Warum Preisverleihungen immer für Unmut sorgen

Die Global Poker Awards kann man durchaus als Erfolg bezeichnen, aber Preisverleihungen bei einem Spiel wie Poker werden immer auch für Kontroversen und Kopfschütteln sorgen.

poker awards
Keine Preisverleihung wird auf vollkommene Gegenliebe stoßen

Die undankbarste Aufgabe in der Pokerindustrie ist wohl das Dasein als Live-Turnierreporter. Die Stunden sind lang, es kann sehr mühselig vorangehen und Feedback bekommt man meist nur, wenn man einen Fehler gemacht hat. Dicht darauf folgt dann wohl aber auch schon die Arbeit als Veranstalter von Pokerawards.

Am vergangenen Wochenende wurden mit einer sehr unterhaltsamen und gut organisierten Preisverleihung die Global Poker Awards zelebriert und viele der Gewinner hatten tatsächlich eine solche Ehrung aufgrund des letzten Jahres mehr als verdient. Dennoch konzentrierten sich die Schlagzeilen rund um die Awards eher darum, wen man bei den Nominierungen übersehen hatte und wie ein Vergleich bestimmter Kandidaten in derselben Kategorie sehr fragwürdig erschien.

Beim Award Poker Content of the Year war zum Beispiel neben einem 300-seitigen Buch auch eine einzelne Fotografie nominiert. Ein derartiger Vergleich zwischen Inhalten, die sich so stark in Umfang und Art der Sache unterscheiden, wirkt natürlich nicht ohne Grund etwas bizarr.

Zu viele Kategorien?

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Werden Äpfel mit Birnen verglichen?

Genau darin liegt das Problem mit zahlreichen Awards. Die einzige Lösung für eine solche Zwickmühle wären weitere Kategorien und Preise – einen für Fotografien, einen für Bücher, einen für Dokumentationen, einen für Artikel usw. Die Liste könnte man beliebig fortführen, am Ende landet man in sämtlichen Bereichen beim selben Problem. Wie vergleicht man zum Beispiel einen Live-MTT-Grinder mit einem Online-PLO-Cashgamer? Wie vergleicht man ein Casino in Rozvadov mit einem in Las Vegas?

Bei den Global Poker Awards gab es bereits 20 Kategorien. Kommen noch weitere hinzu, hat man wahrscheinlich schon bald eine Preisverleihung vor sich, die sich über Wochen erstreckt. Eine erhöhte Anzahl an Preisen mindert das Prestige der einzelnen Awards, während eine geringere Anzahl dazu führt, dass teilweise Äpfel mit Birnen verglichen werden. Ich schreibe es natürlich nicht gerne, weil es auch genau meine Arbeit widerspiegelt, aber persönlich finde ich, dass es mittlerweile deutlich zu viele Kategorien für Menschen gibt, die Pokerinhalte liefern, und zu wenige für reine Pokerspieler.

Wenn man die möglichen Kategorien verringert, führt das auch dazu, dass die Nominierten und die Gewinner wieder mehr ins Rampenlicht rücken. Die Awards sind bereits äußerst deutlich in Richtung Live-Turniere verzerrt, da man dort auf einfache Weise über tolle Erfolgsgeschichten stolpert und fast das gesamte Marketingbudget in diesen Bereich wandert. Es ist aber durchaus denkbar, dass jemand klamm und heimlich bei den Nosebleed-Partien in Macau im vergangenen Jahr mehr Geld gewonnen hat als Justin Bonomo und wir schlichtweg nichts davon wissen. Gleichermaßen könnte es einen Spieler geben, der die PLO-Partien online in mehreren Netzwerken dominiert, während wir nicht einmal seinen Screenname kennen.

Zu viele Kennzahlen

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Ein Schnappschuss von den positiven Dingen im Pokerzirkus

Ich habe es schon zuvor geschrieben: Da die Pokerindustrie mittlerweile aus so vielen kleinen Zahnrädern besteht und man entsprechend viele Awards verleihen kann, ist es unrealistisch zu erwarten, dass jeder einzelnen Juror auch jeden Nominierten bis ins Detail kennt und sich den Kennzahlen bewusst ist, mit denen man sie beurteilen sollte. Dadurch kam die verwirrende Situation zustande, dass Brad Owen nicht unter den Nominierten in der Kategorie Vlogger gelandet ist und Joe Ingram dasselbe Schicksal ereilte, was den Award für den besten Podcast betrifft. Im ersteren Fall lag es an einem Mangel an Kenntnissen über die YouTube-Pokerszene, im zweiten an einer unterschiedlichen Definition davon, was einen Podcast eigentlich ausmacht.

Ich war jahrelang Teil der Jury bei den European Poker Awards und habe den Kollegen dort immer mal wieder erläutert, worum es sich eigentlich genau bei SharkScope, HighStakesDB oder PocketFives handelt, damit sie überhaupt eine Idee davon hatten, auf welcher Basis man die Online-Spieler beurteilen sollte. Wer keine Ahnung von Twitch hat, dem fällt als Juror natürlich auch die Frage schwer, nach welchen Kriterien er einen Streamer eigentlich bewerten soll.

Nichtsdestotrotz gilt es auch eine Lanze für Preisverleihungen wie die Global Poker Awards zu brechen. Ich bin seit Jahren in gewisser Funktion immer wieder involviert und halte das Ganze nach wie vor für einen unterhaltsamen und adäquaten Weg, um eine großartige Industrie und seine Menschen zu feiern. Die globalen Awards sind zudem zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung und eine klare Verbesserung im Vergleich zu vorherigen Ausgaben. Man muss sich jedoch als Juror wie auch als Nominierter und Zuschauer über die Einschränkungen und Voreingenommenheit bei solchen Preisverleihungen im Klaren sein, wenn man Leute auf Basis vager Qualitäten anstelle von vollends belastbaren Daten beurteilt.

Am Ende sind Pokerawards aber immer ein Schnappschuss der aktuell positiven Dinge im Pokerzirkus und es hat sicherlich auch etwas Gutes, dass wir am Ende immer mit mehr verdienten Nominierten dastehen, als es Plätze auf der Shortlist einer bestimmten Kategorie gibt.

Was haltet ihr von alljährlichen Preisverleihungen wie den Global Poker Awards? Sinnvoll oder Zeitverschwendung? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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Kommentare (5)

Neueste zuerst
  • RikudouSennin

    #1

    Hat das echt jemand gelesen dat?

    I em nott schurr iff seriös
  • CptJokerFish

    #2

    "Hat das echt jemand gelesen dat? "
    Ich nicht. Ich bin nur hier um einen dummen Kommentar in diese Box zu schreiben.

    Dummer Kommentar:
    lol Barry Carter
  • RikudouSennin

    #3

    Habe es ca. bis zur Hälfte geschafft..
  • stephan13k

    #4

    Ich habe es gelesen.
    Kurzform: blablabla
  • ppblmarketing

    #5

    Interessant...