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StrategiePsychologie

Psychologische Analysen und Konzepte

Einleitung

Gerade im No-Limit Hold'em ist der psychologische Faktor von großer Bedeutung, sei es in Hinblick auf die Gegner, das Einschätzen und Kontrollieren ihrer Aktionen und mehr noch im Kontext des eigenen Verhaltens, des Sich-Selbst-Unter-Kontrolle-Habens und der Fähigkeit, sich selbst zu überwinden, um ein Pokerspieler zu werden, der stets in der Lage ist, rational die richtigen Entscheidungen zu treffen, und Rückschläge als das hinnimmt, was sie sind: ein Teil des Spiels.

Das persönliche Management, Bankroll Management, Table Selection, Zielsetzung und Lernverhalten, die Konzentration beim Spielen, Gewissenhaftigkeit auch bei niedrigen Beträgen, das Bestreben, in jeder Situation sein A-Game zu spielen, machen mindestens 70% des Erfolgs aus.

Bad Beat

Problem

Als scheinbar sicherer Favorit schiebt man seine Chips in die Mitte und der Gegner trifft doch noch eine glückliche Karte, seinen Kicker, Runner Runner Draw oder Gutshot: der Bad Beat.

Konzepte

Erfahrung macht es leichter Bad Beats wegzustecken
Im Laufe der Zeit wird ein Pokerspieler mehr und mehr Hände sehen, in denen der Favorit verliert, und irgendwann ist es ihm schlichtweg egal. Die Chancen auf einen Sechser-Pasch beim Werfen zweier Würfel liegen bei 2,8%, die für das Treffen eines Runner-Runner-Straights bei 4,9%. Mit zunehmender Anzahl der Hände lernt ein Spieler, dass solche Ereignisse nicht derart außergewöhnlich sind und zum Spiel gehören.

Ihr könnt nicht mehr machen, als eure Chips mit einem Vorteil in den Pot zu schieben
So einfach ist das. Könnte ein Mensch Dinge, die außerhalb seiner Macht liegen (d.h. die noch am Turn und River kommenden Karten), als selbstverständlich hinnehmen, so bestünde dieses Problem wohl nicht. Leider empfindet der Mensch es meist als ungerecht, wenn er trotz gutem Spiel verliert.

Aber Poker ist nicht gerecht. Auf lange Sicht ist es das, aber nicht auf die wenigen Hände in einer Session. Es sind vier Karten im Deck, die einen Gutshot komplettieren, und manchmal kommt eine dieser vier Karten, ohne dass ihr etwas dagegen tun könnt. Versucht die Dinge zu beeinflussen, auf die ihr Einfluss habt, z.B. die Pot Odds, die ihr dem Gegner für seinen Draw gebt und die euren langfristigen Gewinn sichern, und nehmt den Rest einfach hin.

Gute Spieler erleiden mehr Bad Beats
Macht euch immer wieder klar, dass gute Spieler mehr Bad Beats einstecken müssen, da sie häufiger Favorit sind, wenn das große Geld in die Mitte fließt. Ein schlechter Spieler, der mit einem Gutshot regelmäßig All-In geht, ist niemals Favorit. Alles, was er tun kann, ist einen Bad Beat verteilen. Selbst einen solchen einzustecken wird wiederum schwer für ihn, da er, seines Zeichens schlechter Spieler, natürlich seine Sets äußerst tricky slowplayt. Er wirft sein Geld zu den falschen Momenten in die Mitte und das ist euer Profit, vielleicht nicht in der einen Hand, in der er seine glückliche Riverkarte trifft, aber in den vielen anderen Händen, die noch kommen werden, in denen ihr Favorit seid und die vier Outs des Gegners im Kartendeck verbleiben.

Wenn ihr einmal mit stärkeren Gegnern zu tun hattet und danach wieder auf euer vertrautes Stammlimit zurückgeht, werdet ihr euch freuen, eure Chips auch einmal wieder als Favorit in den Pot schieben zu können, selbst wenn ihr Bad Beats und Suckouts dafür in Kauf nehmen müsst.

Cooler

Problem

Ein Cooler ist, wenn man mit einer starken Hand in eine noch stärkere Hand läuft und (all) sein Geld verliert. Der Cooler ist der kleine Bruder des Bad Beats, nur viel gefährlicher. Während es bei einem Bad Beat offensichtlich ist, dass man keine Schuld trägt, kommen viele Spieler bei einem Cooler ins Zweifeln, ob sie ihr AK auf AK7 Board nicht hätten wegwerfen sollen, da ein Set 7s droht.

Konzepte

Denkt in Ranges
Nehmen wir obige Situation. Ihr habt am Flop gebettet und werdet All In gesetzt (die Stacks sind etwas short, es handelt sich also um keine große Overbet). Ihr callt, euer Gegner zeigt euch das Set. Während ihr nun überlegt, ob ihr die richtige Entscheidung getroffen habt, vermeidet unbedingt resultatorientiertes Denken. Sagt nicht: "Es war klar, dass er ein Set hatte. Ich musste hinten liegen." Die Situation ist nicht klar.

Der entscheidende Punkt ist, dass zwar jeder Gegner hier sein Set gepusht hätte, aber der Umstand, dass ihr in ein Monster gelaufen seid, sagt nichts darüber aus, ob euer Call gut oder schlecht war. Das entscheidet sich allein anhand der Range, die ihr beim Gegner erwartet habt.

Bei einem Gegner, der jedes Ass und 77 gepusht hätte, dessen Range A2+ und 77 (und vielleicht auch noch AA/KK) umfasst, gibt es nur eine Hand, gegen die ihr hinten liegt. Welche er in Wirklichkeit hat, ob er hinterher AK, A4 oder 77 zeigt, ist irrelevant. Trefft eure Entscheidung anhand der Range des Gegners und stellt sie nicht im Nachhinein in Frage, weil er die eine Hand zeigt, die euch schlägt. War eure Entscheidung für die gegebene Range mathematisch korrekt, dann bleibt sie auch korrekt, denn in anderen Situationen werdet ihr A4 oder AT statt 77 sehen. Die Frage ist nicht, welche Hand der Gegner hält, sondern welche Hände er bis zu dem Punkt, an dem ihr eine Entscheidung treffen müsst, genauso gespielt hätte.

Den gleichen Gedankengang solltet ihr bei Bluffs verfolgen. Angenommen ihr raist preflop mit AK und werdet gecallt. Der Flop ist 754 und ihr setzt eine Continuation Bet, die wiederum gecallt wird. Der Turn bringt eine Zehn und ihr und euer Gegner checkt. Am River erscheint eine 2. Ihr entschließt euch nun zu einem Riverbluff, da ihr euren Gegner auf 65 oder ein kleines Pair setzt. Doch anstatt zu folden, raist dieser und zeigt euch, nachdem ihr gefoldet habt, 22.

War der Riverbluff nun falsch? Nicht unbedingt. Dass der Gegner mit seiner glücklichen Riverkarte nicht mehr foldet, ist verständlich, doch die Frage ist, ob er häufig genug mit den Händen in seiner Range gefoldet hätte, um den Bluff profitabel zu machen. Das ist natürlich schwer zu beurteilen. Wenn er nicht willens ist, A5o zu folden, war der Bluff falsch, da er nur wenige Karten seiner Range wegwirft.

Denkt, wie gesagt, in Handranges und versucht nicht, einen Gegner auf eine konkrete Hand zu setzen oder euer Spiel im Nachhinein in Frage zu stellen, weil er die eine Hand seiner Range zeigt, die euch schlägt. Der Fehler ist nur dann einer, wenn ihr die Range falsch eingeschätzt habt. Das allein fällt schon äußerst schwer und erfordert viel Erfahrung. Achtet darauf, ob eure Annahmen auch wirklich richtig sind.

Wer denkt, dass seine Valuebet am River mit Middle Pair/Top Kicker von allen Pairs des Gegners gecallt werden, kann "mathematisch korrekt" betten. Wenn aber die von euch wahrgenommene Range falsch ist und euer Gegner nicht mit allen Pairs, sondern nur mit Top Pair callt und euch mit diesem schlägt, so habt ihr einen Fehler begangen, auch wenn ihr euch vielleicht einredet, nur wieder auf einen Cooler getroffen zu sein.

Bessere Entscheidung
Vor einiger Zeit habe ich folgende Hand gespielt: Ich hielt JJ und habe ein Raise vor mir geraist. Der Raiser callt meine Erhöhung und das Board kommt AJJ. Wir plänkeln ein bisschen herum und sind am Ende All In. Er zeigte Aces full und ich Quad Jacks.

Hier ist ein zweites Beispiel: Ich bin im Big Blind, der Cutoff raist und ich 3-bette mit 44. Er callt und das Board ist J54. Auch hier gehen wir wieder All In und er zeigt QJ.

Wo ist der Unterschied zwischen den beiden Beispielhänden? Bei der ersten Hand hätte ich an der Stelle meines Gegners genauso gespielt. Auch ich hätte mit AA einen Preflop-
Flatcall gemacht und auch ich wäre mit Aces full All In gegangen. Im Grunde genommen hatte ich also Glück, dass ich auf der Quads Seite stand und hinterher um 200$ reicher war. In diesen Situationen hilft euch eure Pokerfähigkeit nicht weiter, da sich im Regelfall niemand von Set-over-Set oder Quads-over-Full House lösen kann.

In der zweiten Situation habe ich wieder 200$ gewonnen. Man kann nun sagen, ich hätte wiederum Glück gehabt, mein Set am Flop zu treffen, und in gewisser Weise stimmt das auch. Aber ich hätte mich an der Stelle meines Gegners nach einer Flopbet von meinem TP lösen können bzw. hätte preflop gefoldet und wäre nicht All In gegangen. Hätten wir die Situation also zweimal gespielt, einmal hätte ich die QJ Seite übernommen und einmal die 44, dann hätte ich 150-190$ Gewinn gemacht, nur weil ich Top Pair früher folden kann.

Wann immer ihr also in eine Situation kommt, in der ihr euch unschlüssig seid, ob ihr richtig gehandelt habt oder ob es nur ein Cooler war, der euch nach unten gezogen hat, so überlegt euch, wie ihr an Stelle eures Gegners gespielt hättet. Wenn ihr mit den Karten eurer Gegner mehr Geld aus den Monstern holt und weniger mit schlechten Händen verliert, dann seid ihr besser als eurer Gegner und gewinnt langfristig.

Es kommt vor, dass eure Gegner bessere Karten erhalten und euch den ganzen Abend das Geld aus der Tasche ziehen. Solange ihr aber Fehler im Spiel eurer Gegner entdeckt, die ihr an der Stelle eurer Gegner nicht gemacht hättet, solange seid ihr Winning Player .

Eine andere Seite dieses Gedankengangs ist, zu erkennen, wann man einfach nur Glück hat. Ich habe zum Beispiel mehrfach einen Shot auf NL400 gewagt. In einer Session konnte ich meine 400$ zu 1500$ ausbauen, mit denen ich schließlich den Tisch verließ. Ich fühlte mich natürlich als neuer König der Highlimits, aber als ich mir die großen Hände später ansah, musste ich mir eingestehen, dass meine Gegner wenige Fehler gemacht hatten und einfach nur in dummen Situationen gegen mich gelandet waren. Ich konnte feststellen, dass ich keineswegs der NL400 Pro war, sondern einfach nur ein gewöhnlicher Luckbox Regular. Diese Erkenntnis hilft, um -EV Limits zu vermeiden.

Bedenkt jedoch, dass nicht alle "Fehler", die ihr seht, auch wirklich Fehler sind. Seid ihr ein schlechter Pokerspieler, werdet ihr Fehler entdecken, die keine sind. Ein anderes Problem ist, dass manche Situationen bestimmte Spielertypen bevorzugen. Wenn es darum geht, Fehler zu vermeiden, indem man sich von einer guten, aber nicht exzellenten Hand löst, dann machen Rocks weniger Fehler als Maniacs. Sind also den ganzen Abend gute Hände gegen gute Hände unterwegs, machen Rocks nach dem obigen Modell weniger Fehler als ihre Gegner, obwohl sie gut möglich die schlechteren Spieler sind.

Ungeduld

Problem

Häufig verliert man zu Beginn einer Session ein paar kleine Pötte oder auch nur ein paar Blinds, wird ungeduldig und versucht dann, mit viel Druck einen großen Pot zu gewinnen. Oder man versucht mit allen Mitteln eine Break Even Session hinzubiegen bzw. eine selbstgesteckte Zahl zu erreichen (z.B. 5000$ Bankroll als gerade Zahl aber nicht 4989$).

Konzepte

Die großen Pötte sind wichtig
Man muss sich klar machen, dass sich ein paar kleinere verlorene Pötte schnell ausgleichen lassen. Habt ihr die letzten vier Pötte verloren, weil eure Conti-Bets geraist wurden, reicht ein einziger großer Pot, um das verlorene Geld wieder einzubringen. Pötte in NL wachsen schnell. Ein preflop geraister Pot mit einer Flopbet ist in NL100 12$ groß. Wenn ihr nur eine einzige Street mehr bettet und gecallt werdet, wird der Pot deutlich größer und wächst auf 40$.

Its all one big Session
Eine von 2+2 verbreitete Weisheit, die viel Wahrheit enthält. Der Gedanke ist, dass es völlig egal ist, wann ihr Pause macht bzw. eine Session beendet. Pausen sind einfach eine Unterbrechung des Pokerns und es macht keinen Sinn, zu diesen künstlich gesetzten Wegpunkten gewisse Ziele zu erreichen. Ob ihr nun euer Spiel für fünf Minuten unterbrecht, um auf Toilette zu gehen, oder für eine Woche in den Skiurlaub fahrt, macht letztlich keinen Unterschied. Es wäre doch auch albern, vor jedem Toilettengang unbedingt eine Winning Session anzustreben.

Es ist natürlich sinnvoll eine Session abzubrechen, wenn ihr tiltet, wenn eure Gegner besser sind oder ihr etwas anderes machen wollt. Das sind Gründe, die euren Profit beeinträchtigen. Aber brecht eure Session nicht ab, nur weil ihr gerade 1,2$ im Plus seid und jetzt nicht ins Minus abrutschen wollt. Das kann euch auch morgen passieren und was bringt es euch, über Nacht etwas mehr Geld auf dem Online-Konto zu haben?

Versucht nicht Gewinn zu erzwingen
Poker ist ein Spiel, bei dem sich Phasen gähnender Langeweile und kurzer spannender Momente abwechseln. So wie die Varianz eure Ergebnisse verändert, genauso beinflusst sie den Fluss des Spiels. Manchmal erlebt man nur die langweiligen Phasen, um dann in kurzer Zeit viele große Pötte zu spielen. Wie die Schwankungen der Winrate ist auch dieses Phänomen der trockenen Durststrecken (card dead) völlig normal und mathematisch erklärbar. Das beste, was man machen kann, wenn man keine guten Karten erhält, ist es, seine Verluste zu minimieren. Versucht nicht, ohne gute Karten Geld zu gewinnen, denn es ist einfach unmöglich. Natürlich kann man mit seinem tighten Image ein paar Moves mehr wagen als sonst, aber man begibt sich auf gefährliches Terrain.

Extended Tilt

Problem

Die meisten erfahrenen Pokerspieler können sich gut beherrschen, wenn sie ein oder zwei Bad Beats oder Cooler pro Abend einstecken müssen. Es gibt allerdings auch Phasen, in denen über Wochen hinweg viele Bad Beats gehäuft auftreten. Diese Downswings zehren an der geistigen Kraft und an der Selbstsicherheit, die man zum Poker braucht. Viele Pokerspieler reagieren mit Verzweiflung, ändern ihr Spiel komplett und wissen nicht mehr, welche Eigenschaften und Fähigkeiten ihnen ihren ursprünglichen Erfolg gebracht haben.

Konzepte

Poker ist für Mitglieder von PS.de ein großes Freeroll
Ihr habt einen großen Vorteil, wenn ihr über PS.de zum Pokern gekommen seid: Ihr habt nie euer eigenes Geld investiert. Folglich ist jeder Betrag, den ihr gewinnt, ein Profit ohne Risiko. Wenn ihr eure Bankroll unter großen Mühen auf 1000$ aufgebaut habt und dann auf 400$ abrutscht, dann sagt nicht: "Ich habe 600$ in den letzten Wochen verbraten."

Stattdessen könnt ihr sagen, dass ihr ein Hobby gefunden habt, das euch Spaß bringt, dass ihr dazu noch 400$ besitzt und die Aussicht, weitaus mehr zu gewinnen. Ihr habt aus 50 Dollar 400 gemacht und diese 50 waren ein Geschenk. Wo ist da der Verlust? Seid euch stets im Klaren darüber, dass ihr, was ihr auch macht, überhaupt nicht verlieren könnt.

Versucht nicht euren Stil radikal zu ändern
Wenn es nicht gut läuft, versucht der findige Spieler sein Spiel zu verbessern und neu zu kalibrieren. Das ist richtig und notwendig. Das Problem fängt dann an, wenn er sein Spiel radikal verändern will.

Es ist vollkommen richtig, sich konkrete Änderungen zu überlegen, um Leaks auszuschalten oder bestimmte Spielsituationen noch profitabler ausnutzen zu können. Vielleicht sagt ihr euch, dass ihr im Small Blind weniger completen solltet, oder merkt, dass ihr mit Top Pair häufiger am Flop folden solltet, weil ihr dazu neigt, die Hand nicht loslassen zu können und damit Verluste einfahrt.

Aber ihr solltet euch nicht einer komplett neuen "Heilslehre" hingeben wie "Ich sollte deutlich looser werden und mindestens 20% meiner Hände raisen" oder "Ich muss deutlich tighter werden und kaum noch Conti-Bets machen."

Es ist schon unter normalen Umständen schlecht, sein Spiel radikal zu ändern, aber es in einem Downswing zu versuchen, ist eine deutlich dümmere Idee.

Downswings sind mathematisch möglich
Viele Spieler, die noch nie größere Verlustphasen erlebt haben, denken, dass ein Downswing äußerst unwahrscheinlich ist oder nur schlechten Spielern passiert. Nachdem ich von einigen sehr guten Spielern gehört habe, dass auch sie schon große Downswings durchgemacht haben, kann ich beruhigt sagen: Irgendwann erwischt es jeden, egal, wie gut oder schlecht er spielt. Es ist zwar mathematisch wenig wahrscheinlich, aber durchaus möglich, 10-15 Buy Ins zu verlieren. Wer diese Tatsache akzeptiert, wird sich nicht unnötig unter Druck setzen.

Andererseits ist es nur zu menschlich und bequem, Verluste generell auf Downswings zu schieben. Wenn ihr Verluste aufgrund schlechten Spiels nicht von Downswing-Verlusten unterscheiden könnt, seid ihr in einer guten Ausgangslage, noch mehr Geld zu verlieren.


Dazu folgende Gedanken:

a) Ein Anfänger ist eher ein schlechter als ein unglücklicher Spieler. Es ist nun einmal noch kein Meister vom Himmel gefallen und der Großteil der Anfänger besteht aus schlechten Pokerspielern. Gerade im Poker bedarf es viel Übung und als Neuling sollte man nicht der Illusion verfallen, ein unfehlbares Naturtalent zu sein, das einfach nur Pech hat.

Vielmehr sollte man versuchen, seine Strategie zu verbessern und sich klar zu machen, dass viel Erfahrung (und lange Stunden im Forum) die Grundvoraussetzung ist, um ein guter Spieler zu werden. Ebenso sollten sich gute Spieler, die über ihrem Niveau spielen, dieser Tatsache bewusst sein.

b) Wer einen hohen Erwartungswert hat, erlebt wenige Verluststrecken, und wer eine Winrate hat, die knapp über dem Nullpunkt schwebt, besitzt eine sehr hohe Varianz. Wenn ihr ein Limit also über einen langen Zeitraum dominiert habt (z.B. mit 12 PTBB/100 über 60k Hände) und nun in einen Downswing geratet, so würde ich diesen nicht als Pech abtun. Es ist einfach zu unwahrscheinlich, dass ein so großer Gewinner mehr als nur ein paar Hüpfer nach unten macht.

Andererseits ist jemand, der nur marginale Gewinne macht (und das ist auf hohen Limits zwangsläufig so), sehr häufig von Downswings betroffen. Wenn man sicher ist, das Limit schlagen zu können, und das am besten auch mit einer großen Samplesize beweisen kann, dann kann man auf dem Limit bleiben, muss sich aber klarmachen, dass man eine hohe Varianz hat. Wer diese nicht will, sollte auf ein kleineres Limit absteigen, dass er souverän schlägt.

c) Viele Spieler vergrößern ihre Verluste bei einem Downswing. Ich bin der Meinung, dass Downswings in mindestens 2/3 der Fälle nicht nur auf Pech zurückgehen. Viele Leute gehen auf Tilt und verlieren 14 Buy Ins, wo ihr Verlust sonst vielleicht nur 8-9 Buy Ins betragen hätte.

Es gibt sehr subtile Formen des Tilts. Man muss nicht zwangsläufig wütend sein, auch eine kleinere Frustation oder eine etwas höhere Bereitschaft zu callen führen zu großen Verlusten und häufig erkennt man diese Formen des Tilts nicht, obwohl sie einem massiv schaden. Eine Session abzubrechen, die nicht gut läuft, ist eine effektive Methode um ihnen vorzubeugen.

Erinnert euch an eure Erfolge
Die Gewissheit, dass ihr Winning Player seid, ist wichtig, um ein großes Selbstvertrauen zu behalten. Es hilft sehr, sich deutlich zu machen, dass ihr auch mit dem jetzigen Downswing eine gute Winrate habt und euer Limit immer noch beherrscht.

Fazit

Was dieser Artikel euch auf den Weg mitgeben soll, ist, dass Downswings, Bad Beats, Cooler, unglücklich gelaufene Hände einfach Teil des Spiels sind. Man kann nicht immer gewinnen und ihr solltet euch von Verlusten nicht beinflussen lassen, außer in der Hinsicht, dass ihr euch fragt, ob ihr in einer Hand tatsächlich richtig gehandelt habt, sie immer wieder so spielen würdet, oder ob ihr auf eine andere Weise etwas aus ihr lernen könnt.

Das Spiel ist nun einmal so, mit seinen Höhen und Tiefen, und ihr könnt trotzdem Gewinn machen, wenn ihr lernt, mit den Rückschlägen umzugehen und jede Hand als Teil einer einzigen großen Session zu sehen, in der ihr mal gewinnt und mal verliert, aber nach längerer Zeit mehr gewonnen als verloren habt, wenn ihr euch immer darauf konzentriert, die strategisch richtigen Entscheidungen zu treffen. Schon das bringt euch einen Vorteil gegenüber den vielen Spielern, die dazu nicht in der Lage sind.
 

Kommentare (22)

#1 wilshanti, 29.01.08 10:56

Danke für den roten Faden. Seit 2 Monaten -als ich das erste Mal 150 USD erreicht hatte und auf 0,25-0,50 FL "aufgestiegen" bin, versuche ich, über 150 USD zukommen und auch zu bleiben. Es geht bis 150 und dann wieder runter 110-120. Immer wieder, sodass ich letztlich nicht mehr wusste, was falsch und richtig ist. <br /> Der Artikel hilft mir, nochmals alle Basics durchzugehen und zu überprüfen, was ich im Moment in welcher Situation warum mache oder auch nicht mache.

#2 IronPumper, 22.07.08 19:03

Sehr guter Artikel, vielen Dank!

#3 AAruta, 30.11.08 11:56

Ein sehr guter Artikel - gut strukturiert und verständlich geschrieben!<br /> Vielen Dank dafür!<br /> <br />

#4 dieExxe, 14.12.08 14:07

An den Autor: Sag mal kennst du mich? ;)

#5 malexmave, 13.01.09 10:37

Der Artikel ist auf jeden fall einer der besten Artikel. Er hat mir einiges darüber klargemacht, was ich richtig und falsche mache, während ich gerade meiner ersten Schritte auf Party mache. Und dank der Technik von PS habe ich in meiner ersten Woche 10$ reingewinn gemacht, wobei ich zwischendrin auf 45$ abgerutscht war. Danke auch dafür ^^

#6 w3n3, 11.02.09 21:58

Ein sehr guter Artikel!! :)<br /> Hab in 2 wochen aus 50$ 500$ gemacht!!<br /> Hab gedacht ich bin der meister! ;) War aber leider nicht so.<br /> Hab seitdem auch einige Hände gespielt, geht aber seitdem nicht mehr so richtig vorwärts, aber wird schon!! :)<br /> <br /> mfg

#7 ms2611, 11.03.09 22:53

RESPECT!!!<br /> Dieser Artikel ist wirklich gut und verständlich geschrieben! Er hat mir auch geholfen nach einem missglücktem Limitaufstieg ;) die "Eckpunkte" meines Selbstbewusstseins wiederzufinden :)<br /> <br /> Die Psychologieartikel der Strategy-Section kann man nur jedem Spieler (besonders Anfängern) ans Herz legen...<br /> <br /> mfg

#8 HamburgmeinePerle, 17.04.09 12:53

Ein wirklich guter Artikel! Diese Konzepte sollte man sich immer wieder vor Augen führen. Auch wenn mir die Psychologiesektion bisher nicht so gefallen hat, dieser Artikel bringt mich weiter!<br /> <br /> nh

#9 Huckebein, 20.04.09 08:32

Vielen Dank für die positiven Kommentare :)

#10 savilona, 05.10.09 22:08

Dankeschön für diesen Artikel

#11 saxoriot, 17.12.09 11:36

Auch mir hat dieser Artikel gezeigt, das man an einige Dinge mit einer anderen "Strategy" heran gehen sollte! Danke!

#12 Reckermann, 30.01.10 09:21

Ahoi there .... very nice Lines here :)<br /> <br /> Vielen Dank für diesen Artikel

#13 KazamaJin1708, 11.03.10 02:26

Vielen, vielen Dank für diesen Artikel!!! Genial!!!

#14 Oldengrute, 13.08.10 13:34

Dass immer wieder Leute mit ihren Privatstories ankommen, die keiner hören will-.-<br /> In einem Kommentar unter einem Artikel hat man meiner Meinung nach Lob und Kritik anzubringen oder Fragen zu stellen. Nicht so, wie z.B. unser 1. Kandidat (nichts für ungut;).<br /> Abgesehen davon, dass ich mich bisher selbst nicht auf den Artikel bezogen habe: Sehr guter Artikel:)

#15 Zidandrej, 20.08.10 12:10

Guter Artikel, danke!

#16 Thilo87, 06.12.10 21:45

sehr schöner artikel! danke!

#17 Gessi88, 12.04.11 20:49

thx super geposteter artikel

#18 Eisflamme, 05.08.11 09:17

Ja, gefällt mir ganz gut. Leider sind das nur so die Standardszenarien. Das, was mir Probleme bereitet, ist, wenn auf Grund eines zu großen Gegnerpools die Leute zufällig zu spielen scheinen, weil die Muster einfach schlecht zu erkennen sind, wenn die Spieler so viele Leaks haben, dass man mit wenig Logik rechnen kann.<br /> <br /> Dann ist das Fazit, dass ich ständig Pötte verliere, weil Annahmen daneben schlagen und ich nur eine winzig kleine Winrate habe, die einzig und allein darauf basiert, dass die Gegner undefiniert spielen. Problem: das kann auch wieder nur Varianz sein oder die Gegner sind einfach so random. Sich darüber unsicher zu sein, was jetzt zutrifft, verursacht bei mir den größten Tilt.

#19 rennradler, 13.11.12 09:19

Ausgezeichneter Einstiegsartikel, danke Dir :o)

#20 pokermarcus1, 18.05.13 10:49

---Gelesen----

#21 ihatewonderbras, 15.07.14 22:07

Es wäre doch auch albern, vor jedem Toilettengang unbedingt eine Winning Session anzustreben. <br /> <br /> albern schon, aber auch lustig anzusehen :D

#22 boumiii, 30.01.15 18:34

nicht alle erhalten von strategy ihr startgeld obwohl man den quiz erfolgreich bestanden hat<br /> und ein grund nennen die auch nicht