'Dwyer und Platz 1 nur sehr selten nicht in einem Zusammenhang. Es scheint, als würde es alle 12 Monate einen neuen Spieler geben, der die High-Roller-Szene dominiert. Aktuell ist es O'Dwyer, der in den vergangenen 15 Monaten bereits fünf High Roller gewinnen und insgesamt 13-mal einen sechsstelligen Gewinn (oder besser) einfahren konnte.

Die Vernunft sagt, dass solche eine Siegsträhne ganz einfach auf Varianz zurückzuführen ist. High Roller haben kleine Teilnehmerfelder, daher ist es auch keine allzu große Überraschung, dass es dieselben Namen immer und immer wieder an den Final Table schaffen und bestimmte Spieler den Sieg einfahren.

Allerdings ist die Konzentration an professionellen Spielern in diesen Turnieren deutlich höher als bei einem Main Event. Könnte es also sein, dass manche Spieler tatsächlich besser sind, wenn sie gegen andere Profis und nicht gegen Hobbyspieler agieren müssen?

Mehr Respekt auf höheren Limits?

Ivey Negreanu
Ist das Bluffen auf den Highstakes einfacher?

Beim Poker gibt es ein altes Sprichwort: "Dahin aufsteigen, wo die eigenen Raises respektiert werden". Allzu ernst sollte man es jedoch nicht nehmen. Es dient eher als Pseudo-Ratschlag schlechter Spieler, die eine Erklärung dafür suchen, warum sie die Low-Stakes-Partien nicht schlagen können.

Es stimmt allerdings, dass Strategien, die auf einem bestimmten Level funktionieren, nicht automatisch auch auf einem anderen Limit profitabel sind. Wenn man einen Profi schlagen will, braucht man andere Fähigkeiten, als wenn man es mit einem Hobbyspieler aufnimmt.

Wenn sich ein gut ausgebildeter Spieler wie Isaac Haxton plötzlich in $0,01/$0,02-Partien wiederfinden würde, könnten seine Nosebleed-Skills sein Spiel sogar behindern. Tightes und unkompliziertes ABC-Poker würde in solch einer Situation deutlich mehr Sinn machen.

Im Grunde gilt ein vergleichbares Prinzip wie bei Stein, Schere, Papier: Ein Gameplan, mit dem man eine bestimmte Spielergruppe schlagen kann, funktioniert nicht bei einer anderen Gruppe. Wir alle haben schon den Fehler gemacht, einem Hobbyspieler zu viel Credit zu geben. Poker ist letztendlich ein Spiel, bei dem man sich auch selbst im Weg stehen kann, insbesondere wenn man bereits über ein hohes Level an Skill verfügt.

Das Spiel innerhalb des Spiels

Phil Hellmuth wins 14th WSOP bracelet
Phil Hellmuth

Generell gesehen ist Phil Hellmuth nicht der beste Spieler am Tisch, wenn er Gesellschaft von seinen Highstakes-Kumpeln bekommt. Tatsächlich dürfte er häufig als der Fisch der Runde gelten. Wenn er allerdings in Events mit großen Teilnehmerfeldern wie bei der WSOP antritt, wird sein Spiel gegen Hobbyspieler von vielen zu Recht als der beste und stärkste Ansatz gesehen. Das Resultat ist sein Braceletrekord. Er ist schlicht seit Jahren der beste Spieler, wenn es gilt schlechte Spieler zu schlagen.

Genau wie Hellmuths Spiel gegen Fische und Profis so unterschiedlich stark wirkt wie Tag und Nacht, gibt es auch Spieler, die gegen starke Konkurrenz erst so richtig in Fahrt kommen. Der Unterschied ist hier das Metagame, das Spiel innerhalb des Spiels. Die Spieler, die sich besser über das eigene und das gegnerische Image sowie die bisherigen Aufeinandertreffen im Klaren sind, haben meist die Oberhand. Wer in diesen Partien in der Lage ist, Informationen von einer Hand zu nutzen, die vielleicht vor einem Jahr gegen denselben Gegner gespielt wurde, trifft im Jetzt auch die besseren Entscheidungen.

Das erklärt, warum Spieler mit diesen Skills insbesondere bei den Super High Rollern und den Online-Highstakes-Partien glänzen können. Wenn der Spielerpool klein ist, treten die kleinsten Unterschiede hinsichtlich Spielstärke umso deutlicher zu Tage. Spieler, die die winzigen Informationsbrocken nutzen können, um sich eine Edge zu verschaffen, werden groß abräumen. Daher ist Multiaccounting besonders auf den Highstakes so verpönt. Auf diesem Level in der Lage zu sein, Informationen aus der Vergangenheit zu nutzen, wenn es dem Gegenspieler nicht möglich ist, ist ein äußerst unfairer Vorteil.

Die Bedeutung von Herausforderung

Es gibt auch einen psychologischen Grund, warum manche Spieler umso stärker werden, je versierter die Konkurrenz ausfällt. In seinen Untersuchungen zur Leistungspsychologie hat der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi im Buch "Flow" die Bedingungen identifiziert, die erforderlich sind, um einen sogenannten Flow-Zustand zu erreichen. Damit ist ein der Zustand gemeint, an dem man scheinbar mühelos seine beste Leistung abrufen kann und vollkommen in einer Tätigkeit aufgeht.

flow chart

Er stellte fest, dass man dazu einen idealen Punkt zwischen Entspannung und Anspannung sowie Unterforderung und Herausforderung finden muss. Wenn man zu relaxt ist, wird man keine Höchstleistung bringen können. Wenn man zu energiegeladen ist, könnte man anfangen zu tilten. Wenn etwas zu leicht fällt, stellt sich Langeweile und Konzentrationsverlust ein. Wenn etwas zu schwierig ausfällt, fühlt man sich überfordert.

Wann der Flow-Zustand erreicht wird, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Ein Spieler muss vielleicht vor Energie nur so strotzen und sich herausgefordert fühlen, ein anderer wiederum bevorzugt es vielleicht entspannt und gegen leichte Gegner zu spielen. Die Spieler, die gegen toughe Gegner glänzen, dürften diesen Zustand aber zweifelsfrei erreichen, wenn sie mehr oder weniger mit dem Rücken zur Wand stehen.

Letztendlich wird man dennoch stets den größten Klassenunterschied feststellen, wenn man einen hochtalentierten Spieler gegen einen sehr schwachen Spieler antreten lässt. Genauso wird Varianz den größten Unterschied ausmachen, wenn es zum Duell zweier starker Profispieler kommt. Die softesten Partien zu finden, bleibt trotz allem also die wichtigste Fähigkeit, um beim Poker zu gewinnen. Allerdings kann es auch von Vorteil sein, wenn man sich regelmäßig härterer Konkurrenz stellt.

Denkt ihr, dass manche Spieler tatsächlich besser gegen starke als gegen schwache Spieler abschneiden? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

Barry Carter

Barry Carter

ist Redakteur bei PokerStrategy.com und Co-Autor von The Mental Game of Poker 1 & 2.

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Kommentare (29)

Neueste zuerst
  • Spielstephan

    #1

    ja
  • BOUZZ

    #2

    definitiv einfacher gegen pros zu spielen. die ganzen fische spielen einen doch permanent aus...
  • derbegott

    #3

    hoffe ihr trollt beide
  • FollowTheSmartMoney

    #4

    klar ... oder?
  • zetec

    #5

    kommt drauf an
  • berlinran

    #6

    auf dem Micros hilft Strategie meistens nicht :(
  • LuckyNumberSlevin

    #7

    Könnte gut sein! Das werde ich doch gleich mal mit nem 1 Stack BRM ausprobieren.
  • nightblue21

    #8

    ofc
  • praios

    #9

    bullllshiiiittttttt
  • Betzefan

    #10

    Ike Haxton hätte Probleme auf NL2. Stopped reading here
  • Burkart

    #11

    Ja.
  • Nerrik

    #12

    Ein bissl Erdnussbutter und rann an die Highstakes!!
  • deBOING

    #13

    Sollen wir unsere Meinung in die Kommentare schreiben?
  • ganatodoAA

    #14

    Wenn sich ein gut ausgebildeter Spieler wie Isaac Haxton plötzlich in $0,01/$0,02-Partien wiederfinden würde, könnten seine Nosebleed-Skills sein Spiel sogar behindern.
    Der Satz ist an Schwachsin einfach schwer zu überbieten.
  • Matziano

    #15

    Lol 13
  • Caspro

    #16

    Hallo zusammen,

    vielen Dank für euer Feedback!

    Seid versichert, dass es an die entsprechenden Stellen weitergegeben wurde und bei zukünftigen Artikeln mit einbezogen wird.

    Beste Grüße
    Barry
  • Parczensky

    #17

    zwischendrin denkt man zwar er is on drugs, aber wenn man genau liest dann ist der artikel eigtl gut geschrieben. Zeigt einige interessante Gedankengänge auf, auch wenn das jetzt nix grossartig neues ist.

    .. war aber klar das sich die bild äh ps.de leser direkt auf die 1ct2ct passage stürzen.
  • mcmurphy1

    #18

    alles quatsch es gibt nur gute und noch bessere Betrüger beim Poker
    isso
  • Fuschus

    #19

    Es stimmt er hat recht...Ich war einfach zu gut für NL2. Bin mal NL5 crushen machts gut ihr trottel
  • waster1

    #20

    Wow 19 Kommentare und noch keine Barry Carter Kritik. Dann fange ich mal an. Man merkt schon im ersten Satz des Beitrags, daß es sich um Barry Carter handelt. So geschwollen schreibt nur Barry Carter. Ist an der Vermutung etwas dran ...
  • Starfighter99

    #21

    Nein Barry.
  • Fuschus

    #22

    @ all bin voll am crushen....so weise der Barry. Danke ips.de *daumen hoch*
  • Seb0129

    #23

    Ich sach Bescheid, wenn ich demnächst mal wieder gegen einen aus der Pokerelite gespielt habe.
  • linda82

    #24

    Sicher
    wieso auch nicht jeder hat eigene schwächen und stärken

    Wobei es sichelich nicht leicht sein wird .....als long Run
  • Pelorojo

    #25

    Ist es vielleicht einfacher, an den Playmoneytables zu bluffen? Steigt die Varianz oder sinken gar die Gewinnchancen, wenn das Teilnehmerfeld kleiner wird? Wir alle haben schon den Fehler gemacht, einem Pro zu viel Credit zu geben. Nicht jeder hat sich hochgearbeitet. Natürlich kann es sein, dass man auf höheren Limits besser zurecht kommt, aber das ist nicht wirklich ein gutes Zeichen, denn offenbar ist man zu unbeweglich.
  • Extramask

    #26

    Jo Cashgame vs Phil Hellmuth ist easy money!!!
  • livergraf

    #27

    warum sollte man gegen die besten spielen wollen wenn man frei wahl unter den schlechtesten hat. und in turnieren trifft man eh auf alle
  • MichaelCheckson

    #28

    in after shitstorm
  • AmbitG

    #29

    Ich mach die reihenweise nass! Soll er doch kommen der Hellmouth - ich tilte ihn, bis wir nach dem Flop 4 mal runnen und ...BÄÄÄHHM!