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StrategieFixed Limit

Odds & Outs


Einleitung

Eines der wichtigsten Themen für Micro Limit Full Ring Spieler ist 'Odds und Outs'. Ich werde das Thema nicht nochmal grundlegend erklären, dazu rate ich euch, den Artikel "Odds & Outs" aus der Bronze-Sektion zu lesen.

Wenn man sich hinten sieht, ist es elementar zu betrachten wieviele Outs man hat und dann anhand der Pottgröße abzuschätzen, ob es profitabel ist mitzugehen.

Dies ist aber oft nicht ganz einfach und es sind mehrere Faktoren zu beachten.

Die Implied Odds und die Reverse Implied Odds

Je stärker die Hand ist, auf die wir drawen, und je höher die Chance ist, dass die Gegner auch gute, dann aber nur zweitbeste Hände halten, desto eher sollte man geneigt sein zu callen. D.h. man kann schon mit weniger Outs callen als eigentlich nötig wäre, weil man noch viel gewinnt, wenn man trifft.

-> man hat gute implied Odds.

Je größer die Chance allerdings ist, dass wir, selbst nachdem wir einen unserer vermeintlichen Outs getroffen haben, nur die zweitbeste Hand machen, desto eher sollte man geneigt sein, nicht auf seine Outs zu callen.

-> man muss seine Outs discounten, also abwerten, weil man Reverse implied Odds hat.


Um dies herauszufinden, muss man das Board kombiniert mit den Aktionen der Gegner bewerten und die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Hände bei den Gegnern abschätzen.

Weiterhin zu beachten: Die eigene Position.

Wenn man nicht die Aktion abschließt, muss man noch weiter discounten, weil hinter einem noch geraist werden kann und dadurch unsere Odds schlechter werden, weil wir dann 2 Bets zahlen müssen, um den Turn zu sehen.


Hand 1

Wie liest man eine Beispielhand?

Preflop: Hero is CO with 9, T
UTG raises, UTG+1 folds, UTG+2 calls, 3 folds, Hero calls, 3 folds.

Flop: (7.40 SB) 6, 7, K (3 players)
UTG bets, UTG+2 calls, Hero calls.

Turn: (5.20 BB) 3 (3 players)
UTG bets, 2 folds.

Final Pot: 6.20 BB


Preflop callen wir unsere suited Connector cold (coldcallen = 2 Bets auf einmal mitgehen). Diese Sorte von Händen ist gegen Erhöhungen vor einem verhältnismäßig oft spielbar, weil wir damit gute Chancen haben, eine Straight oder einen Flush zu treffen und damit auch premium Starthände schlagen.

Am Flop sind wir in einer typischen Situation, wo man seine Odds und Outs abgleichen muss: Wir haben nicht die beste Hand aber potentielle Outs.

Um zu bestimmen wieviele das sind, muss man betrachten, was die Gegner im Durchschnitt halten und wie die Implied Odds und Reverse Implied Odds sind.

Der Spieler, der am Flop gesetzt hat, hat Preflop aus früher Position erhöht. Dies ist i.d.R ein Zeichen von Stärke. Gegen nur wenige Hände, die er hier halten kann, sind unsere Outs auf die T oder die 9 etwas wert, weil er meist ein hohes Pocket Pair hat oder den K getroffen hat. Außerdem kann auch der Spieler, der am Flop mitgeht, schon den K halten.

Wir haben also auf diese Outs sehr geringe Implied Odds, weil die Gegner schnell aussteigen werden am Turn, wenn sie was haben, das noch schlechter als 1 Paar Zehner oder Neuner ist.
Wir haben aber Reverse Implied Odds auf diese Outs, da wir nicht so einfach loskommen, wenn wir ein Paar gemacht haben, häufig aber nur die zweitbeste Hand haben.
Die Outs auf 1 Paar müssen also radikal discountet werden, hierfür kann man sich gar keine Outs geben.

Mit dem Gutshot (innere Straßen Chance) Outs ist es allerdings anders. Wir drawen mit ihnen auf die Nuts. Treffen wir also unsere Straße, haben wir die bestmögliche Hand.
Unsere Implied Odds sind gut, weil wir schon 2 Leute in der Hand haben, die offensichtlich Gefallen an ihrer Hand gefunden haben und UTG, wie gesagt, oft etwas gutes hat. Wir gewinnen also meist noch einige Bets, wenn wir treffen.
Die Reverse Implied Odds hingegen sind nicht existent, da wir nie die zweitbeste Hand machen.

Unsere Position ist perfekt, hinter uns kann nicht mehr erhöht werden und wir können am Turn, wenn wir treffen, das ganze Feld raisen.

Man kann sich also 4 saubere Outs hier geben. Dafür bräuchte man nach der Odds&Outs Tabelle Odds von 10.8:1.

Zum Zeitpunkt unserer Entscheidung am Flop sind allerdings erst 9,5 Bets im Pott.

Aufgrund der Tatsache, dass wir gute Implieds und keine Reverse Implieds haben, sollte man hier auf jeden Fall mitgehen. Unter solch perfekten Bedinungen, kann man einen 4-Outer schon für Odds von etwa 1:7 callen.

Am Turn kriegen wir nur noch 1:6.2. Außerdem ist der 3. gegner ausgestiegen , was unsere implied Odds veringert. Daher sollte man hier seine Hand weglegen.


Hand 2

Wie liest man eine Beispielhand?

Preflop: Hero is MP2 with 8, 9
UTG calls, UTG+1 calls, 2 folds, Hero calls, MP3 raises, 4 folds, UTG calls, UTG+1 calls, Hero calls.

Flop: (9.40 SB) 9, T, J (4 players)
UTG bets, UTG+1 raises, Hero?


Hero floppt das niedrigste Paar und hat einen open-ended straight-draw (offene Straßen-Chance). Vorher setzt ein Gegner und einer erhöht. Hier ist es sicher nicht mehr die beste Hand zu haben, also muss man die Odds&Outs betrachten.

Unsere Hand verbessern: 5 Outs auf 2Paar bzw. Drilling + 8 Outs auf die Straße. Wir haben also 13 potentielle Outs.
Wir kriegen Odds von 12,5:2 also 6.25:1 auf den Coldcall am Flop.
Für 13 Outs braucht man nur 1:2.6. Demnach wäre es ein easy Call?

Man muss wieder betrachten, mit welchen der Outs man hier wirklich meist die beste Hand macht. Nachdem hier einer ins ganze Feld reindonkt (setzen entgegen der Initiative) und auch noch einer erhöht, bestehen gute Chancen, dass schon 2Pairs, Drillinge oder Straßen unterwegs sind, gegen alle diese Hände sind unsere meisten Outs wertlos.
Unsere Straßen Outs müssen ebenso radikal discountet werden. Treffen wir die 7 sind 2 höhere Straights möglich(Q8, KQ). Treffen wir die Q, macht jeder K die höhere Straight. Hier ist zu bedenken, dass der Preflopraiser noch in der Hand ist, der oft einen K in seiner Hand hat.
Außerdem ist ein Flushdraw möglich, wogegen viele unserer Outs wegfallen.

Unsere Position ist auch denkbar schlecht, es ist völlig ungewiß, ob wir für 2 Bets auch wirklich den Turn sehen können, der Preflopraiser (der Spieler, der vor dem Flop erhöht hat) sitzt noch hinter uns - er kann gut nochmal erhöhen.

Wenn wir hier treffen, werden wir sehr häufig eine gute, aber nur zweitbeste Hand machen, und die ist bekanntlich die schlechteste im Poker. Wir sind dann aber gezwungen zum Showdown zu gehen und verlieren noch viele Bets -> Unsere Reverse Implied Odds sind hier sehr hoch und überdecken völlig mögliche Implied Odds.

Da das für alle unsere Outs zutrifft, sollte man hier direkt aussteigen.


Fazit

Wenn du deine Odds und Outs vergleichst, achte darauf wie stark man die Outs discounten(abwerten) muss und wie hoch die Implieds und Reverse Implied Odds sind.
 

Kommentare (8)

#1 wespetrev, 23.02.08 16:36

vor allem die zweite Hand ist sehr instruktiv erklärt. Spiel nach Schema F ohne nachdenken ist -EV.

#2 MissRich, 22.03.08 18:11

"Unter solch perfekten Bedinungen, kann man einen 4-Outer schon für Odds von etwa 1:7 callen."<br /> <br /> 1:7 gilt aber nur für am Flop, oder?

#3 kracher80, 01.05.08 06:17

Schön und auch für einen Beginner einleuchtend erklärt!<br /> Insb. die zweite Hand macht deutlich, dass auch in den kleineren Limits wichtig sein sollte, Odds + Outs zu begreifen und vor allem, dass man diese oft discounten muss...

#4 KingofQueens08, 30.07.08 19:14

sehr schöner Artikel.<br /> 2 sehr eindeutige Beispiele gewählt, nicht solche, bei denen man bezweifeln könnte, dass sie überhaupt richtig gespielt wurden.<br /> <br /> Klar, es wird in den allerseltensten Fällen eine jeweils so eindeutige Situation geben, aber für Einsteiger ist es ja erst mal wichtig, dass sie das Prinzip verstehen.<br /> Und dadurch, dass die Hände eben so eindeutig sind, kann man auch verständlich die einzlnen Faktoren aufzählen, die nötig sind, um die richtige Entscheidung zu treffen.<br /> <br /> Very nice, großes Lob!

#5 fehl2k, 10.09.08 07:46

Finde vor allem die ausführlichen Erläuterungen zu den beiden Beispielen gut.

#6 ersgutertobeeey, 27.01.09 13:30

für mich als anfänger ist es wichtig das es verständlich rüber kommt. und das ist hier der fall. hab es auf anhieb verstanden. sehr gut!!!!!!!

#7 lcdaniel, 27.02.09 17:03

Ich verstehe nicht warum in der ersten Hand wir am Flop callen müssen. Wenn man nach odds und outs spielt, müssen die Pot Odds grösser sein als unsere Odds. <br /> Hier ist es aber nicht der Fall.<br /> Pot Odds= 1:9.8 <br /> Odds 1:10.8

#8 Huckebein, 28.02.09 09:47

@ 7: Der Grund sind die Implied Odds, die in der Situation angenommen werden. Wenn du hittest, rechnest du mit den "Einkünften" aus den späteren Streets und das rechtfertigt deinen Call, obwohl die reinen Pot Odds eigentlich gegen den Call am Flop sprechen.