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StrategieFixed Limit

Reverse Psychology

Einleitung

Diese Woche präsentiere ich euch erneut zwei Hände zum Thema reverse psychology. Das "was ist das?" habe ich ja bereits erklärt und deswegen werde ich mich heute direkt den Händen widmen. Ich werde heute auch nochmal differenziert auf die Veränderung der Ranges eingehen. Durch kleine Unterschiede in der Hand verändern sich die Ranges merklich.

 

Hand 1

5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is SB with A, J
4 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: (4.00 SB) K, Q, 6 (2 players)
Hero bets, BB calls.

Turn: (3.00 BB) 4 (2 players)
Hero checks, BB bets, Hero calls.

River: (5.00 BB) 4 (2 players)
Hero checks, BB bets.

Final Pot: 6.00 BB

Der Gegner ist ein thinking TAG und wir raisen AJo im SB vs BB. Wir werden gecalled und verfehlen das Board leider, haben jedoch einen Gutshot zur Nutstraight und relativ cleane Outs auf das Ass. Wir betten und werden vom Gegner gecalled. Seine Callingrange am Flop ist relativ groß. Er könnte floaten, was auf drawheavy Boards aber eher unwahrscheinlich ist, einen Flushdraw mit zwei Karten halten, eine 6, ein kleines Pocketpair, einen Straightdraw mit JT oder J9 oder einer der beiden Pairs wie K oder Q. Am Turn kommt eine Blank und wir checken dem Gegner zu. Der Pot ist zwar nicht so groß, aber aufgrund seiner großen Range, der Tatsache, dass unsere Outs oft noch gut sind, wir Showdown Value mit Ace High haben und die Hand dadurch so gelegentlich noch UI gewinnen, wenn der Gegner UI cb spielt, check/callen wir den Turn erstmal und schauen am River weiter.

Um am River eine Entscheidung treffen zu können, müssen wir uns am Turn natürlich erstmal überlegen, wie der Gegner unseren Check interpretiert und mit welchen Händen in seiner Range er überhaupt bettet. Wenn wir Villain wären, würden wir eigentlich fast die gesamte Range betten. JT J9, any clubdraw, kleine Pocketpairs etc. Der Check vom PFA ist nämlich selten ein check/raise, da das Board Draws beeinhaltet und man auf drawheavy Boards eigentlich fast immer seine Madehands bettet.

Villain wird also denken, dass wir entweder check/callen, aber in den meisten Fällen check/folden werden, da wir einfach sehr oft nichts getroffen haben durch unsere große Openraisingrange. Wir können also davon ausgehen, dass er seine gesamte Range betten wird. Nachdem wir check/call gespielt haben, wird uns ein thinking TAG fast immer auf Ace High, lowpair oder schlechter readen. Am River improven wir leider nicht und auf einen weiteren Check folgt eine Bet. Nachdem wir nun wissen, dass der Gegner uns auf A High oder ein weakes Pair gereadet hat, dessen Intention am River eigentlich immer ist, zu callen bei einer Blank, sollten wir davon ausgehen, dass der Gegner hier nur Hände bettet, die unsere Hände schlagen. Demnach müssten wir unsere Hand folden, aber wenn wir einen Schritt weiter denken, dann könnte sich ja auch der Gegner denken, dass wir genau diesen Gedanken über ihn gefasst haben und suggeriert uns nur er habe eine Hand, die unsere Range beat hat.

Gerade wenn wir historybedingt öfter gegen ihn gefoldet haben, sollten wir den River auf jeden Fall callen. Ohne History lohnt es sich auch zu callen: for Information. Die Information hilft uns nämlich nicht nur für diese Hand. Dadurch, dass es einen Showdown gegeben hat, hat sich eine History ja erst aufgebaut und aufgrund dessen können wir in zukünftigen Händen bessere Entscheidungen treffen.

 

Hand 1.2

5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is SB with A, J
4 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: (4.00 SB) Q, 7, 5 (2 players)
Hero bets, BB calls.

Turn: (3.00 BB) K (2 players)
Hero checks, BB bets, Hero calls.

River: (5.00 BB) 2 (2 players)
Hero checks, BB bets.

Final Pot: 6.00 BB

Diese Hand ist ähnlich der oberen aber hier gibt es einen ganz signifikanten Unterschied, aufgrunddessen sich die Range an Turn und River ganz anders verhält. In der obrigen Hand kommt am Turn eine Blank und hier kommt eine Scarecard. Wenn der Gegner thinking ist, dann wird er wissen, dass wir hier nie check/folden. Der Gegner wird wissen, dass wir nur UI check/fold spielen, wenn am Turn keine Scarecard kommt. Der Turn ist aber eine Scarecard und als default spielen wir mit Air eigentlich bet/fold auf diese Karte. Der Gegner wird in diesem Spot also viel seltener einen Draw betten als in der obrigen Hand. Nachdem er uns nach dem check/call wieder auf A High oder einem weaken Pair hat und am River eine Blank kommt, verschiebt sich seine Range viel mehr zu Gunsten der Hände, die uns schlagen. Ein Draw ist in dieser Hand viel unwahrscheinlicher als in der obrigen Hand. Hier sollten wir also auf jeden Fall einen Fold finden.

 

Hand 2

5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is SB with K, Q
4 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: (4.00 SB) K, Q, 7 (2 players)
Hero bets, BB calls.

Turn: (3.00 BB) 8 (2 players)
Hero bets, BB raises, Hero calls.

River: (7.00 BB) 6 (2 players)
Hero checks, BB bets.

Final Pot: 8.00 BB

Wir spielen wieder gegen einen thinking TAG. Wir treffen 2pair auf einem 3suited Board. Wir betten und Villain called. Am Turn wird das Board 4suited. Gegen einen LAG könnte man hier mit cc cc bluffs inducen, aber da ein thinking TAG schlecht ist um Bluffs zu inducen, ist eine Bet hier besser wegen Splitpotgefahr, schlechtes Bluffinduce + höhere cb Gefahr als gegen einen LAG. Wir betten also den Turn und werden geraised.

Wir können davon ausgehen, dass er entweder eine hohe Kreuzkarte hat oder auch Toppair, midpair oder lowpair ohne den Flush for free sd raised. Es besteht hier immerhin die Chance, dass wir eine bessere Hand folden und er dadurch am besten protecten kann, wenn er noch vorne liegt. Wir haben ja auch außerdem 2pair und haben Outs auf unser Full House und im Schnitt 1BB implied. Wir bekommen also 1:7. 1:7 reicht aus für a) unsere Outs + b) die Chance noch vorne zu liegen. Am River kommt nun eine Blank und der Gegner bettet erneut. Da er auch weiß, dass wir wissen, dass er gut for Free SD raisen kann, wird er uns oft auf ein schwaches Toppair oder besser setzen.

Er weiss also, dass in unserer Range auch Hände sind, die keinen Flush beeinhalten und demnach könnte er uns mit einer hopeless Hand (7 8 Q ohne Flush) suggerieren wollen, den Flush zu haben und erhofft sich, dass wir Toppair oder besser folden werden.

Eine passende Anmerkung von nrockets dazu:

[7:27:43 PM] nrockets : pot ist 8bb
[7:27:45 PM] nrockets : wenn er gut ist
[7:27:53 PM] nrockets : und denkt, dass wir gut sind
[7:28:23 PM] nrockets : und er denkt , dass wir denken, dass er ja reasonable ist und keine non-flush hand nochmal betten wird
[7:28:29 PM] nrockets : wird er sie nochmal
[7:28:31 PM] nrockets : betten
[7:28:35 PM] nrockets : und wir haben hier einen call
[7:28:50 PM] nrockets : abgesehen davon, dass er auch mit K8 oder so die sache for value spielen könnte...

Interessant ist in solchen Situationen immer der River, aber man kann ein paar grundsätzliche Aussagen festhalten, die man im Spiel immer im Hinterkopf haben sollte:

  • A) Auf welcher Ebene denkt der Gegner? Nur wenn ich das herausfinde, kann ich ihn maximal exploiten (gilt vorwiegend für Headsup).
  • Ba) Wenn ich keine konkrete Aussage über seine Riverrange treffen kann, mir also sicher sein kann, dass er fast immer eine Madehand hat, sollte ich in knappen / toughen Spots lieber callen, da die Line cc cf sehr exploitbar ist (siehe 1) und 1.1).
  • Bb) Welche Fragen muss ich mir stellen, damit ich Informationen über seine Bettingrange am River erhalte?
    • Schätzt der Gegner unsere Range soweit ein, dass er sich genügend FE gibt, dass ihm ein erneuter Bluff als +EV Play vorkommt?
    • Denkt der Gegner, dass uns die Riverkarte geholfen haben könnte? Wenn dies so ist und die Riverkarte Madehands + Draws completed, reduziert sich seine Bettingrange eher auf Madehands als auf Bluffs.
    • Hat der Gegner einen überdurchschnittlich hohen River AF? Normaler River AF liegt ca bei 2AF.
    • Schätzt der Gegner uns eventuell aufgrund eines ungenauen Reads am Tisch als weak/tighten TAG ein?

Diese Fragen sind teils schwer zu beantworten, aber sie dienen vielleicht doch manchmal als Anhaltspunkt, wenn man sich unsicher ist, was man machen soll.