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StrategieSit & Go

Das Preflopspiel (3): All-ins callen und isolieren

Vor dieser Lektion solltest du bereits gelesen haben:

Bis jetzt solltest du ein Gefühl dafür haben, wie und wann du in eine Hand einsteigst, in der vor dir klein geraist oder gelimpt wurde. Manchmal - besonders in der späten Phase eines SNGs - befindest du dich in der Situation, dass ein Spieler vor dir bereits alle seine Chips in die Mitte gestellt hat. In diesen Fällen kannst du entweder folden, das All-in callen, oder selber All-in gehen, falls du mehr Chips als dein Gegner besitzt. Letzteres wird als isolieren bezeichnet.

 

Es ist wichtig die entscheidenden Faktoren zu kennen, die du in einer solchen Situation beachten musst. In dieser Lektion lernst du, wie du in drei Schritten zu einer optimalen Entscheidung gelangst, wenn du dich mit einem All-in vor dir konfrontiert siehst. 

Schritt 1: Berechne die benötigte Chipequity

Der erste Schritt besteht im Berechnen der für einen Call benötigten Equity.
Teile hierfür die Summe an Chips, die du in einen Call investieren musst, durch die Größe des Potts inklusive deines Calls. Diese Chipzahl entspricht der aktuellen Pottgröße inklusive deiner Investition.

Dieses Beispiel aus einem SNG mit neun Spielern und normaler Auszahlungsstruktur soll dies veranschaulichen:

In diesem Beispiel sind die Blinds bei 100/200 mit einem Ante von 25. Der Spieler aus mittlerer Position ist mit 2.000 Chips All-in gegangen. Du bist am Button und stehst vor der Entscheidung, ob du callen solltest. Für einen Call musst du 2.000 Chips investieren und der Pott wäre anschließend 2.525 + 2.000 = 4.525 Chips groß. Die Equity, die du für einen profitablen Call benötigst (reiner cEV, die Möglichkeit eines Overcalls wird außer Acht gelassen), liegt deshalb bei 2.000 / 4.525 = 44,2%.

Wenn deine Hand eine größere Equity als 44,2% gegen die Range des Pushers hat, dann gewinnst du mit einem Call langfristig Chips, falls man annimmt, dass die Blinds immer folden.

Schritt 2: Berücksichtige den Risikoaufschlag und Overcaller

Die Aussage im vorherigen Satz verdeutlicht bereits die zwei Probleme, die eine Berechnung nach reiner Chip Equity mit sich bringt: Einerseits wird die Möglichkeit außer Acht gelassen, dass ein weiterer Spieler in die Hand einsteigt. Andererseits berücksichtigt sie die Auswirkungen des ICM nicht, welche deine Entscheidung erheblich beeinflussen.

Diese Probleme stellen ein Risiko für einen Call dar, welches zum einen durch einen Risikoaufschlag bei der Berechnung der benötigten Chip Equity berücksichtigt wird. Dieser ist im Spiel natürlich schwierig direkt zu berechnen. Deshalb ist es erforderlich, dass du durch Erfahrung ein Gefühl dafür bekommst, welcher Risikoaufschlag in einer bestimmten Situation angemessen ist. Außerdem kannst du versuchen, dir den durchschnittlichen Risikoaufschlag für bestimmte Phasen eines SNGs zu merken.

Wir wenden uns zur Verdeutlichung wieder dem Beispiel von oben zu und nehmen an, dass die Hand  in einem 9-Mann-SNG mit einer 50/30/20-Auszahlungsstruktur gespielt wird. In diesem Fall entspricht der Risikoaufschlag ungefähr 5,5%. Du benötigst für einen protiablen Call also 44,2% + 5,5% = 49,7% Equity.

Das ist jedoch noch nicht alles. Es besteht die Möglichkeit, dass ein oder mehrere Spieler hinter dir ebenfalls callen. Im Beispiel könnten dies der SB oder der BB sein. Darum musst du deine Calling-Range weiter anpassen. Man kann hier nicht mit starren Zahlen arbeiten, da viele Faktoren eine Rolle spielen, zum Beispiel die Anzahl der Spieler, die noch an der Reihe sind, ihre Stacks, der Risikoaufschlag und bestimmte Eigenschaften der Gegner. Verallgemeinert kann man sagen, dass du "etwas tighter" callen musst, als du es tun würdest, wenn du als letzter Spieler an der Reihe bist.

Du berücksichtigst dies am besten in deiner Berechnung, indem du pauschal 0,5% pro Spieler hinter dir deiner ermittelten Equity hinzufügst. In den meisten Fällen fürht dies zu einer vernünftigen Abschätzung. Im Beispiel dieser Lektion bedeutet dies, dass für den Call eines All-ins 49,7% + 1,0% = 50,7% Equity erforderlich sind.

Sind hinter dir noch Spieler an der Reihe, fügst du 0,5% pro Spieler zu deiner errechneten Equity hinzu, um die Möglichkeit eines Overcalls in die Rechnung einzubeziehen.

Schritt 3: Ermittle die Range des Pushers

Nun ist es erforderlich, dem Pusher eine bestimmte Range zuzuweisen, mit der er in dieser Situation wahrscheinlich All-in geht. Normalerweise macht es Sinn, hierfür zunächst eine Range zu ermitteln, die der Gegner haben "sollte". Hier könntest du einfach eine Range aus den Pushing Charts nehmen oder die Range annehmen, die du selbst in seiner Position pushen würdest. Anschließend passt du diese Range an den Gegner an, wenn du davon ausgehst, dass er tighter oder looser pusht als ein durchschnittlicher Spieler dies tun würde.

Im Beispiel von oben könnte Villain eine All-in-Range haben, die folgende Hände beinhaltet: 33+, A7s+, A5s-A4s, K9s+, Q9s+, J9s+, T9s, ATo+, KJo+ (16,6% aller Hände).

pushing range

 

Im letzten Schritt musst du nun die Equity deiner Hand gegen die Hand-Range, die du deinem Gegner gegeben hast, mit der in Schritt eins und zwei errechneten Equity vergleichen, d.h nach Risikoaufschlag und dem Aufschlag für mögliche Overcaller. Wenn deine Hand eine bessere Equity als die für einen profitablen Call benötigte Equity hat, dann solltest du callen oder reraisen. Ist sie schlechter, solltest du folden.

In unserem Beispiel hat die Range 88+, AJs+, AQo+ (5,9%) mehr als 50,7% Equity gegen die angenommene Pushing-Range von Villain. Wenn du eine Hand aus dieser Range hältst, solltest du callen und sonst folden.

Callen oder isolieren?

Wenn ein Call so viele Chips kostet, dass du pot-commited bist, macht es keinen Unterschied, ob du das All-in eines Spielers vor dir callst oder selbst ebenfalls All-in gehst. Es gibt aber auch Situationen, in denen der Call eines All-ins noch lange nicht bedeutet, dass du pot-commited bist, oder dies nur gegen bestimmte Gegner mit kleineren Stacks der Fall ist. Dies kann zum Beispiel dann zutreffen, wenn der effektive Stack im Verhältnis zu Spielern hinter dir deutlich größer ist als der Stack des All-in-Spielers.

Wenn du gegen ein All-in profitabel callen kannst, aber gegen Action eines Spielers mit größerem Stack hinter dir noch folden willst, dann ist es am besten, das All-in des Gegners nur zu callen (man spricht hier auch von flatcallen oder "flatten"). Um diese Hände zu balancen, musst du mit den besten Händen deiner Range ebenfalls flatten. Nur so ist gesichert, dass ein guter Gegner deinen Gameplan nicht exploiten kann, denn dein Call sagt nichts über die tatsächliche Stärke deiner Hand aus.

Du solltest mit deiner gesamten Range flatcallen, mit welcher du weiterspielen möchtest. Wenn du anschließend geraiset wirst, triffst du erst dann die Entscheidung, ob du callst oder foldest. Von dieser Regel kannst du allerdings dann Ausnahmen machen, wenn dein Gegner ein Iso-Raise deutlich tighter callen wird als einen Call von dir. Diese Situationen kommen vor allem dann vor, wenn der Risikoaufschlag besonders groß ist, zum Beispiel an der Bubble. In diesen Spots kann es besser sein, einen Gegner mit Händen zu isolieren, die auch gegen einen Gegner hinter dir mit größerem Stack gut genug sind. Es macht dann oft mehr Sinn, dem Gegner hinter dir einen Call so schwer wie möglich zu machen, damit dieser auch Hände foldet, die gegen deine Hand einen Coinflip hätten.

 Ein Flatcall ist besser als ein All-in, wenn er verhindert, dass du pot-commited bist.

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Kommentare (5)

#1 waiting, 23.08.13 08:50

Die Pushing-Range von Villain ist mir hier viel zu weit gewählt ...

#2 KTU, 23.08.13 09:01

Hey!<br /> <br /> Wie siehst du denn die Range?<br /> <br /> Am besten hier weiter diskutieren:<br /> http://de.pokerstrategy.com/forum/thread.php?threadid=1546053

#3 FredDoof, 29.07.14 23:21

Ich finde die Range aber auch ziemlich arg loose:)

#4 FredDoof, 05.03.15 09:38

Edit: nicht

#5 Coubi, 27.01.16 10:03

Werde ich denn hier nicht insofern exploited, dass mein Villain bei einem Isopush die stärksten Hände aus meiner Range streichen kann?