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Deception (3) - Deception vs. Valueplay

» KOLUMNE

 

Deception vs. Valueplay

von MiiWiin

In den letzten beiden Ausgaben (Teil 1, Teil 2)haben wir uns mit dem Thema Deception beschäftigt. Letztes Mal ging es hauptsächlich um Standardanwendungen, die wir benutzen, um von unserer Hand so wenig wie möglich preiszugeben. Heute beschäftigen wir uns zum Abschluss dieser kleinen Reihe mit einem Sonderbeispiel sowie einer Analyse, in der wir Deceptionplay mit einem normalen Valueplay vergleichen.

DECEPTION ODER VALUEPLAY?

Die Grundlagen und Anwendungen haben wir verinnerlicht. Sicherlich ist es jedem klar, dass sich die Verschleierung der eigenen Handstärke positiv auf sein Spiel auswirkt. Doch was ist meistens der wichtigste Punkt bei der Frage nach Deception? Mitdenkende Gegner!

Natürlich gehen wir davon aus, dass sich unsere Gegner – zumindest teilweise – auch die Hände am Tisch anschauen, in die sie nicht direkt verwickelt sind. Auch ohne Hilfsprogramme oder aufmerksames Mitschreiben fällt einem schon auf, ob man jede Hand limpt, ob man jede Hand raist oder ob man grundsätzlich tight oder loose spielt.

Dieses erworbene Image wird dann bei den Villains teilweise zu der Entscheidungsfindung herangezogen. Raist man wenig und spielt wenige Hände, so erhält man etwas Credit auf seine Raises bzw. Continuation Bets am Flop. Spielt man dagegen aggressiv mit vielen Preflop-Raises, sinkt die Foldequity natürlich merklich.

Wie ist mein Image?

Wichtig dabei ist natürlich, dass man sich nicht darauf beschränkt, nur an sein „wirkliches“ Image zu denken. Viel wichtiger ist es, wie man an seinem aktuellen Tisch durch seine Aktionen auf den Gegner wirkt. Spielt man an einem Tisch gegen 5 unbekannte Spieler und raist ein paar Male in Folge seine starken Hände, so kann man durchaus als sehr looser Spieler bzw. Maniac rüberkommen, der man eigentlich gar nicht ist. Foldet man aber seine ersten 10 Hände, weil man nur Crap bekommen hat, so halten einen die Gegner für recht tight. Somit ist es schon wichtig, bei knappen Entscheidungen sein aktuelles Table-Image zu betrachten und wenn möglich, sich die eigenen Table-Stats einmal fix zu Gemüte zu führen.

Wer sitzt am Tisch?

Natürlich ist es Grundlage der Deception, sich Gegner zu suchen, die darauf womöglich achten. Deshalb sollte man zu Beginn immer schauen, ob sich „altbekannte“ Gegner an dem Tisch wiederfinden. Mit seinem Deception-Play erarbeitet man sich natürlich ein Image und die Frage ist, ob an dem Tisch Spieler sitzen, die einen von früheren Runden kennen oder nicht. Stuft man sie zudem noch als thinking Player ein, kann man davon ausgehen, dass Villain einen „kennt“. Man braucht sich sein Image nicht neu zu erarbeiten, sondern kann davon ausgehen, dass Villain sein Spiel dementsprechend ausrichten wird.

WARUM SIND DIESE FRAGEN SO ENTSCHEIDEND?

Ein Beispiel:

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats
MP ($25) (19/15/2.5/26/2823) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25) (47/3/3.9/19/35)
Hero ($25)

Preflop: Hero is Button with A , A
3 folds, Hero raises to $1.00, SB calls $1.00, 1 fold

Flop: ($2.25) A, 9, 2 (2 players)
SB bets $2.50, Hero...???

Wir sitzen am Tisch mit 4 Gegnern, die wir nicht kennen. Den Spieler in middle Position kennen wir jedoch. Wir wissen, dass er ein thinking Player ist, und haben mit ihm schon einige große Pötte ausgespielt.

Nach 35 Händen bekommen wir ein paar erste Stats, die zwar noch nicht viel aussagen, aber für den Moment ausreichen müssen. Der Small Blind ist ein Spieler, der preflop bislang jede zweite Hand mitgegangen ist, aber kaum selber erhöht hat. Postflop jedoch scheint er gerne aggressiv zu spielen und ist schon durch einen puren Bluff aufgefallen.

Nun haben wir am Flop eine sehr schöne Hand. Wir treffen unser Set und der Spieler donkt in uns hinein. Das Board bietet nur einen Flushdraw. Der ist selbstverständlich nicht ausgeschlossen bei Villain, ist aber mit Sicherheit nur ein kleiner Teil seiner Range. Zudem hielten wir im worst Case mit dem Pik-Ass einen Backdoordraw (sowie natürlich unsere Full-House-Outs).

Wir haben nun zwei Möglichkeiten: Callen und unser Set slowplayen oder standardmäßig raisen.

Vor- und Nachteile des Raises:

Ein Raise wäre hier aus Deception-Gründen der Standard. Wir würden wohl Kings, Queens oder auch schwächere Hände entweder raise/folden, raise/callen oder direkt mucken (was in diesem Fall das Beste wäre ist nicht das Thema). Ein Call bringt uns jedoch überhaupt nicht weiter. Ebenso würden wir wohl Ax protecten wollen. Auch hier würden wir wohl seltener callen, obwohl es gegen diesen Gegner schon eher möglich wäre. Aber mit welchen Händen callen wir sonst? Nur mit den momentanen Nuts?

Genau hier fängt das Problem an: Wenn wir mit starken Händen nur runtercallen, mit schwächeren Händen aber raisen, legen wir auf Dauer unsere Hand offen.

Wir gehen davon aus, dass der Small Blind ein so schlechter Spieler ist, dass ihn das nicht interessiert. Solche Spieler bluffen gerne am Turn noch einmal, also sollte man ihn lassen. Wir können in dieser Situation auf diesem Board wohl mehr Value erwarten, wenn wir den Flop nur callen. Doch wie wird das auf die Gegner wirken, wenn wir in den kommenden Händen aufeinandertreffen?

Für die anderen drei unbekannten Gegner wird es eine gute Information sein. Jedoch wissen wir nicht, ob und wann wir wieder einmal auf diese Spieler treffen. In erster Linie hätte es wohl nur Auswirkungen auf unser aktuelles Table-Image. Klar ist, dass wir das für das aktuelle weitere Geschehen im Hinterkopf behalten müssen. Wir gelten momentan als Slowplayer.

Schlecht ist das für uns aber auch nicht, da wir in diesem Fall von unserer Linie abgewichen sind. Wir haben zwar jetzt durchschauen lassen, dass wir mit starken Händen zum Slowplay neigen, jedoch ist dies eigentlich nicht der Fall. Somit wird unseren Raises in Zukunft etwas weniger Credit gegeben, was wir natürlich ausnutzen sollten. Auf Bluff-Raises gegen Donks im Sinne einer Continuation Bet sollte man nun häufiger verzichten.

Was jedoch den bekannten Spieler in middle Position angeht, so brauchen wir uns weniger Gedanken zu machen. Es gibt hier nämlich drei Punkte, wie sich unser altbekannter Freund mit dieser Situation auseinander gesetzt hat:

  • Er hat es gar nicht mitbekommen! Bzw. interessieren ihn Hände von uns nicht, da er uns bereits einschätzen kann und keine weiteren Informationen benötigt.
  • Er hat es mitbekommen, kann aber nicht nur uns einschätzen, sondern auch Villain. Er weiß, dass wir in dieser Situation absichtlich auf unsere Deception verzichtet haben.
  • Er interpretiert die Sache falsch. Er hat auf einmal den Eindruck, dass wir unsere Hände nun anders spielen. Er wundert sich zwar, dass wir nicht standardmäßig geraist haben, doch sollte er nun denken, wir seien zum Slowplayer mutiert, so ist dies eine weitergeführte Art der Deception. Wenn er somit unseren Raises etwas weniger Respekt zukommen lässt, werden wir mit unseren starken Händen gegen ihn wieder besser ausbezahlt.
EIN WEITERES BEISPIEL

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats
MP ($25) (40/3/0.8/32/50) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
CO ($25) (8/3/1.3/22/50)
BU ($25) (30/4/2.2/29/50)
BB ($25) (30/0/0.0/37/50)
SB ($25) (41/4/1.3/36/50)
Hero ($25)

Preflop: Hero is UTG with 9 , 9
Hero calls $0.25, MP calls $0.25, 1 fold, BU calls $0.25, SB calls $0.25, BB checks

Flop: ($1.25) 2, 4, 9 (2 players)
Hero bets $1.25, ...

Eine Hand, wie man sie wohl selten spielt. Natürlich raisen wir normalerweise 99 aus UTG. Diese Aktion ist Teil unserer Deception, da viele thinking Players bei limp/call eine kleines Pocket Pair vermuten.

Sollten wir auf so einen Flop treffen, ist Hero ein Spieler, der eigentlich immer check/raist (da sich Hero „normalerweise“ mit 99 in einem raised Pot befindet!). Er erhält wertvolle Bets und kann durch seinen Raise anständig protecten.

Doch hier ist alles anders. Wir haben einen Tisch erwischt, wo es massig Callingstations gibt, die sich bislang fast immer den Flop und Turn angeschaut haben und selbst mit marginalen Händen den Showdown erreichen wollten.

Nun limpen wir 99 nur aus UTG. Wie bereits angedeutet, gibt es für den standardmäßigen Raise 4 Gründe:

  • Wir können den Pot preflop gewinnen.
  • Wir können den Pot durch die Continuation Bet gewinnen.
  • Wir können unser Set hitten und voll ausbezahlt werden.
  • Der Raise gehört zu unserem „Gesamtkonzept“ der Deception. Wir bleiben unlesbar.

In diesem Fall erkennen wir aber, dass keiner der Punkte erfüllt ist. Dass wir hier unimproved gewinnen, ist bei diesen showdown-verrückten Villains fast unmöglich. Klar ist aber auch, wenn wir am Flop unser Set hitten, werden wir meistens auch in einem unraised Pot ausbezahlt.

Bleibt unser wichtiger Punkt der Deception. Wir kennen keinen der Villains von vergangenen Runden und gehen auch nicht davon aus, dass sich einer dieser Spieler für unsere Range interessiert. Dass wir in den folgenden Runden einen Nachteil dadurch haben werden, können wir wohl ausschließen.

Wir gehen also davon aus, dass wir einen höheren Erwartungswert haben, wenn wir unser Spiel umstellen, auf Deception verzichten und preflop häufiger limp/callen und auf einen guten Hit warten.

Am Flop nun umgekehrte Vorzeichen. Zu glauben, man würde mit einer Flopbet alle Gegner vertreiben, ist wie erwähnt nahezu ausgeschlossen. Möglich ist jedoch, dass keiner der passiven Spieler selber betten wird. Hier ist eine Bet, im Gegensatz zu unserem sonstigen Spiel, angebracht. Dementsprechend verzichten wir auch hier auf eine Verschleierung, wir können hier for Value betten und protecten damit natürlich gegen Draws.

Anmerkung: Zu beiden Händen sei gesagt, dass es eher um die Theorie der Deception geht und die Frage, ob und wann man auf sie verzichten kann. Ob aus anderen Gesichtspunkten das Standardspiel nicht doch besser wäre (Raise Flop bei Hand eins, Raise preflop bei Hand zwei), ist eine andere Frage.

SONDERBEISPIEL

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25) (24/21/3.1/24/2099) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)

Preflop: Hero is Button with A , A
3 folds, Hero raises to $1.00, SB raises to $3.25, 1 fold, Hero calls $3.25.

Flop: ($6.75) 2, 2, K (2 players)
SB bets $5.00, Hero calls $5.00

Turn: ($16.75) 5 (2 players)
SB bets $12.50, Hero raises All-in, SB calls All-in

Dieses Sonderbeispiel soll zeigen, wie man Deception anwenden kann, wenn man weiß, gegen wen man spielt. Villain ist wieder mal ein Altbekannter. Er weiß, dass wir vom Button recht loose stealen, zudem weiß er, dass auch wir wissen, dass er seinen Blind sehr loose defendet.

Auf eine 4-bet unsererseits käme wohl meistens ein Fold. Da wir uns in einer Art „Blind-Battle“ befinden, können wir hier slowplayen.

Villain wird uns hier nahezu nie auf AA setzen, da wir damit normalerweise preflop All-in gehen wollen. Da wir in Position sind, callen wir diesmal nur und callen ebenso den drawless Flop. Auch hier wollen wir nun nichts Schlechteres vertreiben. Mit seiner Turnbet committed sich Villain und muss unseren Turnpush callen.

Wir weichen hier also ab von unserem normalen Deceptionplay. Villain hat nun etwas Neues bei uns gesehen, nämlich dass wir auch Aces slowplayen können. Wenn wir das nächste mal wieder mit Aces pushen, erhoffen wir uns etwas weniger Credit bei Villain und einen eventuellen Call.

Da wir mit Villain häufig gespielt haben und davon ausgehen, auch in Zukunft noch häufiger auf ihn zu treffen, betreiben wir mit unserer Abweichung eine weitere Deception. Wir geben unserem Gegner etwas zu Grübeln, denn was er in Zukunft von unseren Preflop-Pushes halten soll sowie einem Call im Blind-Battle, kann Villain nicht herausfinden. Wir wissen es ja selber nicht.

» ZUSAMMENFASSUNG

Wir erwähnt, ging es nicht explizit um die Beispiele, sondern um die Theorie, warum wir überhaupt Deception anwenden und wann man auf sie verzichten kann. Man sollte sich immer die Frage stellen, ob es überhaupt Sinn macht, auf Deception zu achten. Kenne ich die Gegner? Interessiert die Gegner welche Hände ich wie spiele? Kann ich vielleicht einen thinking Player durch einen weiteren Move noch einmal durcheinanderbringen?

Unlesbar zu bleiben, dass ist einer der wichtigsten Punkte beim Pokern. Standardmäßig sollten wir es beherrschen, wenn wir nun noch die richtigen Spots für Ausnahmen finden können und ab und an einmal komplett anders spielen, werden wir ein Buch mit sieben Siegeln bleiben. Wenn wir das erreichen, steht dem weiteren Erfolg nichts mehr im Weg!

 

Kommentare (4)

#1 Kavalor, 26.03.08 08:35

ist ein ganz schwieriges kapitel und ich liege mit oft vollkommen daneben Deception. Erst gestern von meiner standartline abgewichen und deshalb Set over Set nicht all in gebracht, weil ich slowplayen musste. Werde mir das ganze nochmal durchlesen und versuchen zu verinnerlichen

#2 tuzz, 27.03.08 11:29

Ich glaube, es wurde am Anfang geschrieben: Auf den niedrigen Limits bringt es eigentlich kaum etwas darauf zu achten - aber gerade für Spiele im Bekanntenkreis eine gute Sache. Toller Artikel.

#3 Kasperkopf, 30.03.08 18:37

...weil ich slowplayen mußte? Hä???

#4 jahjah87, 04.01.09 15:20

schön aber für nl5 wohl eher untauglich^^