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StrategieNo-Limit

Evaluation und Exploit von Stats

Einleitung

In diesem Artikel
  • Welche Gefahren beim Umgang mit Stats lauern
  • Wie du die Werte richtig interpretierst
  • Welche Stats nützlich und welche weniger nützlich sind

Stats sind ein wichtiger Bestandteil des heutigen Pokerlebens. Anhand einiger gespielter Hände macht man sich ein grobes Bild seines Gegners und versucht mit ihrer Hilfe bessere Entscheidungen zu treffen.

Dabei musst du jedoch verschiedene Faktoren berücksichtigen. Hier bekommst du einen Überblick über wichtige Stats, die du zukünftig in deine Entscheidungsfindung mit einfließen lassen solltest.

In diesem Artikel werden folgende Punkte behandelt:

  • Allgemeines
  • Probleme
  • Welche Stats sind ausschlaggebend
  • Unnütze Werte
  • Normale Werte
  • Samplesize

Weitere Themenbereiche werden zu einem späteren Zeitpunkt behandelt.

Allgemeines

Die Orientierung an Stats birgt einige Gefahren in sich, dessen solltest du dir jederzeit bewusst sein.

Das Grundproblem: Poker ist ein Spiel mit fehlenden oder zumindest unvollständigen Informationen. Selbstredend wird es dadurch interessant, dennoch möchte man selbst diese Grenze durchbrechen und möglichst viele Informationen bekommen, ohne sie dabei einer wirklichen Kontrolle zu unterziehen.

Es ist letztlich eine Mischung aus Fehlinterpretationen, unschlüssigen Zusammenhängen oder fehlender Samplesize, die hauptsächlich für falsche Adaptionen von Stats verantwortlich sind.

Schleichen sich diese Fehler dauerhaft ein, so verlässt du dich auf falsche Annahmen und läufst Gefahr, das Denken etwas einzustellen. Schnell wird der Gegner als Fisch, als sehr aggressiv oder als gezielter 3-Better ausgemacht, obwohl die Randbedingungen einen solchen Schluss im Grunde gar nicht zulassen.

Jedoch neigen viele Spieler dazu, diese Informationslücke als geschlossen zu betrachten und weitere Begutachtungen zu unterlassen. Das sollte dir jedoch möglichst nicht passieren.

Selbst wenn du in der Lage bist, diese Fehler nicht zu begehen, so denke immer daran, dass sich Stats ändern können, der Gegner durchaus in der Lage sein kann zu adapten und nichts deine persönlichen Eindrücke, deine Reads, ersetzen kann.

Probleme

Liegt eine ausreichende Samplesize vor, so könntest du theoretisch davon ausgehen, dass die Stats aussagekräftig sind. Doch was genau bedeutet das?

Du sitzt an einem Tisch und hast von deinem Gegner tatsächlich ein paar tausend Hände. Das sollte eine Anzahl sein, bei der man helfende Informationen entnehmen kann.

Was du aber nicht vergessen darfst:

  • Die Stats kommen von verschiedenen Tagen, eventuell sogar Wochen.
  • Villain kann mal gute, mal schlechte Tage haben.
  • Villain kann seinen Style mitunter ändern.
  • Villain betreibt Tableselection und spielt primär gegen loose-passive Gegner.
  • Villain spielt gegen dich anders.

Es gibt viele Einflussfaktoren, die zu berücksichtigen sind.

Ein einfaches Beispiel ist dabei der 3-Bet-Wert.

Der 3-Bet-Wert an sich ist schon ein undurchsichtiger Wert. Um wirklich auf eine grobe Range zu kommen, ist der Positions-Wert zu betrachten. Was bedeutet es z.B., wenn dein Gegner 7% 3-bettet? Er 3-bettet am CO vielleicht 5%, am BU 10% und in den Blinds sehr wenig.

Oder umgekehrt: In Position neigt er vermehrt zu Calls, 3-bettet aber im Small Blind und im Big Blind sehr viel. Das verändert dermaßen viel, dass es unerlässlich ist, den Positions-Wert zu betrachten.

Es kommt ein weiterer Faktor hinzu: Dein Gegner 3-bettet in Position X einen Wert Y, dieser ist aber auf alle Tische und alle Gegner bezogen. Es ist damit nicht gesagt, dass der Spieler in dieser Situationen [u]gegen dich[/u] genauso viel 3-bettet.

Auch du achtest bei deinen Aktionen auf deine Gegner (wen 3-bettest du und warum?), das werden deine Kontrahenten ebenso machen.

Berücksichtigst du alle diese Punkte, so wird klar, dass solche Stats mit Vorsicht zu genießen sind und du nicht langfristig teure Moves nur mit ihnen begründen kannst.

Was du auf jeden Fall mitnehmen solltest: Stats sind immer kritisch zu hinterfragen!

Vertraue ihnen keinesfalls blind und halte dementsprechend ständig deine Augen auf, um eventuelle Fehlinformationen aufzudecken.

Welche Stats sind ausschlaggebend?

Während du dir jetzt einige der wichtigsten Werte anschauen kannst, gibt es parallel Anmerkungen zu "normalen" Werten, also Werten, die sich zumindest im Rahmen bewegen. Auch auf die Samplesize werfen wir gleichzeitig ein Auge.

Als "normale" Werte gibt es nur grobe Anmerkungen, einfach deshalb, weil solche Werte bei verschiedenen Varianten (z.b. 6max => Fullring), verschiedenen Limits und bei unterschiedlichen Gegnern dynamisch variieren. Deshalb gibt es auch nicht zwangsweise gute und schlechte Werte.

Zukünftig wollen wir ein Auge darauf werfen, wie man diese Stats exploitet und du sie zu deinen Gunsten nutzen kannst. Daher sind auch nur solche von Bedeutung.

VPIP / PFR

Diese beiden Werte sind die gängigsten und wichtigsten Stats. Der VPIP (wie häufig steigt ein Spieler in den Pot ein) und der PFR (wie häufig raist er preflop) geben dir das erste grobe Bild über deinen Gegenspieler.

Allein anhand dieser Werte wird der Spieler schon kategorisiert, das sollte dir bekannt sein. Eine kleine Zusammenfassung der klassischen Gegnertypen findest du hier.

Der Vorteil dieser Stats: Die Samplesize muss nicht besonders groß sein.

Schon nach wenigen Händen kann sich ein Eindruck bilden, den du nutzen kannst. Wer nach 20 Händen 80/0 Stats vorweist, der wird kein TAG sein. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist schon sehr gering. Das soll nicht bedeuten, dass 20 Hände ausreichen, aber 100 Hände sind schon ein guter Anhaltspunkt.

Zumindest der Gegnertyp wird in den meisten Fällen passen, also das Verhältnis vom VPIP zum PFR. Dies ist nicht in Stein gemeißelt, aber auf so wenige Hände wirst du selten deutlich mehr Informationen bekommen.

Standardwerte gibt es hier natürlich nicht, sie weisen eine riesige Streuung auf und gehen von der 8/5 Nit bis hin zum 90/80 Maniac. Die Informationen, die du daraus ziehen kannst, geben somit einen sehr wichtigen Eindruck über das Gesamtbild deines Gegners.

3-Bet-Wert

Der 3-Bet-Wert wird im Allgemeinen als sehr wichtig betrachtet. Die Begründung ist einfach: Du openraist eine ganze Menge (je nach Position), aber mit den wenigsten Händen gefällt dir eine 3-Bet gegen dich.

Solch eine Erhöhung macht den Pot groß, nimmt dir viele Optionen und veranlasst dich entweder zu folden, zu 4-betten oder zu callen und somit einen 3-bettet Pot ohne Initiative zu spielen. Hältst du nicht gerade die Nuts, sind es nicht die besten Situationen, die du dir vorstellen kannst.

Daher ist es für dich sehr wichtig, einen Überblick zu haben, wie häufig dein Gegner 3-bettet.

Im Abschnitt "Probleme" hast du dazu schon einiges lesen können. Um aus einem 3-Bet-Wert eine grobe Range zu erkennen, ist es wichtig, den Positions-Wert zu betrachten und - wie ebenfalls bereits erwähnt - zu überlegen, ob Villain in dieser Situation gegen dich genauso viel (oder so wenig) 3-betten wird. Das ist alles andere als einfach.

Alleine die Tatsache primär Positionswerte zu Rate zu ziehen macht deutlich, dass die Samplesize schon recht groß sein sollte. Die meisten HUDs zeigen dir nicht nur die Prozentzahl an, sondern auch die Anzahl der betrachteten Fälle. Dies ist bei jeder Stats-Interpretation ein gutes Mittel, um Werte auf ihre mögliche Aussagekraft zu überprüfen.

Auch nach 1000 Händen basieren diese Werte auf einer tatsächlich geringen Samplesize. Sicherlich kannst du nach 20-30 Spots eine grobe Tendenz ermitteln, ab 50 ist der Wert brauchbar, auch wenn er selbstredend noch sehr stark vom theoretischen Ideal abweichen kann. Dennoch sagt 10 von 50 deutlich mehr aus als 2 von 10.

Diese Gedanken kannst du dir bei einer Samplesize jedes Mal selbst machen: Beim VPIP beispielsweise zählt jede Hand, Villain hat immer die Möglichkeit, in den Pot einzusteigen. Aber wie häufig kann er im Cutoff eine 3-Bet anbringen? Die betrachteten Spots werden einfach geringer (was sich postflop noch deutlicher auswirken wird).

Was für Werte hast du dort zu erwarten? Als harte Valuerange wird im Allgemeinen QQ+/AK aufgefasst, das bedeutet eine Range von 2,56%.

Damit ist klar: Je höher der 3-Bet-Wert, umso höher der Bluffanteil. Naturgemäß gehen in vielen anderen Situationen auch schwächere Hände als Value-3-Bet durch, wer jedoch 10% langfristig 3-bettet, hat gegen dich dennoch keine höhere Valuerange. Diese existiert irgendwann einfach nicht mehr. Er wird also einen Großteil seiner zusätzlichen Range bluffen müssen, was dir die Möglichkeit zum Zurückspielen gewährt (in Form von Calls oder 4-Bets).

Bei den meisten TAGs liegen die 3-Bet-Werte zwischen 6% und 9%, die Positionswerte streuen natürlich extremer.

Fold-to-3-Bet-Wert

Dieser Wert sollte für dich sehr interessant sein. Im vorherigen Abschnitt hast du sicherlich auch feststellen müssen, dass 3-Bets gegen dich immer Problemspots sind, in denen man nach Informationen giert, um sich zur Wehr zu setzen.

Aufgrund dessen liegt die Annahme nahe, dass auch deinen meisten Gegenspielern solche Spots nicht unbedingt behagen. Der ft3-b-Wert zeigt dir, wie häufig deine Gegner auf eine 3-Bet hin folden.

Hier ist es nicht möglich, auf Positionswerte zu achten, da es theoretisch wichtig wäre zu wissen, von wo Villain geraist hat und von wo er ge-3-bettet worden ist. Neben der Tatsache, dass solche Werte nicht angeboten werden, sollte mittlerweile klar sein, dass die Samplesize der jeweiligen Spots so verschwindend gering wäre, dass der Wert gar keine Aussagekraft hätte.

Die Samplesize hierfür muss dementsprechend nicht so hoch sein wie beispielsweise bei den Positions-3-Bet-Werten, da alle Spots betrachtet werden, in denen Villain nach einem Raise eine 3-Bet kassiert hat.

Nach ein paar hundert Händen kommen da schon viele Spots zusammen, die eine erste Tendenz liefern.

Die Werte schwanken zwischen 40% und 80%. Wer nur 40% foldet, kann als loose bezeichnet werden. Er callt sehr viel und begibt sich postflop in viele schwere Situationen. Ein Großteil der Spieler beherrscht diese Spots dann nicht (natürlich gibt es Ausnahmen).

Wer 80% foldet, macht einen großen Fehler. Im nächsten Teil werden mathematische Hintergründe durchleuchtet. Du kannst dir ja mal überlegen wie viel Villain langfristig folden darf, damit deine Bluff-3-Bet gegen ihn nicht langfristig +EV wird. Die 80% sind in jedem Fall zu viel.

Standards gibt es im No-Limit Holdem nicht, aber ein Wert um die 55-65% wird dir wohl am häufigsten begegnen.

4-Bet-Wert / 4-Bet-Range

Ein großer Stolperstein: Betrachtest du den 4-Bet-Wert oder die 4-Bet-Range? Was sind die Unterschiede?

Während Werte wie VPIP, PFR oder der 3-Bet-Wert auch gleichzeitig die tatsächliche Range angeben, muss bei einer 4-Bet ja folgende Voraussetzung gegeben sein: Villain raist, jemand 3-bettet.

Der Wert, der dabei herauskommt, bezeichnet also nicht die tatsächliche Range.

Der Zusammenhang sieht wie folgt aus:

4-bet-Range = 4-bet-Wert * PFR

Ein Spieler mit einem PFR von 20% und einem 4-Bet-Wert von 10% hat somit eine 4-Bet-Range von 2%.

Anhand der 4-Bet-Range kannst du somit direkt ausmachen, was dein Gegner grob 4-betten wird. Du weißt, dass QQ+/AK zusammen 2,56% sind, somit wird ein Spieler mit einer 4-Bet-Range von 2% selten 4-bet-bluffen.

4-Bet-Spots sind jedoch wieder seltener anzutreffen, einige hundert Hände benötigst du dafür schon für erste Tendenzen. Werte zwischen 1% und 4% begegnen dir am häufigsten, wobei der Spieler mit einer 1%-4-Bet-Range auch in den Chat schreiben kann, was er hält.

Fold-to-4-Bet-Wert

Dieser Wert zeigt dir an, wie häufig eine 4-Bet deinerseits gegen seine 3-Bet-Range Foldequity erzielt. Die Werte streuen stark, je nach 3-Bet-Verhalten deines Gegners.

Hier schon mal ein kurzer Exkurs: In späteren Artikeln wird konkret auf Fehlinterpretationen eingegangen, gerade solch ein Wert ist dabei besonders gefährlich.

Um diesen Wert zu beurteilen, ist es wichtig, auch auf seine 3-Bet-Range zu schauen. Liegt der ft4-bet-Wert nun bei 0%, sieht das nach einem sehr loosen Spieler aus, gegen den du scheinbar locker for Value pushen kannst. Was ist aber, wenn dieser Gegner nur 2% 3-bettet? Wer nur die Nuts 3-bettet, foldet eben nicht auf 4-Bets. Dies hat nichts mit loose broke gehen zu tun.

Das soll dir zeigen, dass es immer wichtig ist, solche Zusammenhänge zu sehen oder diesen Wert zu hinterfragen.

Attempt to Steal

Auch dieser Wert ist mit Vorsicht zu genießen. Was bedeutet "Steal"? Eigentlich ist jedes Raise ein Steal, um die Blinds zu attackieren. Auch wird nicht unterschieden (es kann logischerweise nicht unterschieden werden), ob Villain wirklich stealen will oder ob er for Value raist.

Der Wert kann dich in die Irre führen, allgemein wird damit ein first-in Raise vom CO, BU oder SB bezeichnet.

Die Werte wandern um die 30-50% herum, jedoch solltest du hier auf jeden Fall die Möglichkeit nutzen, dir die Position-Stats anzeigen zu lassen (wie viel raist Villain first-in von der jeweiligen Position). Die Zusammenfassung aller drei Stats zusammen kann verwirrend wirken und zu falschen Range-Einschätzungen führen (da beispielsweise BU-first-in und SB-first-in sehr weit voneinander abweichen können).

Fold SB/BB to Steal

Konsequenterweise bezeichnen diese Werte Folds in der jeweiligen Position auf den oben definierten Steal.

Dies ist nun interessant für dich, denn du kannst sehen, wie häufig die Blinds im Durchschnitt einfach folden. Die Samplesize dafür muss nicht sonderlich hoch sein, den Blind müssten sie schließlich jeden Orbit defenden.

Die Werte schwanken zwischen 70-90%, jedoch musst du auch hier jedes Mal die Randbedingungen betrachten.

Foldet der BB zu 80% auf Steals, foldet er gegen Raises vom Cutoff aufwärts. Das bedeutet nicht automatisch, dass er genau so viel foldet, wenn du aus dem Small Blind heraus stealst (und Villain demnach Heads-Up in Position gegen dich spielen könnte).

Stealst du vom Button aus, musst du natürlich berücksichtigen, dass beide Spieler folden müssten, sofern du einen reinen Steal-Versuch unternimmst.

Continuationbet Flop

Der Continuationbet-Wert sagt aus, wie häufig der Preflopaggressor am Flop die ihm "zustehende" Bet aufgrund seiner Initiative tätigt.

Hier gilt es zu berücksichtigen, dass der Wert kaum 100% erreichen kann. Es werden alle Spots betrachtet, also auch große Multiwayspots, in denen eine reine Bluff-C-Bet keinen Sinn macht. Sollte Villain in Position spielen und sein Gegner donken, sprich die Initiative nicht anerkennen und selbst betten, hat Villain gar nicht die Option, eine Continuationbet zu setzen.

Die Werte liegen meistens zwischen 55 und 70%, alles darunter ist eher wenig, dementsprechend sehr valuelastig. Alles über 70% gilt es zu hinterfragen, der reine Bluffanteil bei Villain wird deutlich höher, dies muss er irgendwie kompensieren (beispielsweise durch hohe 2nd-Barrel-Werte am Turn und weitere Postflopbluffs).

Continuationbet Turn / River

Um eben diese Muster zu erkennen, solltest du diese Werte gleich mit einbeziehen. Wichtig hierbei: Die Continuationbet-Werte an Turn und River beziehen sich nur auf die Spots, in denen Villain auf den Streets zuvor auch seine C-Bet gesetzt hat.

Ein C-Bet-Turn-Wert von 50% bedeutet demnach, dass Villain in 50% aller Spots eine 2nd Barrel setzt, in denen er auch den Flop gebettet hat. Der C-Bet-River-Wert zeigt demnach an, wie häufig Villain durchbarrelt, sprich am River bereits die 3rd Barrel setzt.

Du kannst dir denken, dass diese Spots wiederum nicht allzu häufig auftreten. Der C-Bet-River-Wert alleine hat somit keine Aussagekraft, hier muss kombiniert werden, wie viel Villain überhaupt spielt und wie häufig er an Flop und Turn durchbettet.

Ein River-Wert von 100% ist sicherlich stark, wenn er von einem 13/10er kommt, der nicht allzu häufig contibettet und selten eine 2nd Barrel setzt.

%fold Flop/Turn/River to cbet

Diese Werte zeigen dir, wie dein Gegner durchschnittlich auf C-Bets reagiert.

Merken kannst du dir, dass bei einer 2/3-Potsizebet eine Foldequity von 40% benötigt wird. Foldet dein Gegner deutlich mehr, so wird die Bet an sich +EV (sofern wir uns auf Bluffs beziehen).

Siehst du beispielsweise, dass dein Gegner am Flop zu 35%, am Turn aber zu 50% auf eine C-Bet foldet, ist der gesamte Zug (Continuationbet + 2nd Barrel) +EV. Solche Moves sollten dein Ziel sein. Auch auf solche Zusammenhänge wird in späteren Artikeln spezifisch eingegangen.

Es gibt ebenfalls Werte, die anzeigen, wie häufig Villain insgesamt auf Flop/Turn/Riverbets reagiert. Hier musst du berücksichtigen, dass alle Spots mit einbezogen werden, auch unraised Pots oder Situationen, in denen an Flop und Turn gecheckt worden ist. Diese Werte solltest du also mit Vorsicht genießen, da ihre Aussagekraft recht dürftig ist.

Aggression Factor

Definition Aggression Factor:

(% raise + % bet) / (% call)

Der AF bezieht sich nur auf das Verhältnis von Bets (bzw.Raises) zu Calls. Es wird jedoch nicht berücksichtigt, wie häufig Villain foldet (oder checkt). Die Rechnung besagt nur, dass jemand am Flop in zehn Spots achtmal bettet oder raist und zweimal callt, daraus ergibt sich ein AF von 4.

Der Wert wird seit jeher benutzt und es gibt viele Erfahrungswerte. Grundsätzlich sollte der AF von Street zu Street absteigen und findet sich meistens in folgenden Bereichen wieder:

  • Flop-AF: ~3,5 - 5
  • Turn-AF: ~2,5 - 4
  • River-AF: ~1,5 - 3

Groben Abweichungen solltest du besondere Aufmerksamkeit schenken. Auffällig ist vor allem das Phänomen, dass der River-AF höher ist als der Turn-AF.

Die Gründe dafür sind in erster Linie Slowplays am Turn beziehungsweise dort fehlende Valuebets. In diesen Fällen sind die Riverbets eher for Value.

Alternativ nutzt Villain den River, um zu bluffen, wenn er bei Villain Weakness vermutet.

Dieser Fall ist ein gutes Beispiel für Fehlinterpretationen, denn ein hoher River-AF bedeutet nicht automatisch, dass Villain hier zu viel blufft. Hier musst du selbst drauf achten, warum der River-AF höher ist und mit welchen Händen Villain dies am ehesten spielt - Stats alleine können dir da nicht weiterhelfen.

Aggression Frequency

Definition Aggression Frequency:

(times bet + times raised) / (times bet + times raised + times checked + times called + times folded)

Dieser Wert bezieht nun auch die passiven Handlungen ins Verhältnis mit ein.

Wird in zehn Spots fünfmal gebettet oder geraist (aggressiv) und zweimal gecallt, einmal gecheckt und zweimal gefoldet (allesamt passiv), so liegt die Aggression Frequency bei 50%. Durchschnittlich liegen diese Werte zwischen 25 und 45%, auch hier von Flop bis zum River fallend.

Went to Showdown

Der „Went to Showdown“ zeigt an, wie häufig Villain den Showdown erreicht.

Der Wert schwankt meistens zwischen ~22-28%. Auf einhundert Hände betrachtet wären dies bei einem VPIP von circa. 20% fünf Hände, die zum Showdown gehen. Daran siehst du, dass auch nach ein paar hundert Händen dieser Wert noch mit Vorsicht zu behandeln ist und stark schwanken kann.

Es bleibt nicht aus, ein Verhältnis zum VPIP/PFR herzustellen. Theoretisch müsste ein tighter Spieler einen höheren WTS haben. Er spielt eine kleinere und somit postflop stärkere Range, die häufiger den Showdown erreichen will. Jemand der sehr loose spielt, muss jedoch häufiger versuchen, den Pot unimproved zu gewinnen, da langfristig seine Equity nicht ausreicht, um zu viele Showdowns zu erreichen (zu gewinnen).

Wenn also ein looser Spieler einen hohen WTS hat, spricht dies eher für einen schlechten Spieler beziehungsweise für jemanden, der zu viel callt.

Hat hingegen ein sehr tighter Spieler einen geringen WTS, ist dies ein Indiz dafür, dass du bis zum River viele made Hands bei Villain verdrängen kannst, die nicht gerade die Nuts sind.

Unnütze Stats

Neben den bislang genannten Stats gibt es noch zahlreiche andere, jedoch solltest du die meisten nicht überbewerten.

Der Haken an der Sache ist, dass viele Stats keine wirkliche Aussagekraft haben können. Die Grundprobleme hast du kennengelernt (bspw. Samplesize), aber einige Werte sind nicht einmal vernünftig interpretierbar.

Betrachtest du einen Wert wie "Checkraise River“, so treffen alle Probleme zusammen. Zum einen kommt dieser Spot so selten vor, dass man ihn kaum bewerten kann. Ebenfalls weißt du nicht, ob Villain diesen Move eher for Value oder als Bluff durchzieht. Auch ein Vergleich zu den Alternativen (c/c River, c/f River, bet River) wird nicht hergestellt.

Das Hauptproblem ist jedoch, dass dieser Wert nicht berücksichtigen kann, was vorher passiert ist. Wie war die Preflopaction? Was geschah an Flop oder Turn?

Bei dem C-Bet-River-Wert oder dem ft-C-Bet-River-Wert wird immerhin deutlich, was vorher geschah. Aber der reine Checkraise-Wert wird völlig isoliert betrachtet und geht nicht auf Initiative oder sonstiges ein.

Daher ist es wichtig, dass du dich auf das Wesentliche konzentrierst und schaust, wie du die wichtigen Stats interpretieren kannst und sie zu deinen Gunsten nutzt. Andere Stats solltest du erst einmal außen vor lassen.

Zusammenfassung

Du hast nun einen ersten Einblick in die Stats-Problematik erhalten und solltest nun wissen, welche Gefahren die Interpretation beinhalten kann. Der wichtigste Punkt ist dabei, jeden Wert jeder Zeit kritisch hinterfragen.

In naher Zukunft wirst du lernen, was du mit diesen Stats nun anfangen kannst. Wann lohnt sich ein Steal, eine 3-Bet oder eine 4-Bet? Mit welcher Raisesize erzielst du die nötige Foldequity? Wie kannst du ein Gesamtbild deines Gegners zeichnen und wichtige Stats kombinieren? Welche Adaptionen kannst du in dein Spiel einfließen lassen?

 

Das ist noch nicht der ganze Artikel...

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Kommentare (23)

#1 Chrisi, 23.03.12 22:55

first

#2 CryingAce, 24.03.12 13:58

nun ja ,war halt der erste Teil :-)

#3 CryingAce, 24.03.12 14:27

:-)

#4 Askim32, 24.03.12 15:45

very nice

#5 Lickwick, 24.03.12 16:45

Klasse, auf dieses Thema habe ich schon gewartet! Ich finde, das kann ruhig noch weiter und ausführlicher erörtert werden! Gute Arbeit.<br /> <br /> btw: der Link in "VPIP/PFR" -hier- funktioniert nicht bzw. führt nicht zu einem konkreten Ziel

#6 Schorni59, 24.03.12 17:39

sehr schön, weiter mit dem nächsten Teil :-)

#7 burny36, 24.03.12 17:55

Ich spiele seit Jahren ohne Stats. Jetzt werde ich mit ihnen spielen. :-)

#8 SvenBe, 24.03.12 18:04

he Lickwick, danke fürs Melden, der richtige Link lautet http://de.pokerstrategy.com/strategy/bss/1568/1/ =>ich korrigier ihn im Artikel wenn ich Montag auf Arbeit bin. Grüsse,Sven

#9 Chimba, 25.03.12 03:31

Alles schön und nett geschrieben und ist auch sehr interessant, aber 80-90% vom Inhalt ist bereits in anderen/alten NL Artikel´n vorhanden.<br /> Okay ist ne Einleitung zu einer Theorie Serie, so wie ich das sehe. Aber bisher nichts neues ;)<br /> Bin auf die nächsten Teile gespannt, wenn denn noch etwas kommt.

#10 timer111, 25.03.12 09:17

obernice...gekauft

#11 Bonissimo, 25.03.12 10:15

Wenn ich all das "Wenn" und "Aber" und das "Vorsicht" und das "Vielleicht" lese: Lohnt es sich überhaupt mit Stats zu spielen? Oder sollte man lieber die besondere Zusammensetzung des jeweiligen Tisches berücksichtigen? Dazu sollte sich einmal jemand äußern, der Erfahrung mit Stats hat!

#12 ToniCash, 26.03.12 11:52

Du kannst dir ja mal überlegen wie viel Villain langfristig folden darf, damit deine Bluff-3-Bet gegen ihn nicht langfristig +EV wird. Die 80% sind in jedem Fall zu viel.<br /> <br /> gute frage ??? 40% ???

#13 MSKing66, 14.05.12 13:29

I

#14 MSKing66, 14.05.12 13:30

Ich habe wieder etwas gelernt. Danke!

#15 SteveShiaaat, 24.05.12 12:13

Hallo<br /> <br /> Ich versuche es mal.<br /> mMn liegt der Be Point bei 30% (in einem standartspot) heißt <br /> Annahmen<br /> Hero hat Position auf villain (raiser)<br /> Blinds folden<br /> Villain raist auf 3bb<br /> Hero 3 betet auf 10.5 bb<br /> <br /> Hero investiert 10.5 bb um 4.5 bb zu gewinnen<br /> <br /> 10.5 / 4.5=2.33<br /> bedeutet 2.33 zu 1 oder<br /> 70 zu 30<br /> 7zu3<br /> 2.33 zu 1<br /> Heißt doch ab 70 % Fe ist der Spot/ Move break Even<br /> 0.7*4.5 + 0.3* (-10.5) = 0<br /> also ist die Antwort<br /> Ich darf nicht mehr als 70% folden damit der 3bet Bluff + ev wird<br /> Hoffe das ist korrekt

#16 TBoombastic, 12.06.12 11:02

In Position brauch man nicht so groß 3-betten. 9bb reicht auch und damit bräuchten wir nur noch 67% fold equity :-)

#17 CryingAce, 23.06.12 22:13

WO bleibt der 2te Teil ?<br /> Sehe hier gerade über 3 Monate ??

#18 Razorfazor, 18.09.12 13:22

Garnicht so leicht diese ganzen Stats sinnvoll zu seinem nutzen zu gebrauchen, guter thread!

#19 lichtwicht69, 18.01.13 05:18

Wann kommt denn der nächste Teil?

#20 MarcelRene, 13.10.13 00:36

Dieser Artikel macht erst in Zusammenhang mit den Silberartikeln über das handreading vollen Sinn bzw. als Verlinkung zu Artikeln a la "wie spiele ich gegen welche Gegner"? Sinn, wo oft nach Beispielen zu stats gefragt wird. Oder direkt hier die "typischen stats typischer Gegner" in einer Tabelle am Schluß als Übersicht bzw. Versuch, das Sprachlich schon ausgiebig Umrissende nochmals zusammenzufassen?

#21 Andrewlane, 29.11.13 10:33

up

#22 Brando, 20.01.14 12:22

Gibt es noch mehr Artikel die sich mit der Auswertung konkreter Stats befassen?? Finde sonst keine???

#23 sally73wuff, 18.10.15 16:32

so ganz blicke ich da noch nicht durch..