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StrategieNo-Limit

Shorthanded: Preflop Basics

Einleitung

In diesem Artikel
  • Stärken und Schwächen eines Openraising Charts
  • Wann du von den angegebenen Ranges abweichst
  • Wann du selbst 3-bettest und wie du gegen 3-Bets der Gegner spielst

In diesem Artikel wirst du grundlegende und wichtige Kenntnisse über das Spiel vor dem Flop an 6-max Tischen erwerben. Die Dynamik unterscheidet sich allerdings bei Shorthanded erheblich vom Fullring-Spiel. Ziel ist es, die Unterschiede im Preflopspiel zu verstehen und umzusetzen.

Mit Hilfe eines Openraising Charts und der Analyse ausgewählter Handbeispiele lernst du, wie du deine Ranges anpassen musst, um einen profitablen Einstieg in Shorthanded zu finden.

Am Ende wirst du noch erste Grundlagen für dein Verhalten in 3-bet Pötten finden.


Warum ein Openraising Chart (ORC) ?

Die allgemeine Argumentation pro und contra Chart ist schon zur Genüge besprochen worden und soll hier nicht Teil des Artikels sein. Vielmehr geht es speziell um das eingeführte ORC für Shorthanded NL, seine Stärken und Schwächen.

Ein Chart ist immer eine Einstiegshilfe, von der aus du dein Spiel weiterentwickeln kannst. Deshalb ist er lediglich ein Mittel, um unerfahrenen Spieler am Anfang zu helfen.

Je mehr Erfahrung du sammelst und je tiefer du einzelne Situationen analysiert, wird sich dein Spiel vom Chart hin zu deinem eigenen Stil weiterentwickeln. Ein Chart stellt nie ein Optimum dar, denn im Poker steht die einzelne Situation weit vor allgemeinen Regeln.

Das Chart hat den Zweck, dich in deinen ersten Händen anzuleiten und dir einen soliden Überblick zu geben. Für den Anfang empfiehlt es sich, das Chart genau zu befolgen, wie immer gilt aber: Je erfahrener du wirst, desto öfter wirst du Situationen finden, in denen das Spiel des höchsten EV nicht das des Charts sein wird.


Das ORC

Standardtabelle Shorthanded:
  UTG
MP
CO
BU
SB
Pocketpairs 22+
22+
22+ 22+
22+
AX
AJo+
ATs+
AT+ A9o+
A6s+
A2+
ATo+
A6s+
Kx
KQ+
KJ+
K9+
K8o+
K7s+
K9+
Qx
- - Q9o+
Q9s+
Q8o+
Q7s+
Q9+
Jx
- - J9+
J8o+
J7s+
J9o+
J8s+
Connectors
- - 78o+
56s+
45+
67s+
Onegappers
- - T8s+ 79+
-
Maximaltabelle Shorthanded:
  UTG
MP
CO
BU
SB
Pocketpairs 22+
 22+ 22+ 22+
22+
AX
AT+ A9+
A2+
A2+
A2+
Kx
KJ+
KJ+
K8o+
K7s+
K2+
K8o+
K7s+
Qx
- QJo+
QTs+
Q8o+
Q7s+
Q8o+
Q2s+
Q8o+
Q7s+
Jx
- - J8o+
J7s+
J8o+
J5s+
J8o+
J7s+
Connectors
56s+ 56s+
45+
45+
45+
Onegappers
- -
79+
79+
79+
Minimaltabelle Shorthanded:
  UTG
MP
CO
BU
SB
Pocketpairs 66+
66+
22+ 22+
22+
AX
AQ+
AJs+
AJ+
A9o+
A7s+
A9o+
A2s+
AT+
Kx
-
KQ+
K9+
K9o+
K8s+
KT+
Qx
- -
QTo+
Q9s+
Q9o+
Q8s+
QT+
Jx
- - J9+
J8o+
J7s+
JT+
Connectors
- -
T9s+
45+
-
Onegappers
- -
T8s+
79+
-

Das Chart als PDF-Datei

Wie du das ORC anwendest

Es gibt drei unterschiedliche Ranges. Die normale Range, die loose Range und die tighte Range. Du musst selbst entscheiden können, ob du in einer dir gegebenen Situation lieber loose, tight oder durchschnittlich viel raisen möchtest.

Je nachdem, wie du deinen Tisch einschätzt, solltest du die jeweilige Range zum Openraisen verwenden. An sehr loosen Tischen solltest du eher tighter spielen, an tighten Tischen eher looser openraisen. Hierbei wird explizit noch keine Aussage über dein Spiel nach Limpern oder einem Openraise getroffen.

Hast du dich für eine Range entschieden, ist das weitere Vorgehen denkbar einfach: Du raist Hände first in, die gelistet sind. Den Rest foldest du. Als Raisesize sei zunächst 4BB empfohlen, optional kannst du am Button auch nur 3BB raisen.

Einige Erläuterungen zu den Ranges

Die normale Range sollte einem normalen Tisch entsprechen. Hier findest du eine gute Mischung aus Valuehänden sowie deceptive Händen, welche hauptsächlich von Initiative und Position leben. Diese Range ist anzuwenden, wenn du

  • deine Gegner nicht weiter einschätzen kannst
  • es weder Gründe gibt um looser zu raisen, noch Gründe um tighter zu raisen (z.B. durchschnittliche Gegner hinter dir)
  • es vergleichbar gute Gründe für loose sowie tighte Raises gibt (z.B. ein sehr tighter Tag sowie ein sehr looser TAG/LAG in den Blinds)

Abweichen solltest du aus folgenden Gründen:

Loosere Raises:

  • Deine Gegner sind sehr tight und folden pre- und postflop viel.
  • Deine Gegner sind sehr schlecht und du gewinnst postflop viel Geld von ihnen. Gleichzeitig sind sie aber auch in der Lage zu folden.
  • Kurzfristige Gründe (sehr tight gespielt in den letzten Händen; tightes Image)

Tightere Raises:

  • Deine Gegner spielen aggressiv zurück.
  • Loose Shortstacks sitzen in den Blinds.
  • Kurzfristige Gründe wie Imageverlust (gerade einen Pot verloren/Bluff gezeigt/looses Image)

Selbstverständlich handelt es sich hierbei um keine erschöpfende Liste an möglichen Gründen zum Abweichen von der Basisrange. Hierfür musst du mit der Zeit ein gewisses Gefühl entwickeln. Weiter zu ändern sind die Ranges auch in speziellen Situationen, wie zum Beispiel:

Sehr schlechte und callfreudige Blinds:

  • Hier lohnt es sich nicht, beliebigen Trash zu stealen. Gleichzeitig lohnen sich aber Valuehände stärker.

Spieler, die sehr viele mittelstarke Hände coldcallen:

  • Um hier der Domination zu entgehen lohnt es sich, mehr deceptive Hände mit cleanen Pairs anstelle zweifelhafter Valuehände zu raisen.

Viele relativ tighte, reasonable Spieler:

  • Hier lohnt es sich auch, schon früh deceptive Hände zu raisen.

Wie du nun siehst, handelt es sich bei diesem Chart keinesfalls um die Angabe der für dich perfekten Range in beliebigen Situationen. Es ist, wie gesagt, nur ein Anhaltspunkt.


Limper

Hierfür gibt es kein Chart. Wie im Fullring sind die Situationen hier zu unterschiedlich, um sie in einem Chart final behandeln zu können. Hier musst du anhand ähnlicher Kriterien wie beim Blindstealing entscheiden, ob es sich lohnt, das zusätzliche dead Money anzugreifen oder eben nicht.

Es gibt Spieler, gegen die kannst du beinahe soviel raisen, wie gegen die Blinds, und es gibt Spieler, bei denen dies sehr unprofitabel wäre. Generell solltest du dir, ähnlich wie bei einem Blindsteal einige Fragen stellen:

  • Ist deine Hand stärker als die Range des Limpers?
  • Wird der Limper häufig auf das Raise folden?
  • Wirst du oft Heads-up mit dem Limper kommen (Hier musst du auch die Blinds beachten) und kann er postflop folden?
  • Reicht die effektive Stacksize für ein Postflopplay aus? Kannst du contibetten?

Anhand der Antworten auf diese Fragen solltest du deine Entscheidung pro oder contra Raise treffen.


3-Betting

Zunächst ein wichtiger Punkt vorab: Stelle dein 3-Bet-Verhalten nicht direkt schlagartig um. Du solltest dich auch was 3-Bets anbelangt, langsam an die neue Dynamik gewöhnen. Setze die hier vorgeschlagenen Ansätze stückweise um. Auf diese Weise vermeidest du Verluste aufgrund von mangelnder Erfahrung.

Gleichzeitig beschäftigt sich der Großteil dieses Abschnittes mit dem Spiel gegen denkende bis gute Spieler. Dass du gegen sehr schlechte Spieler nicht auf die Verteilung deiner Range in einer bestimmten Situation achten musst, sollte dir klar sein. Das wird vorausgesetzt und nicht weiter erwähnt.

Auch für 3-Bets lässt sich aufgrund der hohen Dynamik in Shorthanded Games kein Chart schreiben. Hier ist es einfach zu wichtig, richtig einzuschätzen, ob die aktuelle Hand in der aktuellen Situation für ein Reraise spricht. Generell musst du zwischen verschiedenen Zielen, die deine 3-Bets verfolgen können, unterscheiden.

3 –Bets for Value:

  • Du hast die beste Hand und erwartest Calls oder 4-Bets von schlechteren Händen.

Deceptive 3-Bets:
Du hast nicht die beste Hand, erwartest aber einen positiven Erwartungswert durch:

  • das Folden besserer Hände.
  • das Gewinnen großer Pötte bei Treffern.
  • das Erweitern deiner 3-Betting-Range (Bringt nur in der Zukunft etwas).

Um eine 3-Bet for Value spielen zu können, sollte deine Hand gegen die Range, mit der dein Gegner vermutlich weiterspielt, einfach vorne sein. QQ+, AK kannst du hier immer 3-betten (auch wenn du nicht immer musst!). Oft auch TT, JJ und AQ.

Weiterhin solltest du für eine 3-Bet for Value wissen, wie du auf eine 4-Bet oder einen Call reagierst. Es ist durchaus möglich, mit einer Hand eine 3-Bet for Value zu machen, welche du auf eine 4-Bet foldest. Eben genau dann, wenn du erwarten kannst, dass dein Gegner mit einer Range, gegen die du vorne bist, deine 3-Bet callt, allerdings mit einer Range 4-bettet, gegen die du nicht profitabel All-In gehen kannst.

Gegen loose callende Gegner ist es auch möglich, eine weitere Range for Value zu 3-betten. Dies musst du selbst entscheiden.

Alle 3-Bets die nicht in die Kategorie 3-Bets for Value fallen, verfolgen mehrere Ziele. Zum einen wird deine allgemeine 3-Betting-Range erweitert. Du bist weniger einfach zu readen. Thinking Player haben es dadurch nicht so leicht, gegen dich zu spielen. Deine Ranges sind nicht mehr so leicht zu durchschauen. Dadurch bekommst du im Fall einer sehr guten Hand oft mehr Geld in den Pot.

Ranges für deceptive 3-Bets

Bleibt zunächst eine passable Range für deceptive 3-Bets zu bestimmen. Hierfür eignen sich Hände, die im Fall eines Calls nicht dominiert sind und ein großes Potential auf eine Hand haben, mit der du für den gesamten Stack spielen willst. Beispiele hierfür sind:

Suited Connectors

  • Straights und Flushs sowie einige Combodraws, die im 3-bet Pot auch genug Equity für ein All-In haben.

Kleine Pockets

  • Sets

Auch in Grenzen geeignet sind suited (Wheel-)Aces. Ähnlich wie suited Connectors gibt es hier einen weiteren Grund für die 3-Bet:

  • Du hältst mit einem von 4 Assen eine Karte, die AA, AK, AQ weniger wahrscheinlich macht.

Ein Grund der dagegen spricht:

  • Hält dein Gegenspieler dennoch ein Ass , bist du häufig dominiert.

Weniger geeignet sind alle Hände, die nicht in diese Kategorien fallen. Problematisch sind vor allem Hände, mit denen du dominiert bist. Ähnlich wie im einfach geraisten Pot kann es dir eben auch im 3-bet Pot passieren, dass du mit einem 3-Outer und Toppair dastehst, von dem du aufgrund des größeren Pots in der Regel auch nicht mehr weg kommst.

Jetzt hast du einen ersten Eindruck erhalten, womit du außer for Value 3-betten kannst. Als nächstes muss geklärt werden, wann und gegen wen dies überhaupt sinnvoll ist. Deceptive 3-Bets sind so etwas wie Semibluffs vor dem Flop. Die Bedingungen für die jeweilige Profitabilität sind vergleichbar. Ein Teil kommt aus der Foldequity, der andere Teil aus den Pötten, die du in einem Showdown gewinnst.

Generell solltest du immer darauf achten, nicht zu viele Semibluffs preflop zu machen. Das würde dazu führen, dass du keinen Credit mehr bekommst, was auch zunächst nicht dein Ziel ist. Eine gesunde Mischung aus 3-Bets for Value und Semibluffs sorgt dafür, dass du nicht all zu einfach readable bist und gleichzeitig nicht zu oft gereblufft wirst.

3-Bets for Value solltest du am Anfang immer spielen. Zwar gibt es besondere Situationen, in denen der Call mit einer Valuehand den höheren EV hat, allerdings handelt es sich hierbei um  fortgeschrittene Theorie, so dass sie in diesem Rahmen nicht weiter behandelt werden soll.

Ob du eine deceptive 3-Bet machst oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab. Einige sollen hier zusammen mit ihrer Auswirkung auf deine Entscheidung aufgelistet werden. Entscheiden musst du jedoch wieder selbst.

Eigenschaften deiner Gegner wirken sich wie folgt aus:

Dein Gegner foldet viel auf 3-Bets:

  • Öfter als Semibluff 3-betten.

Dein Gegner 4-bettet viel auf 3-Bets:

  • Weniger semibluffen, weniger 3-bet/fold spielen. Dafür mehr 3-bet/broke.

Dein Gegner callt viel auf 3-Bets:

  • Weniger semibluffen und mehr for Value 3-betten.

Dein Image wirkt sich wie folgt aus:

Tightes Image

  • Mehr semibluffen, da deine Foldequity mit tightem Image größer ist.

Looses Image

  • Weniger semibluffen und mehr for Value 3-betten, da deine Gegner weniger folden.

Eine Preflop-Valuerange liegt meist zwischen 3 und 4.5%. Wenn du in etwa genau so viele Semibluffs wie 3-Bets for Value spielst, ist das insgesamt eine gute Mischung.

Besonderheiten im Spiel out of Position

Bisher wurden nur allgemeine Betrachtungen gemacht. Im Folgenden soll speziell auf die Dynamik out of Position eingegangen werden. Wenn du ooP bist, gilt es den Positionsnachteil zu beachten. Die Wahrscheinlichkeit, dass dich Villain callt, ist meist deutlich höher, als wenn du IP bist.

Dies ist auch logisch, schließlich hat dein Gegner nach dem Flop ja Position auf dich. Dessen solltest du dir immer bewusst sein, wenn du ooP 3-bettest. Auch hier solltest du vorher entscheiden, ob und wenn ja, welche Boards du noch contibetten möchtest.

Gleichzeitig musst du natürlich die Foldequity preflop beachten. Kommst du zu dem Schluss, dass weder dein Preflopbluff oft genug erfolgreich sein wird, noch ein Postflopbluff, verzichte eben auf diese. In solchen Situationen bleibt dir nichts, als nur for Value zu spielen.

Auch bei der Blinddefense musst du auf eine Mischung achten. 3-bettest du nur for Value, so bekommst du kein Payoff. Bluffst du zu viel, wirst du dich gegen gute Gegner auf lange Sicht zu oft in unprofitable Situationen begeben. Entweder bekommst du nach dem Flop ooP Probleme, oder musst einfach preflop zu oft auf 4-Bets folden.


Wie spielst du gegen 3-Bets?

Nun weißt du, wie du in etwa selbst 3-betten sollst. Jetzt bleib natürlich die Frage, wie du auf gegnerische 3-Bets reagieren sollst. Dafür solltest du wie immer zunächst die Range bestimmen, gegen die du spielst, und dann dementsprechend entscheiden.

Um die Range zu bestimmen können dir sämtliche zur Verfügung stehenden Informationen helfen. Zum einen genaue Stats, welche ab einer gewissen Samplesize statistische Relevanz besitzen, genauso wie der gesamte Eindruck des Spielers:

Welche Range erwartest du von jemanden mit den jeweiligen Eigenschaften?

Hast du so eine ungefähre Range festgelegt, musst du überlegen, wie er mit welchem Teil davon gegen welche mögliche Aktion von dir reagieren wird. Dafür ist natürlich auch wichtig zu beachten, welche Range er dir für eben diese Aktion geben wird.

Natürlich kannst du die Range hier nicht im Sinne von genauen Handranges, sondern eher in ein Verhältnis Semibluffs (Pockets, Connectors, usw.) und Valuehände (big Aces, big Pockets) einteilen.

Nun hast du natürlich wieder drei Optionen: Raise, Call oder Fold.

Selbstverständlich gilt auch bei allen Aktionen, die du gegen 3-Bets machst: Du solltest dabei nicht polarisieren. Wenn du starke Hände 4-bettest, solltest du gelegentlich auch Bluffs 4-betten (gesetzt den Fall dein Gegner ist in der Lage zu folden). Callst du mittelstarke Hände, solltest du ab und an auch schwächere sowie Monster callen.

4-Bets

Für die 4-Bet auf eine 3-Bet spricht ähnliches, wie schon für die 3-Bet selbst. Entweder hast du eine starke Hand und 4-bettest, nun mit dem Ziel All-In zu kommen, oder du möchtest deinen Gegner zum Fold zwingen.

Gründe für eine 4-Bet mit einer starken Hand:

  • Balancing deiner 4-Bet Bluffs.
  • Die Annahme, dass dein Gegner mit vielen Händen, mit denen er 3-bettet auch broke geht.
  • Die Vermeidung eigener Fehler am Flop.

Gründe für eine 4-Bet als Bluff:

  • Dein Gegner kauft dir eine starke 4-Betting-Range ab und wird demnach viel folden. Dafür benötigt er natürlich schon eine relativ loose 3-Betting-Range.

Faktoren die hier mit hineinspielen:

  • Der Gegner (Wie loose geht er broke?)
  • Dein Image, vor allem preflop (Viele/wenige 3-/4-Bets)

Als Hände für einen solchen Bluff eignen sich folgende: zum einen die, mit denen dein Gegner All-In gehen würde und diese Hände bei deinem Gegner unwahrscheinlicher machen (Ax reduziert die Wahrscheinlichkeit für AA um 50%, die für AK und AQ um jeweils 25% zum Beispiel). Zum anderen auch Hände, die du auf ein All-In sicher folden kannst.

Als 4-Bettingsize hat sich insgesamt ein Richtwert vom 2,5-fachen der 3-Bet als gut erwiesen. Damit solltest du auch starten.

Call auf die 3-Bet

Für den Call einer 3-Bet mit einer starken Hand spricht die Erwartung, postflop in einem Pot mehr Geld vom Gegner gewinnen zu können als preflop. Das kann daran liegen, dass die erwartete Foldequity für eine 4-Bet zu groß ist, aber auch daran, dass dein Gegner sehr gerne nach dem Flop blufft.

Betrachte als Beispiel einmal folgende Situation:

Du bist UTG und raist 4BB. Der SB 3-bettet nach Folds auf 14BB, der BB foldet. Würdest du hier 4-betten, würdest du sehr häufig enorme Foldequity erzeugen. Callst du nur, so behältst du oft Hände im Pot, die preflop folden würden und postflop ooP oft noch eine Menge Geld verlieren. Hast du hier eine Valuehand, ist der Call in der Regel der 4-Bet vorzuziehen.

Für den Call mit einer schwächeren Hand spricht sowohl die Erwartung, den Pot unimproved gewinnen zu können, als auch im Falle eines Treffers ausgezahlt werden zu können. In den meisten Fällen bietet sich der Call eher IP an.

Gründe dafür können sein:

  • Dein Gegner blufft preflop viel und hat demnach keine starke Range.
  • Dein Image spricht für eine starke Hand, dein Gegner blufft dich nicht zu hart.
  • Du kennst deinen Gegner soweit, dass du z.B. sein Multibarrel-Verhalten einschätzen kannst.

Gründe dagegen können sein:

  • Dein Gegner gibt dir nicht viel Credit.
  • Dein Gegner blufft allgemein sehr viel postflop.
  • Dein Gegner ist sehr showdownbound.
  • Dein Gegner 3-bettet wenig und hat deswegen eine sehr starke Range.

Auch dieses Thema soll nur angerissen, nicht erschöpfend behandelt werden.

 

Kommentare (45)

#1 Knusperklaus, 06.11.09 10:11

#1

#2 Quiesel, 06.11.09 10:39

Warum im CO J9+ aber kein Qx?

#3 andreas1964, 06.11.09 10:56

Der Link zum Diskussionsthread ist falsch; führt zum HU-Thread.

#4 Konti23, 06.11.09 10:59

Danke für den Hinweis, ich gebe die Info weiter! Sollte sofort gefixt sein!

#5 Konti23, 06.11.09 10:59

In der News findest du auch den richtigen Link: http://de.pokerstrategy.com/forum/thread.php?threadid=771475&goto=firstnew

#6 Huckebein, 06.11.09 11:01

Hey, ist gefixt. Vielen Dank für den Hinweis!<br />

#7 Andy1957, 06.11.09 16:43

Klingt interresant beim überfliegen- ich freu mich aufs genaue durchlsen!

#8 schmoezi, 06.11.09 16:52

wirklich sehr schöer artikel für den umstieg auf SH.<br /> thx hase

#9 Kongotto, 07.11.09 13:49

So einen Artikel hätte ich mir vor 1 Jahr gewünscht. Good Job hasenbraten.<br />

#10 Ellenena, 09.11.09 11:21

Ich finde es teilweise sehr verwirrend mit den calls von 3bets mit starken händen. In einigen Artikeln und oft im handbewertungsbereich wird meistens gesagt, dass man mit starken händen meist auch 4betten soll, da man z.b. 3betting pockets nicht die möglichkeit geben sollte das set zu machen. Auf der anderen seite möchte man noch value von mittelstarken händen gewinnen. Macht beides ja auch sinn... Nur eben sehr verwirrend.

#11 docpepper79, 18.12.09 21:53

Sind die Werte für den BB auf dem Chart identisch mit SB oder habe ich irgendwas überlesen??

#12 ScaAra, 20.12.09 22:31

@ #11 <br /> Aus dem BB kannst du nicht mehr openraisen :) Es geht in den Charts nur ums Openraisen

#13 HeldvomFeld, 23.12.09 18:48

"Du solltest dabei nicht polarisieren. Wenn du starke Hände 4-bettest, solltest du gelegentlich auch Bluffs 4-betten"<br /> <br /> genau das is die definition von polarisieren^^

#14 hasenbraten, 23.12.09 19:08

ungünstig formuliert stimmt. dort sollte eher was von balancing stehen wobei es auf die genutzte definition ankommt ob der text "falsch" ist. das wurde an anderer stelle alledrings schon ausreichend diskutiert, ich hoffe es ist klar was gemeint ist

#15 jensigerjens, 13.01.10 17:06

"Als 4-Bettingsize hat sich insgesamt ein Richtwert vom 2,5-fachen der 3-Bet als gut erwiesen. Damit solltest du auch starten."<br /> <br /> - sorry, den satz verseh ich net. also wieviel prozent meiner 3bets sollte ich 4betten? <br /> <br /> sonst schöner artikel

#16 Emaci, 15.01.10 15:09

@ #15<br /> Es geht hier um eine Angabe der höhe der 4-bet. 2,5-fach bedeutet indem fall dass du eine 3-bet von zum bsp. 10$ auf das 2,5-fache also hier 25$ erhöhst. Prozentsatz der 3bets die man 4 betted kann man nicht sagen liegt ja an der Hand die man hält so wie Gegner usw. steht ja alles im Artikel.<br /> hoffe ich konnte dir helfen

#17 jensigerjens, 16.01.10 12:54

@ #16 danke, verstanden :)

#18 EviLRiNe, 03.02.10 23:01

"Du kennst deinen Gegner soweit, dass du z.B. sein Multibarrel-Verhalten einschätzen kannst" sry aber was ist Multibarrel ? :p

#19 hasenbraten, 05.02.10 16:14

Da empfehle ich einen Blick ins Glossar!

#20 kriim, 06.04.10 15:57

or A2o im SB? <br /> joa. ok.. K8o und Q8o im CO? Serious? Da or ich lieber T4s.<br /> die maximaltabelle in der silbersektion? hmm ich weiß nicht.

#21 314Pi, 21.04.10 15:22

Im CO K9+ J9+, aber Q9s+ und Q9o+ warum wird Q aufgeteilt in suited und offsuited?

#22 David, 22.04.10 15:41

@21: Hallo 314Pi, in der Tat macht der doppelte Eintrag bei Q9o/Q9s in der Form keinen Sinn, die Tabelle wird dadurch aber nicht falsch. Die suited/ofsuited Einträge werden nur aufgeführt wenn es einen Unterschied gibt wie z.B. Q8o+ / Q7s+. Wir werden die Tabelle beim nächsten Artikelupdate aktualisieren.

#23 mikecheck, 06.05.10 13:40

Abermals ein super Artikel.

#24 Badboyunited, 14.07.10 19:01

Sehr schöner Artikel. Vielen Dank dafür.<br />

#25 Th0m4sBC, 30.08.10 18:59

Guter Artikel. Astrein. Wie man es von hasenbraten gewohnt ist.

#26 Noalan, 22.10.10 08:59

deceptive? Was bitte ist das wieder für ein Wort. Bei solchen Sachen wünsche ich mir bei erster Verwendung ein (Erklärung).

#27 Noalan, 22.10.10 09:02

"DECEPTIV" ? kennt weder mein englisches noch mein deutsches Wörterbuch

#28 hasenbraten, 22.10.10 17:45

http://www.dict.cc/?s=deceptive wäre eine Übersetzung. Gemeint ist das Spielen einer Hand in einer unerwarteten Art und Weise - ganz grob gesagt

#29 CryingAce, 14.01.11 14:55

.. love it

#30 Rate, 28.02.11 18:33

en eins en eins.. der hase ist didaktisch einfach top ;)

#31 lonex, 12.03.11 13:33

Würde bitte jemand schreiben, was heißt: "jemanden Credit geben".<br /> <br /> Danke im voraus!

#32 hasenbraten, 21.03.11 11:29

Jemandem Credit geben bedeutet hier, das du erwartest das jemand auch etwas hat wenn er das durch sein setzverhalten anzeigt. Wenn du jemandem keinen Credit gibst erwartest du, das er oft blufft

#33 MrIndependent, 19.04.11 12:36

Schöner Artikel, den hab ich schon gesucht.<br /> <br /> Hätte ich auch besser schon gelesen haben sollen, bevor ich mich an die Tische gesetzt habe^^

#34 Luftgeist, 17.09.11 18:58

Im letzten Abschnitt wird als Grund gegen das callen einer 3Bet angegeben: "Dein Gegner blufft allgemein sehr viel postflop.".<br /> Das wäre aber ein klarer Grund dafür mit AA oder KK in position nur zu callen, und den Gegner bluffen zu lassen.

#35 Huckebein, 19.09.11 09:42

@34: Du hast schon Recht, allerdings solltest du nicht per default flatten, es ist besser schon pre den Pot gross zu machen, dann hast du leichtere Entscheidungen. Wenn der Gegner viel blufft, blufft er auch in 3-Bet Pots.

#36 Luftgeist, 21.09.11 10:23

@35: Villain hat in dem Spot schon ge-3-bettet. Unser Raise wäre schon eine 4bet und da wird er noch sehr viel seiner Range folden. Deshalb ist der Call mit Monstern gegen einen solchen Gegner hier klar besser. Allerdings habe ich überlesen, dass es hier um calls einer 3Bet mit etwas schwächeren Händen geht. Diese sollte man gegen blufffreudige Villains in der Tat besser entweder folden oder bluff-4-betten.

#37 CCFlop, 28.09.11 08:53

"Spieler, die sehr viele mittelstarke Hände coldcallen: <br /> Um hier der Domination zu entgehen lohnt es sich, mehr deceptive Hände mit cleanen Pairs anstelle zweifelhafter Valuehände zu raisen."<br /> Heißt das ich raise kleine Pocketpairs und limpe/calle mit Queens? Hier wären ein paar Beispiele gut.

#38 Figopolski, 28.09.11 10:09

@36, ob hier ein Call klar besser ist hängt aber auch vom Limit ab. Du kannst sehr gerne mit AA seine 3bet nur callen und läufst dann auf einen drawy board. Tja was machst dann?<br /> Ich nehme lieber die 3bet mit und erwarte manchmal einen Call oder noch besser all in als einen drawy board und einen teueren showdown-

#39 Zamm, 06.11.11 14:02

"Straights und Flushs sowie einige Combodraws, die im 3-bet Pot auch genug Equity für ein All-In haben."<br /> <br /> Verstehe ich nicht. Eine Straight mit 8 vollen Outs gibt mir ungefähr 33% für den Showdown. Wie soll das genug Equity für ein All-In haben?<br /> Überhaupt wird in den Artikeln immer sehr gern von EV geredet, aber schlussendlich nie erklärt wie sich dieser berechnet damit man mal solche Hände wie oben selber nachvollziehen könnte. Vieles aus den Artikeln muss man einfach für bare Münze nehmen.

#40 notwhatuthink, 24.11.11 22:11

@39: Gemeint sind fertige Straights und Flushes, sowie Combodraws, die z.B. 12 Outs und mehr haben können.

#41 YouFloppedMyNuts, 29.11.11 13:42

@37: ich denke nicht, dass queens als zweifelhafte valuehand bezeichnet werden kann!;) zweifelhafte valuehände, die hier gemeint sind, sind wohl eher QT, QJ, KT und so...

#42 Ennats, 12.11.12 22:08

ziemlich harter Content im Vergleich zu den meisten anderen Bronze-Artikeln.<br /> But i like it.

#43 super8, 12.12.12 09:55

Ich persönlich habe eine praktisch identische opening range in allen Positionen. Dadurch bin ich viel weniger lesbar. Generell finde ich das pre-flop Spiel sowieso überwertet. Im Prinzip nimmt die Wichtigkeit der Entscheidung mit jeder Street zu, proportional mit der Grösse des Pots. Dabei ist es entscheidend, wie man die Informationen aus den vorigen Streets nutzen kann.

#44 Legend1113, 03.08.14 10:24

Guter Artikel

#45 Caesar61, 29.05.15 15:07

"Dass du gegen sehr schlechte Spieler nicht auf die Verteilung deiner Range in einer bestimmten Situation achten musst"<br /> <br /> Was ist damit gemeint?