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Der Chipwert (1): Das Prinzip des abnehmenden Chipwerts

Eine der wichtigsten Fähigkeiten für SNG-Spieler ist es, den wahren Wert (Value) von Chips zu verstehen und berechnen zu können. Auf diese Weise kannst du das Verhältnis von Risiko und Nutzen in den verschiedenen Spielsituationen besser einschätzen. Dies führt naturgemäß zu besseren und profitableren Entscheidungen am Tisch.

Warum ist diese Fähigkeit also so entscheidend und was heißt "Chipwert" eigentlich?

Du hast vermutlich bereits ein intuitives Verständnis von der Bedeutung von Chips in einem SNG. Beispielsweise kann man in den meisten SNGs nicht re-buyen, nachdem man alle Chips verloren hat. Viele sehen es daher als Notwendigkeit an, Chips in SNGs vorsichtiger einzusetzen. 

Diese Ansicht ist zwar grundsätzlich richtig, aber nur die Kenntnis dieser Umstände ist nicht ausreichend, wenn man den Chipwert beurteilen will. Stell dir vor, du spielst in einem Cashgame und du hast nur ein Buy-in bzw. Stack zur Verfügung. Sollten deine Entscheidungen ebenso "vorsichtig" sein wie in einem SNG?

Die Antwort ist ein klares "Nein" und in dieser Lektion wirst du lernen, wieso das so ist. Als ersten Schritt zum besseren Verständnis des echten Werts von Chips wirst du das Prinzip des abnehmenden Chipwerts kennenlernen.

Chips in SNGs haben einen anderen Wert als in Cashgames!

Der Chipwert in SNGs ist anders als in Cashgames

Um den wahren Wert deines Stacks zu verstehen, solltest du dir zunächst das Verhältnis zwischen der Menge an Chips, die ein Spieler hat, und ihrem wahren Wert ansehen.

Die Anzahl an Chips in einem Cashgame entspricht ihrem Wert

Hier ein erstes Beispiel aus einem $0,05/$0,10 No-Limit Hold'em Cashgame:

Sieben Spieler folden und ein Maniac im SB raist All-in. Hero hat mit seinen Assen einen leichten Call und gewinnt die Hand. Geht man davon aus, dass es keinen Rake gibt, hat Hero einen Stack von $20.

Du siehst: Hero hat seinen Stack verdoppelt und somit auch sein Geld.

Die Anzahl Chips in SNGs und ihr Wert stehen in keinem direkten Bezug

Stelle dir jetzt zum Vergleich vor, dass Hero in einem $10 SNG mit neun Spielern spielt, wobei es eine 50/30/20-Auszahlungsstruktur gibt. Auch hier nimmst du der Einfachheit halber wieder an, dass es keinen Rake gibt.

Zu Beginn des Spiels hat jeder Teilnehmer 1.500 Chips, die jeweils $10 wert sind (das Buy-in). Wenn Hero vor Erreichen der Geldränge ausscheidet, verliert er seine $10. Sollte Hero allerdings gewinnen und am Ende alle 13.500 Chips besitzen, bekommt er nicht $90, sondern nur $45. 

Hero hat dann also 100% der Chips, bekommt aber nur 50% des Buy-ins. Er hat seinen Stack verneunfacht, allerdings hat sich der Wert seines Stacks nicht gleichermaßen vervielfacht. Daraus lässt sich ableiten, dass die Chips, die er gewonnen hat, weniger wert sind als die Chips, die er riskiert hat.

Von dieser Beobachtung lässt das sich das folgende allgemeine Prinzip ableiten:

Das Prinzip des abnehmenden Chipwerts: 
Ein Chip, den du in einem SNG gewinnen kannst, ist nicht zwangsläufig so viel wert wie der Chip, den du riskieren musst, um ihn zu gewinnen! 

Das versteht man unter dem tatsächlichen Wert von Chips in SNGs.

Verschiedene Arten von Expected Value (Erwartungswert)

Schau dir nun folgendes Beispiel aus einem Double-or-Nothing SNG mit 10 Spielern an (du nimmst wieder an, dass es keinen Rake gibt). In diesem Typ SNG erhalten 5 von 10 Spielern ihren doppelten Einsatz als Gewinn zurück. Die nun folgende Situation ist etwas extrem, aber zeigt deutlich den besonderen Charakter des Chipwerts in SNGs.



Die erste Hand im Spiel wurde gerade ausgeteilt und die Blinds sind noch sehr klein, sodass davon ausgegangen werden kann, dass alle Spieler noch gleichgroße Stacks im Wert von jeweils $10 haben. Fünf Spieler sind All-in und die anderen beiden Spieler haben gefoldet. Du sitzt am Button und nimmst an, dass deine Equity mit Assen in diesem Spot 40% beträgt. Du nimmst außerdem an, dass sowohl der SB als auch der BB folden werden.

Du hast also eine 40%-Chance, dass du 9.030 Chips gewinnen wirst (davon ausgehend, dass es keinen Splitpot gibt), also im Schnitt 2.112 Chips. Der Call ist somit im Hinblick auf die Chips sehr profitabel.

Gleichzeitig hast du eine 40%-Chance, die Geldränge zu erreichen, also $20 (20% vom Preispool). Es besteht allerdings auch eine 60%-Chance, ohne Gewinn aus dem Spiel auszuscheiden. Im Hinblick auf das Geld verlierst du im Schnitt $2 - ein Call hier ist nicht profitabel. 

Wie du siehst, gewinnst du in dieser Situation durch einen Call Chips, aber du verlierst Geld.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist es, die gleichen Berechnungen für einen Fold durchzuführen. Das Ganze ist etwas komplizierter und wird in der nächsten Lektion behandelt.

Hier findest du die Details zur Berechnung:

Berechnung der benötigten Equity Spoiler schließen Spoiler öffnen

Expected Value eines Calls (Chips, cEV):

cEV = Dein Stack, wenn du gewinnst * deine Equity + dein Stack, wenn du verlierst * Wahrscheinlichkeit, dass du verlierst - Chips, die du riskierst

Stack, wenn du gewinnst = 9030
Deine Equity = 40%
Dein Stack, wenn du verlierst = 0
Wahrscheinlichkeit, dass du verlierst = 60%
Chips, die du riskierst = 1500

cEV = (9030 * 40% + 0 * 60%) - 1500 = 2112


Expected Value eines Calls (Geld, $EV):

$EV = Value deines Stacks, wenn du gewinnst (Preis) * deine Equity + Value deines Stacks, wenn du verlierst * Wahrscheinlichkeit, dass du verlierst - Value, den du riskierst (dein Buy-in)

Value deines Stacks, wenn du gewinnst (Preis) = $20
Deine Equity = 40%
Value deines Stacks, wenn du verlierst = $0
Wahrscheinlichkeit, dass du verlierst = 60%
Value, den du riskierst (dein Buy-in) = $10

$EV = ($20 * 40% + $0 * 60%) - $10 = - $2

Da gewonnene Chips in SNGs nicht notwendigerweise den gleichen Wert wie die haben, die du bereits besitzt, kann man feststellen, dass du mehr Value riskieren musst, um weniger Value zu gewinnen. Daher brauchst du in SNGs mehr Equity als in Cashgames, um eine Bet profitabel callen zu können.

Mit Blick auf diese Regel gibt es zwei verschiedene Typen von Expected Value (Erwartungswert): Chip-Expected-Value (Chip-Erwartungswert, cEV) und Monetary Expected Value (monetärer Erwartungswert, $EV).

  • Chip-Expected-Value (cEV):
    Die durchschnittliche Menge an Chips, die du als Ergebnis einer Entscheidung erwarten kannst.
  • Monetary Expected Value ($EV):
    Der durchschnittliche Geldbetrag, den du als Ergebnis einer Entscheidung erwarten kannst. Er basiert auf dem derzeitigen Preispool. $EV ist das monetäre Gegenstück zu cEV. $EV wird auch genutzt, um den Geldwert eines Stacks zu beschreiben.

Erkenne die wahre Profitabilität von Entscheidungen

Dies führt uns zu einer weiteren sehr wichtigen Schlussfolgerung: Betrachte deine Entscheidungen mit Blick auf ihre wahre Profitabilität (Monetary Expected Value, $EV) und nicht nur nach der in Chips ausgedrückten Profitabilität (Chip-Expected-Value, cEV).

Dieser Ansatz ist enorm wichtig, denn er hilft dir, Entscheidungen zu vermeiden, mit denen du zwar Chips gewinnst, aber Geld verlierst. Das obige Beispiel hat dir gezeigt, dass solche Szenarien möglich sind.

Eine Entscheidung kann +EV (profitabel hinsichtlich der Chips), aber -$EV (nicht profitabel hinsichtlich des Geldes) sein.

In der nächsten Lektion wirst du sehen, wie sich die obigen Aussagen auf bestimmte Situationen im Spiel anwenden lassen, indem du die Basics des Independent Chip Model kennenlernst.

Zusammenfassung

In dieser Lektion hast du gelernt, wie du den Wert von Chips in SNGs beurteilst.

  • Chips, die du in einem SNG gewinnst, sind nicht zwangsläufig so viel wert wie die, die du riskiert hast, um sie zu gewinnen.
  • In SNGs brauchst du mehr Equity als in Cashgames, um eine Bet profitabel zu callen.
  • Chip Expected Value (cEV) ist die durchschnittliche Menge an Chips, die du als Ergebnis einer Entscheidung erwarten kannst.
  • Monetary Expected Value ($EV) is die durchschnittliche Geldsumme, die du als Ergebnis einer Aktion erwarten kannst, basierend auf deinem derzeitigen Anteil am Preispool.
  • Du solltest über deine Entscheidung immer mit Blick auf ihre echte Profitabilität ($EV) nachdenken und nicht mit Blick auf ihre Profitabilität in Chips (cEV).
  • Eine Entscheidung kann +cEV (profitabel in Chips), aber -$EV (nicht profitabel in Geld) sein.

Die nächsten Schritte

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Diskussion
 

Kommentare (11)

#1 wolfdraw, 07.08.13 14:48

Im Ernst einen fold? Ich würde das ganz klar callen, weil ich bei einem Treffer nicht von einem 3.Platz ausgehe, sondern im schlimmsten Fall mit 2 Bad Beats vom 2. Platz. In der Regel aber von einem 1.Platz. Also würde mir ein solcher call, Daumen mal p, bei jedem 3. Mal den 5 fachen Einsatz bringen. Natürlich würde ich hier jede andere Hand weg legen, aber liege ich mit meiner Überlegung zu diesem call wirklich so falsch?

#2 KAMPFKOLOSS1, 09.10.13 14:29

Hey wolfdraw , <br /> ich denke in jedem normalem SNG würdest du Recht behalten aber da bei einem "Double-or-Nothing SNG" die Hälfte der Spieler das doppelte an Einsatz gewinnt, musst du ja nur unter die ersten Fünf kommen & das ist prozentual wahrscheinlicher wenn du dich aus einem 5-Mann All-In raushälst , selbst mit einem Monster wie AA. Von diesen Fünf dürfte in den allermeisten Fällen nur Einer siegreich hervorgehen & schon muss nur noch einer rausfliegen .

#3 Cr4voN, 03.11.13 16:02

Sehr schöne und gut nachvollziehbare Darstellung! Dankeschön!

#4 SeekaysD, 21.02.14 14:05

Gnarz. Hier wurde einfach das Wort Equity eingeworfen ohne es zu erklären :S Wie komm ich auf 40%? Was genau sagen mir diese 40%? Und warum "geh ich von 40% aus"? :S

#5 Durchstarter, 02.03.14 17:25

Jap. Danke Seekays. Das hat mich auch an dem Video gestört. Kann das jemand nachvollziehbar erklören? Welche Lektion ist hierfür hilfreich?

#6 Zabagad, 24.03.14 09:27

Im Quiz hat Frage #7 falsche Antwortmöglichkeiten (die gleichen wie in #6) - man kann nicht wählen, ob man foldet oder callen würde...

#7 Fronzelneekburm, 26.03.14 12:04

Wie man hier auf die 40% Equity kommt verstehe ich auch nicht. AA preflop ist imho die bestmögliche Hand. Ich verstehe zwar warum es hier sinnvoll ist zu folden im Hinblick auf Double Or Nothing, aber eine AUffrischung wie man auf die 40% kommt wäre in dem ARtikel hilfreich...

#8 Alexandro559, 22.05.14 01:11

@7<br /> Es sind nur deswegen 40% Gewinnwahrscheinlichkeit, weil du gg 5 Gegner spielst, und je mehr Gegner in der Hand sind desto weiter verliert deine Hand an Wert, weil die Wahrscheinlichkeit steigt, dass jemand etwas besseres hittet als AA also 2pair+, da es mehr Kombinationsmöglichkeiten möglichen Hände gibt. Kurz gesagt: Die Varianz hat dich auf dauer beat mit 60% gg deine 40%.

#9 LeonTee, 05.10.14 02:31

1A - Alles gut -

#10 swetlana26, 21.09.15 13:26

Ist es keinem Aufgefallen, das der Call +2USD ist nicht -2USD... das ist ein Fehler anscheinend

#11 stevedd1987, 19.09.16 08:29

@swetlana26 <br /> 20$×40% =8$<br /> 0$×60% =0$<br /> (8$+0$)-10$ (Einsatz) sind -2$<br /> Ist zwar schon ein Jahr her aber trotzdem.