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StrategieFixed Limit

Elements of hand reading

» Elements of hand reading

Elements of hand reading

von firsttsunami

Poker ist ein Spiel mit unvollständiger Information. Bei manchen Pokervarianten hat man mehr Informationen (zum Beispiel bei den Stud-Varianten) und bei manchen weniger.

Hold'em gehört zu den Varianten, bei denen man vergleichsweise wenig Informationen hat. Gerade aber dieser Schleier sorgt für die unglaubliche Spannung beim Spielen am Pokertisch. Der Trieb der Neugier des Menschen, Unentdecktes zu entdecken und des Rätsels Lösung zu finden, kann sich am Tisch uneingeschränkt entfalten.

Mit unvollständiger Information sind im Wesentlichen die gegnerischen Handkarten gemeint. Die Gemeinschaftskarten sehen wir zwar auch nicht preflop, aber die gegnerischen Handkarten sind vergleichsweise kontinuierlich unbekannt. Würdest du die Karten des Gegners kennen, dann könntest du fehlerfrei spielen. Du würdest nur zum Showdown gehen, wenn du die bessere Hand hast, und könntest immer korrekte Folds machen, wenn der Gegner die bessere Hand hat.

Zu schön wäre es natürlich, wenn es ein Programm gäbe, das die Karten des Gegners sichtbar macht. Da sowas aber nicht möglich ist und das Spiel auch seinen Reiz verlieren würde, musst du über andere Wege Aufschluss über die gegnerische Hand erlangen.

Das Verhalten anderer Variablen wie Position, Boardstruktur und Setzverhalten (Bettingsequenz) erlaubt Rückschlüsse auf eine Anzahl möglicher Hände des Gegners (Handrange). Nur so kannst du auf systematischen Wege Informationen über die Gegnerhand erlangen.

Je mehr Gemeinschaftskarten aufgedeckt werden und je mehr Züge der Gegner gemacht hat, desto geringer ist das Informationsdefizit und desto präziser kannst du den Gegner auf eine Handrange setzen. Diese Informationsgewinnung nennt man auch Handreading.

ALLGEMEINES
Die systematische Vorgehensweise ist eigentlich mehr als logisch und leicht verständlich. Der Ausgangspunkt ist die Preflop-Runde. Hier erhältst du durch das Verhalten des Gegners die ersten Informationen.

Üblich ist, dass der Gegner entweder foldet oder raist. Anhand der Position des Gegners, seiner Stats und mittels eines Charts, zum Beispiel dem Openraising-Chart, kannst du die erste Aussage über die Handrange des Gegners treffen.

Die letzte Information erhältst du am River mit der letzten Karte und durch das Verhalten des Gegners. Hier triffst du auch die letzte Entscheidung. Gehst du zum Showdown oder nicht? Im Verlauf der Hand von Preflop bis Showdown musst du immer wieder neu die notwendigen Variablen relativieren (die teilweise voneinander abhängig sind), um die Informationslücke weitestgehend zu schließen.

DIE WICHTIGEN VARIABLEN
Es gibt beim Poker mehrere Variablen. Die Kunst und die Schwierigkeit ist es, diese ins Verhältnis zueinander setzen zu können und daraus ein Produkt zu bilden. Man kann sie nicht isoliert betrachten und addieren, sondern muss sie miteinander multiplizieren.

1) Die eigene Hand(-range)

2) Die eigene Position

3) Die Boardstruktur / das Board (drawheavy, connected, Highcard-zu-Lowcard-Verhältnis)

4) Die Position des Gegners

5) Das konkrete Setzverhalten des Gegners in einer Hand

6) Generelle Setzmuster (Bettingpatterns) des Gegners

7) History (zuvor gespielte Hände gegen einen oder mehrere Gegner und die sich daraus ergebenen Reads aufeinander)

8) Handrange des Gegners preflop, gemessen an seinen Stats

Die gegnerische Range ist maßgeblich entscheidend für deine Equity. Diese wiederum diktiert dir, ob eine Entscheidung einen positiven oder einen negativen Erwartungswert hat. Und natürlich möchtest du nur Entscheidungen mit einem positiven Erwartungswert treffen.

Das Ziel von Handreading ist also nicht, den oder die Gegner genau auf eine Hand zu setzen. Vielmehr musst du durch das Ausschlussverfahren die möglichen Hände durch das relative Verhalten der elementaren Variablen untereinander im Verlauf der Hand auf ein möglich überschaubares Maß reduzieren. Welche Hände sind plausibel und wie stehst du dagegen, wenn jede davon wahrscheinlich ist?

ANNAHMEN TREFFEN DURCH READS
Um den Gegner auf eine Range setzen zu können, musst du durch die Relation der Variablen Annahmen treffen. Das heißt konkret: Wie spielt der Gegner welche Hände in welcher Situation?

Annahmen können wiederum durch bestimmte Reads auf den Gegner getroffen werden. Annahmen durch Reads basieren natürlich auch ganz wesentlich auf den rational-theoretischen Konzepten, die man sich aneignet, indem man nach und nach alle verfügbaren Strategieartikel durcharbeitet.

Wenn gar keine Informationen über den Gegner vorliegen, solltest du dir vorstellen, dass du gegen dich selber spielst, und auf Grundlage der Konzepte überlegen, welches Verhalten in jener speziellen Situationen Sinn ergibt.

Einfacher ist es natürlich, wenn ein Read vorliegt, der dir Auskunft über die Tendenzen des Gegners gibt. Gegen einen reasonable TAG kannst du natürlich viel bessere Annahmen treffen, weil du davon ausgehen kannst, dass er weitestgehend überlegte Entscheidungen trifft und zum Beispiel keinen pure Bluff gegen 2 Leute am River durchzieht. Um einen Read zu bilden, ist es also sehr hilfreich, wenn du dich in den Gegner hineinversetzt und überlegst, wie du in der Situation handeln würdest.

 5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is SB with A, J
MP2 raises, 3 folds, Hero 3-bets, BB folds, MP2 calls.

Flop: (7.00 SB) 3, 3, 2 (2 players)
Hero bets, MP2 raises.

Final Pot: 5.00 BB

Der Gegner ist ein reasonable TAG mit den Stats (22/18/2.4/36). Du 3-bettest, er callt. Am Flop raist er in Position deine Contibet auf einem 332-Flop.

Per Ausschlussverfahren und aufgrund der Variablen 4) in Verbindung mit 8) kannst du definitiv sagen, dass er keine 3 halten kann, da es aus UTG keine plausiblen Handkombinationen gibt, die eine 3 beinhalten. Eine 2 kann er aus dem gleichen Grund nicht halten. Und nach diesem Schema verfährst du in jeder Hand.

Dein Ziel ist es nun, dem Gegner eine Handrange zu geben. Die 3 und die 2 hast du ja schon ausgeschlossen. Anhand von plausiblen Annahmen musst du jetzt aber die Fülle seiner Hände definieren.

Er wird den Flop fast nie bluffraisen, weil du seinen starken UTG-Openraise ge-3-bettet hast. Du wirst oft ein Pocketpair haben und auch mit Ace high auf diesem Board oft zum Showdown gehen. Er hat wenig Foldequity und ein Bluff lohnt sich daher nicht. Du kannst so also alle Hände ausschließen, die unpaired sind.

Der Gegner hätte ein Pocketpair JJ++ gecappt. Er hat aber deine 3-Bet nur gecallt. Er hat also maximal ein Pocketpair bis TT. Daraus ergibt sich, dass deine Outs auf J und A oft noch clean sind.

Die Synthese aus diesen Annahmen ist nun, dass er mit ziemlicher großer Wahrscheinlichkeit ein Pocketpair wie 44, 55, 66, 77, 88, 99, TT haben muss.

Die Equity brauchst du in dieser Situation nicht ermitteln, da du unimproved nicht zum Showdown gehen kannst, weil der Gegner ja nur bessere Hände hat. Die Frage in dieser Hand ist, ob du am Turn nach dem Konzept Odds & Outs noch den River sehen kannst.

Flop: (7.00 SB) 3, 3, 2 (2 players)
Hero bets, MP2 raises, Hero calls.

Turn: (5.50 BB) 8 (2 players)
Hero checks, MP2 Bets, Hero?

Du hast das Flopraise des Gegners nur gecallt. Der Pot ist am Turn samt der erneuten Bet von MP2 6,5 BB groß. Da du gegen alle Pocketpairs 6 Outs hast, kannst du dir mindestens 1 BB (wahrscheinlich sogar noch etwas mehr im Falle von check/raise/call) als implied Odds berechnen.

Du bekommst also 6,5 + 1 = 1:7,5 auf einen erneuten Call. Bei 6 Outs brauchst du ja nur 1:7. Du kannst den Turn also callen und auf ein A solltest du eher donken und auf einen J checkraisen.

Der Gegner könnte zwar mit 88 ein Set gemacht haben und du hast im Falle von einem Improve mindestens -1 BB reverse implied Odds, aber die Wahrscheinlichkeit liegt nur bei 3/39 = 1:13 und ist somit sehr gering.

Die 3 sind die 3 Setmöglichkeiten und die 39 sind die Kombinationen von 44, 55, 66, 77, 99, TT. Wenn du am River noch unimproved bist, foldest du natürlich.

Angenommen, es ändert sich eine Variable. Du spielstzum Beispiel nicht gegen einen reasonable TAG, sondern gegen einen LAG (34/23,2.8/40). Die Kausalkette ändert sich dann natürlich auch.

Anderer Gegner => andere Annahmen => andere Handrange => veränderte Equity => andere Entscheidung

Flop: (7.00 SB) 3, 3, 2 (2 players)
Hero bets, MP2 raises, Hero calls.

Turn: (5.50 BB) 8 (2 players)
Hero checks, MP2 Bets, Hero?

Du stehst nun vor derselben Situation. Du musst nun eine Handrange für den LAG festlegen und schauen, ob du vielleicht sogar zum Showdown gehen können.

Wir hatten gesagt, dass ein reasonable TAG hier nie bluffen wird. Das ist bei einem LAG natürlich anders. Er könnte hier viel eher bluffen und versuchen, mit QTs den Pot zu stealen. Der Knackpunkt ist jetzt aber, festzulegen, wie oft er einen Bluff 3-barreln muss, damit du den Showdown sehen kannst.

Bei 23% PFR hat er *0,75 (UTG-Multiplikator) aus UTG ca 17% PFR

99-33, AJs-A6s, K9s+, Q9s+, JTs, AJo-ATo, KTo+, QTo+ <- 173 Kombinationen

So könnte seine Raise/Call-Prefloprange aussehen

Zu der Range, gegen die du hinten liegst, addierst du dann so viele pure Bluffs, dass du equitygemäß downcallen können.

Aber erst einmal ist noch offen, wie viel Equity du vom Turn an brauchst:

EV(Calldown) > 0, wenn EQ > Verlust / (Gewinn + Verlust)
Verlust = Investment bis zum Showdown 2BB
Gewinn = Pot am Turn
EV(Calldown) > 0, wenn EQ > 2 / 6,5 + 1BB + 2 = 21%


Du brauchst im worst Case also 21% Equity, um downcallen zu können.

Nun fügen wir ein 'paar' Hände ein, mit denen dein Gegner bluffen könnte, weil er sich evtl. davon verspricht, dass du eine bessere Highcard wie zum Beispiel K high folden wirst.

Board: 3c 3d 2h 8d Ks
Dead:

equity win tie pots won pots tied
Hand 0: 77.500% 77.50% 00.00% 31 0.00 { 99-33, QcTd, QcTh, QcTs, QdTc, QdTh, QdTs, QhTc, QhTd, QhTs }
Hand 1: 22.500% 22.50% 00.00% 9 0.00 { AsJs }

Wir haben nur 75% seiner QTo-Holdings hinzugefügt. Wenn er alleine nur diese Hand in 3 von 4 Fällen auf allen Straßen durchblufft, kannst du den Showdown sehen. 12 Kombinationen von QTo sind auch sage und schreibe nur ca. 7% von 173 Kombinationen. Die Bluffwahrscheinlichkeit muss also nur sehr gering sein, um den River unimproved nochmal zu callen.

Fazit: Nur kleine Veränderungen der Annahmen in der Kausalkette können große Auswirkungen auf deine Entscheidung haben. Du hast nur 3/4 einer Hand hinzugefügt und hast gleich so viel Equity, dass du den River callen solltest, anstatt zu folden. Wie hier zu sehen, ist ein ganz bedeutender Teil des Handreadings auch, Wahrscheinlichkeiten richtig einzuschätzen.

WIE ERSTELLE ICH EIN GEGNERPROFIL?
Was genau sind eigentlich Reads und wie kannst du durch Reads Annahmen treffen? Reads sind nicht mehr als Eigenschaften und die Summe der Eigenschaften eines Gegners kann man in einem Gegnerprofil zusammenfassen.

Um ein Gegnerprofil zu erstellen, kategorisierst du den Gegner grob und erstellst in jeder Kategorie Subkategorien. Im unteren Muster stellst du in jeder Kategorie Fragen, die essenziell sind, um überhaupt einen Read aufzubauen und um die weitere Vorgehensweise zu bestimmen.

Kategorien
  • Preflopplay
  • Flopplay
  • Turnplay
  • Riverplay

Subkategorie Preflopplay
  • Weicht sein Spiel in bestimmten Situationen von seinen Stats ab?
  • Macht er Caps for Deception?
  • Callt er 3-Bets for Deception mit Händen wie zum Beispiel AA IP?

Subkategorie Flopplay

  • Macht er loose Flopcalls?
  • Raist er oft als pure Bluff am Flop?
  • Macht er Bluffcalls?
  • Spielt er IP eher passiv for Bluffinduce oder eher aggressiv?
  • Welche Arten von made Hands raist er am Flop?

Subkategorie Turnplay
  • Sollte man ui nochmal betten?
  • Raist er als pure Bluff am Turn?
  • Wie reagiere ich auf einen Raise?
  • Raist er am Turn (oft) for free Showdown?
  • Raist er am Turn nur starke made Hands oder auch schwache?
  • Semiblufft er viel am Turn oder spielt er seine Draws eher passiv?
  • Kann er am Turn auf eine weitere Bet eine bessere Hand folden?

Subkategorie River
  • Delayed der Gegner starke Hände bis zum River?
  • Ist er fähig, am River zu bluffraisen?
  • Wie loose oder tight callt er am River (Kann ich valuebetten, callt oder foldet er Ace high)
  • Blufft der Gegner wenn ich zu ihm checke => Toughen check/fold machen?
  • Foldet der Gegner häufig sein Ace high erst am River => Wie effektiv ist eine dritte Bluffbet?
Man kann natürlich jede Information und jede Frage noch tiefer ausführen, aber oft liegen ja nur wenige Informationen über den Gegner vor und du kannst gar nicht so viele Fragen prüfen und auch gar nicht alle Informationen speichern und wieder in Windeseile abrufen.

WELCHE BEDEUTUNG HABEN DIESE ANNAHMEN IN EINER KONKRETEN HAND?
Beispiel 1

5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is SB with 9, 8
4 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: (4.00 SB) K, 4, 2 (2 players)
Hero bets, BB calls.

Turn: (3.00 BB) 7 (1 players)
Hero bets.

Final Pot: 4.00 BB

Der Gegner ein LAG (37/25/2.6/43). Folgende Informationen hast du als Note festgehalten:
  • raist kleine Pairs direkt am Flop
  • floatet am Flop
  • hoher "Fold to Turnbet"-Wert
  • call flop, raise Turn = Toppair
  • bluffraist gerne unconnected und dry Flops
Du hast 98s mit Initiative und bettest den Flop. Nun kommen die Annahmen ins Spiel. In deinen Notes findest du die Information, dass der Gegner loose am Flop callt.

Das loose Callen am Flop und der hohe "Fold to Turnbet"-Wert stehen hier natürlich im Zusammenhang. Du kannst nun also die Annahme treffen, dass der Gegner so einen Flop mit nur einer Highcard auch mit Händen wie T-Q high callt.

Da er seltener Toppair hat als eine dieser unimproved T-Q-high-Kombinationen, solltest du den Turn erneut betten und auf ein Raise folden. Der Read sagt ja, dass er kleine Pairs am Flop raist. Seine Range reduziert sich somit stark auf das Toppair und du bist somit sehr oft drawing dead und musst folden.

Beispiel 2

5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is SB with A, T
2 folds, CO calls, BU folds, Hero raises, BB calls, CO calls.

Flop: (6.00 SB) 9, 5, 2 (3 players)
Hero bets, BB calls, CO calls.


Final Pot: 4.50 BB

Du hast im SB mit AT opengeraist und der LAG ist in dieser Hand der BB und hat nur defendet. CO hat Preflop nur gelimpt. Du contibettest den Flop und der LAG callt nur.

Du greifst wieder auf deine Notes zurück und siehst, dass er durch sein aggressives Flopplay normal jedes Pair geraist hätte. Du kannst also davon ausgehen, dass er hier unimproved ist und nur auf seine Outs callt. Das führt dich wiederum zu der Annahme, dass du mit Ace high good Kicker noch häufig vorne bist, weil er ja mit any Pair den Flop geraist und ein besseres Ass wie AT+ preflop ge-3-bettet hätte.

WIE MACHST DU KORREKTE ANNAHMEN OHNE EINEN READ AUF DIE GEGNER?
Ohne Read auf den Gegner kann man keine konkreten Annahmen machen. Zwischen Callingstations und einem Maniac on Tilt könnte er jedem Gegnertyp angehören. Ohne einen akkuraten Read kann man also nur von Tendenzen ausgehen.

Man darf aber nicht den Fehler machen und zu subjektiv nach seinen korrekten spieltheoretischen Maßstäben den Gegner und sein Verhalten beurteilen. In Beispiel 2) kann man also nicht genau festlegen, ob der Gegner den Flop getroffen hat. Man kann nur sagen, dass es unwahrscheinlich ist, dass der Gegner den Flop getroffen hat, da es richtig wäre, den Flop zu raisen und kleine Karten wie 2, 5 und 9 mit weniger Beikarten gespielt werden "können" als es bei einem Ass der Fall ist.

Man sollte sich immer fragen, wie man selber in diesen Situationen gehandelt hätte, aber Annahmen sind dann nur tendenziell und nicht "absolut" machbar. Man kann aber eigentlich nach einer Hand schon sagen, ob der Gegner eher ein guter Spieler oder eher ein schlechter Spieler ist.

Ein Indiz dafür ist zum Beispiel eine Line, die sich der logischen Vorgehensweise entzieht, zum Beispiel check/call check/call check/raise oder check/call check/raise in einem Multiwaypot. Man sollte versuchen, gegen unknown keine großen Moves zu starten sondern einfach straightforward spielen. Weiterhin sollte man sich nicht in marginale Situationen begeben, keine toughen Laydowns machen und eher showdowngebunden spielen.

Aber wenn bei Beispiel 2) zum Beispiel auf eine 2, was im Grunde eine Blank ist, der Gegenspieler hinter dir auf eine weitere Bet am Turn raist, heißt das nicht, dass er hier immer einen Bluff haben muss, weil er ja ein Pair nach deinem Verständnis am Flop hätte raisen müssen.
» FAZIT
Es ist manchmal sehr schwer bis unmöglich, einen richtigen Spielplan für eine konkrete Hand zu entwickeln, ohne dem Gegner Verhaltenseigenschaften zuordnen zu können.

Die riesige Dynamik und Komplexität von Poker machen Handreading nur bedingt möglich und man kann auch nie perfekt oder 100% richtig spielen. Das einzige Ziel kann also sein, weniger Fehler zu machen als der Gegner.

 

Kommentare (21)

#1 Floeee101, 05.05.08 17:25

finde den artikel wirklich super, genau das wonach ich im moment suche und wesentlich besser als der artikel aus der silber sektion!

#2 Zinsch, 05.05.08 17:43

12 von 213 sind 6% und nicht 0,6%.

#3 firsttsunami, 06.05.08 06:20

Hast Natürlich Recht Zinsch. Ich werde es korrigieren lassen :-)

#4 firsttsunami, 06.05.08 06:24

Danke für dien positives Feedback Floeee101 :)

#5 fmo01, 06.05.08 07:09

Sehr guter Artikel, wär mal ein Beispiel-Coaching wert. (z.B. ausgewählte Hände)

#6 sascha5, 06.05.08 08:18

Artikel hat mir auch gefallen obwohl ich als angehender Silberfisch noch lange nicht alles verstanden habe: Warum donke ich mit AJ auf dem River das A und checkraise den J ? Die Wahrscheinlichkeit von 1:13 habe ich ebenfalls nicht begriffen, aber ich lerne ja noch ;)

#7 Genzora, 06.05.08 08:45

@#6: Ich vermute mal, beim A wird gedonkt weil ein Ass eher ne Scarecard ist für den Gegner und er daher oft behind checken wird. Der J macht ihm hingegen weniger Sorgen und er wird dort oft noch betten am River, woraufhin du ihn check-raisen kannst.

#8 firsttsunami, 06.05.08 12:54

#7 Genau so sieht es aus. Ich hätte es erklären sollen. Tut mir leid. Mein Fehler aber Genzora hat es ja nun erklärt :)

#9 cjheigl, 06.05.08 14:00

Im vorletzten Beispiel in der 98s Hand: man hat hier zwei sich widersprechende Reads. Zwar floatet der Gegner gerne, andererseits hat man auch den Read, dass der Gegner genau diese Art von Flops gerne bluffraist. Wenn er nach diesem Read den Flop nur callt, dann offensichtlich mit der Absicht, den Turn mit top Paar zu checkraisen. So klar ist die Annahme also nicht, dass der Gegner hier oft nur Q oder T high hat, denn so eine Hand hätte er am Flop geraist.<br /> <br /> Also hier die Frage: wenn man in einer konkreten Situation sich widersprechende Reads hat, wie wählt man den richtigen Read aus?<br /> <br /> Zur Linie: Eigentlich ist die Standard "Killerlinie" mit eigenem top Paar in dieser Situation checkraise Turn, weil das genau die Linie ist, mit der Floats ausgenutzt werden. Auf eine einfache Valuebet bekäme man vielleicht nichts mehr. Sollte man dann die eigenen Bluffs nicht ebenfalls checkraise Turn spielen?<br /> <br />

#10 firsttsunami, 06.05.08 15:37

Das eine als auch das andere kann eintreffen. Er kann hier also schon sehr gut ein Float haben, auch wenn er nicht den Flop raised. Ich spiele auf diesen Boards nicht mehr so oft check raise weil viele Gegner mit kleinen Pairs oder jedenfalls mit A high CB spielen die sonst aber downcallen.

#11 pokerr4b3, 06.05.08 20:22

Hallo mich würde interessieren , wie man auf die Anzahl der Kombinationen kommt.<br /> Gibt es da eine einfache Faustregel?

#12 RudiDax, 06.05.08 23:12

Ich verstehe nicht so ganz woher in der Rechnung der 1BB herkommt.<br /> EV(Calldown) > 0, wenn EQ > 2 / 6,5 + 1BB + 2 = 21%<br />

#13 cjheigl, 07.05.08 15:23

Faustregel für Kombinationen:<br /> Pockets 6 Kombinationen, 1 Karte bekannt noch 3 Kombinationen, 2 Karten bekannt 1 Kombination<br /> XYs: 4 Kombinationen, je bekannte Farbkarte 1 Kombination weniger<br /> XY: 16 Kombinationen, ohne die suited Kombinationen (=XYo) nur 12.<br />

#14 firsttsunami, 08.05.08 06:31

#12<br /> <br /> 2 sind die Kosten in BB die wir an Turn und River zahlen müssen um den Showdown zu sehen<br /> <br /> 6,5BB ist der Pot am Turn nach seiner Bet und die 1 ist das Investment vom Gegner wenn wir annehmen dass er am River nur valuebettet und nie bluffed.

#15 KingofQueens08, 09.05.08 12:16

sehr schön!!<br /> weiter so.

#16 Kloppy, 15.05.08 15:23

Endlich mal tiefere Mathematik! Ist zwar komplex, aber dafür versteht man auch, wofür man welchen Zug macht!

#17 Luftgeist, 06.01.09 15:21

Im ersten Beispiel steht: "Die 3 sind die 3 Setmöglichkeiten und die 39 sind die Kombinationen von 44, 55, 66, 77, 99, TT."<br /> Das müssten doch 6x6 also 36 Kombinationen sein, oder übersehe ich hier etwas?

#18 HamburgmeinePerle, 26.05.09 18:45

Überragender Artikel, gehört definitiv zu den besten imo.<br /> <br /> Ich finds auch gut, dass so einer auch schon in der Einsteigersektion ist, dass ein Anfänger ein Gesür afür bekommt, dass Poker vielleicht doch nicht nur Glück ist bzw. auf Dauer überhaupt kein Glück, wenn man sich ausführliche Gedanken darüber macht!

#19 Nakaschi, 10.01.10 13:31

kann mich meinem Vorposter nur anschließen. Danke für diesen Artikel.

#20 renominono, 07.06.10 12:15

guter artikel, bin aber etwas blöde (hihi *erröt*) und verstehe ihn nicht ganz. Trotzdem Danke! <br /> Simon M.

#21 maggi1, 22.11.11 03:04

wunderbar dieser artikel!!!<br /> <br /> mehr davon