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StrategieFixed Limit

The Benefit of reading your Opponent accurately

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The Benefit of reading your Opponent accurately

von firsttsunami

Freitag ist der Tag, an dem ich mich mit meinen Freunden treffe und wir zusammen ins nah gelegene Casino gehen, um ein paar Fische auszunehmen. Das Casino liegt nur 2km entfernt von mir und an den Tischen finden sich sehr viele unerfahrene Spieler.

Nach ein paar Drinks bei einem Kumpel machten wir uns dann auf ins Casino und nahmen an einem 10/20€ Fixed-Limit-Tisch platz. Die Spieler dort sind auch immer die gleichen und sie spielen alle sehr durchsichtig. Auf die meisten Spieler habe ich schon gute Reads und ich weiß, wie sie ticken.

Am Tisch finden sich die verschiedensten Charaktere. Ein dicker Mann mit Cowboyhut und Cowboystiefeln. Er könnte der Sohn von Doyle Brunson sein. Ein Schwarzer, der versucht den nüchternen Gesichtsausdruck von Phil Ivey zu imitieren. Es gelingt ihm nur nicht. Ein “Animateur”, der wie Daniel Negreanue permanent am Reden ist und versucht die Leute zu verunsichern und Reads zu sammeln.

Ich bekam leider keinen guten Seat und saß direkt neben einem deutschen TAG. Er war ein guter und erfahrener Spieler mit guten Handreading-Skillz. Ich hatte leider das unglückliche Los gezogen, in der ersten Hand im Big Blind zu sitzen.

Der TAG hatte den Small Blind. Die erste Runde war eröffnet. Erstaunlicherweise haben alle zum Small Blind gefoldet, der mit einem Openraise eröffnete. Ich verteidigte meinen Big Blind mit 54s in .

Auf einem T, 7, 5 2-suited Flop traf ich dann mein Lowpair. Als Openraiser brachte der TAG natürlich seine Contibet an und ich hatte nun eine Entscheidung zu treffen. Raise ich gleich den Flop oder schaue ich mir erstmal den Turn an und raise hier ggf. for free Showdown.

Ich wollte nicht, dass er mich 3bettet, da doch einige Draws möglich sind, mit denen er mich 3betten könnte, und da ich am Turn nicht die bessere Hand folden wollte auf eine erneute Turnbet von ihm. Er spielte den Flop sehr aggressiv und 3bettete auch schon Gutshots wie J8 oder J9 in dieser Situation.

Ich entschied mich also den Flop erstmal nur zu callen, um dann am Turn weiter zu entscheiden. Er spielte den Turn auch sehr aggressiv und feuerte fast immer eine zweite Bet nach einem Flopcall vom Gegner. Ich habe mir also ausgerechnet, dass er den Turn häufig nochmal betten wird, weil ich bei diesem Flop sehr loose gecallt haben könnte mit Overcards oder diversen Gutshots.

Gegen Gegner die den Flop sehr aggressiv spielen und den Turn selten check/folden mit Initiative, ist es mit marginalen made Hands also oft richtig, mit einem Move bis zum Turn zu warten und die Turnbet vom Gegner dann zu raisen. Am River nimmt man sich dann einen free Showdown durch ein Check-behind.

Am Turn kam dann eine 9, die aber keinen Flushdraw completed hatte. Der TAG checkte mich wider Erwarten an und ich musste nun eine Entscheidung treffen. Checke ich nun behind oder bette ich? Ich wollte kein Checkraise kassieren und dann ggf. die beste Hand folden. Ich ging in mich und überlegte, was er wohl für eine Hand hat und welche Intention sein Check am Turn hatte.

Möchte er check/folden, check/raisen oder check/callen? Check/folden wäre schon eine Option an seiner Stelle, da eine Neun meine Hand improved haben könnte. Check/call könnte sein, machte aber eigentlich nur Sinn mit Händen wie K6 K8 A8 A6. Er hat Showdownvalue und möchte wegen des Gutshots auf ein Turnraise nicht folden.

Dass er mit einer made Hand wie zum Beispiel einer 7 check/callt, war eigentlich fast unmöglich. Da in meiner potenziellen Raisingrange am Turn viele Semibluffs enthalten sind, hat er mit einem Pair eigentlich fast immer die Equity um bet/call, call blank River zu spielen.

Die Checkraise-Wahrscheinlichkeit konnte ich relativ schwer einschätzen aber ich hielt ein Checkraise mit einer made Hand für sehr unwahrscheinlich. Mit einer made Hand kann er nämlich unmöglich zulassen, dass ich mir eine Freecard nehme! Mal von der Intention seines Checks abgesehen, hatte ich auch kaum eine andere Wahl als zu betten, da meine Hand sehr angreifbar war und mir sehr viele Overcards noch weh tun konnten. Die oben genannten Hände (K6 - A8) hatten nämlich ganze 10 Outs gegen mich. Ich musste also den Turn betten, was ich auch tat.

Auf die Bet folgte ein Checkraise von ihm. Ich war sehr verwundert, da mich meine Mutmaßung enttäuscht hatte. Ich ging nicht von einem Checkraise aus, aber es passierte dennoch. Ich musste ihn nun auf eine Hand setzen und evaluieren, ob meine Hand gut ist.

Um meine Handstärke einschätzen zu können, musste ich abwägen, wie wahrscheinlich ein Draw und wie wahrscheinlich eine made Hand waren. Ich kam zu dem klaren Entschluss, dass er in diesem Spot eigentlich jede made Hand for Protection hätte betten müssen und er demnach sehr oft einen Draw checkraist, um mich von einer Hand wie der 7 oder schlechter runterzuholen.

Zuversichtlich, die Hand noch zu gewinnen, callte ich sein Checkraise am Turn. Da mein Gegenspieler auch ein erfahrener Live-Pokerspieler war, hatte er seine Körpersprache leider so sehr unter Kontrolle, dass ich an seiner Mimik und Gestik nicht ablesen konnte, ob er sich nun freut, weil er wohl ausbezahlt wird oder ob er einen Draw hat und sich ärgert, weil sein Versuch mich aus der Hand zu drängen, missglückte. Ich konnte mich also nur auf meinen Verstand konzentrieren und am River kam ein Ass.

Der TAG bettete und der Pot war nach seiner Bet auf 8 Big Bets angewachsen. Da seine Line so sehr nach einem Draw wie Flushdraw oder einem Straightdraw wie QJ aussah, war das Ace quasi eine Blank und ich callte seine Riverbet. Ich hatte mich durch den Turncall ja schon entschieden, eine Blank am River zu callen. Ich callte also seine Bet und kurz vor dem Showdown, als die Karten aufgedeckt wurden, ging mein Puls in die Höhe und ich war voller Hoffnung, nicht Opfer einer totalen Blamage zu werden. Genau das Gegenteil war zum Glück der Fall und mein Read war genau richtig.

Mein Gegenspieler deckte seine Hand auf und zeigte mir QJ für einen open-ended Straight Draw! Ich gewann die Hand und freute mich unendlich, dass mein Read mich nicht im Stich gelassen hatte.

Nach vielen Momenten des Wartens auf bessere Karten, kam dann endlich wieder eine spielbare Hand. Ich saß mit QJ im Smallblind und alle foldeten zu mir. Im Big Blind saß der dicke Cowboy. Ich machte einen Openraise und wurde von ihm gecallt.

Der Flop kam K, 7, 2. Ich bettete und wurde gecallt. Am Turn kam eine T. Die Zehn hatte meine Hand improved und ich hatte nun einen open-ended Straightdraw. Ich musste nun überlegen, wie ich am besten weiterspiele. Bette ich nochmal, check/calle ich oder check/raise ich sogar?

Ich dachte mir dass eine Bet nichts bringen wird. Er würde maximal Ace high aber sonst keine bessere Hand folden. Check/call hielt ich auch für eine schlechte Option, da ich mit Queen high keinen Showdownvalue habe und irgendwie versuchen muss, den Pot unimproved zu gewinnen.

Es blieb als Option eigentlich nur noch, den Turn zu check/raisen. Ich hatte mir durch ein Checkraise am Turn schon einiges an Foldequity ausgerechnet, da das Board außer einige unoffensichtliche Straightdraws keinerlei Draws anbot. An dieser Stelle kommt auch noch gezielt mein Read auf ihn ins Spiel.

Er war, wie gesagt, ein schlechter Spieler, der auch unüberlegte Bets und Raises gemacht hat. Eine Schwachstelle von ihm war, dass er sehr häufig bluffte, wenn man ihn am Turn ancheckte. Er war am Turn auch nicht sonderlich weak, dass ich hätte Angst haben müssen, dass er ein Midpair oder schlechter behindcheckt. Gegen solch weake Gegner, die am Turn mit vielen made Hands check behind spielen, sollte man lieber den Turn und ggf. den River betten. So hat man am River noch die Chance, dass eine 7 oder schlechter foldet.

Nach einem Check-behind vom Gegner bringt eine Riverbluffbet allerdings nichts mehr und man kann die Hand check/folden. Mein Gegenspieler war also durchaus in der Lage, eine 7 oder schlechter zu bet/folden.

Gegen Gegner mit aggressiven Turnplay und die nicht jede Hand zum Showdown bringen, ist der Checkraise genau die richtige Waffe in dieser Situation. Ich wollte ihm mit einem Checkraise also den König verkaufen, in der Hoffnung dass er ein kleines Pair wie die 5 oder die 7 weglegt. Einen König würde ich nämlich auch so spielen und falls er versucht hat, mich zu floaten, dann bekäme ich so am meisten von ihm und nehme noch ein wenig Foldequity mit gegen seine made Hands.

An seiner Stelle ist eine Bet mit der 7 oder schlechter auch keineswegs verkehrt, da Hände wie AJ oder AQ, die hier gut check/callen könnten, 10 Outs gegen ihn haben. Er tappte in meine Falle. Der Checkraise-Versuch ging gut und er hat gefoldet. Er fragte mich darauf hin, ob ich einen König gehabt hätte? Diese Frage freute mich. Es hatte nämlich den Anschein, als wollte er sich vergewissern, dass er nicht die bessere made Hand foldete. Nun hatte ich schon den zweiten Pot mitgenommen und ging nach weiteren zwei Stunden des Live-Pokerns mit einem Gewinn von über 300€ aus dem Casino. Ein gelungener Tag. So kann es nächsten Freitag wieder laufen!


 

Kommentare (19)

#1 smooly, 10.03.08 18:49

Welches Casino wars denn?

#2 Zinsch, 10.03.08 19:06

15 BB Gewinn ist jetzt aber auch nicht die Welt, oder?

#3 leoZilla, 10.03.08 19:43

spiele zwar NL, habe mir den Artikel dennoch durchgelesen und muss sagen ich bekomme Lust auf FL :)<br /> <br /> guter Artikel, weiter so

#4 Link2k89, 10.03.08 19:54

15BB in 3 stunden sind schon einiges...du spielst im casino vllt 25 Hände die Stunde, also nach 3 Stunden etwa 75 Hände also 20BB/100 und wenn das nich viel is weiß ichs auch nich, auch wenn live mehr geld möglich is, als online

#5 kappe69, 10.03.08 19:59

Hast ihm denn auch gesagt, dass du den King hattest?

#6 BodyAttack, 10.03.08 20:08

Was haste zu seiner Frage gesagt, ob du den König hättest?

#7 tone, 10.03.08 20:37

pics or...

#8 MrSuckout, 10.03.08 21:00

tl;dr

#9 JollyRoger183, 10.03.08 21:57

@8 - wie war das nochmal mit der Geduld eines Pokerspielers?<br /> <br /> @ topic - fand die beiden Hände sehr genial.<br /> <br /> Unter den Coaches halte ich (subjektiv) dich für den, der am besten in Ranges denken kann und bis zum River auch weiter die gegnerische Range reduziert und auch die Lines der Gegner mit den möglichen Händen abgleicht usw. usf.<br /> <br /> Wollte deshalb auch schonmal ein coaching bei dir nehmen - aber jetzt hast du ja hier 2 sehr schöne Beispiele gebracht.<br /> Immer wieder - welche Hände würde er so spielen, warum ist der check am Turn keinen made hands usw - fands echt gut. Und danke, dass du dir die Mühe mit dem vielen Text gemacht hast.<br /> <br /> Auch das lange Quiz von Tsunami ist sicherlich viel Arbeit - finds ganz okay, wenn aller 2 Wochen 2-3 gute, tiefe und ausführliche Artikel rauskommen - wenngleich die Lehrreichsten Bsp.hände des lezten Jahres auch absolute Klassiker sind - imo.<br /> <br /> Vielleicht das nächste mal bei sowas noch die 2. Hand mit ner Überschrift abtrennen - und wichtige Punkte vielleicht fett hervorheben.<br /> <br /> vnw(ork)<br /> <br /> und grats zu den Gewinnen - hart erarbeitet würd ich sagen - und nicht AA, und KK durchgeballert - respekt!

#10 Agu2802, 11.03.08 05:21

was du ihn auf seine frage hin geantwortet hast würste ich auch gerne.<br /> hast ihn angelogen oder einfach "no comment"?^^

#11 DrAction, 12.03.08 05:21

content kann man daraus leider kaum ziehen. kommt eher rüber wie ein erlebnis bericht deines casino besuches ;)

#12 NobodyJH, 12.03.08 13:10

Und genau so etwas hat meiner Meinung nach gefehlt. Die Gedankengänge werden dabei nämlich gut beschrieben - quasi direkt im Spiel.

#13 Cornholio, 12.03.08 16:05

Ich leite die Nachfragen und das Feedback dann mal an Börries aka Firsttsunami weiter :)

#14 firsttsunami, 20.03.08 15:53

Sry dass ich mich erst jetzt melde. Hatte irgendwie übersehen dass die Kolumne schon released wurde. Danke für dein Feedback Jolly. Sieht ja so aus als hätte es allen mehr oder weniger gefallen, auch wenn der reine Nutzen einer steril-theoretischen Analyse in den lehrreichsten größeren Nutzen hat. Ich habe seine Frage nicht beantwortet. Keine Informationen preisgeben =)

#15 firsttsunami, 20.03.08 15:54

Sry dass ich mich erst jetzt melde. Hatte irgendwie übersehen dass die Kolumne schon released wurde. Danke für dein Feedback Jolly. Sieht ja so aus als hätte es allen mehr oder weniger gefallen, auch wenn der reine Nutzen einer steril-theoretischen Analyse in den lehrreichsten größeren Nutzen hat. Ich habe seine Frage nicht beantwortet. Keine Informationen preisgeben =)

#16 firsttsunami, 20.03.08 15:54

Sry dass ich mich erst jetzt melde. Hatte irgendwie übersehen dass die Kolumne schon released wurde. Danke für dein Feedback Jolly. Sieht ja so aus als hätte es allen mehr oder weniger gefallen, auch wenn der reine Nutzen einer steril-theoretischen Analyse in den lehrreichsten größeren Nutzen hat. Ich habe seine Frage nicht beantwortet. Keine Informationen preisgeben =)

#17 firsttsunami, 20.03.08 16:03

Seite hat gelagt. Sry für Multipost =D.

#18 KingofQueens08, 11.05.08 09:08

@firsttsunami:<br /> ich hätte die hand hier nicht gepostet, wenn der cowboy sich jetzt bei PS.de anmeldet und dies liest, wird er dich beim nächsten mal demaßen abziehen, weil er deine spielweise jetzt kennt, dass du nicht mehr weißt, wo vorne und hinten ist...<br /> <br /> ne spaß beiseite, ist echt ein sehr toller artikel!<br /> schön auch mit nicht so starken händen geld gemacht, das ist Können.<br /> Weiter so.

#19 moneymanni11, 20.02.09 21:27

wenn ich deutlich besser bin als ich es jetzt bin, dann werde solche gedankengänge verstärkt gebrauchen. danke für die anregung! =)