Wie Poker weniger Spaß macht - Das große Schweigen

Für Live-Grinder ist es die alltägliche Arbeit, für andere Spieler am Tisch vielleicht aber nur ein Abend, der unterhalten und Spaß bieten soll. Man sollte ihnen nicht das Gefühl geben, sie wären nicht willkommen.

Jason Mercier on the phone
Der ständige Blick aufs Smartphone sendet das falsche Signal aus

Heute werfen wir einen Blick darauf, wie man den Spaß aus den Partien nehmen kann, wenn man sich am Tisch unnahbar und unaufgeschlossen gegenüber anderen gibt. Das Problem betrifft hauptsächlich Live-Pokerrunden, wird aber zu Unrecht dem üblichen Verhalten von Online-Spielern zugeschrieben.

Ich habe bereits einmal darüber geschrieben und bin nach wie vor davon überzeugt, dass nicht etwa unser Verhalten an den Online-Tischen, sondern unsere kollektive Abhängigkeit von Technologie der Hauptgrund ist, warum Live-Partien in die Langeweile abdriften. Die heutigen Technologien sorgen dafür, dass wir "zusammen einsam" sind, auch wenn das soziale Netz paradoxerweise deutlich umfangreicher als früher ausfällt.

Den heutigen Artikel schreibe ich auch, weil ich vergangene Woche eine Runde Poker gespielt habe, in der ich selbst derjenige war, der sich kaum mit den Mitspielern unterhalten hat. Das ist ungewöhnlich für mich, da ich normalerweise ein sehr gesprächiger Typ bin, aber nach einer langen stressigen Woche war mir einfach nicht nach großer Unterhaltung. Aber auch wenn ich mich selbst als Hobbyspieler sehe, hatte mir mein Verhalten ein schlechtes Gewissen beschert, da ich als jemand, der in der Pokerindustrie arbeitet, in gewisser Weise auch ein Botschafter des Spiels bin.

Live-Poker kann für Hobbyspieler sehr langweilig werden, wenn sie keine guten Karten bekommen. Die Partien sind deutlich langsamer, sodass sich im Vergleich zum Online-Spiel eine Durststrecke schneller bemerkbarer macht. Ein Tisch voller Mönche, die gerade ihr Schweigegelübde abgelegt haben, macht das Ganze dann umso langweiliger. Den meisten Spaß am Pokertisch hat man, wenn alle etwas zu lachen und zu bequatschen haben. Mätzchen und kleine Sidebets sorgen dafür, dass man das vergleichsweise langsame Spieltempo schnell vergisst.

Die falschen Signale

Phil Laak Hoody
Schüchtern zu sein, ist nichts Schlimmes, man sollte das Spiel aber nicht unnötig ausbremsen

Es ist nichts Schlimmes, wenn man ein schüchterner Typ ist, aber auch dann sollte man die Kopfhörer abnehmen und das Smartphone zur Seite legen. Zu Beginn des Jahres wurde bereits ein Pokerturnier veranstaltet, bei dem es gezielt darum ging, dass wir uns von unseren Geräten während der Partien trennen. Sie verlangsamen das Spiel noch mehr, da man ständig abgelenkt ist, und halten einen davon ab, sich mit anderen Spielern zu unterhalten. Zu allem Überfluss senden sie auch noch das völlig falsche Signal aus.

Wenn man am Tisch mit jemandem sitzt, der die ganze Zeit über nur auf sein Handy starrt, wird einem signalisiert, dass derjenige keinerlei Interesse an jeglicher Interaktion mit einem hat. So ein Verhalten am Pokertisch oder in anderen eigentlich geselligen Situationen ist für mich unerträglich.

Ich kann verstehen, warum manche Menschen sich komplett isolieren und keinerlei Gespräche beim Live-Poker führen wollen. Ich selbst bin regelmäßig davon genervt, dieselben Unterhaltungen immer und immer wieder zu führen, und kann einen Lacher nur noch vortäuschen, wenn dieselben Standardwitze gebracht werden, die man in jeder Pokerrunde hört.

Schweigen spricht Bände

William Kassouf
Gesprächig zu sein, heißt nicht, dass man der nächste William Kassouf werden muss

Die Kunst der Unterhaltung an sich ist aber eine Art Metagame, fast wie alles andere im Leben und insbesondere beim Poker. Die meisten Unterhaltungen verlaufen nach üblicher Schablone und sind eigentlich überflüssig. Sie dienen jedoch einem Zweck, der über den eigentlichen Inhalt deutlich hinausgeht. Smalltalk ist eine Methode, um Menschen das Gefühl zu geben, dass sie willkommen sind und dass man gerne mit ihnen Zeit verbringt. Wenn man sich einer Unterhaltung vollständig verschließt, sendet das ein genau gegenteiliges Signal aus – und wer würde das ernsthaft dem Hobbyspieler vermitteln wollen, dem man sich spielerisch eigentlich überlegen fühlt?

Niemand soll sich gezwungen fühlen, zum nächsten Will Kassouf am Tisch zu mutieren, insbesondere wenn man schüchtern oder nicht in Gesprächslaune ist. Live-Poker kann für Hobbyspieler aber manchmal sehr ermüdend und dröge werden. Wenn sie in solch einer Atmosphäre dann auch noch Geld verlieren, muss man nicht das kleine Einmaleins beherrschen, um erahnen zu können, dass sie so einer Partie nicht lange treu bleiben. Gespräche und Mätzchen mit anderen Spielern sind genau das Mittel, das dafür sorgen kann, dass Poker trotzdem ein unterhaltsames Erlebnis wird, egal ob man verliert oder gewinnt.

Haltet ihr es für wichtig, dass man sich an den Tischen gesprächig und anderen gegenüber aufgeschlossen gibt? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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Kommentare (4)

Neueste zuerst
  • lagern

    #1

    ........................Fürst.......................................................
  • Joker1974

    #2

    Absolut, sonst kann ich anstatt Live auch direkt Online spielen
  • mju12

    #3

    BArry, du hast doch sicherlich viel zu erzählen :coolface:
  • Fantomas741

    #4

    Ich würd jede verschwiegene Live Runde einer Online Partie vorziehen weil Excel Tabellen seh ich auf der Arbeit schon genug :D